Aktien – 18.09.2021

Nachhaltigkeit und ihre Bedeutung für die Geldanlage

Die wichtigsten Fakten:

  • Nachhaltige Geldanlage liegt im Trend
  • Fokus auf ökologische und soziale Faktoren sowie Unternehmensführung
  • Nachhaltig ausgerichtete Investmentfonds als Anlagemöglichkeit

Nachhaltiges Investieren ist beileibe kein neues Phänomen – zuletzt jedoch stärker in den Fokus gerückt. Quelle: aaaaimages / Getty Images

Direkt beim Bauern aus der Region saisonales Obst und Gemüse kaufen, Stoff- statt Wergwerfplastiktüten verwenden, das Auto öfter stehen lassen und aufs Fahrrad steigen: Nachhaltiges Handeln nimmt im Leben vieler Deutscher einen immer größeren Stellenwert ein. Auch im Bereich der Geldanlage ist Nachhaltigkeit in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus gerückt. Dabei ist nachhaltiges Investieren beileibe kein neues Phänomen – entsprechende Kriterien werden bei der Auswahl von Anlagezielen seit Jahrzehnten berücksichtigt. Bereits die Investoren Benjamin Graham und David Dodd, die als Begründer der fundamentalen Aktienanalyse in den 1930er-Jahren gelten, legten ihr Augenmerk auch auf Nachhaltigkeit – ebenso wie später „Börsenguru“ Warren Buffett. Eine Möglichkeit, Investments dahingehend zu überprüfen, sind die sogenannten ESG-Kriterien. Das bedeutet, neben rein finanziellen Faktoren Umweltaspekte (engl.: Environment), soziale Komponenten (engl.: Social) sowie die Qualität der Unternehmensführung (engl.: Governance) besonders stark zu berücksichtigen.

In jüngerer Zeit haben mehrere Entwicklungen dazu beigetragen, dass nachhaltige Geldanlagen weiter an Gewicht gewonnen haben – allen voran der immer breiter geführte gesellschaftliche Diskurs zum Klimawandel und dessen Eindämmung. Die Schülerproteste der „Fridays for Future“-Bewegung haben den globalen Fokus ebenso auf dieses Thema gelenkt wie beispielsweise die Formulierung konkreter Nachhaltigkeitsziele seitens der Vereinten Nationen. Die bedeutenden Volkswirtschaften haben dies zum Anlass genommen, Nachhaltigkeit stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern und konkrete Ziele für eine nachhaltigere Zukunft zu formulieren – etwa im Rahmen von Zeitplänen zur Erreichung der Klimaneutralität. Darüber hinaus haben Anleger durch den technischen Fortschritt heute deutlich bessere Möglichkeiten, Unternehmen mit ESG-konform ausgerichteter Unternehmensphilosophie zu identifizieren.

Die Bedeutung von ESG-Analysen

Bei der Suche nach interessanten Investmentzielen ist es grundsätzlich wichtig, nicht nur die reinen wirtschaftlichen Daten unter die Lupe zu nehmen. Vielmehr gilt es, das Unternehmen in seiner Gesamtheit zu betrachten. Dazu gehört auch eine genaue Analyse hinsichtlich der ESG-Kriterien – denn nachhaltig wirtschaftende Unternehmen verfügen langfristig oft über größeres Potenzial. Besonders deutlich wird der Zusammenhang zwischen ESG-Faktoren und dem Erfolg eines Unternehmens hinsichtlich des Umweltaspekts. Ein wichtiger Punkt dabei ist die sogenannte Internalisierung externer Effekte. Bei diesen Effekten handelt es sich um „soziale Kosten“, die beispielsweise durch den Betrieb einer Fabrik in Form von Luftverschmutzung durch Abgase entstehen – und letztendlich von der Gesellschaft getragen werden. Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen können diese Kosten durch Investitionen unter anderem in bessere Filtersysteme internalisieren. Das heißt: Die Kosten fallen nicht aufseiten der Gesellschaft, sondern im Unternehmen selbst an. Dadurch lässt sich zum Beispiel einer möglichen Verschärfung von Umweltauflagen von vornherein begegnen. Grundsätzlich sind Maßnahmen zur nachhaltigeren Gestaltung der Produktion zwar zunächst mit Investitionen verbunden, können langfristig jedoch zu Energie- und Ressourceneinsparungen und damit verbunden Kostensenkungen und Gewinnsteigerungen führen. Davon profitieren sowohl die Umwelt als auch das Unternehmen und seine Investoren – eine Win-win-Situation.

