Grundsteuerreform

Mehrbelastung meistern – mit strategischer Planung und Flexibilität

Ein echter Kraftakt: In nur vier Monaten sollen für 36 Millionen Grundstücke in Deutschland die Steuererklärungen abgegeben werden. Rein rechnerisch bedeutet das: 444.444 Feststellungserklärungen pro Arbeitstag. Die Zeit läuft – wie gelingt es, die Herausforderung zu meistern? Bastian Ruge und Sascha Fehsenfeld von der Hamburger Kanzlei RUGE FEHSENFELD haben frühzeitig mit der strategischen Planung begonnen. In einem Gespräch mit der Deutschen Bank berichten sie, was die Grundsteuerreform für sie und ihre Mandantinnen und Mandanten bedeutet – und warum sie dem 31. Oktober 2022 trotz aller Unwägbarkeiten gelassen entgegensehen. 

Die Rechtsanwälte und Steuerberater Sascha Fehsenfeld (zweiter von rechts) und Bastian Ruge (rechts) im Gespräch mit ihrem Team

Die Rechtsanwälte und Steuerberater Sascha Fehsenfeld (zweiter von rechts) und Bastian Ruge (rechts) im Gespräch mit ihrem Team

„ELSTER-Server down – Steuerportal ist dem Ansturm nicht gewachsen.“ Schlagzeilen wie diese läuteten Anfang Juli die heiße Phase der Grundsteuerreform ein. Schon jetzt ist klar: Es wird kein Spaziergang, innerhalb von vier Monaten den gesamten Grundbesitz in Deutschland neu zu erfassen. Die geforderten Erklärungen bedeuten eine Menge zusätzlichen Aufwand. Für die Eigentümerinnen und Eigentümer, für die Finanzämter – und für die Steuerberatungskanzleien, die in vielen Fällen damit beauftragt werden. „Um die Situation zu verstehen, muss man die steigende Gesamtbelastung mit in den Blick nehmen“, sagt Bastian Ruge. „Die Kanzleien stemmen seit Jahren immer mehr Zusatzaufgaben. Geldwäsche, Transparenzregister und Corona-Hilfen sind nur einige Beispiele. Das Thema Grundsteuer kommt jetzt noch ,on top‘.“ Dass die Steuerberatungen häufig recht kurzfristig auf neue gesetzliche Vorgaben reagieren müssten, mache die Sache nicht einfacher. „Um sich auf neue Aufgaben vorzubereiten, bleibt häufig zu wenig Zeit“, so Sascha Fehsenfeld. „Das gilt auch für die Grundsteuerreform.“

444.444

Feststellungserklärungen müssten rein rechnerisch pro Arbeitstag abgegeben werden, um 36 Mio. Liegenschaften in vier Monaten im Rahmen der Grundsteuerreform bearbeiten zu können.

Ansprechpartner für alle Steuer-Themen

Nicht alle Steuerkanzleien sind vor diesem Hintergrund bereit, die Erklärungen zur Grundsteuer zu übernehmen. Anders Ruge Fehsenfeld: „Für unsere Mandanten sind wir Ansprechpartner in allen Steuerfragen – ob es um die Kfz-Zulassung oder die Hundesteuer geht. Wir möchten ihnen auch in diesem Fall zur Seite stehen und einen professionellen Service anbieten.“ Die Hamburger Sozietät stieg frühzeitig in die strategische Planung ein, bündelte Kapazitäten und bereitete sich systematisch auf den Startschuss am 1. Juli vor (siehe „Roadmap“).

Bastian Ruge, Fachanwalt für Steuerrecht und Erbrecht

„Wir haben aus früheren Zusatzbelastungen gelernt – Stichwort Corona – und für das Thema Grundsteuer direkt ein Spezialisten-Team gebildet.“

Bastian Ruge,
Fachanwalt für Steuerrecht und Erbrecht

Eine Herausforderung bleibt die Umsetzung dennoch. Immerhin betreut Ruge Fehsenfeld mehr als 1.000 Mandate und übernimmt Erklärungen für Liegenschaften in nahezu allen Bundesländern. In jedem Land gelten andere Regelungen – zudem gilt es, die individuellen Bedürfnisse der Mandanten zu berücksichtigen. „Viele möchten am liebsten gar nichts mit dem Thema zu tun haben. Diesen Wunsch können wir ihnen leider nicht erfüllen“, so Sascha Fehsenfeld. „Die Daten zum Grundbesitz muss jeder selbst bereitstellen.“ Allerdings leistet die Kanzlei Hilfestellung. Unter anderem mit leicht verständlichen Checklisten für die einzelnen Bundesländer. „Manchen Hausbesitzer müssen wir erst einmal dazu motivieren, auf den Dachboden zu steigen und alte Dokumente hervorzuholen. In Ausnahmefällen, etwa bei älteren Mandanten, rufen wir auch selbst beim Grundbuchamt an, um fehlende Unterlagen anzufordern.“

Roadmap zur Reform

Gut vorbereitet, klar strukturiert: Wie die Kanzlei Ruge Fehsenfeld die zusätzliche Beratungsaufgabe angepackt hat.

