Weiterhin gute Aussichten für US-Aktien

Christoph Hähnel / Adobe Stock

Aktien – 19.01.2022

Weiterhin gute Aussichten für US-Aktien

Die wichtigsten Fakten:

  • Weiter wachsende Unternehmensgewinne in den USA erwartet
  • Zum Teil deutliche Unterschiede auf Sektorbasis
  • Vor allem Techaktien könnten langfristig im Anlegerfokus bleiben

Für den Aktienmarkt in den USA war 2021 ein gutes Jahr: Aus Sicht eines Euroanlegers erzielte der US-Leitindex S&P 500 in zwölf Monaten einen Gesamtertrag von 38 Prozent. Auf Sektorbasis überzeugten dabei vor allem die Bereiche Energie (+ 65 Prozent), Immobilien (+ 56 Prozent) und Finanzen (+ 44 Prozent).

It ist der bestimmende Faktor
Die besten Sektoren im S&P
Die schlechtesten Sektoren in S&P

Berichtssaison ist angelaufen

Die Berichtssaison zum vierten Quartal 2021 wird in den kommenden Wochen Aufschluss über die Lage der Unternehmen geben – und ist ein wichtiger Fingerzeig für die möglichen weiteren Kursentwicklungen am größten Aktienmarkt der Welt. Die Analystengemeinde erwartet, dass für den S&P 500 der durchschnittliche Gewinn pro Aktie bei gut 51 US-Dollar liegen könnte. Im Vergleich zum Vorjahresquartal entspräche dies einem deutlichen Anstieg von etwa 20 Prozent. Dabei könnten alle Sektoren im positiven Bereich liegen, mit den Bereichen Material (+ 65 Prozent) und Industrie (+ 50 Prozent) an der Spitze und den Sektoren Versorger, Finanzen und Basiskonsumgüter mit niedrigen einstelligen Wachstumsraten am Ende.

Dynamik des Gewinnwachstums scheint abzunehmen

Das sind für den Gesamtmarkt gesehen positive Aussichten. Allerdings hat sich der Optimismus in den vergangenen Monaten etwas abgeschwächt: Im Vergleich zum Herbst 2021 (drittes Quartal) liegen die Erwartungen für das Gewinnwachstum im vierten Quartal aktuell um rund 5 Prozent niedriger. Die Zahlen scheinen einen Trend zu bestätigen, der sich seit Mitte 2021 abzeichnet: Zwar steigen die Gewinne im S&P 500 weiter deutlich an, die Dynamik des Gewinnwachstums jedoch nimmt ab. Stiegen die Gewinne im zweiten Quartal 2021 noch um 88 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, waren es im dritten Quartal nur noch 39 Prozent.

Die aktuell erwarteten 20 Prozent für das vierte Quartal 2021 könnten sich im Laufe der Berichtssaison trotzdem als etwas zu niedrig herausstellen. Denn die US-Wirtschaft dürfte im vierten Quartal angezogen sein. Nach der Stagnation im dritten Quartal rechnen die Marktteilnehmer mittlerweile mit einem Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts von 1,5 Prozent, verglichen mit dem Vorquartal. Und auch die bereits veröffentlichten Ergebnisse der Unternehmen lagen mehrheitlich über den Erwartungen der Analystengemeinde.

„US-Berichtssaison mit positiven Vorzeichen: Erwartetes Wachstum der Unternehmensgewinne stützt die Aktienmärkte.“

Viele Faktoren dürften Kursentwicklung bestimmen

Neben den reinen Unternehmenszahlen dürften in den kommenden Wochen weitere Punkte im Fokus der Anleger stehen, etwa die Coronavirus-Lage im Zeichen der Omikron-Variante – und deren Auswirkung auf die Wirtschaft –, die Entwicklung der Lieferkettenproblematik sowie der Material- und Transportkosten oder die Zahlen vom US-Arbeitsmarkt. Besonderes Augenmerk wird auch auf den Margen liegen, die viele US-Unternehmen trotz Lieferkettenengpässen, hohen Rohstoff- und Transportkosten sowie Arbeitskräftemangel im vergangenen Jahr sogar gesteigert haben. Dies dürfte ihnen – unter anderem wegen voraussichtlich weiter anziehender Löhne – 2022 schwerer fallen. Als weiteres mögliches Risiko sind zudem anhaltend hohe Inflationsraten zu beachten, die die Notenbanken zu einem schnelleren Handeln als erwartet drängen ¬und die Kapitalmarktzinsen entsprechend schneller steigen lassen könnten.

US-Aktien bleiben im Anlegerfokus

Die Aussichten für den US-Aktienmarkt schätzt die Deutsche Bank insgesamt weiterhin als positiv ein. Kurzfristig sollte das Gewinnwachstum die Kurse stützen, mittel- und langfristig könnte insbesondere der starke Technologiesektor weiterhin der Treiber sein. Damit bleiben US-Aktien ein wichtiger Bestandteil eines global aufgestellten und breit diversifizierten Depots. Im Fokus könnten dabei zunächst zyklische Titel und Finanzwerte stehen, bevor im zweiten Halbjahr 2022 neben dem Techbereich vor allem defensive Werte in den Mittelpunkt rücken könnten, also jene Unternehmen, die sich auch bei steigenden Zinsen vergleichsweise solide entwickeln sollten. Kleinere Techunternehmen hingegen, die einen hohen Refinanzierungsbedarf aufweisen, dürften besonders stark unter steigenden Zinsen zu leiden haben. Aufgrund der vielen potenziellen Einflussfaktoren erscheint auch innerhalb eines US-Aktienportfolios eine breite Streuung sowie ein aktives Management ratsam – beispielsweise in Form entsprechender Investmentfonds.

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Redaktionsschluss: 18.12.2021, 10:00 Uhr;