US-Steuerpläne: ein langfristiges Thema für Anleger

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Aktien –18.06.21

US-Steuerpläne: ein langfristiges Thema für Anleger

Die wichtigsten Fakten:

  • US-Regierung plant eine baldige Erhöhung der Unternehmenssteuern
  • Art und Umfang des Steuerpakets noch in der Diskussion
  • Höhere Schwankungen am US-Aktienmarkt zu erwarten

Die USA dürften schon bald die Steuern für heimische Unternehmen anheben – daran besteht mittlerweile kaum mehr ein Zweifel. Denn nach der Verabschiedung seiner Billionen US-Dollar schweren Investitionsprogramme für die Bereiche Infrastruktur und Soziales braucht Präsident Joe Biden Geld für deren Finanzierung. Dafür sollen unter anderem die Körperschaftssteuer sowie die Steuer auf im Ausland erzielte Gewinne von US-Tochterfirmen angehoben werden.

Umfangreiches Steuerpaket

Konkret sieht Bidens Plan vor, die Einkommen von US-Unternehmen künftig mit 28 Prozent statt wie bisher mit 21 Prozent zu besteuern. Zusätzlich soll der GILTI-Steuersatz von 10,5 Prozent auf 21 Prozent verdoppelt werden. Bei GILTI (Global Intangible Low-Taxed Income) handelt es sich um das Einkommen einer ausländischen Tochtergesellschaft, das in einem Niedrigsteuergebiet (Low-Taxed) als immaterielles (Intangible) Einkommen gilt. Durch diese Regelung soll vor allem verhindert werden, dass US-Unternehmen immaterielle Wirtschaftsgüter wie Patente, Lizenzen oder Markenrechte aus den USA in Niedrigsteuerländer verlagern. Die dritte Säule von Bidens Plan ist die Einführung einer Minimalsteuer von 15 Prozent, die für alle Konzerne mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 2 Milliarden US-Dollar gelten soll.

Unsicherheiten bleiben bestehen

So konkret diese Zahlen auf den ersten Blick erscheinen mögen – sie sind aktuell lediglich eine Diskussionsgrundlage. Denn entschieden oder gar verabschiedet sind die Pläne noch nicht. Nicht nur die Republikaner, sondern auch Teile von Bidens Demokratischer Partei stellen sich nach wie vor gegen höhere Steuern. So dürfte es wahrscheinlich sein, dass Biden nicht alle seine Vorstellungen wird durchsetzen können beziehungsweise dass die Steueranhebungen, die kommen, tatsächlich niedriger ausfallen werden als aktuell vorgeschlagen.

„US-Steuerpläne werden akuter: Was höhere Abgaben für Unternehmen und Anleger langfristig bedeuten könnten."

Unterschiedliche Auswirkungen auf Sektorebene

Die Reaktion der Marktteilnehmer auf Bidens Steuerpläne ist aufgrund der vielen Ungewissheiten noch entsprechend verhalten – zumal nicht alle Unternehmenssektoren von den einzelnen Steueranpassungen gleich stark betroffen wären. Eine höhere Körperschaftssteuer beispielsweise würde insbesondere US-Konzerne aus den Bereichen Finanzen, Basisgüter und zyklischer Konsum belasten. Dagegen träfe eine höhere GILTI-Besteuerung in erster Linie IT- und Kommunikationsunternehmen, die insgesamt einen Großteil ihrer Gewinne außerhalb der USA erwirtschaften. Die angedachte Mindeststeuer wiederum dürfte auf Marktebene allerdings kaum ins Gewicht fallen.

Klare US-Signale an die Welt

Trotz der Ungewissheiten im Hinblick auf ihre konkrete Umsetzung lassen sich aus den Steuerplänen der US-Regierung bereits erste Ableitungen treffen. Zum einen dürften die Kapitalmärkte in den USA und weltweit die zusätzlichen Belastungen gut verkraften können – selbst bei einer unwahrscheinlichen Verabschiedung des Steuerpakets in seiner angedachten Form. Die Analystengemeinde erwartet für die Unternehmen im US-Leitindex S&P 500 im Jahr 2022 maximale Gewinneinbußen von 10 Prozent.

Zum anderen untermauern Bidens Steuerpläne die Ambitionen der US-Regierung, Unternehmen stärker in die gesellschaftliche Verantwortung zu nehmen. Unterstrichen wurde dies jüngst auch durch die aktive Zustimmung der USA zu den Plänen einer globalen Mindeststeuer für Unternehmen von 15 Prozent im Rahmen des G-7-Treffens Anfang Juni. Obwohl auch diese Initiative noch einen langen Weg vor sich hat – schließlich müssen insgesamt 139 Staaten zustimmen, bevor eine solche Steuer weltweit Anwendung finden kann –, ist sie richtungsweisend für eine zukünftige Besteuerung auch auf globaler Ebene.

Langfristiges Thema – auch für Anleger

Damit dürften sowohl eine globale Mindeststeuer als auch die Steuerpläne der USA keine nachrichtlichen Strohfeuer bleiben, sondern die Kapitalmärkte weltweit einige Jahre beschäftigen. Für Anleger bedeutet das konkret, dass sie sich in den kommenden Monaten auf schwankungsintensivere Märkte einstellen sollten – zumindest solange der genaue Rahmen der US-Steuererhöhungen noch nicht feststeht. Dessen ungeachtet bleibt der US-Aktienmarkt schon allein aufgrund seiner Größe für entsprechend risikobereite Anleger ein interessantes Investmentziel – im Umfeld anhaltender Unsicherheiten derzeit vor allem in Form aktiv gemanagter Fonds und innerhalb eines global breit diversifizierten Portfolios.

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Redaktionsschluss: 17.06.2021, 14:00 Uhr