Langjährige Kunden, erfahrene Mitarbeiter und vor allem Umsatz vom ersten Tag an – ein bestehendes Unternehmen zu kaufen kann gegenüber dem Aufbau eines neuen gewisse Vorteile mit sich bringen. So klappt es mit dem Unternehmenskauf und der Finanzierung.

Wer vom eigenen Unternehmen träumt, muss nicht unbedingt mühevolle Aufbauarbeit leisten. Es lohnt sich, stattdessen auch Verkaufsangebote zu prüfen. Viele Unternehmen – Handwerksbetriebe, Dienstleister, Handelsgeschäfte – und auch Freiberufler suchen in den nächsten Jahren einen Nachfolger. Rund 54.000 Unternehmen sollen allein in den beiden kommenden Jahren übergeben werden, schätzt das Institut für Mittelstandsforschung IfM Bonn. Zugleich haben 43 Prozent aller Senior-Unternehmer Probleme, einen geeigneten Interessenten zu finden, so das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2015). Als potentieller Firmenkäufer profitieren Sie derzeit also von einem wachsenden Angebot – und von historisch niedrigen Zinsen.

Allerdings will die Übernahme eines laufenden Unternehmens gut geplant und vorbereitet sein. Vor allem eine realistische Bewertung des Kaufobjektes und die solide Finanzierung bereiten in der Praxis oft erhebliche Schwierigkeiten. Die folgenden Tipps können Ihnen dabei helfen ein passendes Unternehmen zu finden und Sie bei den ersten Schritten als Firmenchef unterstützen.

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Gezielt suchen

Auf Online-Börsen wie beispielsweise nexxt-change.de oder dub.de (Deutsche Unternehmerbörse) können Sie gezielt nach Verkaufsangeboten in der gewünschten Branche und am gewünschten Standort suchen. Allerdings findet ein Großteil der Deals nach wie vor zwischen Partnern statt, die sich persönlich kennen. Zapfen Sie Ihr Netzwerk an: Geschäftspartner, Kunden, Vertreter von Kammern und Verbänden können Sie mit potenziellen Verkäufern vernetzen. Fragen Sie auch Ihren Bankberater.

Verkaufspreis aushandeln

Ein Großteil Ihres zukünftigen Erfolges kann unter anderem davon abhängen, dass Sie Ihr Wunschobjekt korrekt bewerten und einen angemessenen und tragbaren Kaufpreis dafür zahlen. Beispielsweise kann der Wert des Unternehmens als Vielfaches vom Ertrag bestimmt werden. Dazu wird der Gewinn (vor Zinsen und Steuern) mit einem branchenüblichen Faktor multipliziert. Aber Vorsicht: Müssen Sie als Käufer größere Investitionen vornehmen? Sind Ausstattung, Arbeitsmethoden oder Kundenbestand noch aktuell oder überaltert? Scheiden mit dem ehemaligen Chef (Verkäufer) wertvolles Know-how und Kontakte aus? Haben der Verkäufer und/oder seine Familienangehörigen ohne oder für ein sehr geringes Gehalt gearbeitet? Alle diese und ggf. weitere Faktoren können gerade bei kleinen Unternehmen oft den Wert drücken. Lassen Sie sich unbedingt fachkundig beraten.

Verträge und Haftungsrisiken prüfen

Vielen Nachfolgern ist nicht klar, ob und welche Verträge und Verbindlichkeiten mit dem Kauf des Unternehmens tatsächlich auf sie übergehen. So kann beispielsweise bei Miet-, Leasing- oder sogar Arbeitsverträgen ein Sonderkündigungsrecht bestehen. Dagegen haften Sie als Nachfolger in der Regel für betriebliche Steuerschulden, Lohn- und Gehaltsschulden oder Garantieleistungen. Informieren Sie sich umfassend und vollständig und sichern Sie sich ggf. im Kaufvertrag ab.

