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Das Coronavirus ist noch da – doch die Konjunkturdynamik ist intakt. Für das abgelaufene Jahr erwartet die Deutsche Bank ein reales Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Höhe von 5,6 Prozent, und auch 2022 könnte die Weltwirtschaft mit 4,5 Prozent weiter robust wachsen. Die Entwicklung wird maßgeblich von Nachholeffekten auf der Nachfrageseite sowie massiven geldpolitischen und fiskalischen Hilfen geprägt. Die „Rückkehr zur Normalität“ verläuft allerdings keineswegs linear und regional zum Teil sehr unterschiedlich.

Robustes Wachstum 2022 - Asien weiter mit Vorteilen

Quelle: Deutsche Bank AG, Stand 07.01.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Steigende Preise

Die vielleicht größte Auffälligkeit im Erholungsprozess sind die hohen Inflationsraten. Der Preisanstieg spiegelt die Ungleichgewichte zwischen Nachfrage- und Angebotsseite wider, die zum Teil aus Störungen der globalen Produktions- und Lieferketten resultieren. Außerdem wachsen viele Volkswirtschaften angetrieben von Fiskalprogrammen über ihrem Potenzial und drohen zu überhitzen. Neben der Pandemie mit all ihren Risiken für die Konjunkturentwicklung dürfte deshalb die Inflation 2022 ein bestimmendes Thema bleiben.

In den USA setzte im Dezember 2021 die Preissteigerungsrate ihren Anstieg ungebremst fort und kletterte auf 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das ist der höchste Stand seit 1982. Der Preisdruck sollte sich zwar in den kommenden Monaten abschwächen. Die Teuerung dürfte aber oberhalb der langfristigen Zielmarke der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) von durchschnittlich 2 Prozent verharren. Die Deutsche Bank rechnet für 2021 mit einem Anstieg der US-Verbraucherpreise um 3,7 Prozent und für 2022 um 2,8 Prozent.

In der Eurozone dürfte die Teuerung 2022 bei 2,6 Prozent liegen und damit nahe dem erwarteten Niveau des Vorjahres. Die Zeit anhaltend niedriger Verbraucherpreise scheint erst einmal vorbei. Coronabedingte Marktungleichgewichte mögen zwar ein temporäres Phänomen darstellen. Strukturelle Preistreiber wie die Stärkung der Wertschöpfungsketten (z.B. die Ausweitung der Lagerhaltung), die Demografie (Fachkräftemangel) oder notwendige Investitionen in die grüne Transformation der Wirtschaft dürften aber langfristig wirken.

Große Aufgaben

Ungeachtet dessen haben ein wirtschaftsfreundlicheres Umfeld in den Sommermonaten sowie fiskalische Unterstützungsmaßnahmen das Wachstum in der Eurozone angefacht: Staatliche Investitionen in den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft auf Grundlage des europäischen Aufbauplans NextGenerationEU könnten zusätzliche private Investitionen befeuern. Strukturelle Schwächen wie eine hohe Verschuldung und geringe Produktivität dürften zwar weiter das Wirtschaftswachstum belasten. Insgesamt rechnet die Deutsche Bank für 2022 aber mit einem BIP-Plus in der Eurozone von 4,6 Prozent.

Wie diesseits des Atlantiks könnte auch in den USA die zuletzt sehr dynamische Konjunktur im Jahresverlauf abkühlen. Die US-Wirtschaft sollte aber mit rund 4 Prozent weiter robust wachsen. Wichtigster Treiber ist traditionell der private Konsum. Auch hier könnten kurzfristig Risiken von weiter steigenden Energiepreisen und Lieferengpässen ausgehen. Letztere sollten aber im Frühjahr nachlassen.

Zu den größten Herausforderungen gehören zweifellos der Klimaschutz und die damit verbundene grüne Transformation der Wirtschaft. Auch die Digitalisierung steht weit oben auf der Agenda vieler Staaten und hat zuletzt an Dynamik gewonnen. Gerade in der Pandemie wurde vielen Regierungen die Bedeutung des Themas schonungslos vor Augen geführt. Die Anforderungen an Ausbau und Regulatorik der digitalen Infrastruktur sind gewaltig.

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Redaktionsschluss: 13.01.2022, 18 Uhr