howtogoto / Adobe Stock

Aktien – 10.06.22

Energie und Gesundheit: Stabilität fürs Portfolio?

Die wichtigsten Fakten:

  • Energiesektor als möglicher Inflationsschutz im Fokus
  • Längerfristig Gegenwind durch ESG-Trend erwartet
  • Gesundheitsunternehmen könnten weiterhin solide Erträge bieten

An den Aktienmärkten bleibt die Volatilität weltweit hoch: Anhaltend hohe Inflationsraten und zunehmende Konjunktursorgen belasten die Kurse. In diesem Umfeld könnte sich für Anleger ein Blick auf einzelne Sektoren und ihre speziellen Charakteristika lohnen. Aktien aus den Sektoren Energie und Gesundheit (Healthcare) beispielsweise haben sich zuletzt besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Während Titel aus den Bereichen Öl und Gas einen gewissen Schutz gegen die vor allem energiepreisgetriebene Inflation bieten könnten, sollten Healthcare-Unternehmen aufgrund ihrer relativ konjunkturunabhängigen Geschäftsmodelle auch in schwierigen Marktphasen solide Erträge erzielen können.

Hohe (Öl-)Preise begünstigen Energiesektor

Die in den vergangenen Monaten stark gestiegenen Preise für Erdöl und Erdgas haben die Notierungen vieler großer Energiekonzerne zuletzt tendenziell deutlich steigen lassen. Der Weltleitindex des Energiesektors, der MSCI World Energy, legte seit Jahresbeginn 2022 um rund 60 Prozent zu. Dennoch bleibt die Analystengemeinde mit Blick auf den Sektor zurückhaltend: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis im Index auf Basis der Gewinne der kommenden zwölf Monate lag mit 8 nach wie vor deutlich unter dem langjährigen Mittel von 16 – was die Skepsis vieler Marktteilnehmer hinsichtlich der „Nachhaltigkeit“ der hohen Energiepreise ausdrückt.

Langfristiges Energiedefizit erwartet

Dabei sprechen wichtige Aspekte durchaus für anhaltend hohe Öl- und Gaspreise. Kurzfristig dürfte sich auf der Nachfrageseite eine Lockerung der coronabedingten Lockdowns in China nachfrage- und damit preistreibend auswirken. Auf der Angebotsseite sollten bereits beschlossene beziehungsweise geplante Ölembargos gegen Russland das Rohölangebot hingegen weiter verknappen.

Langfristig könnten die in den vergangenen Jahren zurückgefahrenen Investitionen im Öl- und Gassektor dazu führen, dass das Angebot zukünftig nicht mehr mit der Nachfrage wird mithalten können. Nach Schätzungen von manchen Experten könnte im Zuge einer weiter wachsenden Weltbevölkerung und eines steigenden Wohlstandsniveaus in den Schwellenländern die Energienachfrage das Angebotswachstum übertreffen – trotz des massiven Ausbaus von erneuerbaren Energien. Das dürfte die Ölpreise auch in Zukunft auf einem vergleichsweise hohen Niveau halten: Während Aktienmarktanalysten langfristig mit einem Ölpreis (Sorte Brent) von 65 bis 70 US-Dollar je Barrel rechnen, liegen die entsprechenden Futurepreise für die kommenden drei bis fünf Jahre, die sich an den Einschätzungen der Ölmarktanalysten orientieren, aktuell mit 79 US-Dollar beziehungsweise 73 US-Dollar sogar noch höher.

Grüne Transformation im Fokus behalten

Außer Acht lassen sollten Anleger den Bereich Nachhaltigkeit gerade bei einem potenziellen Investment in klassische Öl- und Gasaktien jedoch nicht. Denn die wachsende Bedeutung der grünen Transformation der Wirtschaft dürfte zukünftig jene Unternehmen besonders stark unter Druck setzen, die die bereits laufenden politischen sowie wirtschaftlichen Wandlungsprozesse nicht ausreichend begleiten – sowohl solche aus dem Energiesektor als auch darüber hinaus. Das betrifft beispielsweise die Reduktion beziehungsweise Bepreisung von Treibhausgasemissionen, die Speicherung von Kohlendioxid oder verstärkte Investitionen in erneuerbare Energien.

Gesundheit hat immer Konjunktur

Hinsichtlich der zunehmenden Sorgen vor einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage gerieten weltweit zuletzt vor allem solche Unternehmen in den Anlegerfokus, deren Geschäfte sich weitestgehend unabhängig von der Konjunktur entwickeln. Von dieser Hinwendung zu defensiven Sektoren profitierten unter anderem Titel aus dem Bereich Healthcare, die sich seit Jahresanfang deutlich besser entwickeln konnten als der Gesamtmarkt: Der MSCI World Health Care „outperformte“ den MSCI World um 8 Prozentpunkte und liegt mit einem 12-Monats-KGV von 17 noch immer leicht unter dem langjährigen Durchschnitt von 18. Die jüngsten Kursentwicklungen stehen im Einklang mit der Beobachtung, dass sich der Sektor auch in früheren Phasen hoher Inflation und nachlassender Konjunkturdynamik aufgrund seines robusten Ertragspotenzials relativ gut entwickeln konnte.

Längerfristigen Rückenwind erhalten Healthcare-Unternehmen durch die fortschreitende Alterung vieler Industriegesellschaften sowie einer steigenden Lebenserwartung in den Schwellenländern – jeweils verbunden mit einer anziehenden Nachfrage nach Gesundheitsprodukten. Risiken dagegen drohen vonseiten einer möglichen Regulierung beziehungsweise Reformen in den meist mit öffentlichen Mitteln finanzierten Gesundheitssystemen sowie der traditionell hohen Forschungs- und Entwicklungskosten in dem Sektor, die ein gewisses Fehlschlagrisiko in sich bergen.

„Energie- und Gesundheitsaktien: mehr Stabilität fürs Depot?“

Energie und Gesundheit im Anlegerfokus

In Zeiten, in denen der Gesamtmarkt lediglich ein überschaubares Kurspotenzial zu bieten scheint, könnte es sich für Anleger anbieten, im Rahmen eines breit diversifizierten Portfolios ihren Blick verstärkt auf defensive und von der Inflationsentwicklung eher unabhängige Aktienmarktsektoren zu richten. Im aktuellen Inflations- und Konjunkturumfeld könnte dabei sowohl der Energie- als auch der Healthcare-Sektor interessante Möglichkeiten bieten, das Portfolio auf stabile Füße zu stellen.

Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Redaktionsschluss: 09.06.2022, 12:00 Uhr