Praxis statt Powerpoint: Vom Unternehmensberater zum Nachfolgegründer

McKinsey und Co. unterstützen bei Wachstum oder Transformation. Daniel Papenberg hat die Beratung verlassen, um eine Nachfolge anzutreten. Er will Unternehmer sein. Im Interview spricht er über entkräftete Vorurteile und überraschende Erfolge.

Daniel Papenberg – früher in der Strategieberatung, heute als Nachfolgegründer selbst in der unternehmerischen Verantwortung. Foto: privat

Daniel, wie haben Sie Ihre berufliche Karriere begonnen?

Nach dem BWL-Studium habe ich bei KPMG angefangen. Vier Jahre später bin ich in die Strategieberatung zu McKinsey gegangen und habe dort mehrere Jahre verbracht.

Ein Werdegang mit sehr guten Karrierechancen – viele strecken sich genau danach. Warum die Entscheidung, das sausen zu lassen?

In der Beratung liegt der Fokus vor allem darauf, Kunden strategisch zu begleiten, fundierte Konzepte zu entwickeln und die finale Entscheidungsfindung zu unterstützen. Die spätere Umsetzung liegt dabei naturgemäß beim Auftraggeber. Ich habe für mich festgestellt, dass ich gerne selbst in die direkte unternehmerische Verantwortung gehen möchte, um Ideen von der ersten Strategie bis zur langfristigen Umsetzung eigenständig zu steuern.

Und ehrlicherweise: Nach so viel Reisezeit ist es auch sehr schön, abends im eigenen Bett einzuschlafen.

Berater hängen immer wieder Karrieren an den Nagel, um Unternehmer zu werden. Der große Teil gründet selbst. Hat Ihnen die zündende Idee gefehlt?

Auch ich wollte ursprünglich gründen; hatte mir bereits Gedanken zu möglichem Markt und Geschäftsmodell gemacht. Dann wurde ich von einem Freund auf die Option der Nachfolgegründung hingewiesen. Ich habe mich mit dem Thema auseinandergesetzt und erkannt: Das passt zu mir.

Wovon sprechen wir: dem Spannungsfeld zwischen Sicherheit auf der einen und Freiheit oder Wachstum auf der anderen Seite. Mir ging es bei der Nachfolge weniger um exponentielles Wachstum als vielmehr um eine verlässliche Kombination aus finanziellem Erfolg und Stabilität. Extrem hohes Wachstum kommt oft mit einem entsprechend hohen Risiko. Ich habe mich bewusst für ein nachhaltiges, bewiesenes Geschäftsmodell mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit entschieden.

„Ich wollte selbst in der Führungsverantwortung stehen“

Daniel Papenberg,
Ihr Küchenhaus

Wie sind Sie in die Suche nach einem passenden Unternehmen gestartet?

Typisch sind Suchen von bis zu zwei Jahren, ich bin mit etwas Glück nach sechs Monaten fündig geworden; mit dem Standardvorgehen: Bemühen der einschlägigen Plattformen, die kleine und mittelständische Unternehmen vermarkten; außerdem habe ich Berater angesprochen und intensiv Kontakt gesucht – ich wollte präsent sein.

Insgesamt habe ich mir etwa 50 Unternehmen in unterschiedlichem Detailgrad angesehen. Schließlich habe ich einen M&A-Berater bezüglich eines Unternehmens gezielt angesprochen. Erst einmal mit enttäuschendem Ausgang: Er sah keinerlei Fit. Aber – er hat mir fünf andere Unternehmen präsentiert; auch „Ihr Küchenhaus“. Und siehe da: Er hatte Recht, das Unternehmen gefiel mir sofort.

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Wie ging es weiter?

Nach dem ersten Gespräch mit dem M&A-Berater folgte das Kennenlernen der geschäftsführenden Gesellschafter. Bei „Ihr Küchenhaus“ gab es die Besonderheit, dass einer der Geschäftsführer weiter beteiligt und operativ eingebunden sein wollte – und ist.

Der große Rest sind Gespräche und noch mehr Gespräche – zuerst geht es um den Preis. Da muss man sich schon einig werden, was ein langwieriger Prozess sein kann.

Mit meinem jetzigen Co-Geschäftsführer war ich dann öfter unterwegs, zum Essen, im Biergarten. Wir mussten ausloten, ob wir uns so weit verstehen, dass wir zusammen ein Unternehmen führen können. Da ist der informelle Rahmen aufschlussreich.

Stichwort Preis: Wie haben Sie die Übernahme finanziert?

Ich habe den Kauf selbst gestemmt über angespartes Eigenkapital und Fremdkapital. Letzteres ist eine Kombination aus Förderdarlehen und Verkäuferdarlehen.

