Quelle: Thomas Hansen / Adobe Stock

Rohstoffe – 25.02.22

Gold – Absicherung im Depot in volatilen Zeiten

Die wichtigsten Fakten:

  • Zuletzt dynamischer Preisanstieg bei Gold wegen Ukrainekrise
  • Kurzfristig deutliche Preisschwankungen möglich
  • Als Depotabsicherung gegen hohe Marktschwankungen könnte Gold interessant bleiben

Nach dem militärischen Angriff Russlands auf die Ukraine ist der Goldpreis in die Nähe von 2.000 US-Dollar je Feinunze geklettert. Grund für den Preisanstieg war die gestiegene Nachfrage nach Gold in seiner Funktion als „sicherer Hafen“. Abseits dieser Entwicklungen hatte sich am Goldmarkt in den Monaten zuvor trotz der angekündigten Leitzinsanhebungen in den USA vergleichsweise wenig getan: Während etwa an den Anleihe- oder Aktienmärkten deutliche Reaktionen auf die Ankündigungen der US-Notenbank zu beobachten waren, entwickelte sich der Goldpreis von Sommer 2021 bis Mitte Februar in einem engen Korridor zwischen 1.750 US-Dollar und 1.850 US-Dollar je Feinunze. Auf 12-Monats-Sicht rechnet die Deutsche Bank mit einem Rückfall der Goldnotierungen in diesen Bereich.

Geopolitik und Zinswende prägen Goldpreis

Hauptsächlich beeinflussen dürfte den Goldpreis auf absehbare Zeit das Maß an Verunsicherung hinsichtlich der geopolitischen Spannungen in Osteuropa. Derzeit ist nicht vorhersehbar, wie sich die Lage weiter entwickeln wird. Solange keine Lösung in Sicht ist, könnte der Goldpreis unterstützt bleiben. Daneben sollten vor allem die gestiegenen Inflationsraten – unter anderem als Folge stark erhöhter Energiepreise – und die damit einhergehenden steigenden Zinserwartungen, allen voran in den USA, den Goldpreis längerfristig bestimmen. Da das Edelmetall selbst keine Zinsen abwirft, sorgen anziehende Zinserwartungen klassischerweise für Gegenwind bei den Notierungen. Denn dadurch können sich die sogenannten Opportunitätskosten von Gold erhöhen, also die Zinsverluste, die Anleger durch ein Investment in Gold statt am Zinsmarkt erleiden. Dass sich der Goldpreis dieses Mal im Umfeld steigender Zinserwartungen relativ lange stabil halten konnte, liegt auch an den sehr hohen Inflationsraten. Denn diese halten den Realzins – trotz steigender Nominalzinsen – weiter im negativen Bereich.

Mittelfristig Gegenwind möglich

Sobald sich eine Lösung des russisch-ukrainischen Konflikts abzeichnet, rechnet die Deutsche Bank damit, dass sich die preisdämpfenden Faktoren am Goldmarkt durchsetzen werden. Zwar könnten anhaltend hohe Aktienmarktschwankungen den Goldnotierungen weiterhin zugutekommen. Ebenso dürfte die Nachfrage von Schmuckkäufern aufgrund der erwarteten Konjunkturerholung sowie vonseiten der Notenbanken durch weitere Zukäufe von Goldreserven hoch bleiben. Trotzdem könnte die Gesamtnachfrage nach dem Edelmetall in den kommenden Monaten etwas abnehmen. Denn wenn die Inflationsraten wie erwartet allmählich sinken und die Nominalzinsen weiter steigen, werden auch die Realzinsen nach oben klettern – und die Opportunitätskosten von Gold erhöhen.

„Comeback der Krisenwährung? Was Gold für Anleger jetzt interessant machen könnte.“

Als Absicherung bleibt Gold interessant

Im Jahr 2022 dürfte der Goldpreis also neben den geopolitischen Entwicklungen auch von den geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank geprägt werden. Ein schnellerer Anstieg der Leitzinsen als erwartet würde den Goldpreis unter Druck setzen – entsprechend könnte ein langsamerer Anstieg die Notierung beflügeln. Bis zum Jahresende sieht die Deutsche Bank aktuell jedoch kaum Preispotenzial für das Edelmetall, hält eine gewisse Beimischung von Gold im Portfolio dennoch für überlegenswert – vor allem als Absicherung gegen mögliche weitere Kursschwankungen, etwa an den Aktienmärkten.

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Redaktionsschluss: 24.02.2022, 12:00 Uhr