PERSPEKTIVEN am Morgen

Starten Sie gut informiert
in den Tag

Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
Jeden Morgen um 7.00 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

27. Januar 2022

Liebe Leserinnen und Leser,

das US-Wirtschaftswachstum im vierten Quartal übertrifft die Erwartungen, die Bank of Canada will den Zinserhöhungszyklus vorerst pausieren, und die Inflationsrate in Indien geht zurück.


USA: Wachstum überrascht

Die US-Wirtschaft wuchs im vierten Quartal 2022 auf das Jahr hochgerechnet um 2,9 Prozent zum Vorquartal – erwartet worden war ein Plus von 2,6 Prozent. Zu erklären ist die Entwicklung jedoch vor allem durch Zuwächse bei den Lagerbeständen der Unternehmen. Werden diese abgebaut, könnte das die wirtschaftliche Entwicklung 2023 dämpfen. Der Immobilienmarkt schwächelte dagegen. Auch haben das höhere Zinsniveau und die hohen Inflationsraten die Konsumlaune deutlich gedrückt – eine Entwicklung, die sich im ersten Quartal 2023 fortsetzen dürfte. Viele Marktakteure sehen unter anderem deshalb die Möglichkeit einer kurzen, milden Rezession in den Vereinigten Staaten. Die gestrigen Daten bewegten die Märkte nicht. Diese fokussieren sich bereits auf die Sitzung der US‑Notenbank am kommenden Mittwoch.


Reise- und Freizeit-Sektor: Erholung mit Turbulenzen

Reise- und Freizeit-Sektor: Erholung mit Turbulenzen Aktien europäischer Reise- und Freizeitunternehmen stiegen gut zehn Prozentpunkte mehr als der breite Markt: Der STOXX 600 Travel & Leisure Index hat seit Jahresanfang 18 Prozent gewonnen. Die Gründe: 

  • Einkaufsmanagerindizes deuteten im Januar wieder auf eine leichte Expansion des Dienstleistungssektors hin.
  • Die Konjunktur zeigt sich robust.
  • Die Reisebeschränkungen in China endeten.

Zudem gingen die Energiepreise zurück – ein Aspekt, der mit Vorsicht zu genießen ist. Zwar bleibt Verbrauchern bei sinkenden Heiz- und Spritkosten mehr Geld für den Konsum übrig. Mit Blick auf die angespannten Kapazitäten bei Raffinerien lassen sich aber nicht automatisch Rückschlüsse auf die Kosten der im Index beheimateten Fluglinienbetreiber ziehen. Der durchschnittliche globale Kerosinpreis lag Ende der vergangenen Woche 39,5 Prozent über dem Vorjahresniveau, Tendenz: steigend. Die europäischen Reise- und Freizeitaktien dürften ihre Erholung von der Corona-Krise aber fortsetzen. Analysten erwarten 2023 ein Gewinnwachstum von 36,3 Prozent. Angesichts der beschriebenen Entwicklungen haben sie ihre Gewinnprognosen zuletzt sogar angehoben. Wegen des erhöhten erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 19,3 ist aber mit Turbulenzen zu rechnen.


Kanada: Notenbank bremst Zinshoffnungen

Die Bank of Canada erhöhte ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent. Gleichzeitig kündigte sie an, den Zinserhöhungszyklus vorerst zu pausieren, um die Wirkungen ihres restriktiven Kurses auf die Realwirtschaft zu beobachten. Voraussetzung für diese Pause sei, dass sich die Wirtschaft im Einklang mit ihren aktualisierten Prognosen entwickle. Die Währungshüter erwarten, dass die Verbraucherpreisinflation im Jahresverlauf sinkt. Ende 2023 sollte sie mit 2,6 Prozent aber noch leicht über ihrer Zwei-Prozent-Zielmarke liegen. Gleichzeitig erwarten die Währungshüter, dass sich das Wachstum des Bruttoinlandprodukts bis auf 0,5 Prozent im vierten Quartal abschwächt. 2024 könne ein deutlicher Aufschwung bevorstehen. Aktuell erwarten die Märkte eine geldpolitische Lockerung von gut 0,4 Prozentpunkten in der zweiten Jahreshälfte. Mit Blick darauf betone Notenbank-Chef Tiff Macklem, es sei viel zu früh, um über Zinssenkungen zu diskutieren. Fällt die konjunkturelle Abkühlung der kanadischen Wirtschaft geringer aus als erwartet, könnten die antizipierten Zinssenkungen zumindest teilweise ausgepreist werden. Das könnte die jüngste Rally kanadischer Staatsanleihen beenden und deren Renditen erneut treiben.


