Asiens Schwellenländer bereiten sich auf die Aufholjagd vor

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Aktien, Volkswirtschaft /Geldpolitik – 15.11.2021

Asiens Schwellenländer bereiten sich auf die Aufholjagd vor

Die wichtigsten Fakten:

  • Wirtschaft in Taiwan und Südkorea auf dem Weg der Normalisierung
  • Andere asiatische Schwellenländer mit größerem Aufholpotenzial
  • Bestehende Risiken in der Region könnten 2022 abnehmen

Asien ist der Kontinent der Superlative: Er stellt fast ein Drittel der bewohnbaren Erdoberfläche, beherbergt rund 60 Prozent der Weltbevölkerung und trägt zu etwa 40 Prozent zur globalen Wirtschaftsleistung bei. Für entsprechend risikobereite Anleger machen diese Aspekte Asien zu einem besonders interessanten Investmentziel. Gleichzeitig finden sich hier besonders viele Volkswirtschaften, die der Gruppe der Schwellenländer zugeordnet werden. Neben dem globalen und regionalen Schwergewicht China stehen für Anleger vor allem Schwellenländer wie Taiwan, Südkorea und Indien im Fokus. Unternehmen aus diesen drei Ländern machen mehr oder weniger gleichrangig insgesamt rund 45 Prozent der Marktkapitalisierung im MSCI AC Asia ex Japan aus.

Kommt bald der Ausbruch nach oben?

Die Pandemie-Bekämpfung bleibt entscheidend

Wie aber ist die aktuelle wirtschaftliche Stimmung in der Region und worauf sollten Anleger bei einem möglichen Investment achten? Zur Beantwortung dieser Fragen lohnt zunächst ein Blick auf die Corona-Lage. Bislang scheint die gesamte asiatisch-pazifische Region im Hinblick auf die Infektionszahlen vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie gekommen zu sein. Allerdings wurden dafür besonders strenge Eindämmungsmaßnahmen ergriffen, die unter anderem zulasten einer dynamischeren wirtschaftlichen Erholung gingen. Im Zuge steigender Impfquoten und einer anhaltenden Öffnung der Wirtschaft könnte für das kommende Jahr in Sachen Wachstum daher einiges an Aufholpotenzial bestehen – vorausgesetzt dass eine massenhafte Verbreitung der Omikron-Variante verhindert werden kann. Anderenfalls dürften vor allem Länder mit geringeren Impfquoten wie Thailand, Indonesien oder Indien unter neuen Lockdowns zu leiden haben, während Südkorea und Malaysia mit Impfquoten von bereits um die 80 Prozent besser gegen das Coronavirus gerüstet sind.

Vieles hängt von China ab

China allein macht fast 40 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des MSCI AC Asia ex Japan aus und ist ein wichtiger Anker für den Wirtschaftsraum Asien, insbesondere für die umliegenden Schwellenländer. Dementsprechend wird deren wirtschaftliche Erholung maßgeblich durch das Geschehen in China bestimmt und bis dato ging 2021 mit vielen Herausforderungen für die chinesische Wirtschaft einher. Die stärkere Regulierung vor allem des bedeutenden heimischen Techsektors sowie die Null-Covid-Strategie, die Stromknappheit und die Turbulenzen am Immobilienmarkt belasteten die konjunkturelle Entwicklung im Reich der Mitte deutlich. Insbesondere die Lage im Immobiliensektor ist nach wie vor angespannt. Die Entschuldung des Sektors wird einige Zeit benötigen – zumal politische Spannungen im Verhältnis zu den USA und Taiwan, ein stärkerer US-Dollar sowie erhöhte Inflationsraten und Anleiherenditen zusätzlich Druck auf die Region ausüben könnten.

Positive Signale für die chinesische Wirtschaft kommen unter anderem aus der Politik. Staatschef Xi Jinping hat angekündigt, im Oktober 2022 für eine erneute Amtszeit an der Spitze der Kommunistischen Partei zu kandidieren. Pekings Interesse an einer konjunkturellen Erholung im Laufe des im Februar beginnenden Jahrs des Tigers könnte dadurch weiter zunehmen, wovon auch die asiatischen Schwellenländer als Handelspartner der Volksrepublik profitieren dürften.