Soziale Komponenten beachten

Weniger offensichtlich, dadurch aber nicht weniger wichtig für den langfristigen Anlageerfolg des Investors ist die soziale Komponente eines Unternehmens. Denn gute Arbeitsbedingungen sorgen für zufriedene, engagierte Mitarbeiter – was sich positiv auf die Produktivität auswirken sollte. Außerdem kann sich eine geringe Fluktuation innerhalb der Belegschaft positiv auf der Kostenseite niederschlagen, schließlich sinken dadurch die Ausgaben für die Mitarbeiterakquise.

Governance: die Unternehmensführung im Fokus

Im Bereich der Governance spielt das Verhalten der Unternehmensführung aus Anlegersicht eine übergeordnete Rolle. Eine gute Governance bedeutet unter anderem, dass die Interessen des Managements und der Anteilseigner möglichst nahe beieinanderliegen und mit Risiken adäquat umgegangen wird. Investoren honorieren beispielsweise stärkere Aktionärsrechte sowie eine vollständige und transparente Berichterstattung. Entscheidungen des Managements sollten sich dabei idealerweise am nachhaltigen Erfolg des Unternehmens anstelle des kurzfristigen Profits orientieren. Studien zeigen, dass Unternehmen mit besseren Governance-Strukturen oft eine bessere Performance aufweisen.

UN-Nachhaltigkeitsziele als mögliche Beurteilungskriterien

Wie bereits erwähnt, ist das Thema Nachhaltigkeit zunehmend auch im Fokus der Politik. Als ein großer gemeinsamer globaler Nenner haben sich dabei die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs, deutsch: Ziele für die nachhaltige Entwicklung) der Vereinten Nationen etabliert, denen sich alle 193 Mitgliedsstaaten verpflichtet haben.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN traten am 1. Januar 2016 unter dem Leitmotiv „Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ in Kraft. Sie haben eine Laufzeit von 15 Jahren und sollen nach dem Willen der Mitgliedsstaaten zur Bewältigung der globalen sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen beitragen. Zu den Zielen gehören unter anderem menschenwürdige Arbeit, nachhaltiges Wirtschaftswachstum sowie Klimaschutz. Um diese wie angestrebt bis 2030 zu erreichen, müssten bis dahin jährlich rund 9 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts in ihre Umsetzung fließen. Die Fortschritte innerhalb einzelner Länder lassen sich mithilfe verschiedener Indikatoren messen.

„Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten kann bei der Identifikation langfristig interessanter Investments helfen.“

Die 17 UN-Ziele bilden einen möglichen Rahmen für die Beurteilung eines Investments anhand der ESG-Kriterien. Investoren können beispielsweise auf Unternehmen setzen, die diesen in besonders hohem Maße Rechnung tragen. Langfristig betrachtet ist die Einbeziehung entsprechender Kriterien aus Sicht der Deutschen Bank sinnvoll: Bei der Beurteilung anhand von ESG-Merkmalen fließen Aspekte ein, die für ein nachhaltiges und stabiles Unternehmenswachstum förderlich sind – selbst wenn dafür Investitionen anfallen, welche kurzfristig die Erträge belasten. Für entsprechend risikobereite Anleger, die ein besonderes Augenmerk auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung legen, können sich zum Beispiel nachhaltig ausgerichtete Investmentfonds anbieten.

Disclaimer: Derzeit fehlt es an einheitlichen Kriterien und einem einheitlichen Marktstandard zur Bewertung und Einordnung von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten als nachhaltig. Dies kann dazu führen, dass verschiedene Anbieter die Nachhaltigkeit von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten unterschiedlich bewerten. Zudem gibt es aktuell neue Regulierungen zum Thema ESG (Environment = Umwelt, Social = Soziales, Governance = Unternehmensführung) und Sustainable Finance (nachhaltige Finanzwirtschaft), die noch konkretisiert werden müssen, sowie noch nicht finalisierte Regulierungsvorhaben, die dazu führen können, dass gegenwärtig als nachhaltig bezeichnete Finanzdienstleistungen und Finanzprodukte die künftigen gesetzlichen Anforderungen an die Qualifikation als nachhaltig nicht erfüllen.

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Redaktionsschluss: 01.05.2020