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Neues zum Honorar

Honorar

29.09.2020

Honorarplus von 1,25 Prozent für Ärzte

Erst der Erweiterte Bewertungsausschuss hat die Honorarverhandlungen zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Krankenkassen entschieden. Das Ergebnis, ein Honorarplus von 1,25 Prozent, wirkt enttäuschend, bewegt sich aber in etwa auf dem Niveau der Vorjahre.

Der Orientierungswert für vertragsärztliche Leistungen im EBM steigt ab 01. Januar 2021 von bisher 10,9871 auf dann 11,1244 Cent. Diese Erhöhung des „Punktwertes“ um 1,25 Prozent hat der Erweiterte Bewertungsausschuss unter Vorsitz des Gesundheitsökonomen Professor Dr. Jürgen Wasem Mitte September entschieden. Durch die Steigerung fließen den Vertragsärzten nach Angaben der Verhandlungspartner im kommenden Jahr rund 470 Millionen Euro zusätzliches Honorar zu.

Weitere Verhandlungen in den Regionen

Bereits Mitte August hatte der Bewertungsausschuss die regionalen Veränderungsraten im Hinblick auf Morbidität und Demografie festgelegt. Sie bilden die Grundlage für die regionalen Honorarverhandlungen auf KV-Ebene, die im Oktober beginnen. Die KBV erwartet aufgrund des steigenden Behandlungsbedarfs einen zusätzlichen Vergütungsaufschlag von 70 Millionen Euro, die sich allerdings ungleichmäßig auf die KVen verteilen. Die  beschlossenen Veränderungsraten aufgrund der Diagnosen liegen zwischen minus 0,4 Prozent und plus 0,9 Prozent.

Steigerung über der Inflationsrate

Das Honorarplus bewegt sich in etwa auf Höhe der vergangenen Jahre. Für dieses Jahr hatten die Vertragsärzte nach KBV-Angaben 565 Millionen Euro mehr erhalten, 2019 waren es 550 Millionen Euro. 2018 standen dagegen lediglich 438 Millionen Euro zu Buche, 2017 sogar nur 315 Millionen Euro. Die beschlossenen 1,25 Prozent Plus sind deutlich höher als die für Deutschland prognostizierte Inflationsrate in Höhe von 0,3 bis 0,6 Prozent.
Dennoch zeigt sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung enttäuscht über das Ergebnis, da sie rund drei Prozent mehr Honorar gefordert hatte. Auch angesichts der zu erwartenden Zahlungen in Milliardenhöhe aus der Staatskasse für die Modernisierung der Krankenhäuser und des öffentlichen Gesundheitsdienstes.
Die Krankenkassen erwarten allerdings, dass das Gesamthonorar der Vertragsärzte im kommenden Jahr sogar um eine Milliarde Euro steigen wird. Zur Begründung führen die Kassen an, dass extrabudgetär gezahlte und gänzlich neu in den Leistungskatalog aufgenommene Leistungen wie z. B. die Zuschläge für schnelle Terminvermittlung zu einer zusätzlichen Erhöhung führen werden.

Honorarzuwächse

29.09.2020

Mehr Sicherheit bei Telemedizin nach GOÄ

Bundesärztekammer, PKV-Verband und Beihilfe haben sich auf Abrechnungsempfehlungen für telemedizinische Leistungen geeinigt. Ärzten, die beispielsweise Videosprechstunden privat abrechnen wollen, vermittelt dies mehr Sicherheit.

Die neuen Abrechnungsempfehlungen machen eine Telemedizin für Privatpatienten möglich, die nach Auskunft der Bundesärztekammer auch in Zukunft durch eine neue GOÄ zu erwarten wäre.

Da diese in dieser Legislaturperiode aller Voraussicht nach nicht mehr kommen wird, vermitteln die neuen Abrechnungsregeln zur Fernbehandlung von Privatpatienten eine hohe Verbindlichkeit, die bisher nicht gegeben war.

Interessante Leistungen:
— Beratung per E-Mail: analog GOÄ-Nr. 1, aus Datenschutzgründen weiterhin ausgeschlossen: Beratung per Chat / SMS.
— Videosprechstunde: originäre GOÄ-Nrn. 1 und 3, je nach Länge der Beratung.
— Visuelle symptomatische Untersuchung: z. B. über Videosprechstunden, analog GOÄ-Nr. 5 (symptombezogene
Untersuchung).
— Fallkonferenz/Telekonsil: z. B. Vorstellung eines Patienten in einer multiprofessionellen Videokonferenz, analog GOÄ-Nr. 60 (konsiliarische Erörterung).
— Digitale Gesundheitsanwendungen: Verordnung und Einweisung z. B. in Gesundheits-Apps, analog GOÄ-Nr. 76 (schriftlicher Diätplan, individuell erstellt).
— Telemetrische Funktionsanalyse eines Herzschrittmachers, Kardioverters /Defibrillators: Übertragung z. B. aus
der häuslichen Umgebung des Patienten in die Praxis, analog GOÄ-Nr. 661 (Überwachung Herzschrittmacher).


29.09.2020

Honorar Tipp: Extrabudgetäres Honorar ohne Regressangst

Die Corona-Pandemie hat Befürchtungen in Deutschland hervorgerufen, im Herbst und Winter von einer doppelten
Infektionswelle überrollt zu werden:
Deutlich ansteigende Zahlen von COVID-19-Erkrankten treffen auf viele Influenza-Fälle.

Um dieses Kollisionsszenario zu vermeiden, hat die Gesundheitspolitik ein Bündel von Maßnahmen in die Wege geleitet:
Unter anderem hat sich der Bund eine eiserne Reserve von mehr als fünf Millionen Impfdosen gegen Influenza reservieren lassen.

Aber auch an die niedergelassenen Ärzte haben die Politiker gedacht:
— Weniger Regressangst: Mit dem zweiten Corona-Paket ist beschlossen worden, dass eine Überschreitung der bestellten Menge an Impfdosen um bis zu 30 Prozent im Vergleich zu den tatsächlich erbrachten Impfungen nicht als unwirtschaftlich gilt.
— Extrabudgetäres Honorar: Dass Impfungen außerhalb des Budgets vergütet werden, ist bekannt. Je nach Impfvereinbarung erhalten Ärzte zwischen 7 und 9,50 Euro je Impfung honoriert.

Wer also in der Impfsaison die bekannten Risikogruppen aktiv anspricht und genug Impfdosen bestellt, kommt in eine Win-win-win-Situation: mehr extrabudgetäres Honorar, besser geschützte Patienten und Entlastung der Praxis, weil weniger Grippepatienten die Praxis stürmen – und das (fast) ohne Regressangst.

Redaktion:
Springer Medizin, Postfach 2131, 63243 Neu-Isenburg, Hauke Gerlof (V. i. S. d. P.)