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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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1. März 2024

Liebe Leserinnen und Leser,

Ölkonzerne investieren mehr in „grüne“ Projekte, die PCE-Kernrate bestätigt die Fed in ihrer abwartenden Haltung, und der Palladiumpreis schwächelt.


Energiebranche investiert in die Zukunft

Investitionen in die Energiewende können mit dem Anfang 2023 eingeführten Nachhaltigkeitsreporting in der Europäischen Union zunehmend besser quantifiziert werden. Während es Anlegern größere Transparenz bietet, motiviert es Unternehmen mit hohem CO2-Ausstoß, Investitionen in „grüne“ Projekte zu tätigen. Dementsprechend wird erwartet, dass Ölkonzerne in Europa mehr in nachhaltige Energien investieren werden. Bereits jetzt zeigt sich, dass „grüne“ Investitionen positiv zum Unternehmenswert beitragen können. Schätzungen zufolge sind die nachhaltigen Energieprojekte der Ölkonzerne das 1,6-Fache der ursprünglichen Investitionen wert. Klimafreundliche Geschäftsbereiche dürften bei europäischen Ölkonzernen inzwischen im Schnitt über zehn Prozent des Unternehmenswerts ausmachen. Trotz ihrer nachhaltigeren Geschäftsmodelle sind europäische Energiekonzerne gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis etwa ein Drittel günstiger bewertet als ihre amerikanischen Pendants.

Dieser Abschlag erscheint mir zu hoch. Europäische Öl- und Gasaktien, die ihre US-Vergleichsgruppe seit Anfang 2023 um sechs Prozentpunkte geschlagen haben, könnten daher weiterhin die Nase vorne haben.


Inflationsmaß bestätigt die Fed

Die US-Notenbank Fed fokussiert sich bei ihren geldpolitischen Entscheidungen primär auf das um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Inflationsmaß der persönlichen Konsumausgaben, die PCE-Kernrate. Diese fiel im Januar genauso aus wie von Analysten prognostiziert: Sie erhöhte sich um 2,8 Prozent auf Jahres- und um 0,4 Prozent auf Monatssicht. Damit sank die jährliche Inflationsrate zwar um 0,1 Prozentpunkte, der monatliche Preisanstieg war jedoch so hoch wie zuletzt im Januar 2023. Dies dürfte die US-Notenbank Fed darin bestärken, mit einer Zinswende noch abzuwarten. Da die Daten die Analystenschätzungen punktgenau trafen, reagierten die Finanzmärkte kaum; die Zinsterminmärkte preisen die erste Zinssenkung der Fed weiterhin für Juni oder Juli ein. In einer unmittelbaren Reaktion auf die Daten sanken die Renditen der US-Staatsanleihen sowie der US-Dollar geringfügig.


Palladiumnachfrage nimmt ab

Palladium ist 2024 das bisher schwächste der Edelmetalle; das Minus liegt bei rund 15 Prozent. Seit Anfang 2023 hat sich der Preis nahezu halbiert – trotz des Angebotsdefizits von rund einer Million Feinunzen im vergangenen Jahr. Auch 2024 dürfte ein großer Teil dieses Defizits durch den Abbau von Lagerbeständen und verstärktes Recycling gedeckt werden. Analysten prognostizieren, dass die Förderung von Palladium im Jahr 2024 zwar um rund zehn Prozent reduziert werden dürfte. Dies würde jedoch nicht ausreichen, um dem weißen Metall signifikantes Aufwärtspotenzial zu eröffnen. Aufgrund zunehmender Elektromobilität dürfte nämlich auch die Nachfrage der Automobilindustrie zur Verwendung von Palladium in Katalysatoren um mehr als sechs Prozent nachgeben. Vermutlich dürften andere Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin Anlegern interessantere Möglichkeiten eröffnen.


