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Aktien – 21.06.21

Indizes: Wegweiser im Aktienuniversum

Die wichtigsten Fakten:

  • Indizes gibt es für fast alle Aktienmärkte und -themen weltweit
    • Methodiken einzelner Indizes zum Teil sehr unterschiedlich
      • Vergleich verschiedener Indizes daher nicht immer sinnvoll

      Der DAX ist ohne Zweifel der bedeutendste Index für den deutschen Aktienmarkt. Ein Abbild aller hierzulande existierenden Unternehmen ist er jedoch nicht. Denn er besteht aktuell nur aus den 30 größten und liquidesten deutschen Unternehmen, die an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Im September 2021 wird sich dieser sehr exklusive Klub zumindest ein wenig erweitern und dann insgesamt 40 Mitglieder umfassen. Dadurch werden sich auch die Gewichte innerhalb des Index etwas verschieben.

      Wenig ändern wird sich aber am zyklischen, also konjunktursensitiven Charakter des Index sowie an der Dominanz von Großkonzernen, den sogenannten Large Caps. Auch wird der DAX ein streubesitzadjustierter, marktkapitalisierungsgewichteter Performanceindex bleiben. Dazu später mehr. Doch was bedeutet das alles für Anleger? Und wie unterscheidet sich der Deutsche Aktienindex von anderen bedeutenden Aktienindizes weltweit?

      „Die vielfältige Welt der Aktienindizes: Worauf
      Anleger bei einem Investment in DAX & Co achten sollten."

      Index ist nicht gleich Index

      Aktienindizes dienen sowohl zur Visualisierung der Entwicklung einzelner Märkte als auch zur Verfolgung von Anlagestrategien und Themen. Sie sind wichtige Benchmarks (Vergleichsmaßstäbe) für Investmentfonds und über ETFs oder Zertifikate investierbar. Eine zielführende Nutzung von Aktienindizes setzt allerdings voraus, dass man sich ihrer jeweiligen Besonderheiten bewusst ist – denn Index ist nicht gleich Index.

      Will man Aktienindizes miteinander vergleichen, ist es daher zwingend notwendig, sich über die grundsätzlichen Rahmendaten der verschiedenen Aktienmarktkennzahlen im Klaren zu sein. Sprich, man sollte wissen, was genau dargestellt wird und wie dies geschieht. Denn tatsächlich gibt es auch unter den bekannteren Indizes die unterschiedlichsten Ausgestaltungen. Maßgeblich für den Aufbau eines Index sind beispielsweise die Anzahl der in ihm vereinten Unternehmen, seine Gewichtung und der Umgang mit Dividenden.

      Anzahl der Indexmitglieder

      Eines der offensichtlichsten Charakteristika eines Aktienindex ist die Anzahl seiner Mitglieder. Diese kann wie beim S&P 500 (USA) oder dem Nikkei 225 (Japan) oft schon aus dem Namen abgeleitet werden. Aber auch der DAX oder der Dow Jones Industrial Average (DJIA, USA) haben eine feste Anzahl von Unternehmen – aktuell jeweils 30.

      Allerdings gibt es auch Indizes, die keine feste Mitgliederzahl haben. Der Topix etwa bildet die Kurse japanischer Aktien ab, die an der Tokioter Börse gelistet sind und bestimmte Kriterien etwa in Bezug auf Liquiditätsvorgaben erfüllen – und deren Anzahl naturgemäß schwanken kann. Beim 23 Industrieländer umfassenden MSCI World wiederum werden der Reihe nach die streubesitzadjustiert wertvollsten Unternehmen aufgenommen, bis diese zusammengenommen 85 Prozent der streubesitzadjustierten Marktkapitalisierung der gesamten Aktienregion ausmachen – die nach Börsenwert „kleineren“ 15 Prozent bleiben außen vor. Zur Errechnung der Streubesitz-Marktkapitalisierung wird der Aktienkurs eines Unternehmens mit der Anzahl seiner im Handel befindlichen Aktien (Streubesitz) multipliziert. Nicht berücksichtigt werden zum Beispiel Anteilsscheine, die von Gründern, Führungskräften des Unternehmens oder Regierungsbehörden gehalten und nicht gehandelt werden.

      Auswirkungen auf Indexzusammensetzung

      Die Anzahl der Titel kann ganz direkte Auswirkungen auf die Zusammenstellung eines Index haben. Bei einer im Vergleich zur Größe des Aktienmarkts relativ kleinen Anzahl von Indexmitgliedern ist es nämlich kaum möglich, einen breiten Marktquerschnitt abzubilden. Daher konzentriert man sich hier meist auf eine bestimmte Unternehmensgröße: Sowohl im DAX als auch mit wenigen Ausnahmen im S&P 500 finden sich daher ausschließlich Large Caps. Im Nikkei 225 dagegen sind mehr als die Hälfte der Unternehmen sogenannte Small Caps und Mid Caps, also von kleinerer und mittlerer Größe bezogen auf ihre Marktkapitalisierung. Zwar hat der Nikkei 225 weniger Mitglieder als der S&P 500. Dafür muss er aber auch nur einen wesentlich kleineren Aktienmarkt mit deutlich weniger Großkonzernen und geringeren Marktkapitalisierungen abdecken. Der Topix bildet mit mehr als 2.000 Aktien einen sogar noch deutlich größeren Bereich des japanischen Aktienmarkts ab und ist für einen Länderindex daher sehr breit gestreut.

