Nähe braucht globalen Weitblick

Nähe bedeutet im unternehmerischen Kontext vor allem eines: verstanden zu werden. Für lokal verwurzelte, global tätige Familienunternehmen ist deshalb eine Frage entscheidend: Wer versteht ihr Geschäft in seiner ganzen Breite, und bleibt auch in unsicheren Zeiten ansprechbar? Die Idee der Globalen Hausbank ist eine Antwort darauf.

Dieser Artikel wurde in der Print-Ausgabe von Wir Familienunternehmer als Gastbeitrag von Christian Gerhardt am 01. Juni 2026 erstmalig veröffentlicht.

Als Thomas Edison im Sommer 1889 nach Europa reist, sucht er Zugang. Der Erfinder der Glühbirne interessiert sich für die industrielle Fertigung bei Krupp in Essen – doch persönliche Kontakte fehlen. Die Deutsche Bank stellt ein Empfehlungsschreiben aus, öffnet Türen, bringt die Akteure zusammen. Und schafft so Nähe.

Dieses Prinzip wirkt erstaunlich modern. Denn auch heute ist Nähe zwischen Unternehmen und Bank nicht primär eine Frage des Standorts, sondern der Haltung. Wer unternehmerisch denkt, erwartet keinen anonymen Finanzdienstleister, sondern einen Partner, der Zusammenhänge erkennt, Risiken einordnet und Verantwortung mitträgt.

Die Hausbank – neu gedacht

Für viele Familienunternehmen war die Hausbank über Jahrzehnte ein fester Bestandteil der unternehmerischen Identität. Sie kannte das Geschäftsmodell, die Eigentümerfamilie, oft auch die nächste Generation. Gleichzeitig hat sich das Umfeld grundlegend verändert: Wertschöpfungsketten sind international, Märkte fragmentierter, geopolitische Risiken allgegenwärtig.

Hier setzt die Idee der Globalen Hausbank an. Sie verbindet lokale Verankerung mit internationaler Präsenz. Nähe entsteht, wenn ein Unternehmen in Deutschland einen Ansprechpartner hat, der zugleich versteht, was eine Investition in Asien, ein Zulieferer in Lateinamerika oder ein Absatzmarkt in den USA bedeutet – wirtschaftlich, regulatorisch und kulturell.

Sicherheit als gemeinsame Aufgabe

Ein Blick in den Alltag vieler Familienunternehmen zeigt, wie relevant das ist: Ein mittelständisches Familienunternehmen exportiert einen Großteil seiner Produkte. Einnahmen in Fremdwährung, steigende Zinsen, volatile Rohstoffpreise – Faktoren wie diese beeinflussen die Planungssicherheit. Die zentrale Frage lautet nicht: Wie lässt sich jedes Risiko eliminieren? Sondern: Welche Risiken kann und will das Unternehmen tragen?

In solchen Situationen zeigt sich, wie tragfähig die Beziehung zur Bank ist. Nähe bedeutet dann, offen über Szenarien zu sprechen, über Belastungsgrenzen und Prioritäten – und Entscheidungen einzuordnen, bevor sie getroffen werden.

Global denken, persönlich bleiben

Die Idee der Globalen Hausbank ist kein Bruch mit der Tradition, sondern ihre Weiterentwicklung. Schon früh begleiteten Banken Unternehmen über Grenzen hinweg, folgten Handelsströmen, vermittelten Kontakte. Heute geschieht das in einer Welt, die komplexer, schneller und unsicherer geworden ist.

Technologie kann dabei helfen, Nähe zu ermöglichen – sie ersetzt sie aber nicht. Entscheidend bleibt das persönliche Gespräch, das langfristige Denken, die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Nähe entsteht unabhängig von räumlicher Distanz. Sie lebt von einer Haltung, die Begegnung möglich macht.

Nähe als Zukunftsfaktor

Familienunternehmen brauchen Partner, die den Wandel begleiten und Stabilität geben. Die Globale Hausbank kann genau das leisten – wenn sie trotz einer globalen Aufstellung nahbar bleibt.

Dr. Christian Gerhardt, Leiter BizBanking Unternehmensbank, Deutsche Bank

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