Exportschlager Made in Germany: Wie Banken und Staat den Erfolg ermöglichen

Deutschland ist eine Exportnation. Die Weltlage macht das Auslandsgeschäft allerdings nicht einfacher. Wie Unternehmer heute die Exportfinanzierung angehen können und welche Absicherungsinstrumente es gibt.

In der Mecklenburger Metallguss GmbH MMG wird ein Schiffspropeller bearbeitet. Zahlreiche deutsche Unternehmen exportieren ihre Produkte ins Ausland – made in Germany ist weiter ein Qualitätssiegel. Foto: picture alliance/dpa

Ein starker Jahresschluss brachte 2025 die Trendumkehr: Nach zwei Jahren, in denen die deutschen Exporte zurückgingen, stiegen sie im letzten Jahr um 1 Prozent auf rund 1,6 Billionen Euro, das ergibt die Erhebung des Statistischen Bundesamts. Gute Nachrichten für ein Land, in dem laut der Bundeszentrale für politische Bildung jeder vierte Arbeitsplatz vom Export abhängt. Auch die Außenhandelsquote Deutschlands bleibt hoch, sie lag 2024 bei rund 80 Prozent. Mag die Bundesrepublik auch den Titel des „Exportweltmeisters“ eingebüßt haben – unsere Wirtschaft bleibt stark exportorientiert.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis) 2026

Erst einmal wunderbar: Made in Germany ist weiter ein Qualitätssiegel, das Wohlstand schafft. Studien des Kiel Instituts für Weltwirtschaft zeigen, dass grenzüberschreitender Handel das reale Pro-Kopf-Einkommen deutlich erhöht (in Modellrechnungen um rund 30 bis 40 Prozent).

Allein: So richtig rund läuft es aktuell nicht. Die Zollpolitik der USA, der zunehmende Konkurrenzdruck aus China, Kriege in der Ukraine und dem Nahen Osten – all diese Faktoren erschweren den Außenhandel. Lieferketten sind anfälliger, Finanzierungskosten höher. Der Weg ins Ausland ist steiniger geworden.

Gangbar bleibt er dennoch – und erfolgsversprechend, wenn Unternehmen richtig an den Export herangehen. Denn die Politik hat Interesse daran, die Exportkraft des Landes zu erhalten und unterstützt mit staatlicher Deckung.

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Doch der Reihe nach: Die Hausbank ist erst einmal ein guter Ansprechpartner für Fragen rund um die Abwicklung, Finanzierung und Absicherung von Exportvorhaben. Welche Abteilung zuständig ist, hängt vom individuellen Projekt ab. Wer kurze Zahlungsziele hat und Standardrisiken absichern möchte, ist meist in der Trade-Finance-Abteilung richtig – Instrumente wie Akkreditiv oder Dokumenteninkasso sind passende Lösungen; beim Dokumenteninkasso fungiert die Bank lediglich als Abwicklungsstelle, während beim Akkreditiv zusätzlich das Zahlungsausfallrisiko durch eine oder mehrere Banken übernommen wird.

Formen der Exportabsicherung bzw. Exportfinanzierung

Lieferantenkredit
Der Exporteur gewährt dem ausländischen Käufer einen Zahlungsaufschub. Er trägt das Ausfallrisiko des Käufers.

Bestellerkredit
Eine Bank im Exportland finanziert den ausländischen Käufer und zahlt an den Exporteur aus. Der Käufer zahlt den Kredit über die vereinbarte Laufzeit an die Bank zurück. Die Bank trägt das Zahlungsausfallrisiko des Käufers.

Forfaitierung
Forderungen aus Exportgeschäften, z.B. aus einem Lieferantenkredit, werden an eine Bank/ einen Finanzierer verkauft. Der Exporteur erhält sofort Liquidität und ist bei regressloser Forfaitierung weitgehend von Ausfallrisiken befreit (mit Ausnahme z. B. von Veritäts- oder Dokumentationsrisiken).

Akkreditiv
Die Bank des Käufers verpflichtet sich (ggf. bestätigt durch eine weitere Bank), den Exporteur zu bezahlen, sobald der Verkäufer bestimmte, vertraglich festgelegte Dokumente vorlegt.

