Was ist bei Investitionen in meine Arztpraxis zu beachten?

Praxis gründen: Erfahrungen von einer innovativen Hybridpraxis

Eine eigene Praxis zu gründen, ist für viele Ärztinnen und Ärzte ein großer Schritt. Noch anspruchsvoller wird es, wenn das eigene Modell nicht dem klassischen Bild einer Arztpraxis entspricht. Die Kardiologin Dr. Parinaz Yavarzadeh hat genau diesen Weg gewählt: Sie verbindet persönliche Behandlung vor Ort mit digitalen Angeboten und Prävention für Unternehmen. Ihr Ziel: Patientinnen und Patienten früher erreichen, Wartezeiten verkürzen und medizinische Beratung flexibler machen.

„Mein Ziel war es von Anfang an, Menschen früher zu erreichen und Prävention einfacher zugänglich zu machen – bevor aus Risikofaktoren Erkrankungen werden“, sagt die Kardiologin.

Aus dieser Haltung heraus entstand die Idee einer Hybridpraxis: ein Modell, das digitale Möglichkeiten nutzt, ohne den
persönlichen Kontakt zu ersetzen.

Der Auslöser:
eine Patientin, sechs Monate Wartezeit und eine einfache Frage

Am Anfang stand kein Businessplan, sondern eine konkrete Erfahrung aus dem Praxisalltag: Eine Patientin musste mehrere Monate warten, um ein EKG auswerten zu lassen – eine Zeit voller Unsicherheit und Angst. Für Dr. Yavarzadeh war das ein Schlüsselmoment. 

„Warum müssen Patient:innen so lange warten, wenn vieles auch digital möglich wäre?“, fragt sie rückblickend. „Mich hat vor allem beschäftigt, was diese Wartezeit für die Patientin bedeutet hat – Monate voller Unsicherheit. Mir war klar: Das muss auch anders gehen. Wenn es das noch nicht gibt, dann mache ich es eben selbst.“

Hybrid statt rein digital: Innovation innerhalb klarer Rahmenbedingungen

Eine rein digitale Praxis war regulatorisch nicht möglich. Deshalb entwickelte Dr. Yavarzadeh ein hybrides Modell: mit klar definierten Online-Leistungen, einer physischen Praxisstruktur, zertifizierten medizinischen Tools sowie strengen Datenschutz- und Hosting-Anforderungen. Der Weg dorthin war aufwendig – und nicht frei von Skepsis. 

Gerade diese Kombination aus digital und persönlich sieht sie als zukunftsfähig:

„Für mich ist die Hybridpraxis ein Werkzeug, um Versorgung früher, flexibler und näher an den Menschen zu ermöglichen.“

Denn digitale Medizin kann Prozesse erleichtern, Aufklärung verbessern und Menschen dort erreichen, wo klassische Strukturen an Grenzen stoßen.

Gründen heißt auch: Unternehmerin werden

Medizinische Expertise allein reicht für eine Praxisgründung nicht aus. Finanzierung, Businessplan, Buchhaltung, Marketing, Vertrieb und Prozesse gehören genauso dazu. Genau darin lag für Dr. Yavarzadeh eine der größten persönlichen Herausforderungen.

„Ich bin in erster Linie Ärztin. In diesem Prozess habe ich gelernt, dass Unternehmertum bedeutet, jeden Tag Entscheidungen zu treffen, obwohl man nicht auf alles eine Antwort hat." Vieles musste sie sich selbst erarbeiten: über Gründungszentren, Workshops, Stipendien und ihr Netzwerk. Ihr Fazit ist klar: „Man kommt nicht aus dem Studium und ist Unternehmer – das lernt man unterwegs.“

Für Gründerinnen und Gründer im Gesundheitswesen ist das ein wichtiger Punkt: Wer selbstständig wird, übernimmt nicht nur medizinische Verantwortung, sondern auch unternehmerische. Dazu gehört, Entscheidungen zu treffen, Risiken abzuwägen und Strukturen aufzubauen, die langfristig tragfähigsind.

„Viele Ärztinnen und Ärzte starten mit einer starken fachlichen Idee – und merken im Gründungsprozess, dass sie zusätzlich in eine neue Rolle hineinwachsen: die der Unternehmerin oder des Unternehmers. Genau hier ist individuelle Beratung wichtig: Sie hilft, medizinische Visionen in tragfähige Strukturen zu übersetzen und Entscheidungen von Anfang an auch kaufmännisch mitzudenken“, sagt Manuela Gerau, Beraterin db HealthCare.

Zwei Hürden: Mindset und Selbstzahlermarkt

Bei der Umsetzung zeigte sich schnell: Die technischen Voraussetzungen sind nur ein Teil der Herausforderung. Mindestens genauso entscheidend ist die Akzeptanz. Viele Patientinnen und Patienten sind es gewohnt, medizinische Leistungen ausschließlich vor Ort und über die Krankenkasse wahrzunehmen. Digitale Beratung und Selbstzahlerangebote müssen deshalb gut erklärt werden. Prävention wird häufig erst dann wertgeschätzt, wenn Krankheit bereitsentstanden ist.

„Die größte Hürde ist oft nicht die Technik, sondern das Denken der Menschen“, sagt Dr. Yavarzadeh. Gleichzeitig sieht sie darin auch eine gesellschaftliche Aufgabe: „Wenn Menschen nicht informiert sind, werden wir als Gesellschaft nicht gesünder.“ Aufklärung wird damit nicht nur Teil der medizinischen Arbeit, sondern auch Teil des Geschäftsmodells.

