DAX Matrixkuben

Quelle: Tim / Adobe Stock

Aktien – 16.09.21

DAX 40: Das ist der neue deutsche Aktienindex

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Aufstockung von 30 auf 40 Unternehmen schafft internationale Aufmerksamkeit
  • Marktkapitalisierung, Diversifikation und Wachstumspotenzial nehmen zu
  • Aussichten für deutschen Aktienmarkt auf absehbare Zeit unverändert gut

Mit der Aufnahme von zehn neuen Werten findet die wohl tiefgreifendste Reform des deutschen Aktienleitindex DAX am 20. September 2021 ihren Abschluss. Der Index soll durch die Erweiterung die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland noch umfassender abbilden. Zudem wurden bereits zuvor Änderungen im Indexregelwerk beschlossen, um die Qualität der DAX-Indizes zu erhöhen und diese an internationale Standards anzugleichen.

Die wichtigsten Änderungen der DAX-Reform im Überblick

  • Bereits seit Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor der Aufnahme in den Index ein positives EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) in den zwei zuletzt vorgelegten Finanzberichten aufweisen.
  • Seit März 2021 müssen alle Unternehmen testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen.
  • Statt wie bislang nur im September gibt es bei den DAX-Indizes zukünftig zweimal im Jahr eine planmäßige Hauptüberprüfung (März und September).
  • Die Indexmitglieder werden nur noch nach Marktkapitalisierung bestimmt. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt – stattdessen müssen Indexmitglieder ein Mindesthandelsvolumen aufweisen.
  • Der DAX wird um zehn Werte auf insgesamt 40 Werte erweitert. Im Gegenzug verkleinert sich der Mittelwertindex MDAX auf 50 statt bisher 60 Werte.

Neue Werte – neue Struktur

Durch die Bekanntgabe der zehn neuen Unternehmen ist mittlerweile auch klar, wie sich der Charakter und die Struktur des DAX konkret verändern. Zum einen wird die kumulierte Marktkapitalisierung der im DAX enthaltenen Unternehmen deutlich steigen: von insgesamt rund 1,56 Billionen Euro auf etwa 1,89 Billionen Euro. Der DAX 40 entspräche damit rund 80 Prozent der Marktkapitalisierung des gesamten deutschen Aktienmarkts, aktuell sind es lediglich knapp 65 Prozent. Zum anderen ändert sich die Sektorstruktur des Index – wenn auch nicht grundlegend.

Die wesentlichen Neuerungen im DAX 40 sind folgende:

Von den zehn neuen DAX-Werten kommen drei aus dem Bereich Gesundheitswesen (Siemens Healthineers, Sartorius, Qiagen), zwei aus dem Bereich Industriegüter (Airbus, Brenntag), vier aus dem Bereich Nicht-Basiskonsum bzw. zyklischer Konsum (HelloFresh, Puma, Zalando, Porsche) und mit Symrise einer aus der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe-Branche. Da die neuen Unternehmen nur rund 17 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des DAX 40 ausmachen, ändert sich an der Struktur des Index jedoch wenig: Zyklischer Konsum bleibt der bestimmende Sektor vor Industriegüter. Den größten Sprung nach oben macht die Gesundheitsbranche, die sich knapp hinter dem Verarbeitenden Gewerbe einreiht und den Sektor Materialien überflügelt.

DAX 40 vs. DAX 30

Vorteile der DAX-Reform für Anleger

Obwohl sich an der grundsätzlichen Zusammensetzung des DAX wenig ändert, hat die Reform für Anleger doch ihr Gutes. Denn allein die Erweiterung auf 40 Titel dürfte den deutschen Leitindex für internationale Investoren attraktiver machen. Zum einen ist ein DAX-Investment dadurch breiter diversifiziert. Zum anderen gewinnt der DAX durch die Aufnahme jüngerer, wachstumsstärkerer Unternehmen an struktureller Wachstumsstärke dazu.

„Der Deutsche Aktienindex bekommt Zuwachs: Warum die
DAX-Reform für ein Deutschland-Investment nicht von Nachteil ist.“

Gründe für Deutschland-Investment bleiben unverändert

Die aktuelle Motivation für ein Investment in den deutschen Aktienmarkt im Rahmen eines breit gestreuten Wertpapierdepots dürfte sich für entsprechend risikobereite Anleger mit der Reform des Leitindex allerdings kaum verändern: Durch ihre oftmals zyklische Ausrichtung und ihren hohen Anteil an im Ausland erwirtschafteten Gewinnen könnten deutsche Unternehmen von der bereits begonnenen konjunkturellen Erholung in vielen Ländern weltweit auf absehbare Zeit profitieren – das galt für den DAX 30 und gilt gleichermaßen für den DAX 40.

Die Aufträge aus der Nicht-Eurozone beispielsweise entwickelten sich zuletzt sehr gut und stiegen im Juli 2021 gegenüber dem Vormonat um fast 15,7 Prozent und im Jahresvergleich um rund 30 Prozent. Die deutsche Industrieproduktion entsprach in etwa den Erwartungen mit einem soliden Wachstum von 1 Prozent im Vergleich zum Juni und einem Plus von fast 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Aufschwung betraf dabei alle Bereiche mit Ausnahme des Fahrzeugbaus. Nach Daten des Verbands der Automobilindustrie lag der Hauptgrund für die enttäuschende Entwicklung im Mangel an Halbleitern begründet, der die Produktion bremste, während die globale Nachfrage nach wie vor intakt zu sein schien.

Neben der Angebotsproblematik, mit der auch Unternehmen aus anderen Sektoren derzeit weltweit zu kämpfen haben, sollten Anleger weiterhin die Risiken durch eine Ausbreitung neuer, hochansteckender Coronavirus-Varianten und möglicherweise wieder ansteigende Infektionszahlen im Blick behalten. Dann kann der DAX 40 ein mindestens ebenso interessantes Investmentziel werden wie sein Vorgänger.

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Redaktionsschluss: 15.09.2021, 11:00 Uhr