Bundesweite Fördermittel für Nachhaltigkeitsförderungen

Warum haben Sie keinen Search Fund bemüht?

Mir war damals wichtig, ausschließlich der Bank gegenüber Rechenschaft ablegen zu müssen. Ansonsten bin ich völlig frei. Sobald Investoren eingebunden sind, die über den Search Fund Eigenkapital eingebracht haben, bist du deutlich stärker in der Pflicht. Treffe ich Entscheidungen, spüre ich deren Auswirkungen. Ich muss sie aber nicht ad hoc gegenüber einem Pool an weiteren Beteiligten rechtfertigen.

Lesen Sie hier mehr zu Search Fonds

Wie lief es anfangs, wie läuft es heute? Was hat Sie überrascht?

Für mich hat das meiste sehr gut funktioniert – obwohl ich mich nicht an den Ratschlag gehalten habe, sechs Monate erst einmal zuzuhören und zu lernen.

Der Berater…

Ich habe es wirklich versucht. Aber ich hatte Ideen, auch schon in den ersten Monaten – für Verbesserungen, die leicht umzusetzen waren. Wir haben viele Kleinigkeiten angepasst: digitale Zeiterfassung, digitale Abnahmeprotokolle in der Montage. Dinge, die den Kern der Arbeit nicht verändern, aber Erleichterung bringen.

Und ich war positiv überrascht: Die Firma ist mitgegangen, die Mitarbeiter waren dabei.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Wir haben alle Umstellungen transparent besprochen, die erhofften Effizienzgewinne erklärt und waren offen für Kritik. Das Team schätzt die Kommunikation auf Augenhöhe. Und heute kann ich sagen: Die Zahlen untermauern unsere Versprechen.

Außerdem habe ich im Vorfeld Verkäufer und Co-Gesellschafter so lange bemüht, bis ich die Mission verstanden und begriffen hatte, wofür das Unternehmen steht und wohin es sich mit mir entwickeln könnte und sollte. Ich musste begreifen: Was ist der Anspruch, in welchem Preissegment bewegt man sich, woran sollte man nicht rütteln. Daran habe ich mich gehalten und das sehe ich als elementar.

Wie gut kommen Sie mit Ihrem Co-Gesellschafter klar?

Wir haben sehr unterschiedliche berufliche Werdegänge – und ergänzen uns dadurch. Er ist Schreiner, hat selbst Küchen montiert und verkauft. Gemeinsam mit dem Verkäufer hat er dann „Ihr Küchenhaus“ aufgebaut. Mein Wirtschaftshintergrund ermöglicht es, dass die jeweiligen Aufgabenbereiche nicht strittig sind, sondern sich natürlich ergeben.

Natürlich haben wir auch Diskussionen und sind uns mal nicht einig, das halte ich aber für gesund. Bislang haben wir davon nur profitiert. Gerade anfangs war ich außerdem dankbar, dass die Mitarbeiter ihn bereits kannten und sich aufgehoben fühlten.

Haben Sie aus der Beratung etwas mitnehmen können, das Ihnen heute hilft?

Das Beraterwerkzeug, das du über Jahre ansammelst, ist jeden Tag absolut hilfreich: Menschen steuern und begleiten, gut kommunizieren, kritische Gespräche führen, analytisch und systematisch arbeiten, Problemen auf den Grund gehen.

Und was war überflüssige Arbeit?

Das Erstellen von Powerpoint-Folien. Die sind zwar ein wichtiges Mittel zur Abstimmung, nehmen im Beratungsalltag aber oft sehr viel Raum ein. Auch aus persönlichem Interesse bin ich froh, den Fokus voll auf die operative Umsetzung und weniger auf visuelle Aufbereitung legen zu können.

Tipps an andere zum Schluss: Für wen ist die Nachfolgegründung interessant – wann und wie kann es funktionieren?

Als Nachfolgegründer entwickelst du Unternehmen. Du kannst nicht von Null beginnen und auf der grünen Wiese loslegen. Ist das der Wunsch, sollte man gründen.

Klarer Vorteil: Das Unternehmen ist etabliert. Das erlaubt flexible Überlegungen dazu, wie, wann und in welchem Umfang Veränderungen und Investitionen anzugehen sind.

Ein weiterer Punkt ist schlicht das Arbeitspensum – ich bin fester Überzeugung, dass eine Nachfolgegründung mit funktionierenden Strukturen eher ein Privat- und Familienleben erlaubt als das Momentum in einem Start-up.

Beenden Sie Ihre Karriere als Unternehmer?

Auf jeden Fall.

