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„Das Altwerden bietet viele Chancen“

Aktive Senioren

Die Menschen werden immer älter, die Renten immer knapper. „Wir müssen Senioren mehr Möglichkeiten geben, sich einzubringen. Dann verschwinden die Probleme von allein“, sagt der Geschäftsführer des Zukunftsinstituts Harald Gatterer im Gespräch mit Nils Rohland (Deutsche Bank).

Nils Rohland: „Herr Gatterer, warum ist das Altwerden in unserer Gesellschaft so negativ belastet?“

Harald Gatterer: „Das ist interessant, nicht wahr? Einerseits wollen die Menschen immer älter werden, andererseits wird das Altern als Bedrohung gesehen, als nicht erstrebenswerte Vergreisung der Gesellschaft. Das liegt sicherlich daran, dass der demografische Wandel Herausforderungen mit sich bringt, für die Rente. Und auch für die Gesundheitskosten. Ein alter Mensch verursacht 10-mal höhere Kosten als ein jüngerer. Das sind im Schnitt 20.000 Euro im Jahr.“

Nils Rohland: „Am Zukunftsinstitut forschen Sie schon lang zu verschiedenen Megatrends. Spielt der demografische Wandel da eine besondere Rolle?“

Harald Gatterer: „Absolut! Bei allen Sorgen und Bedenken werden zwei Dinge oft vollkommen übersehen: Zum einen ist es doch wunderbar, dass unsere Lebenserwartung steigt! Lang gesund zu leben, wünscht sich fast jeder. Zum anderen bietet das Altwerden viele Chancen.“

Nils Rohland: „Wie meinen Sie das?“

Harald Gatterer: „Beim Zukunftsinstitut nennen wir das Pro-Aging. Wir sind davon überzeugt, dass alte Menschen der Gesellschaft viel geben könnten, wenn man sie denn lassen würde. Sie können zum Beispiel auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen, der für viele Unternehmen sehr wertvoll ist. Alte Menschen sind gelassener als junge und ruhen mehr in sich, was angesichts der rasanten technischen Entwicklung positiv ist.“

Nils Rohland: „Sie meinen, man sollte ältere Arbeitnehmer nicht mehr zwangsweise in Rente schicken?“

Harald Gatterer: „Ich meine, dass wir nach immer mehr Wachstum streben und dabei großes Potenzial links liegen lassen. Es gibt viele Senioren, die sich gerne über das Rentenalter hinaus in ihrem Betrieb einbringen würden, dies aber wegen der gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht können. Älter zu werden heißt, viele Erfahrungen zu sammeln und entspannter zu werden. Das ist ein Riesenvorteil.“

Nils Rohland: „Es gibt aber bestimmt auch viele Senioren, die froh sind, dass sie nach 45 Arbeitsjahren in Rente gehen können.“

Harald Gatterer: „Auf jeden Fall! Und denen will ich auch nicht vorschreiben, dass sie länger arbeiten müssen. Ich denke nur, dass man das Renteneintrittsalter flexibler gestalten sollte. Wir beobachten beispielsweise, dass sich immer mehr Rentner selbstständig machen, um noch länger arbeiten zu können. Die fühlen sich sonst aufs Abstellgleis geschoben.“

Nils Rohland: „Ist 70 also die neue 50?“

Harald Gatterer: „Ich würde eher sagen, dass sich das Selbstbild der 70-Jährigen ändert. Schon die Generation unserer Eltern geht doch ganz anders mit ihrem Alter um, als ihre Eltern es taten. Sie sind viel aktiver, gehen raus, vernetzen sich, fliegen in den Urlaub. In vielen Branchen gibt es mittlerweile spezielle Angebote für Rentner, weil die Senioren noch etwas erleben möchten.“

Nils Rohland: „Aber Sie haben es selbst gesagt: Die Renten sinken, während die Kosten steigen. Können wir uns die alternde Gesellschaft überhaupt leisten?“

Harald Gatterer: „Wesentliche Faktoren sind die Pflege und in vielen Fällen die Kosten für die Unterbringung in einem Seniorenheim. Bei letzterem Punkt bin ich übrigens sehr froh, dass immer mehr Alternativen dazu entstehen: Gemeinschaftliche Wohnprojekte treten an die Stelle von Altersheimen. Dort helfen sich die Senioren gegenseitig oder bilden Wohngemeinschaften mit jüngeren Bewohnern. Das ist eine tolle – und günstigere – Form des Zusammenlebens.“

Nils Rohland: „Können Sie sich auch vorstellen, später in einer Senioren-WG zu leben?“

Harald Gatterer: (Lacht:) „Ich bin jetzt 45 und kann mir vorstellen, erst mal noch 30 Jahre zu arbeiten.“

Über Harald Gatterer

Harald Gatterer ist geschäftsführender Gesellschafter des Zukunftsinstituts mit Sitz in Frankfurt am Main und Wien. 2017 übernahm er die Mehrheitsanteile am Unternehmen von Matthias Horx, dem Gründer des Zukunftsinstituts.


Seine Kernkompetenz liegt in der Verknüpfung von gesellschaftlichen Trends und unternehmerischen Entscheidungen. Mit dem Zukunftsinstitut unterstützt Harald Gatterer Unternehmen dabei, relevante Trends zu erkennen und für sich zu nutzen.


In der von ihm entwickelten Future-Room-Methode stecken 20 Jahre Erfahrung als Unternehmer und Zukunftsforscher. Heute arbeiten sowohl kleine und mittlere als auch international renommierte Unter nehmen sowie öffentliche Institutionen mit dem Future Room.

Harald Gatterer

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