Anleihen, Makro- und Anlageklassenausblick – 15.09.2026

Anleihen: Kurs halten bei hohen Renditen

Die wichtigsten Fakten:

  • Staatsanleiherenditen dürften sinken, aber Aufwärtsrisiken bleiben.
  • Kreditspreads dürften sich moderat ausweiten, abgefedert durch Fundamentaldaten und Carry.
  • Regionale Risiken driften auseinander; der Druck in Frankreich, Japan und Asien nimmt zu.
Bildunterschrift 	Das Gebäude der US-Notenbank Fed bei Sonnenuntergang

Bildquelle: Philip / Adobe Stock

Der Anstieg der US-Treasury-Renditen ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Höhere Energiepreise, eine hartnäckige Inflation, ein starkes nominales Wachstum, anhaltende Haushaltsdefizite bzw. hohe Schuldenstände, die eingepreiste erwartete Fed-Politik sowie die von Anlegern wegen verminderter Forward Guidance verlangte Prämie haben die Renditen allesamt steigen lassen. Der hohe Finanzierungsbedarf der US-Regierung konkurriert zudem mit dem wachsenden KI-bezogenen Emissionsvolumen von Unternehmensanleihen um Anlegerkapital. Eingriffe des Finanzministeriums können ungeordnete Marktbewegungen zwar kurzfristig begrenzen, ohne bessere Fiskal- und Angebotsaussichten die Renditen aber nicht dauerhaft senken. Dennoch dürfte eine expansivere als derzeit vom Markt eingepreiste Fed-Politik zu einem moderaten Rückgang der Renditen führen. Renditeziel für September 2027: 4,50 % (10 Jahre) und 4,00 % (2 Jahre).

Carry attraktiv, aber Risiken bleiben: Defizite, Inflation und Angebot halten Renditen hoch – Qualität zahlt sich aus.

Bund-Renditen dürften moderat sinken, wenn der energiebedingte Inflationsdruck nachlässt und die Zinserhöhungszyklen beendet sind. Sorgen über die weltweite Schuldentragfähigkeit und Übertragungseffekte der hohen US-Renditen halten die Bund-Renditen jedoch grundsätzlich erhöht. Bei anhaltendem Energiepreis- oder Inflationsdruck, höheren Emissionen oder einer schwächeren Durationsnachfrage überwiegen die Aufwärtsrisiken. Renditeziel für September 2027: 3,10 % (10 Jahre), 2,60 % (2 Jahre).

Italiens Spreads dürften angesichts politischer Stabilität und positiver Ratingdynamik eng bleiben. Die Risiken sind weitgehend ausgewogen. Im Vergleich dazu trägt Frankreich höhere Fiskal- und Wahlrisiken, die allerdings teilweise bereits eingepreist sind.

In Japan dürfte sich am kurzen Ende die anhaltende Normalisierung der BoJ-Politik zeigen. Am langen Ende bleiben expansive Fiskalpläne zentral für die Laufzeitprämie: Unserer Einschätzung nach sollte Japans Schuldendynamik dank eines ausgeglichenen Primärsaldos und eines gesunden nominalen Wachstums beherrschbar bleiben und den Aufwärtsdruck auf die Renditen begrenzen. Für September 2027 erwarten wir eine Rendite von 2,0 % (2 Jahre) und 3,0 % (10 Jahre) – was einer moderaten Abflachung der Zinskurve entsprechen würde.

USD- und EUR-Investment-Grade-Spreads dürften angesichts bereits enger Ausgangsniveaus leicht unter Aufwärtsdruck geraten. Solide Fundamentaldaten und interessante Gesamtrenditen dürften das Ausmaß der Spreadausweitung jedoch begrenzen. Hohe KI-bezogene Anleihe-Emissionen belasten USD-IG stärker, dürften aber auch in Europa zunehmen. Damit bleibt das Einengungspotenzial begrenzt und Carry der wichtigste Renditetreiber.

High-Yield-Spreads dürften sich von historisch engen Niveaus ebenfalls moderat ausweiten. Solide Fundamentaldaten und ein attraktiver Carry begrenzen den Anstieg. Länger anhaltende hohe Zinsen und hohe Refinanzierungsbedarfe machen schwächere Emittenten jedoch anfällig. KI-Finanzierungen könnten die Streuung erhöhen.

Asiatische Unternehmensanleihen werden weiter von starken Fundamentaldaten, hoher Liquidität und einer starken Renditenachfrage gestützt. Gestiegene Ölpreise, eine straffere regionale Politik und hohe US-Treasury-Renditen dürften die Spreads dennoch moderat ausweiten. Spreads für Staatsanleihen aus Schwellenländern dürften weitgehend stabil bleiben: Bessere Terms of Trade, ein schwächerer USD und attraktive Gesamtrenditen gleichen höhere US-Renditen aus. Da die Spreads bereits gering sind, könnte weiteres Einengungspotenzial begrenzt sein.

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Redaktionsschluss: 09.09.2026, 15.00 Uhr

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