  • Kompetenzen bündeln, Ressourcen sicherstellen
    Ruge Fehsenfeld hat ein spezialisiertes Team zusammengestellt, das sich ausschließlich auf die Feststellungserklärungen zur Grundsteuer konzentriert. Zur Verstärkung wurden drei zusätzliche Teilzeitkräfte eingestellt.
    • Überblick über den Beratungsbedarf verschaffen
      Auf Basis einer zweistufigen Mandantenbefragung konnte Ruge Fehsenfeld den voraussichtlichen Umfang des Projekts frühzeitig kalkulieren. Im ersten Anschreiben (März 2022) wurde die grundsätzliche Bereitschaft abgefragt, die Grundsteuererklärung von der Kanzlei erstellen zu lassen. Dem zweiten Anschreiben (Mai 2022) lag ein Formular zur verbindlichen Beauftragung bei.
      • Transparentes Preismodell für Mandanten entwickeln
        Wichtig war es der Kanzlei, dass ihre Mandanten von Anfang an wissen, welche Kosten auf sie zukommen. Mit dem zweiten Anschreiben erhielten sie daher Informationen über das einfach nachvollziehbare Kostenmodell von Ruge Fehsenfeld. Es orientiert sich an der Art der Liegenschaft und unterscheidet nicht nach Bundesländern. (Zum Thema Honorarmodelle siehe auch: Whitepaper Haufe-Verlag)
        • Passende Software-Lösung implementieren
          Um zum Stichtag 1. Juli handlungsfähig zu sein, hat das Spezialisten-Team von Ruge Fehsenfeld frühzeitig die auf dem Markt zur Verfügung stehenden Software-Lösungen gescreent, sich intensiv mit den Testversionen auseinandergesetzt und das passende Programm ausgewählt. Bereits im Frühjahr 2022 wurden die Mitarbeitenden umfassend geschult.
          • Info-Service bereitstellen
            Auf einer eigens entwickelten Website informiert die Kanzlei über den „einfachsten Weg zur Grundsteuererklärung“, beantwortet häufig gestellte Fragen und stellt das eigene Leistungsangebot vor: www.grundsteuererklaerung.de.

          Der Teufel steckt im Detail

          Aber was, wenn zum Beispiel eine exakte Flächenberechnung nicht bzw. nicht mehr existiert? Wie so oft steckt der Teufel auch hier im Detail. „Wenn es beispielsweise darum geht, in einem älteren Haus mit mehreren Wohnungen plus Heizungskeller und Treppenhaus die exakten Maße zu ermitteln, kann es durchaus sinnvoll sein, Vermessungsfachleute hinzuzuziehen“, erläutert Bastian Ruge. Nicht selten fördert die Datenerhebung zudem Unstimmigkeiten zutage, etwa bei den Grundbuchverhältnissen. Bastian Ruge: „Die Ausnahme ist die Regel – mit einer Standard-Beratungsleistung kommt man hier nicht weit. Die Vielseitigkeit der Fälle ist es, die unsere Arbeit anspruchsvoll, aber auch besonders spannend macht.“

          Gerade für Unternehmen ist die Kanzlei oft tage- oder gar wochenlang im Einsatz. Hier geht es unter Umständen nicht nur um eine Vielzahl von Liegenschaften – sondern auch um viel Geld. „Die aktuelle Feststellungserklärung besitzt eine nicht zu unterschätzende finanzielle Sprengkraft. Wenn sich jetzt Fehler einschleichen, kann das bei größerem Besitz über Jahrzehnte zu hohen Mehrkosten führen“, erläutert Bastian Ruge. Nicht wenige Mandanten reagieren seiner Erfahrung nach mit Verunsicherung und sogar Ärger auf die Grundsteuerreform. Dies wirke sich auch auf die Akzeptanz der Steuerberatungs-Honorare eher negativ aus. „Wer möchte schon gern für eine Leistung aufkommen, deren Mehrwert nicht abschätzbar ist? Zwar soll die Grundsteuerreform insgesamt zu mehr Steuergerechtigkeit führen – aber wer am Ende mehr und wer weniger bezahlt, bleibt abzuwarten.“

          Sascha Fehsenfeld, Steuerberater, Fachanwalt für Steuerrecht, Erbrecht und Fachberater für Internationales Steuerrecht

          „Die Herausforderungen für unseren Berufsstand werden nicht weniger. Am Ende des Tages werden größere, flexible und dynamische Einheiten im Vorteil sein.“ 

          Sascha Fehsenfeld, Steuerberater, Fachanwalt für Steuerrecht, Erbrecht und Fachberater für Internationales Steuerrecht

          31. Oktober 2022 – ein Tag wie jeder andere

          Nun gilt es zunächst, die erste Etappe zu meistern: Am 31. Oktober endet die Frist zur Abgabe der Grundsteuererklärungen. „Für uns ist der Stichtag ein Non-Event. Wir sind in puncto Kapazitäten und Know-how so aufgestellt, dass wir die Erklärungen im Vorfeld ohne Stress abgeben können“, sagt Sascha Fehsenfeld. Das „Projekt Grundsteuer“ geht bei Ruge Fehsenfeld planmäßig ins Alltagsgeschäft über. Langweilig wird es aber auch in Zukunft sicher nicht. „Rezessionstendenzen, Geldmengenverknappung – die Herausforderungen werden nicht weniger. Wir sind jetzt schon gespannt, was als Nächstes auf unseren Berufsstand zukommt“, geben beide als Ausblick am Ende des Gesprächs mit der Deutschen Bank.

          07/2022