„Wer gut streut, rutscht nicht aus.“

Führerschein, Auslandsjahr, Auszug von zu Hause, Studium, Hochzeit: Nur einige der Vorhaben, auf die Eltern finanziell vorbereitet sein wollen. Deutsche Bank-Berater Siegfried Franz weiß, wie sie für Ihr Kind vorsorgen können und warum sie damit früh starten sollten.

„Wer gut streut, rutscht nicht aus.“

Studium, Führerschein oder Auslandsjahr: Wünsche, die Eltern gerne erfüllen möchten, wenn die Kinder groß sind. Siegfried Franz, Kundenberater bei der Deutschen Bank, spricht über finanzielle Vorsorge fürs Kind und erklärt, warum sie möglichst früh starten sollte.

Herr Franz, gerade in der ersten Zeit nach der Geburt haben junge Eltern meist andere Dinge als Geldanlage im Kopf. Warum sollten sie sich da schon mit der finanziellen Zukunft ihres Kindes beschäftigen?

Sicher, in den ersten Monaten sind andere Themen wichtig: Taufe oder die Suche nach einem Kita-Platz. Gleichzeitig aber wollen Eltern für ihren Nachwuchs die besten Chancen, etwa was Bildung angeht. Das kostet Geld – und je früher Eltern anfangen, dafür zu sparen, umso einfacher ist es.

Warum ist das so?

Dafür sorgt der Zinseszinseffekt: Erträge werden zusammen mit dem ursprünglichen Anlagebetrag neu angelegt. Das vorhandene Kapital wird verzinst, und auf die Zinsen gibt es erneut Zinsen – das Momentum einer Einmalanlage wird damit ausgeschaltet. Ein Beispiel: Wer für ein Kind, das im März 2000 geboren wurde, jeden Monat 50 Euro in einem globalen Aktienfonds-Sparplan angelegt hat, kann heute, also nach 20 Jahren, über fast 28.000 Euro verfügen – bei einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von sieben bis neun Prozent. Eingezahlt wurden aber nur 12.000 Euro, der Rest ist Anlagegewinn. Wer erst 2004 begonnen hat, kommt auf nur 20.000 Euro – bei gleicher Rendite und monatlichen Einzahlungen.

Studium oder Ausbildung sind der Klassiker. Mit wie viel Geld sollten Eltern dabei rechnen?

Die Studienkosten hängen von vielen Aspekten wie etwa der Miete, Semestergebühren oder Auslandssemestern ab. Doch grob überschlagen kostet ein Studium mit einer durchschnittlichen Dauer von rund acht Semestern 40.000 Euro. Entscheiden sich Jugendliche für eine Ausbildung, beziehen sie anders als Studierende ein Gehalt. Doch auch hier kann es sein, dass die Eltern finanziell einspringen müssen, etwa für die Miete oder Ausbildungskosten. Nicht jede Ausbildung wird vergütet, Physiotherapeuten beispielsweise müssen für die Ausbildung zahlen.

Für welche anderen Vorhaben der Kinder ist es sinnvoll, frühzeitig Geld zurückzulegen?

Das entscheidet natürlich jede Familie für sich, aber es gibt einige Dauerbrenner wie Führerschein oder erstes Auto. Manche sparen auch für die Hochzeitsfeier oder ein Auslandsjahr. Hier fallen rund 5.000 bis 10.000 Euro an. Eine andere Ausgabe ist der Auszug des Kindes: Ein Umzug kostet, eine Einrichtung muss gekauft werden, vielleicht eine Küche. Da kommen auch schnell 10.000 Euro zusammen.

Nun haben Eltern ja meist keine unbegrenzten Mittel zur Verfügung. Welche monatliche Summe ist denn aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Entscheidend sind immer die finanzielle Situation und die Ziele der Eltern. Sparpläne lassen sich schon mit 25 Euro im Monat bedienen – für die meisten Familien aber sind 100 Euro im Monat ein guter Richtwert. Häufig geben auch Großeltern oder Paten etwas dazu. Werden die Geldzuwendungen zielgerichtet eingesetzt, können daraus nach 20 Jahren 50.000 Euro werden – ein ordentliches Startkapital. Übrigens: Die Beträge lassen sich jederzeit reduzieren oder aussetzen. Denn ein Sparplan ist freiwillig – ähnlich wie ein Dauerauftrag.

Wo sollten die 100 Euro angelegt werden – auf dem Sparbuch?

Eher nicht. Auf Sparbücher oder auch Bundesschatzbriefe gab es viele Jahrzehnte lang gute Zinsen – in der heutigen Niedrigzinsphase ist das aber nicht mehr so.

