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Aktien – 06.05.22

Volatile Aktienmärkte: Was Anleger jetzt tun könnten

Die wichtigsten Fakten:

  • Wachstumsrisiken sind weltweit weiterhin hoch
  • Aktienmärkte stehen unter Druck
  • Langfristige Anlagethemen könnten in den Vordergrund rücken

Eine Vielzahl von Herausforderungen belastet derzeit die globale wirtschaftliche Entwicklung – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Dazu gehört der Russland-Ukraine-Krieg, der unter den direkt betroffenen Menschen unsagbares Leid verursacht und in seiner Folge in Gesamteuropa die Energieversorgung gefährdet. Auch die hohe Inflation in den USA sorgt für Unsicherheiten, denn die daraufhin eingeleitete, deutlich restriktivere Geldpolitik der US-Notenbank Fed könnte zu einer Rezession in den USA führen. Hinzu kommen die erneuten Lockdowns im Rahmen der Null-Covid-Strategie Chinas, die die ohnehin schwächelnde Konjunktur des Landes weiter auszubremsen drohen.

„Was nun? Wie Anleger auf die aktuellen Herausforderungen für die Aktienmärkte reagieren könnten.“

Für Anleger stellt sich in diesem herausfordernden Umfeld die Frage, in welchen Aktienmarktbereichen derzeit die interessantesten Investmentmöglichkeiten zu finden sind. Zum Jahresbeginn entwickelten sich Substanzwerte („Value“-Titel), also Aktien von Unternehmen mit bewährten Geschäftsmodellen und solidem Umsatz- und Gewinnwachstum, besonders gut. In Europa und den USA erzielten sie mit 15 Prozent beziehungsweise 13 Prozent ein deutliches Kursplus gegenüber Wachstumswerten („Growth“), also Aktien von Unternehmen, deren Geschäftsmodelle stärker zinsabhängig sind und die ein langfristig erhöhtes Umsatz- und Gewinnwachstum aufweisen. Seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine am 24. Februar hat sich dieser Abstand jedoch spürbar verringert.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Vergleich zyklischer und defensiver Aktien. Hier hatten zunächst die Zykliker, also konjunktursensible Papiere, die Nase vorn. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine drehte sich dieses Bild jedoch und eher defensive Unternehmen, deren Produkte täglich nachgefragt werden und die daher stetige, wenn auch nicht besonders hohe Gewinne einfahren, gerieten in den Anlegerfokus. Zuletzt schien allerdings kein klarer Trend mehr erkennbar. Während zyklische Aktien aus den Sektoren Chemie, Versicherungen und Finanzdienstleistungen ihre Verluste zwischenzeitlich wieder aufholen konnten, verharrten die Papiere von Autoherstellern, Banken sowie aus dem Reise- und Tourismussektor zuletzt weiter unter ihrem Vorkriegsniveau.

Zykliker und Substanzwerte mit Bewertungsrückstand

Insgesamt scheint ein signifikant geringeres globales Wachstum in den Aktienkursen bereits eingepreist zu sein. Das wird daran deutlich, dass zyklische Sektoren wie Rohstoffe, Industrie, Energie, Banken und Nicht-Basiskonsumgüter in Europa gegenüber defensiven Titeln zuletzt mit einem Bewertungsabschlag von rund 40 Prozent notierten: Die Analystengemeinde erwartet das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zyklischer Titel auf Basis der erwarteten Unternehmensgewinne in den kommenden zwölf Monaten bei 11, jenes defensiver Titel bei 18. Diese Differenz ist deutlich größer als im historischen Durchschnitt und liegt ungefähr auf dem Level während der Finanzmarktkrise von 2009. Ob damit der Boden dieser Entwicklung bereits erreicht ist, bleibt fraglich. Denn sollten etwa der Krieg in der Ukraine oder die Restriktionen in China noch länger anhalten oder sich sogar verschärfen, könnte das den konjunkturellen Ausblick weiter eintrüben und den Abwärtstrend insbesondere für zyklische Aktien und Value-Titel verstärken.

Käme es auf absehbare Zeit hingegen zu einer sich abzeichnenden Lösung der konjunkturellen, geopolitischen sowie pandemiebedingten Herausforderungen, könnte sich ein vergleichsweise konstruktives makroökonomisches Umfeld mit weiter steigenden Unternehmensgewinnen und anziehenden Anleiherenditen etablieren. Klassischerweise sollte dies dann vor allem zyklischen Werten und Value-Titeln zugutekommen. Sollte sich die von den Marktteilnehmern antizipierte Wachstumsschwäche als überzogen erweisen, könnten sich insbesondere Bankaktien im Zuge weiter steigender Anleiherenditen überdurchschnittlich gut entwickeln.

Umfeld für Aktien weiter schwankungsanfällig

Die Deutsche Bank geht bislang nicht von einer nahenden Rezession in Europa und den USA aus, jedoch dürfte das Umfeld für Aktien auf absehbare Zeit volatil bleiben. Sehr risikoaffinen Anlegern könnten sich bei zyklischen Titeln Chancen zum Einstieg bieten – wobei deren Entwicklung mit hohen Risiken verbunden ist und maßgeblich vom weiteren Verlauf des Russland-Ukraine-Kriegs, den Covid-Restriktionen in China sowie den geldpolitischen Straffungsmaßnahmen der US-Notenbank Fed abhängen dürfte. Dabei könnte Unternehmen den Vorrang gegeben werden, die sich auch in wirtschaftlichen Abschwungphasen behaupten können. Das sind zumeist Titel mit hoher Profitabilität und großer Preissetzungsmacht, die mit hoher Wahrscheinlichkeit trotz der aktuell vorherrschenden Unsicherheiten auch künftig die Fähigkeit haben werden, positive Erträge zu generieren.

Für Anleger mit einem weitaus geringeren Risikoappetit, die zudem einen langfristigen Anlagehorizont haben, dürfte es sich empfehlen, bei ihren Investments auf eine breite regionale und sektorale Streuung zu achten. Dies kann beispielsweise in Form von aktiv gemanagten Fonds geschehen, die zudem entsprechend dem jeweils aktuellen Marktgeschehen sektorale Schwerpunkte setzen können. Auch Fonds zu Megatrends wie Automatisierung, Digitalisierung oder Nachhaltigkeit könnten in den Anlagefokus genommen werden. In Europa etwa hat jüngst das Thema erneuerbare Energien durch die Notwendigkeit, unabhängiger von Energieimporten zu werden, noch einmal politischen Rückenwind erhalten. 

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Redaktionsschluss: 05.05.2022, 12:00 Uhr