Indien: Inflationsrückgang mit Schattenseite

Die Inflationsrate in Indien ging im Dezember zurück: Sowohl Konsumenten- als auch Produzentenpreise stiegen mit 5,7 und fünf Prozent erneut langsamer als im Vormonat. Analysten erwarten die durchschnittlichen Teuerungsraten für das gesamte Fiskaljahr 2023 – das am 31. März endet – bei gut neun beziehungsweise etwa 13 Prozent. Aufgrund des weiter abnehmenden Preisdrucks könnten sie sich im Fiskaljahr 2024 im Mittel bei fünf beziehungsweise 2,5 Prozent einpendeln. Dieser positive Ausblick hat jedoch eine Kehrseite: Die zweistelligen Inflationsraten der vergangenen Monate haben der sich dynamisch erholenden Wirtschaft auch zweistellige Wachstumsraten des nominalen Bruttoinlandprodukts beschert. Im Fiskaljahr 2022 standen 19,5 Prozent zu Buche; für das laufende Fiskaljahr veranschlagt die indische Regierung 15,4 Prozent. Diese bemerkenswerte Dynamik hat unter anderem die nominalen Unternehmensgewinne getrieben.

Der erwartete Inflationsrückgang könnte sich in den kommenden Monaten auch in einem schwächeren Gewinnwachstum indischer Aktienunternehmen widerspiegeln. Dies wird momentan für die kommenden zwölf Monate bei 21,4 Prozent erwartet. Daraus resultierende Kurskorrekturen indischer Aktien könnten mittelfristig orientierten Anlegern Einstiegschancen bieten.


Was diese Woche wichtig wird

    Freitag

    • Japan | Verbraucherpreise in der Metropolregion Tokio. Sie könnten auf dem Niveau des Vormonats bleiben. In den kommenden Monaten dürften der stärkere Yen und staatliche Maßnahmen die Teuerungsraten bremsen.
    • USA | PCE Core Deflator im Dezember. Das von der Fed präferierte Maß für Inflation sollte von 4,7 auf 4,4 Prozent gesunken sein.


          DAX mit fulminantem Jahresstart

          Die Aktienmärkte sind gut in das Jahr 2023 gestartet. Wie lange dauert die Hausse noch an? Das erfahren Sie in der aktuellen Folge von „PERSPEKTIVEN To Go – der Börsenpodcast“.


          Zahl des Tages: 2

          Reisen in andere Sonnensysteme sind eine langwierige Sache: Mit aktueller Technologie würden wir einige zehntausend Jahre bis zum nächsten Stern brauchen. Das geht schneller, glaubt Mathias Larrouturou von der McGill University in Montreal: Raumschiffe könnten nach seinen Berechnungen künstliche Magnetfelder erzeugen, um den Sonnenwind einzufangen. Wie auf unsichtbaren Flügeln gleitend könnte eine Sonde so in einem Jahr auf zwei Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigen. Der nächste Stern wäre dann nur noch ein paar hundert Jahre Reisezeit entfernt. Science- Fiction, doch mit irdischem Ursprung: Die Idee soll Larrouturou gekommen sein, als er Seevögel im Wind gleiten sah.

          Ich wünsche Ihnen einen inspirierten Tag.

          Herzlichst

          Ihr Ulrich Stephan

          Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden


          "PERSPEKTIVEN am Morgen" - Newsletter

          Erhalten Sie den Marktkommentar von Dr. Stephan jeden Morgen als E-Mail direkt in Ihren Postkorb.

          Anrede

          Mit der Registrierung habe ich die Datenschutzbestimmungen der Deutschen Bank zur Kenntnis genommen.

          Dr. Ulrich Stephan

          Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

          Sie erhalten nach der Registrierung eine E-Mail an die von Ihnen angegebene Adresse. Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung mit dem dort enthaltenen Link.

          Sie können sich jeder Zeit, zum Beispiel in jeder E-Mail-Ausgabe von "PERSPEKTIVEN am Morgen", wieder abmelden. Es besteht kein Rechtsanspruch auf den täglichen Erhalt des Newsletters.

          Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.

          HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)