Welche Folgen hat das?

Wenn es wie aktuell keine oder nur sehr niedrige Zinsen gibt, reichen diese Anlageformen nicht aus, um auch nur die Inflation auszugleichen. Denn bei einer Inflationsrate von zwei Prozent bleiben von 1.000 Euro nach zehn Jahren nur noch rund 800 Euro an Kaufkraft übrig.

Welche Anlage könnte denn interessant sein?

Mit Blick auf eine gute Rendite sind Fondssparpläne auf Aktien eine Alternative. Klar, hier gibt es mehr Risiken als beim Sparbuch, aber über einen Zeitraum von zehn bis 20 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit, mit einem Fondssparplan Verluste zu machen, gering. Zudem können Anleger bei einem Sparplan vom sogenannten Cost-Average-Effekt profitieren: Da bei diesem ratierlichen Sparen über einen langen Zeitraum Geld angelegt wird, kauft man zu einem unterm Strich günstigeren Preis. Kursschwankungen können so ausgeglichen werden. Wichtig ist, langfristig zu investieren. Gerade unerfahrene Anleger sollten zudem nicht unbedingt gleich auf Einzelaktien setzen, sondern verschiedene Branchen und Regionen abdecken, etwa mit einem globalen Aktienfonds-Sparplan – ganz nach dem Motto „Wer gut streut, rutscht nicht aus“.

Wie lässt sich vermeiden, dass die Anlage gerade dann niedrig notiert, wenn das Kind 18 ist und das Geld braucht?

Auch hier ist Streuung wichtig: Ein langfristig ausgerichteter Fondssparplan sollte um andere Anlageformen ergänzt werden, um eher kurzfristige Ausgaben zu decken. Da kommt dann wieder das Sparbuch ins Spiel: Für diese kurzfristigen Kosten, etwa für Klassenfahrten oder ein neues Fahrrad, ist es bestens geeignet. Dort kann ich Geld entnehmen und muss, wenn der Fondssparplan kurzzeitig niedrig notiert, keine Verluste realisieren.

Wie sorgen Sie selbst für Ihre Kinder vor?

Wir haben noch keinen Nachwuchs – aber ich habe ein fünf Jahre altes Patenkind, ein Mädchen. Seit ihrer Geburt zahle ich monatlich insgesamt 100 Euro in fünf Aktienfonds-Sparpläne ein – im Versicherungsmantel als Vorsorgelösung. Wenn sie 25 ist, kann sie die Zahlungen übernehmen.

Warum haben Sie sich für diese Anlageform entschieden?

Bei meinem Patenkind lässt sich gut sehen, wie breit die Vorsorge aufgestellt ist. Die Großeltern machen das klassische Sparbuch. Die Eltern sparen auf meinen Rat hin in Investmentanlagen wie ETF, Fonds und Aktien – etwa für ein mögliches Studium, ein Auto oder die erste Wohnungseinrichtung. Da blieb für mich nur noch die sehr langfristige Perspektive – deshalb die Vorsorgelösung mit Aktienfonds-Sparplänen.

Man sieht: Viele Großeltern hängen am Sparbuch. Wie können sie oder auch die Paten von den Vorteilen der Aktie überzeugt werden?

Wie beschrieben, kann auch das Sparbuch weiterhin eine sinnvolle Ergänzung sein. Großeltern oder Paten können ihren Beitrag auch an die Eltern überweisen, und diese legen es dann an. In jedem Fall aber sollten sich alle, die dem Kind finanziell etwas Gutes tun wollen, mit den Eltern abstimmen.

Wann sollten Kinder auf das angelegte Kapital zugreifen können?

Rechtlich ist es so, dass die Eltern über das Geld verfügen, bis ihr Kind volljährig ist. Es kann aber, wenn die Eltern das wollen, auf den Namen des Kindes angelegt werden, etwa um Steuerfreigrenzen auszuschöpfen. Auch die Konto- und Depotverbindung kann auf den Namen des Kindes eröffnet werden, wenn die gesetzlichen Vertreter zustimmen. Das hat zudem den Charme, dass Paten oder Großeltern direkt auf den Namen des Kindes überweisen können.

Wo können sich Eltern beraten lassen, die für ihr Kind finanziell vorsorgen wollen?

Am sinnvollsten ist ein ausführliches Gespräch mit einem Bankberater. Dabei wird geklärt, wie viel Geld zur Verfügung steht und welche Ziele den Eltern wichtig sind. Aus meinem Beratungsalltag weiß ich: Viele Menschen kümmern sich zu wenig um die Geldanlage für ihr Kind, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Aber nichts tun ist das Schlechteste, was man machen kann.


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