Export als Erfolgsfaktor, Tourismus bleibt volatil

Einen besonders negativen Effekt könnten eine verstärkte Virusausbreitung und daraus folgende Reisebeschränkungen auf klassische Touristendestinationen haben. Insbesondere China könnte im Hinblick auf die Austragung der olympischen Winterspiele noch stringenter in seiner Null-Covid-Strategie vorgehen. In Thailand beispielsweise trägt der Tourismussektor rund 22 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Im Fall der Philippinen sind es immerhin noch 13 Prozent. Deutlich besser dürften auch in Zukunft exportorientierte Volkswirtschaften durch die Krise kommen. Taiwan mit einem Exportanteil am BIP von knapp 70 Prozent sowie Malaysia und Südkorea mit je ca. 60 Prozent könnten dabei stark vom anziehenden Welthandel profitieren, der laut Welthandelsorganisation (WTO) im kommenden Jahr um 4,7 Prozent zulegen könnte – wobei der asiatische Wachstumsbeitrag weiter steigen dürfte.

Aus Sicht der Deutschen Bank könnten gerade die Länder, die zum Teil bis weit ins dritte Quartal 2021 mit massiven coronabedingten Einschränkungen zu kämpfen hatten, im Laufe des kommenden Jahres überproportional stark zulegen. Dazu gehört allen voran Indien mit einem prognostizierten Konjunkturplus von 7,5 Prozent im Jahr 2022. Haupttreiber dürfte dort neben Unternehmensinvestitionen und dem Wohnungsbau der private Konsum sein. Denn durch die weiter voranschreitende Impfung der Bevölkerung und der damit einhergehenden Wiederaufnahme wirtschaftlicher Aktivitäten sollten die Konsumausgaben wieder zunehmen. Insbesondere die Ausgaben für private größere Investitionen könnten durch moderate Leitzinsen von aktuell 4 Prozent unterstützt werden und das Kreditwachstum in Indien fördern. Weitere potenzielle BIP-Wachstumsgewinner 2022 könnten laut Prognosen des Internationalen Währungsfonds die Philippinen (Prognose: 6,3 Prozent), Malaysia (6,0 Prozent) und Indonesien (5,9 Prozent) sein.

"Investments in Schwellenländer: Warum Asienanleger jetzt etwas Geduld haben sollten."

Geduld könnte sich für Anleger auszahlen

Die wirtschaftliche Stimmungslage in den einzelnen asiatischen Schwellenländern ist aktuell also durchaus gemischt. Neben coronabedingten Risiken und einer möglichen Wachstumsschwäche Chinas könnten sich zum Beispiel auch ein stärkerer US-Dollar sowie steigende Realzinsen, die den meist auf US-Dollar lautenden Schuldendienst vieler Schwellenländer verteuern würden, kurzfristig belastend auf die Region auswirken.

Aufstrebendes Asien

Auf mittlere und längere Sicht schätzt die Deutsche Bank die Aussichten für Asien aber positiv ein. Insbesondere ab dem zweiten Halbjahr 2022 könnte eine stärkere globale Wirtschaftserholung zunehmend an Einfluss gewinnen. Hinzu kommen mögliche konjunkturelle Stimulusmaßnahmen seitens der chinesischen Regierung und eine stärkere Resilienz gegenüber den Auswirkungen der Corona-Pandemie durch steigende Impfquoten. Zudem geht die Deutsche Bank mit Blick auf die Wachstumsaussichten mittelfristig von einem schwächeren US-Dollar aus. Im Hinblick auf die derzeit noch bestehenden Risiken könnte dies für Anleger bedeuten, sich aktuell noch etwas in Geduld zu üben und auf interessantere Kaufgelegenheiten an den Aktienmärkten der asiatischen Schwellenländer zu warten.

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Redaktionsschluss: 14.12.2021, 10:00 Uhr