Kehrtwende zum Erfolg

Wussten Sie, dass YouTube eigentlich eine Dating-Plattform sein sollte und Airbnb nur dank des Verkaufs von Pappkartons überlebt hat? Auch andere Internetgrößen mussten sich neu erfinden, bevor der Erfolg kam. Fünf ganz unterschiedliche „Pivots“

Das Smartphone ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Einige Unternehmen haben sich in das Privat- und Berufsleben von Milliarden Menschen eingeklinkt – doch oft nicht gleich beim ersten Versuch. Foto: Adobe Stock / yurolaitsalbert

YouTube: Dating per Video

Just am Valentinstag registrierten die Gründer vor 20 Jahren die Domain von YouTube. Ihr Gedanke: Nutzer sollten ein Video von sich hochladen und darin erklären, welchen Partner sie suchen. Doch nach fünf Tagen war noch kein einziges „Dating-Video“ hochgeladen. „Dann öffnen wir die Seite eben für Videos aller Art“, sagten sie sich. Denn bei der Programmierung hatten Steve Chen und seine beiden Mitgründer Wert darauf gelegt, das Hochladen der Videos möglichst einfach zu gestalten.

Die Öffnung zahlte sich schnell aus: Nicht einmal zwei Jahre nach dem Start wurde YouTube von Google für rund 1,6 Milliarden US-Dollar aufgekauft. Zehn Jahre später gründete Chen eine neue Videoplattform: Nom.com, eine Livevideo-Website rund ums Essen und Kochen. Nicht einmal zwei Jahre nach dem Start wurde Nom jedoch geschlossen.

Foto: Adobe Stock / Image Flow

Airbnb: zwei Designer

Als die beiden finanziell klammen Designer Brian Chesky und Joe Gebbia ihr Apartment in San Francisco während einer Designmesse im Jahr 2007 auf einer eigenen Website anboten, war die Geschäftsidee für „Air Bed and Breakfast“ geboren. Drei Buchungen kamen zustande, doch sehr viel mehr wurden es trotz mehrfacher Überarbeitung der Website nicht. Bei 15 Angel-Investoren blitzten die Gründer ab. Hätten sie nicht erfolgreich Boxen für Frühstücksflocken gestaltet und als „Obama O’s“ und „Cap’n McCain’s“ verkauft, hätten sie ihre Ausgaben nicht mehr finanzieren können. Doch die Boxen, 40 US-Dollar das Stück, fanden großen Absatz. So kamen 30 000 US-Dollar in die Airbnb-Kasse.

Und das Glück blieb ihnen treu: Sie kamen in Kontakt mit dem renommierten Y-Combinator und konnten sich 600 000 US-Dollar Startfinanzierung von der Venture-Capital-Größe Sequoia sichern. Die Investoren drängten darauf, die Designstärke der Gründer besser zu nutzen und die angebotenen BnBs selbst zu testen. 2011 wurden Zimmer bereits in 89 Ländern angeboten und mehr als eine Million Übernachtungen über Airbnb abgerechnet. Das Unternehmen hatte nun einen Wert von einer Milliarde US-Dollar.

Foto: Adobe Stock / Alesia Kan

X: Podcast-Suchmaschine

X hat eine wechselhafte Entwicklung hinter sich. Seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk haben sich die Einnahmequellen der Plattform und vor allem die Spielregeln des Algorithmus verändert. Doch in seiner Frühphase war das Social-Media-Netzwerk auf Podcasts und Videos spezialisiert und hieß noch Odeo. Auch wenn Odeo einige Jahre überstand, erkannten seine Gründer, dass die Integration von Podcasts in Apples iTunes ihr Angebot weitgehend überflüssig machen würde.

Also starteten sie eine Art Hackathon, um neue Ideen zu entwickeln. Eine davon war „Twttr“, zunächst gedacht als ein SMS-basierter öffentlicher Gruppenchat. 2006 starteten die Odeo-Gründer mit Twttr und erstanden bald die Domain Twitter.com. Und schon im Jahr darauf stießen sie Odeo ab und konzentrierten sich auf ihr Erfolgs-Kommunikationstool.

Foto: Adobe Stock / rawpixel.com

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Instagram: Whiskey und Bourbon

Aus Liebe zu feinen Kentucky-Whiskeys hatte Kevin Systrom seine iPhone-App Burbn getauft. Burbn bot (ähnlich wie Foursquare) die Möglichkeit, sich in bestimmte Orte „einzuchecken“, Punkte für das Treffen mit Freunden zu sammeln und Bilder der gemeinsamen Runden zu veröffentlichen. Doch der Erfolg blieb aus, Burbn war zu komplex.

Nachdem Systrom und sein Kompagnon Mike Krieger das Verhalten der Burbn-Nutzer analysiert hatten, sahen sie: Diese waren nur am Austausch von Fotos interessiert. Daraufhin reduzierten sie die Funktionalitäten radikal, bis nur eine Fotosharing-App mit der Möglichkeit zum Kommentieren und „Liken“ blieb. Instagram war geboren.

Foto: Adobe Stock / Hora Studio

Slack: Spielemacher-Kommunikation

Wer heute Slack bei der Arbeit zur schnellen Kommunikation und Zusammenarbeit nutzt, wird nicht einmal mehr optisch an die Ursprünge des erfolgreichen Messengers erinnert. Doch ohne das fantasiereiche Onlinevideospiel „Glitch“ im Cartoon-Stil gäbe es Slack nicht. Eigentlich sollte Slack den rund 40 Designern und Programmierern von Glitch-Herausgeber Tiny Speck einen einfachen Austausch von Informationen und Daten zur produktiven Zusammenarbeit ermöglichen. Weil „Glitch“ aber finanziell nicht tragfähig war, gab es für den Mitgründer Stewart Butterfield nur zwei Optionen: entweder das Game in wenigen Monaten abwickeln – oder dies sofort tun und die verbliebenen Finanzmittel in Slack investieren.

Die Investoren ließen sich von Option 2 überzeugen. Das war für Butterfield nicht ganz neu: Schon Jahre zuvor hatte er Ludicorp mitgegründet – und nach dem Scheitern des Videospiels „Game Neverending“ die Fotosharing-Plattform Flickr entwickelt. Flickr wurde 2005 für angeblich 35 Millionen US-Dollar an Yahoo verkauft. Der Verkauf von Slack an Salesforce war Mitte 2021 abgeschlossen. Preis: knapp 28 Milliarden US-Dollar.

Foto: Shutterstock / rblfmr

02/2026
Chefredaktion: Bastian Frien und Boris Karkowski (verantwortlich im Sinne des Presserechts). Der Inhalt gibt nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers (Deutsche Bank AG) wieder. 

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