Die Rolle der Bank: mehr als Finanzierung

Für innovative Gründungsmodelle braucht es Partner, die nicht nur auf bestehende Standards schauen, sondern Potenzial erkennen. In der Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank waren für Dr. Yavarzadeh neben der Finanzierung vor allem persönliche Betreuung, faire Konditionen, Vertrauen inihr Modell und zusätzliche Sichtbarkeit wichtig.

„Es macht einen Unterschied, ob jemand nur Geld gibt oder wirklich an dich glaubt“, sagt sie. Die Zusammenarbeit habe ihr Vertrauen und Sichtbarkeit gegeben – und sei „ein wichtiges Sprungbrett“ für ihre Entwicklung gewesen.

Auch aus Sicht der Deutschen Bank HealthCare unterstreicht das Beispiel, welche Bedeutung spezialisierte Beratung bei neuen Versorgungsmodellen haben kann.

„Das hybride Praxismodell von Dr. Yavarzadeh zeigt eindrucksvoll, wie zukunftsträchtig die Verbindung aus persönlicher medizinischer Versorgung und digitalen Angeboten ist. Als Deutsche Bank db HealthCare war es uns wichtig, dieses innovative Geschäftsmodell mit der passenden Beratung und einer tragfähigen Finanzierungslösung zu unterstützen."

Manuela Gerau, Beraterin db HealthCare

Gerade bei Gründungen im Gesundheitswesen zeigt sich: Neben Kapital sind Orientierung, Sparring und Netzwerk entscheidende Erfolgsfaktoren. Denn viele Fragen entstehen erst im Aufbau – von kaufmännischen Prozessen bis zur strategischen Positionierung.

Von der Idee zur erfolgreichen Praxisgründung: Worauf es jetzt ankommt

  • Eine innovative Idee allein reicht nicht aus –entscheidend ist, sie strukturiert und wirtschaftlich tragfähig umzusetzen.
  • Unternehmertum gehört zur Praxisgründung dazu: Wer gründet, übernimmt neben der medizinischen auch unternehmerische Verantwortung.
  • Finanzierung und Businessplan sollten frühzeitig mitgedacht werden, damit aus der Vision ein belastbares Praxismodell entsteht.
  • Neue Praxismodelle benötigen starke Partner und Netzwerke – etwa für Finanzierung, Beratung, Sichtbarkeit und strategische Weiterentwicklung.
  • Innovation entfaltet ihren Wert erst dann, wenn sie dauerhaft tragfähig ist und Patientinnen, Patienten sowie dem Praxisbetrieb konkret nutzt.

Vom Praxisbetrieb zum B2B-Präventionsmodell

Heute entwickelt Dr. Yavarzadeh ihr Modell konsequent weiter. Neben der klassischen Praxis setzt sie auf Präventionsangebote für Unternehmen. Dazu gehören Webinare und Vorträge, digitale Präventionstools sowie Online-Sprechstunden für Mitarbeitende. So erreichen Unternehmen ihre Mitarbeitenden frühzeitig, bevor ausRisikofaktoren Erkrankungen entstehen.

Der Ansatz zeigt, wie sich medizinische Versorgung und betriebliche Prävention miteinander verbinden lassen. Gleichzeitig eröffnet das Modell neue Perspektiven für Ärztinnen und Ärzte, die flexibler arbeiten möchten – etwa durch digitale Formate, planbare Strukturen und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

„Die Frage ist nicht, ob digitale Medizin kommt. Sie ist längst da. Die eigentliche Frage ist, wie wir sie sinnvoll in eine hochwertige medizinische Versorgung integrieren“, sagt die Kardiologin. Ihr Ziel ist es, solche Strukturen weiter auszubauen und mehr Ärztinnen den Zugang zu flexiblen Arbeitsmodellen zu eröffnen.

Was Gründerinnen und Gründer daraus lernen können

Aus dem Weg von Dr. Yavarzadeh lassen sich konkrete Empfehlungen ableiten. Wer eine Praxis gründet oder ein neues Versorgungsmodell aufbauen möchte, sollte unternehmerisches Wissen aktiv aufbauen, früh über Finanzierung und Rollen sprechen, Marketing und Vertrieb mitdenken und daseigene Netzwerk gezielt nutzen.

Vor allem braucht es eine starke Vision. „Man muss bereit sein, Risiko einzugehen – sonst funktioniert es nicht“, sagt sie.

Und: „Die Vision muss stark genug sein, um durch schwierige Phasen zu tragen.“

Ihr Rat ist bewusst realistisch: „Gründung ist nicht romantisch – sie ist harte Arbeit.“ Wer diesen Schritt geht, sollte bereit
sein, Verantwortung zu übernehmen, aus Rückschlägen zu lernen und konsequent dranzubleiben.

Das fragen sich viele Praxisgründer:innen

Die Erfahrungen von Dr. Parinaz Yavarzadeh zeigen, welche Themen bei einer Praxisgründung besonders häufig eine Rolle spielen.

Fazit: Neue Wege entstehen, wenn Versorgung neu gedacht wird

Das Beispiel der Hybridpraxis zeigt: Innovation im Gesundheitswesen ist möglich – wenn medizinische Erfahrung, unternehmerischer Mut und verlässliche Partner zusammenkommen. Digitale Elemente können Versorgung sinnvoll ergänzen, Prävention stärken und neue Arbeitsmodelle ermöglichen. Entscheidend ist, nicht nur eine Idee zu haben, sondern sie strukturiert umzusetzen.

    Für Dr. Yavarzadeh war der Weg in die Selbstständigkeit auch ein Rollenwechsel: von der Ärztin zur Unternehmerin. Ihr Beispiel macht deutlich, worauf es ankommt: eine klare Vision, Lernbereitschaft, ein tragfähiges Netzwerk und der Mut, Versorgung neu zu denken.

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