Japan: geldpolitische Normalisierung wird wahrscheinlicher

Japans Inflationsrate sank im Januar von 2,6 auf 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Neue Kernrate – ohne frische Lebensmittel und Energie – sank von 3,7 auf 3,5 Prozent. Der Rückgang war weniger stark als erwartet, vor allem aufgrund der Preise für Übersee-Pauschalreisen, die ein Plus von 62,9 Prozent aufwiesen. Das Ministerium für Innere Angelegenheiten und Kommunikation (MIC) hatte die Teuerungsrate für Pauschalreisen zwischen 2021 und 2023 aufgrund der Corona-Pandemie auf null Prozent festgesetzt. Deren Beitrag zur Kerninflation betrug knapp 0,2 Prozentpunkte – und erklärt somit den Unterschied zur Analystenerwartung von 3,3 Prozent. Die höhere Inflationsrate dürfte dazu beitragen, dass Unternehmen bei den Frühjahrstarifverhandlungen den hohen Lohnforderungen der Gewerkschaften stattgeben könnten. Die Aussicht auf Lohnsteigerungen und eine Leitzinsanhebung von minus 0,1 auf null Prozent Ende April schob die Rendite zweijähriger japanischer Anleihen diese Woche auf über 0,17 Prozent – den höchsten Stand seit 2011. Die Normalisierung der Geldpolitik sollte den Yen – die in diesem Jahr gegenüber dem Euro schwächste G10-Währung – stützen.


Superwahljahr: worauf sich Anleger einstellen müssen

„Politische Börsen haben kurze Beine“, lautet eine Börsenweisheit. Nun finden 2024 weltweit zahlreiche Wahlen statt, darunter die Europawahl und die US-Präsidentschaftswahl. Behält die Börsenweisheit recht oder müssen sich Anleger auf längerfristige Schwankungen einstellen? Das erfahren Sie von mir im Gespräch mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.


Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • Europa | 107 Konzerne des STOXX 600 berichten Quartalsergebnisse, unter anderem Daimler Truck, Compagnie de Saint-Gobain, Covestro, MTU Aero Engines, MAN, Aixtron, Anheuser-Busch InBev, Reckitt, ASM International und Münchener Rück.
  •  USA | 40 S&P-500-Unternehmen legen Zahlen vor, darunter Hewlett-Packard, Salesforce, Monster Beverage, Norwegian Cruise Line, Lowe’s und Domino’s Pizza.
  • Asien | Aus Hongkong melden sich NetEase und Baidu.

Freitag

  • Eurozone | Verbraucherpreise im Februar. Bei der Gesamtinflation wird ein Rückgang von 2,8 auf 2,5 Prozent erwartet, während die Kernrate um 0,3 Prozentpunkte auf 3,0 Prozent gesunken sein sollte. Bleibt die gleichzeitig veröffentlichte Arbeitslosenquote auf ihrem historischen Tiefstand von 6,4 Prozent, könnten die europäischen Aktien hinzugewinnen.
  • China | NBS-Einkaufsmanagerindizes für Februar. Die Stimmung dürfte auf dem Niveau des Vormonats verweilt haben. Während das Verarbeitende Gewerbe leicht geschrumpft sein sollte, könnte der Index für den Dienstleistungssektor knapp über der Expansionsschwelle von 50 Punkten liegen. Wenn sich die Wirtschaft nicht beschleunigt oder die Regierung keine neuen Maßnahmen zur Ankurbelung des Wachstums ankündigt, scheint ein weiterer Anstieg der Volatilität wahrscheinlich.


      Zahl des Tages: 706.000

      Wir müssen uns Richard Plaud als einen erleichterten Menschen vorstellen. Acht Jahre lang hatte der Franzose an einem Eiffelturm aus Streichhölzern gearbeitet und mit über sieben Metern Höhe das weltweit höchste Gebäude dieser Art geschaffen. Doch als der Bau aus rund 706.000 Streichhölzern und 23 Kilogramm Klebstoff fertiggestellt war, wurde ihm der Rekordstatus verweigert. Der Grund: Plaud hatte sich Hölzchen ohne Schwefelkopf liefern lassen, um seine Arbeit zu beschleunigen. Jetzt lenkten die Verantwortlichen der Guinness-Weltrekorde ein: Man habe die Regeln wohl etwas zu streng ausgelegt. 

      Nehmen Sie es heute nicht so genau. 

      Herzlichst

      Ihr Ulrich Stephan

      Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden


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