US-Banken: gute Zahlen, schwacher Ausblick

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Aktien – 01.09.2022

US-Banken: gute Zahlen, schwacher Ausblick

Die wichtigsten Fakten:

  • US-Banken mit schwachem Jahresstart in schwierigem Umfeld
  • Aktuelle Geschäftszahlen übertreffen Erwartungen
  • Nachhaltige Erholung erst bei verbessertem Konjunkturausblick

US-Bankaktien haben sich in den ersten Monaten des Jahres 2022 schwach entwickelt: Vom Jahresanfang bis zum Beginn der Berichtssaison für das zweite Quartal am 14. Juli büßte der Subindex Banken im S&P 500 in Euro gerechnet mehr als 16 Prozent ein – der S&P 500 insgesamt verzeichnete nur ein Minus von rund 8 Prozent. Grund für die überproportionalen Kursverluste der Banken waren Sorgen der Marktteilnehmer hinsichtlich einer möglicherweise bevorstehenden Rezession in den USA sowie anhaltend hohe Inflationsraten. Mit Blick auf diese Risiken mussten die Finanzinstitute höhere Rückstellungen für etwaige Kreditausfälle bilden, was ihre Ergebnisse belastete. Die Analystengemeinde erwartete für die aktuelle Berichtssaison daher einen Rückgang der Gewinne im Sektor um 21 Prozent.

Erwartungen leicht übertroffen

Die Zahlen der vergangenen Wochen fielen jedoch etwas besser aus als erwartet. Durch das gestiegene Zinsniveau konnten die Banken ihre Zinsmargen ausweiten, wodurch der Gewinnrückgang auf 19 Prozent begrenzt werden konnte. Hinzu kam, dass die Kreditnachfrage in den USA im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,9 Prozent zulegte. Gleichzeitig stabilisierten sich aufgrund der hohen Volatilität an den Märkten die Einnahmen aus dem Aktienhandel.

Deutlicher Ausschlag an den Börsen

Auf die Kurse von US-Bankaktien hatten diese Entwicklungen einen deutlich positiven Einfluss: Seit dem Beginn der Berichtssaison Mitte Juli bis zum 16. August stieg die Notierung des S&P 500 Banken in Euro gerechnet um mehr als 10 Prozent und damit annähernd genauso stark wie der Gesamtindex. Unterstützt wurde dieser Aufwärtstrend durch den zunehmenden Optimismus vieler Marktteilnehmer, dass der US-Notenbank Fed trotz der Straffung ihrer Geldpolitik eine „weiche Landung“ gelingen könne, der Anstieg des Zinsniveaus die Wirtschaft also nicht allzu stark abwürgen werde.

Trendumkehr nach kurzem Zwischenhoch?

In den vergangenen Wochen hat der Kursaufschwung im US-amerikanischen Bankensektor allerdings wieder etwas an Fahrt verloren. Die Gründe für die Anlegerskepsis sind vielfältig. Insgesamt scheint sich in der US-Wirtschaft in Anbetracht von Rezessionsängsten eine zunehmende Investitionszurückhaltung zu manifestieren: Zwar nahm die Kreditaufnahme im Vergleich zum Vorquartal weiter zu, mit 0,7 Prozent im bisherigen dritten Quartal lag das Wachstum dabei allerdings unter den Werten der Vorquartale. Seitens vieler Banken werden zur Risikovorsorge zudem wieder höhere Kernkapitalquoten angestrebt. Auch der positive Effekt steigender Zinsen könnte sich bald in sein Gegenteil verkehren: Anziehende Zinsmargen wirken sich zwar grundsätzlich gewinnsteigernd aus, ein zu hohes Zinsniveau könnte die Investitionstätigkeit der Unternehmen aufgrund wachsender Finanzierungskosten jedoch dämpfen und damit das Kreditgeschäft der Banken insgesamt belasten.

"US-Bankaktien im Zwischenhoch – nachhaltiger Aufschwung abhängig von sich verbessernden Konjunkturerwartungen."

US-Aktienmarkt könnte für Anleger interessant bleiben

Die Deutsche Bank rechnet derzeit nicht damit, dass sich der US-Bankensektor kurzfristig besser entwickeln könnte als der Gesamtmarkt. Und dies trotz der Tatsache, dass US-Banken auf Basis der erwarteten Gewinne der kommenden zwölf Monate mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 10 gehandelt werden – was einem Abschlag von 15 Prozent zum 20-Jahres-Median entspricht. Eine Outperformance erscheint erst dann wieder möglich, wenn ein positiverer Konjunkturausblick auch die Geschäftsaussichten der Banken grundlegend verbessert. In Erwartung einer milden Rezession in den USA über den Winter dürfte dies erst im Laufe des Jahres 2023 der Fall sein.

Dagegen könnte der breite US-Aktienmarkt für entsprechend risikobereite Anleger ein interessantes Investmentziel bleiben. Die Deutsche Bank ist optimistisch, dass in einer eher mild erwarteten Rezession das Gewinnwachstum der US-Unternehmen insgesamt weniger stark nachgeben sollte als in früheren konjunkturellen Abschwungphasen. Sie rechnet für den S&P 500 bis August 2023 mit einem Gewinnplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich. An ihrem 12-Monats-Kursziel von 4.200 Punkten für den US-Leitindex hält die Deutsche Bank daher fest.

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Redaktionsschluss: 30.08.2022, 15:00 Uhr