Eigenkapital aufstocken

Rund 15 bis 20 Prozent des Kaufpreises sollten Sie mit Eigenkapital finanzieren. Reichen Ihre persönlichen Ersparnisse nicht aus, könnte ggf. eine stille Beteiligung in Betracht kommen. Der Kapitalgeber wird in diesem Fall nur am Gewinn, aber nicht am Vermögen des Unternehmens beteiligt und hat auch kein Mitspracherecht. Damit die stille Beteiligung als Eigenkapital gilt, muss der Geldgeber das Kapital langfristig zur Verfügung stellen, sich bis zur Höhe seiner Einlage an Verlusten beteiligen und im Falle einer Insolvenz hinter den anderen Gläubigern zurücktreten (Nachrangklausel).

Verkäuferdarlehen nutzen

Eine weitere Finanzierungsoption besteht darin, einen Teil des Verkaufspreises erst später an den Verkäufer zu zahlen. So ein Verkäuferdarlehen erweitert zum einen die Eigenkapitalbasis und damit den Zugang zu Fremdkapital. Voraussetzung ist, dass es im Insolvenzfall genau wie die stille Beteiligung nachrangig bedient wird. Zugleich bindet das Darlehen den Verkäufer auch nach der Übergabe weiter an das Unternehmen. Dies könnte dazu beitragen, dass Sie beispielsweise weiterhin nach bestem Wissen unterstützt werden und den Fortbestand der Firma nicht durch eigennützige Handlungen oder Nachlässigkeit gefährdet wird (z.B. Risiken verschweigen, Kunden oder Mitarbeiter abwerben, wichtige Informationen oder Arbeitsmaterialien einbehalten).

Fördermittel beantragen

Auch als Unternehmenskäufer haben Sie Anspruch auf staatliche Förderung, wenn Sie erstmals in die Selbständigkeit starten. Für Existenzgründer gibt es zahlreiche Existenzgründerdarlehen. Bis zu 100.000 € können Gründer und Nachfolger beispielsweise zinsgünstig über ein ERP-Gründerkredit Startgeld finanzieren. Für größere Beträge und längerfristigen Finanzbedarf gibt es beispielsweise die Programme ERP-Kapital für Gründungen oder den ERP-Gründerkredit universell. Denken Sie daran, Fördermittel in jedem Fall vor der Unterschrift unter den Kaufvertrag zu beantragen. In der Regel werden die Gelder nicht rückwirkend bewilligt.

Sicherheiten prüfen

Nicht nur für Bankdarlehen, sondern auch für Förderdarlehen werden oft Sicherheiten gefordert, beispielsweise Ansprüche aus Lebensversicherungen oder Immobilien. Wer als Existenzgründer zwar eine gute Idee, aber keine ausreichende Besicherung bieten kann, sollte sich alternativ um eine Bürgschaft bemühen. Entweder aus dem privaten Umfeld (Familienmitglieder, Freunde) oder von der Bürgschaftsbank im jeweiligen Bundesland. Gegen eine einmalige Bearbeitungsgebühr und eine jährliche Provision übernehmen diese Spezial-Banken gegenüber Ihrem Kreditgeber eine Ausfallbürgschaft. Das heißt, sie springen ein, wenn Sie selbst den Kredit nicht bedienen können.

Bank einbinden

Ihr Bankberater kann Sie bei der Suche nach einem geeigneten Unternehmen unterstützen, Kontakte herstellen und zwischen Ihnen und dem Interessenten vermitteln. Außerdem ist er auch Ihr erster Ansprechpartner in allen Finanzierungsfragen. Sowohl Förderdarlehen als auch Bürgschaften der zuständigen Bürgschaftsbank werden in der Regel über die Hausbank beantragt. Zusätzlichen Finanzierungsbedarf können Sie über ein markt- und risikogerecht kalkuliertes Bankdarlehen schließen. Binden Sie dazu Ihre Bank frühzeitig ein und stellen Sie gemeinsam mit der Bank sicher, dass Zins- und Tilgungszahlungen für Sie tragbar bleiben – auch bei Investitionsbedarf oder schwankender Auftragslage.

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