Warum haben Sie keinen Search Fund bemüht?
Mir war damals wichtig, ausschließlich der Bank gegenüber Rechenschaft ablegen zu müssen. Ansonsten bin ich völlig frei. Sobald Investoren eingebunden sind, die über den Search Fund Eigenkapital eingebracht haben, bist du deutlich stärker in der Pflicht. Treffe ich Entscheidungen, spüre ich deren Auswirkungen. Ich muss sie aber nicht ad hoc gegenüber einem Pool an weiteren Beteiligten rechtfertigen.
Wie lief es anfangs, wie läuft es heute? Was hat Sie überrascht?
Für mich hat das meiste sehr gut funktioniert – obwohl ich mich nicht an den Ratschlag gehalten habe, sechs Monate erst einmal zuzuhören und zu lernen.
Der Berater…
Ich habe es wirklich versucht. Aber ich hatte Ideen, auch schon in den ersten Monaten – für Verbesserungen, die leicht umzusetzen waren. Wir haben viele Kleinigkeiten angepasst: digitale Zeiterfassung, digitale Abnahmeprotokolle in der Montage. Dinge, die den Kern der Arbeit nicht verändern, aber Erleichterung bringen.
Und ich war positiv überrascht: Die Firma ist mitgegangen, die Mitarbeiter waren dabei.
Wie ist Ihnen das gelungen?
Wir haben alle Umstellungen transparent besprochen, die erhofften Effizienzgewinne erklärt und waren offen für Kritik. Das Team schätzt die Kommunikation auf Augenhöhe. Und heute kann ich sagen: Die Zahlen untermauern unsere Versprechen.
Außerdem habe ich im Vorfeld Verkäufer und Co-Gesellschafter so lange bemüht, bis ich die Mission verstanden und begriffen hatte, wofür das Unternehmen steht und wohin es sich mit mir entwickeln könnte und sollte. Ich musste begreifen: Was ist der Anspruch, in welchem Preissegment bewegt man sich, woran sollte man nicht rütteln. Daran habe ich mich gehalten und das sehe ich als elementar.
Wie gut kommen Sie mit Ihrem Co-Gesellschafter klar?
Wir haben sehr unterschiedliche berufliche Werdegänge – und ergänzen uns dadurch. Er ist Schreiner, hat selbst Küchen montiert und verkauft. Gemeinsam mit dem Verkäufer hat er dann „Ihr Küchenhaus“ aufgebaut. Mein Wirtschaftshintergrund ermöglicht es, dass die jeweiligen Aufgabenbereiche nicht strittig sind, sondern sich natürlich ergeben.
Natürlich haben wir auch Diskussionen und sind uns mal nicht einig, das halte ich aber für gesund. Bislang haben wir davon nur profitiert. Gerade anfangs war ich außerdem dankbar, dass die Mitarbeiter ihn bereits kannten und sich aufgehoben fühlten.
Haben Sie aus der Beratung etwas mitnehmen können, das Ihnen heute hilft?
Das Beraterwerkzeug, das du über Jahre ansammelst, ist jeden Tag absolut hilfreich: Menschen steuern und begleiten, gut kommunizieren, kritische Gespräche führen, analytisch und systematisch arbeiten, Problemen auf den Grund gehen.
Und was war überflüssige Arbeit?
Das Erstellen von Powerpoint-Folien. Die sind zwar ein wichtiges Mittel zur Abstimmung, nehmen im Beratungsalltag aber oft sehr viel Raum ein. Auch aus persönlichem Interesse bin ich froh, den Fokus voll auf die operative Umsetzung und weniger auf visuelle Aufbereitung legen zu können.
Tipps an andere zum Schluss: Für wen ist die Nachfolgegründung interessant – wann und wie kann es funktionieren?
Als Nachfolgegründer entwickelst du Unternehmen. Du kannst nicht von Null beginnen und auf der grünen Wiese loslegen. Ist das der Wunsch, sollte man gründen.
Klarer Vorteil: Das Unternehmen ist etabliert. Das erlaubt flexible Überlegungen dazu, wie, wann und in welchem Umfang Veränderungen und Investitionen anzugehen sind.
Ein weiterer Punkt ist schlicht das Arbeitspensum – ich bin fester Überzeugung, dass eine Nachfolgegründung mit funktionierenden Strukturen eher ein Privat- und Familienleben erlaubt als das Momentum in einem Start-up.
Beenden Sie Ihre Karriere als Unternehmer?
Auf jeden Fall.