Bei großvolumigen Vorhaben mit langen Zahlungszielen, insbesondere in Hochrisikoländern, kann die Bank das Zahlungsausfallrisiko nicht allein tragen. Neben Exporteur, Importeur und Kreditinstitut kommt nun der Staat mit an Bord. „Die Finanzierung eines Infrastrukturprojekts in einem afrikanischen Land wäre ein typisches Beispiel“, berichtet Moritz Dörnemann, der bei der Deutschen Bank die Aktivitäten im Bereich strukturierte Handels- und Exportfinanzierung verantwortet. In diesen Fällen sichert die Bundesrepublik Deutschland über seine staatliche Exportkreditagentur (Export Credit Agency/ ECA) die Exportfinanzierung ab. In der Bundesrepublik fungiert Euler Hermes als Agent für die staatlichen Exportkreditgarantien. Diese Hermesdeckungen werden durch exportierende Unternehmen und deren Banken zur Absicherung von Risiken im Außenhandel genutzt.

Absicherungsinstrumente Export:

Hermesgedeckter Lieferantenkredit:
Der Exporteur erhält eine Absicherung seiner Forderungen gegen den Importeur durch Euler Hermes. Verkauft der Exporteur die Forderungen sowie die Euler Hermes-Deckung an die Bank, spricht man von einer Quasiforfaitierung, bei der der Exporteur teilweise Risiken bzw. Verpflichtungen beibehält.

Hermesgedeckter Bestellerkredit:
Eine Bank im Exportland gibt dem ausländischen Käufer einen Kredit, um die Lieferung zu bezahlen. Der Staat übernimmt über eine Hermesdeckung den Großteil eines möglichen Zahlungsausfalls, falls der Käufer bei der Bank säumig bleibt.

Die Deckung über Euler Hermes adressiert in erster Linie Risiken, die nicht marktfähig sind, die private Versicherer also nicht alleine tragen können. Deren Dienste werden in vielen Fällen komplementär genutzt, um beispielsweise Forderungen abzusichern, welche unter den Exportkreditgarantien nicht deckungsfähig wären.

„Der Staat profitiert von einem starken Export“, erklärt Moritz Dörnemann, „weil er entscheidend zur positiven Entwicklung des BIP beiträgt“. Die Bundesrepublik sei gerne bereit, Ausfallrisiken zu tragen, um Deutschland als Exportpartner weiter attraktiv für Käufer zu machen und so einen Mehrwert für die volkswirtschaftliche Entwicklung zu schaffen. Und das Ganze ist kein Verlustgeschäft, in den meisten Jahren übersteigt die Höhe der eingenommenen Prämien die der Haftungsfälle.

„Der Staat profitiert von einem starken Export, weil er entscheidend zur positiven Entwicklung des BIP beiträgt.“

Moritz Dörnemann,
Deutsche Bank

Strukturiert wird eine staatlich gedeckte Exportfinanzierung in den meisten Fällen als Bestellerkredit. Die Bank prüft das Vorhaben, holt die ECA an Bord, der Kreditvertrag wird aufgesetzt und die Auszahlung erfolgt an das exportierende Unternehmen. Die Rückzahlung wiederum kommt vom importierenden Unternehmen, dem Käufer. Dieses Zahlungsausfallrisiko deckt Euler Hermes. „Sowohl der Staat als auch wir als Bank haben ein großes Interesse an einem florierenden Welthandel“, betont Moritz Dörnemann. „Auch in einer neuen Zeit der Unsicherheit wollen die Beteiligten möglichst viel Export ermöglichen.“

Der Weg ins Ausland bleibt gangbar, auch wenn sich die Situation in einzelnen Absatzmärkten täglich zu ändern droht. Damit das Exportgeschäft risikoarm gelingt, sollten die Finanzierungspartner, die im Zweifel die richtigen Ansprechpartner vermitteln können, frühzeitig eingebunden werden. Dann geht es um die strategische Analyse des Risikos und der Chancen.

Made in Germany als Qualitätssiegel zu erhalten – an Finanzierung und Sicherung des Exports wird dieses Vorhaben nicht scheitern. Eine zentrale Herausforderung bleibt hingegen die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Exportgüter.

Aber das steht auf einem anderen Blatt.

06/2026
Chefredaktion: Bastian Frien und Boris Karkowski (verantwortlich im Sinne des Presserechts). Autor: Isabella-Alessa Bauer. Der Inhalt gibt nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers (Deutsche Bank AG) wieder.

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