Wertsteigerung? Von wegen!
„Das ist eine Geldanlage“, so rechtfertigen Menschen gern hohe Ausgaben für Dinge, die sie haben wollen. Manchmal klappt das – oft aber auch nicht.
Corona, Krieg, Inflation und technologischer Wandel prägten in den vergangenen fünf Jahren viele Rohstoffpreise. Jeden Tag ändern sich die Kurse, ganz wie am Aktienmarkt. Foto: pic4/AI genererated
Der Geschmack von gestern
Fein geknüpfte kleine Teppiche, die zur Zierde an der Wand hängen, konnten in den Sechzigern durchaus etliche Tausend Mark kosten. Tatsächlich haben damals viele nicht nur den Anblick genossen, sondern auch auf eine Wertsteigerung gehofft. Das ging mächtig schief: Die Preise für neue und gebrauchte Orientteppiche sind ins Bodenlose gefallen – niemand möchte sie noch haben. Große Teppiche, für die einst 30 000 Mark berappt werden mussten, gehen heute für 300 Euro über den Ladentisch.
Einzig im Luxussegment für alte, besondere Orientteppiche gibt es immer noch Nachfrage – und durchaus Überraschungen: 2011 wurde in London ein persischer Vasenteppich aus dem 17. Jahrhundert für 7,2 Millionen Euro versteigert. Und selbst hier war der Wert nicht für jeden erkennbar – der Teppich war 2009 von einem Augsburger Auktionator auf 900 Euro geschätzt und für nur 19 000 Euro verkauft worden.
Unendlich viel Arbeit, aber kaum mehr Wertschätzung: Orientteppiche sind nicht mehr im Trend. Foto: picture alliance / Artcolor
Sind die echt? Egal!
Etwas Wertbeständigeres als lupenreine und perfekt geschliffene Diamanten konnte man sich lange kaum vorstellen. Als Zeichen der Zuneigung und des Reichtums schien der unvergängliche Edelstein immun gegen Wertverfall. Doch weit gefehlt: Seit einem Höhenflug in der Pandemie haben sich die Karatpreise fast halbiert. Ein Ende der Talfahrt ist nicht absehbar.
Schuld daran sind Labordiamanten. Sie können heute in fast unbegrenzter Menge und höchster Qualität in allen gewünschten Größen hergestellt werden. Und sie haben zwei gewaltige Vorteile: Sie kosten jetzt schon nur einen Bruchteil der geschürften Diamanten und werden immer billiger. Und es klebt kein Blut an ihnen – ein wichtiges Argument für Käufer, die Rebellenkämpfe und Kinderarbeit nicht unterstützen wollen. Diamanten selbst sind nicht vergänglich, ihr Wert dagegen schon.
Echt oder synthetisch? Selbst Experten können das kaum erkennen. Foto: Adobe Stock / www3d
Der Sammlernachwuchs fehlt
Briefmarken sind seit mehr als 100 Jahren das Sammelobjekt schlechthin. Die Stücke kamen umsonst ins Haus, und Opa zeigte nur zu gern seine Alben mit den seltenen Exemplaren. Wer allerdings selbst mal -Philatelist war und seinen „Michel“ auswendig kannte, der wusste schon immer, dass die dort angegebenen Preise im Verkauf nie zu erzielen waren. Trotzdem gab es einen lebendigen Markt, und es wurde erstaunlich viel gezahlt. Das ist vorbei. Viele Erben werden Opas Alben überhaupt nicht mehr los, weil schlicht die Nachfrage fehlt.
Der Markt hat sich auf hochwertige, seltene Marken in Bestzustand verengt. Da allerdings kann einem immer noch die Luft wegbleiben: Ein „Schwarzer Einser“ aus Bayern wechselte im vorigen Jahr für 440 000 Euro den Besitzer. Der bislang höchste Preis wurde für eine rote (nicht blaue!) Mauritius bezahlt: 10,6 Millionen Euro.
Von einst 500 Exemplaren gibt es heute noch zwölf – die Rote Mauritius ist die teuerste Briefmarke der Welt. Foto: picture alliance / imageBROKER
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Die richtige muss es sein
Die Luxusuhr am Arm ist zum Statussymbol vieler Männer -geworden – während man von Villa und Schiff nur -erzählen kann und das Auto kaum aus der Garage kommt, ist der Chronograf stets dabei und gut zu sehen. Die schnell fünfstelligen Beträge lassen sich vor der Gattin mit dem Versprechen einer saftigen Wertsteigerung leichter rechtfertigen. Aufgehen wird diese Rechnung allerdings nur manchmal.
Ein Desaster ist die breite Anlage in Luxusuhren bislang zwar nicht: Der Wertindex ChronoPulse zeigt für die vergangenen sechs Jahre immerhin nach oben. 37,5 Prozent Gewinn von Mitte 2019 bis Mitte 2025 lesen sich beeindruckend – auf Jahresbasis sind das allerdings nur vier Prozent Rendite. Und man braucht das richtige Händchen. Manch ein teures Stück hat fast die Hälfte an Wert eingebüßt. Da weiterhin fleißig und ungehemmt Luxusuhren produziert werden, darf man hinter das Investment zumindest mal ein Fragezeichen setzen.
Wunderwerke der Technik – doch die Musik spielt vorn. Foto: Adobe Stock / Kevin
Nur Alkohol geht (fast) immer …
Dass Menschen gern Geld für gute Getränke ausgeben, ist nichts Neues. Und dass alte Alkoholika Höchstpreise bei Auktionen erzielen, ist auch vielen geläufig – die teuerste Weinflasche wurde für eine halbe Million, der teuerste Whisky sogar für 2,5 Millionen Euro verkauft. Alkohol als Geldanlage für Normalsterbliche ist dagegen ein relativ junges Phänomen, das aber gut ankommt. Schließlich versprechen Wein und Whisky Wertsteigerungen, die klassische Anlagen übertreffen.
Ein Blick auf die Fakten zeigt: Das hat eine ganze Weile funktioniert – aktuell sieht es aber düster aus. Der renommierte Weinindex Liv-ex Fine Wine 1000 stieg von 2004 bis 2022 im Schnitt um beachtliche neun Prozent. Der Whiskyindex RW101 Rare Whisky 100 Icons kletterte zwischen 2013 und 2022 sogar um 17 Prozent pro Jahr. Seitdem geht es allerdings steil abwärts: Der Weinindex hat über ein Viertel, der Whiskyindex sogar 40 Prozent an Wert verloren. Da kann man auch mal wieder eine Flasche öffnen.
Auch Könige schätzen gute Tropfen. Foto: picture alliance/dpa/MAXPPP
03/2026
Chefredaktion: Bastian Frien und Boris Karkowski (verantwortlich im Sinne des Presserechts). Autor: Andreas Knoch. Der Inhalt gibt nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers (Deutsche Bank AG) wieder.