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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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11. März 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

Deutschlands Industrieproduktion trübt die Stimmung zum Jahresauftakt, der Energiepreisschock belastet britische Staatsanleihen, und steigende Energiepreise sowie hoher Investitionsbedarf geben europäischen Versorgeraktien Rückenwind.

Deutsche Industrieproduktion fällt im Januar überraschend

Die deutsche Industrieproduktion ist im Januar im Jahresvergleich um 1,2 Prozent zurückgegangen und blieb damit hinter den Erwartungen zurück. Analysten hatten mit einem Anstieg um ein Prozent gerechnet. Nach der Verbesserung im vierten Quartal 2025 stellt der jüngste Wert damit einen kleinen Rückschritt dar. Schwäche zeigte sich besonders bei der Herstellung von Metallerzeugnissen und in der Pharmabranche, während Bau und Energie zusammen um 1,4 Prozent zulegten. Gleichzeitig liefern Stimmungsumfragen einen frühen Hinweis darauf, wie die geopolitischen Spannungen die Einschätzungen beeinflussen. Der jüngste Sentix Economic Index weist für Deutschland einen Rückgang um 5,2 Punkte auf minus 12,1 aus. Die Daten deuten auf eine Abkühlung der Stimmung hin, liegen jedoch nicht unter dem Niveau von Oktober 2022, als die Inflation in Deutschland auf ihrem Höchstniveau lag. Trotz des verhaltenen Jahresauftakts stützen Widerstandsfähigkeit in einzelnen Industriesegmenten sowie die anstehenden fiskalischen Impulse, die voraussichtlich die binnenorientierte Wirtschaft unterstützen werden, den insgesamt konstruktiven Ausblick.

Energiepreisschock belastet britische Staatsanleihen

Britische Staatsanleihen standen zu Wochenbeginn deutlich unter Druck. Das Kalkül der Marktteilnehmer: Ein möglicherweise länger anhaltender Energiepreisschock könnte neben der tatsächlichen Inflation auch die Inflationserwartungen treiben und über Zweitrundeneffekte den Preisdruck auf zu hohem Niveau verstetigen. Mit Blick auf die Zinspolitik der Bank of England preisen die Märkte bis Ende 2026 nunmehr eine Anhebung des Leitzinses von 3,75 auf 4,0 Prozent mit einer impliziten Wahrscheinlichkeit von rund 40 Prozent ein – gegenüber zwei Senkungen vor Beginn des Iran-Kriegs. Hohe Energiepreise treiben nicht nur die Inflation, sondern belasten auch das Wachstum. Dabei hängt der dämpfende Effekt auf Nachfrage und Investitionen stärker von der Dauer als von der Höhe des Schocks ab. Die Lage am Golf bleibt unsicher. Großbritanniens Notenbanker dürften über kurzfristige Inflationssprünge zunächst hinwegsehen und vielmehr unterliegende Preistrends sowie die konjunkturelle Entwicklung berücksichtigen. Vor dem Hintergrund eines zuletzt schwächeren Arbeitsmarkts und nachlassenden Lohnwachstums könnten sich die aktuellen Markterwartungen als zu restriktiv erweisen. Zwar sind die Renditen britischer Staatsanleihen gestern wieder etwas gesunken. Dennoch rentieren zweijährige Restlaufzeiten mit 3,9 Prozent auf interessantem Niveau.

Energiepreise und Investitionsbedarf geben Versorgeraktien Rückenwind

Aktien europäischer Versorger könnten im aktuellen Marktumfeld gut positioniert sein. Gaspreise stützen kurzfristig die Gewinne jener Stromerzeuger, die einen Teil ihrer Produktion am freien Markt verkaufen. Gleichzeitig erhöht der jüngste Energiepreisschock abermals den Druck, die Energiesicherheit in Europa zügig auszubauen. Vielerorts trifft eine veraltete Netzinfrastruktur auf einen strukturell steigenden Energiebedarf, etwa durch die fortschreitende Elektrifizierung und den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Beides sorgt für langfristige Nachfrageimpulse in einem traditionell wenig dynamischen Sektor. Die Kombination aus defensiver Stabilität und einem weitgehend konjunkturunabhängigen Wachstumsausblick macht den Sektor aus meiner Sicht in einem unsicheren Umfeld interessant. Dennoch ist der Sektor nicht günstig: Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für die nächsten zwölf Monate liegt knapp zwölf Prozent über dem zehnjährigen Durchschnitt.

Diese Prämie erscheint vor dem Hintergrund der genannten Faktoren nachvollziehbar, bleibt jedoch nicht ohne Risiken. Regulatorische Eingriffe zur Abfederung steigender Energiepreise, etwa in Form kurzfristiger Steuern, sind ein potenzieller Belastungsfaktor.

Steigende Inflationsrisiken belasten ungarische Staatsanleihen

Die höheren Preise für Energierohstoffe infolge des Nahostkonflikts setzen Osteuropa unter Druck. Ungarn trifft es besonders, weil das Binnenland Erdöl und verflüssigtes Erdgas nicht direkt per Tanker beziehen kann. Zu Wochenbeginn reagierten die ungarischen Anleihemärkte spürbar: Wegen steigender Inflationsrisiken preisten Terminmärkte am Montag Zinserhöhungen kurz nach den Parlamentswahlen am 12. April ein, obwohl die Notenbank erst Ende Februar nach mehr als einem Jahr Pause wieder mit Zinssenkungen begonnen hatte. Die Renditen dreijähriger Staatsanleihen sprangen innerhalb weniger Stunden um 0,50 Prozentpunkte auf knapp sieben Prozent, längere Laufzeiten stiegen über sieben Prozent. Für risikofreudige Anleger könnten kurzlaufende Anleihen damit interessanter werden – denn bei einem Leitzins von 6,25 Prozent und einer Inflationsrate von 1,4 Prozent im Februar sind die Realzinsen hoch. Weitere Zinssenkungen könnten Kursgewinne bringen, und nach der Wahl könnte auch der ungarische Forint Rückenwind erhalten, falls sich das Verhältnis zur Europäischen Union entspannt.

Nebenwerte: zwischen Zöllen und Nahost-Volatilität

Nebenwerte sind nach zwei schwachen Jahren zurück – doch Zölle und Nahost‑Volatilität sorgen für ein anspruchsvolles Umfeld. Warum SDAX/MDAX profitieren, welche Branchen treiben und wie Anleger Nebenwerte beimischen können, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 0,07–0,36

Das größte Wasserstoffreservoir der Welt befindet sich möglicherweise nicht in den Ozeanen, sondern im Inneren der Erde. Dies vermutet ein Team um Dongyang Huang von der Universität Peking, das die Zusammensetzung des Erdkerns im Labor simuliert hat. Die Forscher schätzen, dass Wasserstoff zwischen 0,07 und 0,36 Prozent des Erdkerngewichts ausmacht. Das wäre bis zu 45-mal mehr als in allen Ozeanen zusammengenommen und erlaubt Rückschlüsse auf die Herkunft unseres Wassers: Wenn der größte Teil des Wasserstoffs sich heute im Inneren des Planeten konzentriert, hat sich Wasser wohl schon früh in der Erdgeschichte gebildet – und kam nicht, wie manche Theorien annehmen, später durch Meteoriten auf die Erde. 

Kommen Sie heute zum Kern der Sache. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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