Fördermittel in Nachfolgesituationen: Kurzinterview mit Sabine Helmer, Leiterin Vertrieb Öffentliche Fördermittel Deutschland bei der Deutschen Bank

Wie helfen Fördermittel dabei, eine Nachfolgegründung zu stemmen und welche Förderungen gibt es?

Fördermittel können eine Nachfolgefinanzierung auf verschiedenen Ebenen erleichtern:

Sabine Helmer

An wen kann sich der Nachfolgegründer wenden, welche Daten und Zahlen muss er parat haben?

Der zentrale Ansprechpartner ist die Hausbank.

Förderkredite werden üblicherweise über das Hausbankenverfahren beantragt. Die Hausbank prüft Vorhaben, Kapitaldienstfähigkeit und Sicherheiten und bindet anschließend das Förderinstitut ein.

Ergänzend ist es sinnvoll, IHK oder Handwerkskammer als neutrale Berater für eine Einschätzung des Vorhabens sowie für Informationen über Zuschüsse für kostenpflichtige Beratungsleistungen und Nachfolgebörsen anzusprechen. Diese Kammern können auch bei der Erstellung des Business-Plans unterstützen und bieten ein wichtiges Netzwerk für Nachfolgegründer.

Für die Begleitung der Unternehmensbewertung, die Entscheidung zwischen Asset Deal und Share Deal, Due Diligence, steuerliche Strukturierung, Erstellung des Kaufvertrags sowie für die Klärung von Haftungsfragen dürfen Steuerberater / Wirtschaftsprüfer und ein spezialisierter Rechtsanwalt nicht fehlen.

Um eine mögliche Stärkung des Eigenkapitals zu prüfen, empfiehlt sich die direkte Ansprache der regionalen MBG.

Nachfolgegründer können die Unterstützung von auf Nachfolgen spezialisierten Unternehmensberatern einholen. Oftmals werden diese Beratungsleistungen bezuschusst.

Erfolgsfaktoren sind ein realistischer, aus der nachhaltigen Ertragskraft abgeleiteter Kaufpreis, ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell sowie die persönliche Eignung des Übernehmenden. Daraus leiten sich die Informationen ab, die der Nachfolgegründer für ein Gespräch mit der Hausbank vorbereiten sollte:

Praxistipp: Eine sorgfältige Vorbereitung des Gesprächs mit der Hausbank beschleunigt den Finanzierungsprozess, da für eine Kreditentscheidung sämtliche relevanten Informationen zur Verfügung stehen müssen.

Für welche Projekte eignet sich ein Fördermittelzuschuss und gibt es Strukturen, die nicht für eine Förderung in Frage kommen?

Ein nicht rückzahlbarer Zuschuss eignet sich meist nicht zur allgemeinen Finanzierung des Kaufpreises. Zuschüsse sind projektbezogen erhältlich und unterstützen klar abgegrenzte Maßnahmen, wie Beratungskosten, Energieeffizienzmaßnahmen im Unternehmen, Sanierung von Betriebsgebäuden, Digitalisierungsmaßnahmen, Innovation und Weiterentwicklung, Personalqualifizierung.

Dagegen stehen Zuschüsse und Förderdarlehen nicht zur Verfügung für wirtschaftlich nicht tragfähige Unternehmen, Kapitalanlagen, bei denen der Übernehmer nicht operativ, also ohne Geschäftsführungsbefugnis, tätig wird, Ausschüttungen an Gesellschafter, Nachfinanzierung bereits getätigter Ausgaben. Der letzte Punkt ist von besonderer Bedeutung: sämtliche Fördermittel, vor allem zinsverbilligte Darlehen und Zuschüsse, müssen beantragt werden, bevor rechtsverbindliche Verträge abgeschlossen werden.

Fazit
Die optimale Nachfolgefinanzierung ist ein Mix aus Eigenmitteln, Förderdarlehen, Hausbankkredit, Bürgschaft, Verkäuferdarlehen und gegebenenfalls Beteiligungskapital.

Zuschüsse können ergänzend für konkrete Beratungs-, Investitions-, Innovations-, Digitalisierungs- oder Klimaschutzmaßnahmen eingesetzt werden.

Dabei sollte der Nachfolgende frühzeitig den Kontakt zur Hausbank aufnehmen – mit ausreichend zeitlichem Vorlauf vor Unterschrift eines verbindlichen Kaufvertrags oder der Erteilung von Investitionsaufträgen. Das ist für die Beantragung von Fördermitteln von elementarer Bedeutung.

10/2026
Chefredaktion: Bastian Frien und Boris Karkowski (verantwortlich im Sinne des Presserechts). Autor: Isabella-Alessa Bauer. Der Inhalt gibt nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers (Deutsche Bank AG) wieder.

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