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Aus den Regionen

Aus den Regionen

29.09.2020

Mit Zuschuss in die Niederlassung

Die Investition in eine Niederlassung fällt häufig leichter, wenn dafür Fördergelder in Anspruch genommen werden können.
Das Beispiel Bayern zeigt, welche Summen im Einzelfall fließen können.

Wer sich niederlassen möchte, muss viele Faktoren bei der Standortwahl bedenken: Wie ist die Nachfrage nach den angebotenen medizinischen Leistungen in der Region? Welche anderen Praxen gibt es im Umfeld? Welche Praxis könnte übernommen werden? Wie ist die Infrastruktur? Zunehmend gilt es aber auch, die Fördermöglichkeiten zu berücksichtigen. Immer mehr Regionen in Deutschland bieten finanzielle oder andere Unterstützungsformen für eine Niederlassung. In aller Regel sind diese daran gekoppelt, dass in dem Gebiet eine Unterversorgung festgestellt wurde oder dass die Region davon bedroht ist. Diese Feststellung trifft in den KVen der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen.

Das Beispiel Bayern zeigt, dass diese Unterstützungen zum Teil mit ansehnlichen Summen verbunden sind. Nachdem der Landesausschuss im Frühsommer elf weitere Regionen im Freistaat als von Unterversorgung bedroht und eine Region als faktisch unterversorgt eingestuft hat, sind dort Förderungen möglich. Für den hausärztlichen Bereich wurden Ansbach Nord, Donauwörth Nord, Geisenhausen, Landau an der Isar, Schweinfurt Süd sowie Neustadt bei Coburg als drohend unterversorgt eingestuft. Gleiches gilt für die dermatologische Versorgung in den Landkreisen Dingolfing-Landau, Regen und Wunsiedel sowie für die nervenärztliche Versorgung in Lindau (Bodensee) und Rhön-Grabfeld.

Förderung auch für Zweigpraxen

Ärzte dieser Fachgruppen, die in den genannten Regionen eine Praxis übernehmen oder sich neu niederlassen, können von der KV Bayern mit einer Förderung von bis zu 60.000 Euro rechnen. Wer dort eine Zweigpraxis gründet, kann bis zu 15.000 Euro bekommen. Wer einen Arzt dieser Fachgruppen anstellt, kann auf bis zu 4.000 Euro im Quartal hoffen.

Noch höher fallen die Fördersummen im hausärztlich unterversorgten Planungsbereich Eggenfelden Nord aus. Für eine Praxisgründung werden dort bis zu 90.000 Euro von der KV gezahlt, für eine Zweigpraxis bis zu 22.500 Euro. Zusätzlich zur KV-Förderung haben einige Länder – auch Bayern – weitere Programme aufgelegt.


29.09.2020

Kommunen im Norden setzen auf MVZ

Junge Ärzte haben im ambulanten Sektor zunehmend die Wahl: selbstständig oder angestellt, Voll- oder Teilzeit, Einzelpraxis, Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) oder Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) – auch mit Kommunen als Träger.

Kommunen werden als Träger von Einrichtungen in der ambulanten Versorgung zwar nicht die Regel – wo sich aber schwer Nachfolger für bestehende Praxen finden, ist die Gründung kommunaler MVZ zumindest eine Option geworden.

Damit einher geht häufig die Zusammenlegung mehrerer Zulassungen. So werden aus Einzelpraxen größere Einheiten, in denen die Optionen für junge Ärzte, die mehr Wahlmöglichkeiten bei den Arbeitszeiten schätzen, steigen.

Erste Gemeinden wie Büsum haben vorgemacht, dass solche Modelle funktionieren können. Neu ist, dass auch kleinere Städte inzwischen als Träger in die ambulante Versorgung gehen – wenn sich abzeichnet, dass diese nicht von Ärzten selbst organisiert wird. Das zeigen zwei aktuelle Beispiele aus Schleswig-Holstein.

Aus vier Einzelpraxen wird ein MVZ

In der Stadt Bad Bramstedt, eine halbe Autostunde nördlich von Hamburg, soll der MVZ-Betrieb in der ersten Jahreshälfte 2021 mit vier vormals selbstständigen Ärzten starten, die dann angestellt arbeiten werden. Die Stadt mit rund 15.000 Einwohnern hofft, mit diesem Modell jüngere Ärzte für eine Anstellung zu finden. Die Nachfolgersuche für Einzelpraxen war zuvor schwierig.

Das gleiche Modell mit ebenfalls vier bislang selbstständigen Ärzten verfolgt die Industrie- und Hafenstadt Brunsbüttel, wo 12.000 Menschen leben. In beiden Städten begleitet die Ärztegenossenschaft Nord die Entwicklung seit 2019 und hat dafür mit Ärzten und Kommunen Gespräche über mögliche Lösungen geführt. Auch in der Gründungsphase wird die Genossenschaft die MVZ unterstützen.

Der niedersächsische Landkreis Cuxhaven prüft derzeit ebenfalls, ob die ambulante Versorgung von einem kommunal getragenen MVZ-Modell profitieren könnte.


29.09.2020

Erfolgreiches Telekonsil in NRW

Das an Universitätskliniken vorhandene Expertenwissen lässt sich telemedizinisch auch von anderen Krankenhäusern nutzen. Dieser Grundgedanke liegt dem Projekt des Virtuellen Krankenhauses in Nordrhein Westfalen zugrunde. Seine erste Bewährungsprobe hat das Projekt noch vor dem offiziellen Startschuss bestanden: Wegen der Corona-Pandemie ging die Einrichtung früher als geplant live.

Damit konnten die Kliniken des Landes bei der Versorgung von schwer erkrankten COVID-19-Patienten auf Intensivmedizinisches und infektiologisches Fachwissen der Universitätskliniken Aachen und Münster zugreifen. Die Experten der beiden Häuser stellten ihre Expertise über insgesamt 843 telemedizinische Konsile zur Verfügung. Davon profitierte die Behandlung von 97 schwer erkrankten Patienten, die in 32 Kliniken in Nordrhein Westfalen betreut wurden.

Häufigstes Thema zwischen den Uni Experten und ihren Kollegen in den kleineren Häusern war die Beatmung von Patienten bei Lungenversagen. Von den behandelnden Ärzten kam positives Feedback zu diesem ersten Einsatz des Virtuellen Krankenhauses. Sie gaben an, durch die Konsile ein höheres Maß an Behandlungssicherheit gewonnen zu haben. Positiv bewerteten sie auch, dass die Konsile ihren Patienten belastende Transportwege erspart und einen effektiveren Einsatz von Expertenwissen ermöglicht haben. Das Virtuelle Krankenhaus soll nun auf andere Indikationen ausgedehnt werden.

Redaktion:
Springer Medizin, Postfach 2131, 63243 Neu-Isenburg, Hauke Gerlof (V. i. S. d. P.)