Der Fachkräftemangel ist schon lange in den Handwerksberufen angekommen. Qualifizierter Nachwuchs lässt sich nur schwer finden, immer weniger Menschen begeistern sich für die vermeintlich harte „Handarbeit“ zwischen Baustelle und Bäckerei. Doch selbst ein weniger schweißtreibendes Gewerk wie das der Optiker leidet unter fehlendem Interesse seitens der Facharbeiter.

Wenn Peter Trunk über „sein“ Handwerk erzählt, spürt man sofort: Er ist mit Leib und Seele dabei. Der 57-Jährige ist seit 1979 staatlich geprüfter Optikermeister, seit 1990 bildet der Inhaber zweier Fachgeschäfte in Singen und Konstanz auch aus. Doch die Nachwuchssuche gestaltet sich für den Chef von Individuell Optic immer schwieriger: „Der Beruf des Augenoptikers erscheint auf den ersten Blick womöglich etwas unattraktiv. Die Leute denken: ‚Der steht ja nur im Laden.‘ Aber das ist natürlich nicht so.“

Facettenreiches Handwerk – kein bisschen langweilig

Im Gegenteil: Der Beruf ist enorm facettenreich und alles andere als eintönig. Denn Optiker müssen längst noch sehr viel anspruchsvollere Dienstleistungen anbieten als nur Brillen anzupassen oder zu verkaufen. Sie führen Sehtests und Seherfolgskontrollen durch, beraten in Fragen des Arbeitsschutzes und stellen die Brillen in ihren eigenen Werkstätten teilweise selbst her.

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Doch das Hauptproblem für das erlahmende Interesse an einer Ausbildung im Handwerk liegt für ihn in den Wunschträumen der Absolventen: „Heute wollen die meisten studieren, weil sie von hohen Gehältern träumen. Dass aus einem soliden Handwerk wie unserem später eine tragfähige Selbstständigkeit entstehen kann, sehen viele erstmal nicht.“ Mit den vorwiegend preisorientierten Ketten vergleicht sich der alteingesessene Optikerbetrieb nicht. Zu ihm kommen Kunden, die hochwertige Beratung und Produkte wünschen. Eigentlich ein gemachtes Nest für nachrückende Facharbeiter, zumal auch hier die Prämisse gilt: Fast jeder bekommt irgendwann Probleme mit den Augen, Brillen werden immer gebraucht.

Gesucht: motivierte Bewerber mit Plan

Zwei Lehrlinge hat Optikermeister Trunk derzeit, beide im dritten und damit letzten Jahr der Ausbildung. Er legt großen Wert auf motivierte junge Menschen, die ihm zeigen: Ich will etwas erreichen! „Bewerber schauen wir uns natürlich sehr genau an. Schließlich möchten wir potenzielle Optikermeister heranbilden“, sagt er.

Passende Nachwuchskräfte zu finden wird auch deshalb schwieriger, weil mittlerweile nahezu immer eine Hochschulreife für die Ausbildung nötig ist. „Wir bilden eigentlich fast nur noch Abiturienten aus, zumeist von technischen Schulen oder Wirtschaftsgymnasien“, sagt Peter Trunk. „Das hat auch damit zu tun, dass die mittlere Reife stark an Qualität eingebüßt hat.“

Doch es mangelt nicht nur an Auszubildenden, sondern es ist generell schwierig geworden, gute Mitarbeiter zu finden. Ein Unternehmen, das heute einen „fertigen“ Optiker einstellen möchte, muss sich stark bemühen und ein blendendes Auskommen garantieren. Denn die wenigen Arbeitssuchenden werden in Windeseile vom Markt „weggefischt“.

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Stolz ist Trunk auf eine junge Italienerin. Nachdem sie den Betrieb bereits in einem Praktikum kennengelernt hatte, bekam die junge Frau einen der Ausbildungsplätze bei Individuell Optic – obwohl sie kaum Deutsch sprach. Also erlernte sie mit großem Engagement die deutsche Sprache und arbeitet heute bei Peter Trunk. Seine Mitarbeiter selbst auszubilden, ist für den Optikermeister auch der einzig gangbare Weg, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Ein paar Jahre kann er das noch leisten. Was mit seinem Geschäft passiert, wenn er auf den Ruhestand zusteuert? Das lässt sich heute noch nicht sagen.