      Marktkapitalisierung oder Preis?

      Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen Indizes ist die Art und Weise, wie die einzelnen Aktien innerhalb des Index gewichtet werden. Beim S&P 500 und beim Topix erfolgt dies wie beim DAX nach der Streubesitz-Marktkapitalisierung, um die Rolle der Aktie am Markt besser abbilden zu können. Nach dieser Methode werden die streubesitzadjustierten Marktkapitalisierungen aller Indexmitglieder und ihre entsprechenden Gewichtungen im Index in regelmäßigen Abständen ermittelt. Der Aktienkurs eines „wertvollen“ Unternehmens hat daher einen größeren Einfluss auf die Indexentwicklung als Aktien eines Unternehmens mit geringerer Marktkapitalisierung.

      Bei einem gleichgewichteten Index („Equal Weight“) indes ist jedes Unternehmen anfänglich mit dem gleichen prozentualen Anteil der Marktkapitalisierung vertreten. Das bedeutet: Verfügt ein Index über 100 Titel, stellt jedes Mitglied zum Indexstart 1 Prozent der Gesamtmarktkapitaliserung – ganz unabhängig von seinem jeweiligen Börsenwert. Damit diese Gleichgewichtung trotz Kursschwankungen erhalten bleibt, findet in regelmäßigen Abständen ein sogenanntes Rebalancing statt, bei dem die Anteile der einzelnen Aktien entsprechend angepasst werden. Verhindert werden sollen so vor allem Klumpenrisiken, die durch einen zu großen Einfluss wertvoller Unternehmen entstehen könnten.

      Bei einem preisgewichteten Index wie dem DJIA oder dem Nikkei 225 spielt die Marktkapitalisierung dagegen keine Rolle: Alle Aktien sind in gleicher Stückzahl vorhanden. Damit sind allein die Aktienkurse entscheidend: Je mehr eine Aktie kostet, desto größer ist also ihr Effekt auf die Indexentwicklung. Denn wenn eine ohnehin teure Aktie um beispielsweise 5 Prozent steigt, beeinflusst dies den Indexpreis stärker als eine fünfprozentige Steigerung bei einer günstigen Aktie. Um einen zu großen Einfluss einzelner Aktien auf den Index zu vermeiden, werden bei der Auswahl der Indexmitglieder sehr hochpreisige Aktien von vornherein gar nicht berücksichtigt.

      Der Umgang mit Dividenden

      Besonders deutliche Auswirkungen auf die Indexentwicklung hat der Umgang mit Dividenden: Werden sie berücksichtigt oder nicht? Der DAX beispielsweise wird normalerweise als Performanceindex dargestellt, bei dem die Ausschüttungen seiner Mitglieder in den Kursverlauf einfließen. Das bedeutet, Dividenden werden ebenso wie zum Beispiel Erlöse aus Bezugsrechten unverzüglich „reinvestiert“ und dem Kurswert hinzugefügt. Damit bilden Performanceindizes den gesamten Anlageerfolg des entsprechenden Aktienmarktes ab. Insbesondere dividendenstarke Performanceindizes wie der DAX haben eine deutlich bessere Indexentwicklung im Vergleich zu ihrer Kursindexvariante. An der Entwicklung des Kurs-DAX ist unter anderem klar zu erkennen, dass das Aufholen von Kursverlusten nach Einbrüchen des Index deutlich länger dauert.

      Fast alle anderen wichtigen Leitindizes weltweit, allen voran der S&P500, der DJIA, der Nikkei 225 und der Topix, sind hingegen Kursindizes. Bei ihnen werden ausschließlich die Aktienkurse berücksichtigt. Ein direkter Vergleich zwischen Performance- und Kursindizes ist deshalb nicht möglich. Um den DAX mit anderen Leitindizes vergleichen zu können, muss man daher seine Kursvariante verwenden.

      Weltweit große Vielfalt an Märkten und Themen

      Neben den klassischen Länderindizes, die die Entwicklung bedeutender Aktienmärkte abbilden sollen, gibt es eine Vielzahl anderer Aktienindizes mit ganz unterschiedlichen Zielen und Indexmethoden: etwa Indizes auf globaler oder überregionaler Ebene wie den Weltleitindex MSCI All Country World oder den Euro Stoxx 50, der die bedeutendsten Unternehmen der Eurozone vereint. Darüber hinaus können Indizes die Entwicklung einzelner Börsenplätze (z. B. des Nasdaq) oder Sektoren abbilden. Es gibt zudem Themen- und Nachhaltigkeitsindizes sowie sogenannte Faktorindizes, die unterschiedliche Anlagestrategien unter Berücksichtigung quantifizierbarer Unternehmensmerkmale (Faktoren) wie Value, Momentum oder Volatilität simulieren. Aufgrund der großen Vielfalt von Indizes und deren unterschiedlichsten Ausgestaltungen ist es sehr wichtig, stets im Klaren darüber zu sein, was mit einem Index gezeigt wird und wie dies erfolgt. Nur so können Indizes zielführend genutzt werden.

      Quellen:

      1http://www.indexindustry.org/insights/

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      Redaktionsschluss: 17.06.2021, 15:00 Uhr