Schneller als jeder Mensch können lernfähige Computer riesige Datenmengen analysieren, verborgene Zusammenhänge aufspüren und komplexe Berechnungen anstellen. Nüchtern und faktenbasiert, ohne störende Gefühle, Ermüdungs- oder Motivationsprobleme. Übernimmt die Künstliche Intelligenz bald die Hoheit in der Finanzabteilung?

Selbstfahrende Autos, die zuverlässig Staus und Unfälle verhindern sollen, intelligente Supermarktregale, die zum richtigen Zeitpunkt die optimale Menge an Ware nachbestellen, vernetzte Fabriken, in denen smarte Maschinen selbst entscheiden, wann sie das nächste Mal gewartet werden müssen – Künstliche Intelligenz, kurz KI, gilt als technologischer Megatrend und Treiber des digitalen Wandels, der Wirtschaft und Arbeitswelt nachhaltig verändern wird.

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Deutlich sichtbar ist der Vormarsch der cleveren Bots, also der Computerprogramme, die ohne menschliches Zutun ihre Aufgaben abarbeiten, bereits im Einzelhandel: Anstelle des Verkäufers im Fachgeschäft unterbreiten heute lernfähige Computer-Algorithmen im Online-Shop den Kunden individuelle Produktempfehlungen. Sekundenschnell passen sie zudem Hunderte von Preisen automatisch an Nachfrage und Wettbewerb an – bei Bedarf mehrmals täglich, ohne Auszeichnungsfehler zu machen oder sich über die zusätzliche Arbeit zu beschweren. Auf Umsatz und Marge im E-Commerce hat KI also bereits einen erheblichen Einfluss.

Neutrale Anlageverwalter ohne Sünde

Auch in der Vermögensverwaltung kommen digitale Berater schon vereinzelt zum Einsatz. Ihre Anlageempfehlungen geben die Robo-Advisors allein auf Basis von Datenanalysen, frei von typisch menschlichen Schwächen wie Angst, Gier, Bequemlichkeit oder Selbstüberschätzung. So können sie private und geschäftliche Anleger auf neutrale Weise bei ihren Entscheidungen unterstützen.

Zugegeben, wichtige Entscheidungen einer Maschine anzuvertrauen, erscheint heute noch gewöhnungsbedürftig. Doch quer durch alle Branchen bietet Künstliche Intelligenz große Chancen für Unternehmen und Institutionen. Auch in der Finanzabteilung gibt es interessante Einsatzmöglichkeiten für smarte Bots. Ähnlich wie Roboter im letzten Jahrhundert die industrielle Produktion verändert haben, erhoffen sich Finanzmanager vor allem bei manuellen, repetitiven Tätigkeiten Zeit- und Effizienzgewinne durch den Einsatz von digitalen Automatisierungshelfern. So kommt beispielsweise schon heute entsprechende Software zum Einsatz, wenn es darum geht, Daten für Prognosen oder Berichte aus verschiedenen Systemen zusammenzutragen und aufzubereiten.

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Rechenleistung für einen besseren Überblick

Darüber hinaus könnten selbstlernende, unermüdliche Bots ihre menschlichen Kollegen im Treasury schon bald auch bei komplexeren Aufgaben unterstützen, indem sie in der Datenflut bestimmte Muster und Zusammenhänge erkennen. So könnten sie beispielsweise offene oder unbekannte Positionen in Kontoauszügen nachbearbeiten oder bei verdächtigen Transaktionen im Zahlungsverkehr Alarm schlagen. Als Königsdisziplin gelten komplexe Prognosen auf Basis von Big Data. So könnten mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Maschinen in Zukunft unterschiedlichste Datenquellen auswerten, um etwa selbstständig Währungs- oder Zinsrisiken zu bewerten und geeignete Absicherungsstrategien vorzuschlagen.

Fazit: Für den umfassenden Einsatz im Treasury müssen die Bots aktuell noch eine ganze Menge dazulernen. Doch Speicher- und Rechenkapazitäten entwickeln sich rasant. Die digitalen Treasurer mit den passenden Vorgaben und Entscheidungsregeln zu versorgen, wird künftig verstärkt zu den Aufgaben ihrer menschlichen Kollegen gehören. Entbehrlich wird menschliche Intelligenz und Entscheidungshoheit jedoch selbst langfristig nicht: Die Treasury Bots zu steuern, zu kontrollieren und im Zweifelsfall über ihren „Rechnerkopf“ hinweg zu entscheiden, wird immer Aufgabe des Menschen bleiben.