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Finanzen

29.09.2020

Selbstständigkeit bietet Ärztinnen viele Vorteile

Medizin ist keine männliche Domäne mehr. In manchen Bundesländern gibt es schon heute mehr Ärztinnen als Ärzte. Doch nur vergleichsweise wenige Ärztinnen entscheiden sich für die Selbstständigkeit. Dabei könnten sie als Praxisinhaberinnen ihren Alltag flexibler gestalten. Familie und Beruf können sich in der Selbstständigkeit oftmals sogar besser miteinander vereinbaren lassen als in einer Anstellung.

Die Medizin wird weiblicher. Jahrzehntelang dominierten Männer die ärztliche Versorgung, dieses Bild wandelt sich nun zunehmend. Die Statistiken der Bundesärztekammer weisen für die vergangenenJahre einen stetig steigenden Frauenanteil in der Ärzteschaft aus. In den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Berlin, Sachsen,Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg Vorpommern und Hamburg praktizieren schon heute bereits deutlich mehr Ärztinnen als Ärzte.1 Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen, denninzwischen ist laut Statistischem Bundesamt auch die Mehrheit der Medizinstudierenden weiblich.

Geht es darum, eine Arztpraxis zu gründen oder zu übernehmen, stellt sich jedoch ein komplett anderes Bild dar: Ärztinnen machen sich deutlich seltener selbstständig als ihre männlichen Kollegen. Der Grund: Schon für Medizinstudentinnen spielt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine zentrale Rolle bei der Berufsplanung. DieVorstellung, Beruf und Familie als niedergelassene Ärztin mit eigener Praxis unter einen Hut zu bringen, gilt vielen Medizinerinnen noch immer als eine besondere Herausforderung. Laut KarMed-Studie halten 56 Prozent der angehenden Ärztinnen deshalb eine feste Teilzeitstelle für erstrebenswert. Zum Vergleich: Nur 14 Prozent derkünftigen Ärzte sehen darin ein Problem. 

Warum die eigene Praxis oft mehr Freiheiten bietet

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, Beruf und Familie ließen sich in einer Selbstständigkeit nur schwer vereinbaren, gibt es für Medizinerinnen gute Gründe, ihre Zurückhaltung bei Praxisgründungen und -übernahmen zu überdenken. Tatsächlichmüssen Work-Life-Balance und Familienplanung nicht im Widerspruch zur eigenen Praxis stehen – im Gegenteil. Denn eine Ärztin, die ihre eigene Chefin ist, muss sich nicht an vorgegebene Dienstpläne halten. Sie kann ihre Sprechstunden und Arbeitszeiten relativ flexibel einteilen. Teilzeit ist zudem grundsätzlich auch in der eigenen Praxis möglich: Das Vertragsarztrecht erlaubt es niedergelassenen Ärztinnen, ihren Versorgungsauftrag – und damit auch den vorgeschriebenen Umfang der Sprechstunden in der Praxis – auf die Hälfte einer hauptberuflichen Tätigkeit zu reduzieren. So bleibt genug Zeit für die Familie oder eine andere freiberufliche Aufgabe. Kündigt sich Nachwuchs an, können sich Ärztinnen während der Schwangerschaft oder nach der Geburt des Kindes vom ärztlichen Bereitschaftsdienst befreien lassen und sich eine Vertretung in die Praxis holen. Auch andere Modelle sind denkbar. Wer etwa anstelle einer Einzelpraxis eine Gemeinschaftspraxis gründet, ein Job-Sharing-Modell praktiziert oder den Einstieg in eine bestehende Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) wählt, hat ebenfalls mehr Möglichkeiten für eine flexible und selbstbestimmte Zeitplanung als in einer Anstellung.

Chance für heutige Praxisinhaber

Nicht nur für die Ärztinnen selbst, sondern auch für ihre männlichen Kollegen, die als niedergelassene Ärzte einen Praxisverkaufplanen, ergeben sich aus dem Wandel der Strukturen in der Ärzteschaft neue Chancen. Vor allem dann, wenn sie die besonderen Bedürfnisse junger Ärztinnen besser berücksichtigen. Fakt ist: Je flexibler das Praxismodell in Bezug auf Teilzeitanstellungen, Kinderbetreuung und familiengerechte Dienstzeiten ist, desto attraktiver kann es für junge Ärztinnen sein. In gesperrten Zulassungsbereichen könnte beispielsweise ein frühzeitig angelegtes Job-Sharing-Modell interessant sein, um die Chance auf eine spätere Praxisübernahme durch eine Kollegin zu erhöhen. Einzelheiten zu den Rahmenbedingungen erhalten Ärztinnen bei der Kassenärztlichen Vereinigung.

>> Bei allen Fragen rund um die Finanzierung für eine Nachfolgeoder die Praxisgründung sind die Heilberufe Betreuer der Deutschen Bank kompetente Ansprechpartner und stehen mit ihrem Know-how Ärztinnen und Ärzten gerne zur Verfügung.

Quellen:
1 www.aerzteblatt.de/nachrichten/103036/frauenan- teil-unter-praxisaerzten-steigt-allmaehlich-weiter; www.bundesaerztekammer.de/ueber-uns/aerzte­ statistik/aerztestatistik-2019/gesamtzahl-der-aerzte/