Worauf müssen sich Unternehmer bei einem harten Brexit einstellen? Was ändert sich bei Zahlungsverkehr und Steuerangelegenheiten? Und kann der Brexit vielleicht auch positive Auswirkungen auf deutsche Mittelständler haben? Sechs wichtige Aspekte zum Brexit und seinen Folgen.

1. Ein „harter“ Brexit wird immer wahrscheinlicher. Wie bereite ich mein Unternehmen darauf vor?

Bei einem „harten“ oder „ungeordneten“ Brexit scheidet Großbritannien ohne Abkommen zum 29. März 2019 aus der EU aus. Die Folgen könnten dramatisch sein: Der Handel mit britischen Unternehmen wird voraussichtlich deutlich komplizierter. Die Ein- und Ausfuhr von Waren wird länger dauern, da alle Warenlieferungen aus oder in die EU zollrechtlich abgefertigt werden müssen. Zölle machen den Warenaustausch teurer, ebenso die vermutlich wegfallende Anerkennung von Produkt- oder Umweltstandards. Für Unternehmer bedeutet das eine steigende Unsicherheit beim Handel mit Großbritannien. Unter Umständen müssen sie sich nach Handelspartnern in anderen Ländern umsehen, Waren- und Geldströme umlenken oder Personal aus UK abziehen.

2. Was ändert sich durch den Brexit in der Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank bei Geschäften mit britischen Firmen?

Für die meisten Kunden, die wir heute schon aus der EU heraus betreuen, wird es keine wesentlichen Änderungen geben. Die Deutsche Bank wird ihre Filiale in London unter der Aufsicht der lokalen Behörden lizensieren und somit auch weiterhin Dienstleistungen in UK anbieten können.

3. Ändert sich etwas bei Überweisungen, wenn Großbritannien nicht mehr in der EU ist?

Noch steht nicht fest, ob es weiterhin SEPA-Überweisungen nach Großbritannien geben wird. Aber selbst wenn die Verhandlungen darüber scheitern sollten, wird es natürlich weiterhin möglich sein, Auslandsüberweisungen nach Großbritannien zu tätigen.

4. Was muss ich beachten, wenn ich in UK eine Niederlassung habe oder freie Mitarbeiter beschäftige?

Nach dem Austritt aus der EU wird es keine Personenfreizügigkeit mehr zwischen Großbritannien und der EU geben. Daher sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter darauf hinweisen, ihren Aufenthaltsstatus im Vereinigten Königreich zu überprüfen. Wer schon in Großbritannien beschäftigt ist, darf voraussichtlich auch nach dem Brexit weiter dort arbeiten. Alle anderen benötigen wahrscheinlich zukünftig eine britische Arbeitserlaubnis und ein Arbeitsvisum. Dies bedeutet für Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nach UK schicken wollen, einen größeren Aufwand und höhere Kosten.

5. Kann der Brexit auch positive Auswirkungen auf mein Unternehmen haben?

Ja. Manche Unternehmen können davon profitieren, in einem geringeren Wettbewerb mit britischen Firmen zu stehen. Auch Investitionen, die ursprünglich in Großbritannien geplant waren, könnten nach Deutschland verlagert werden – und somit die Beschäftigung steigern.

6. Wie bereitet sich meine Bank auf den Brexit vor?

Die Deutsche Bank hat zeitnah nach der Entscheidung der Briten zum EU-Austritt eine umfassende Initiative etabliert. Es wurden die potenziellen Auswirkungen auf das Geschäftsmodell analysiert und darauf basierend entsprechende Anpassungsmaßnahmen eingeleitet. Die Umsetzung dieser Maßnahmen läuft planmäßig. Zum Beispiel: der Ausbau der Infrastruktur der Deutsche Bank AG in Deutschland zur Verbuchung bislang über die DB AG London getätigter Geschäfte. Die Deutsche Bank versucht den in der europäischen Metropolregion (EMR) ansässigen Kunden zum Austrittsdatum weiterhin die komplette Dienstleistungspalette anbieten zu können.

Redaktionsschluss: 31.01.2019