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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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29. Mai 2024

Liebe Leserinnen und Leser,

Europas Aktienmarkt zieht heimische Anleger an, Gewerbeimmobilien in Deutschland werden günstiger, und die Schwedische Krone erholt sich von ihren Jahrestiefständen.


Europas Aktienmarkt lockt Anlegergelder

Europäische Aktien haben in den vergangenen Wochen erstmals seit Beginn des Russland-Ukraine-Krieges wieder Nettokapitalzuflüsse erfahren. Zuvor wurden Aktien aus Europa vielfach zugunsten anderer Regionen verkauft. Bemerkenswerterweise haben besonders europäische Investoren ihre Portfolios derart umgestellt, während US-Anleger ihre Positionen größtenteils beibehielten. Zuletzt fanden die Europäer jedoch wieder Gefallen an heimischen Aktien. Weitere Zuflüsse dürften im Jahresverlauf die Kurse stützen, ebenso die Käufe der Unternehmen selbst. In diesem Jahr könnten die Aktienrückkäufe des STOXX 600 von gut 150 Milliarden Euro auf über 160 Milliarden Euro steigen – 2025 halte ich sogar 175 Milliarden Euro für realistisch.


Deutschland: Gewerbeimmobilien werden günstiger

Die Preise für Gewerbeimmobilien lagen in Deutschland gemessen am Index des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) im ersten Quartal 2024 gut 17 Prozent unter ihrem Mitte 2022 erzielten Gipfel. Der Preisrückgang ist damit etwa doppelt so hoch wie bei Wohnimmobilien und mit minus 24,5 Prozent bei Einzelhandelsimmobilien besonders stark ausgeprägt. Unter anderem der Zinsanstieg hatte die Finanzierungskonditionen verteuert und den Markt abgekühlt. Das Transaktionsvolumen für Gewerbeimmobilien lag im Jahr 2023 rund 70 Prozent unter dem Vor-Pandemie-Niveau. Allerdings hat auch das Interesse ausländischer Investoren abgenommen: Deren Anteil lag bei Gewerbeimmobilienkäufen im Jahr 2015 noch bei rund 50 Prozent und ist seither auf 35 Prozent zurückgegangen. Neben dem Russland-Ukraine-Krieg dürften dazu auch Sorgen vor einer nachhaltigen Schwäche des Wirtschaftsstandortes Deutschland beitragen. Eine Erholung des Gewerbeimmobiliensektors könnte daher auf sich warten lassen, bis auch ausländische Anleger optimistischer bezüglich der deutschen Wirtschaft sind.


Inflation Reduction Act schiebt US-Energiewerte an

Öl- und Gasaktien des S&P 500 erzielten in den vergangenen drei Monaten eine Rendite von 7,3 Prozent in Euro – der Gesamtmarkt stieg nur um 4,7 Prozent.

Unter anderem dürfte dies an der robusten US-Konjunktur und der Energienachfrage liegen. Rund 70 Prozent der Öl- und Gasunternehmen hatten die Umsatzschätzungen für das erste Quartal 2024 übertroffen, verglichen mit etwa 60 Prozent beim S&P 500. Rückenwind geben auch zunehmende Fusionen und Übernahmen; sie kletterten von 110 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf 262 Milliarden im Jahr 2023. Zudem profitiert der Sektor von den Mitteln aus dem Inflation Reduction Act, da die Unternehmen Zugang zu zusätzlichen 369 Milliarden US-Dollar an Steuererleichterungen und staatlichen Zuwendungen erhalten. Für eine höhere Volatilität könnte indes die anstehende US-Präsidentschaftswahl sorgen. Debatten zur Regulierung der Branche infolge des 16-prozentigen Anstiegs der Spritpreise in diesem Jahr, Andeutungen über sinkende Subventionen oder eine Beschleunigung der Grünen Transformation könnten die Stimmung der Anleger belasten. In Anbetracht der niedrigen Bewertung des Sektors – das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt 40 Prozent unter dem des breiten Marktes – könnten zwischenzeitliche Rücksetzer interessante Einstiegsmöglichkeiten bieten.


Schwedische Krone stabilisiert sich

Die Schwedische Krone erholte sich spürbar von ihren Anfang Mai erreichten Jahrestiefständen – obwohl die schwedische Notenbank bereits am 8. Mai die Leitzinsen senkte und 2024 öfter die Zinsen senken könnte als die Europäische Zentralbank (EZB). Zudem entwickelt sich die Wirtschaft Schwedens schwächer: Im ersten Quartal 2024 sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) unerwartet zum Vorquartal, und dies bereits zum vierten Mal in Folge. Gleichzeitig stieg – im Gegensatz zur Eurozone – die Arbeitslosenquote. Die Inflationsrate befindet sich weiterhin in einem dynamischen Abwärtstrend, wenngleich sie noch höher ist als in der Eurozone. Der Grund für die Erholung der Schwedischen Krone dürfte die schwedische Exportindustrie sein, die stark von der Wirtschaft in Europa abhängt. Fast drei Viertel der schwedischen Warenexporte gehen nach Europa; Deutschland ist der größte Handelspartner. Nun weisen sowohl die Daten zum BIP im ersten Quartal als auch Frühindikatoren darauf hin, dass Deutschland beziehungsweise die gesamte Eurozone die Konjunkturdelle Ende vergangenen Jahres hinter sich gelassen haben dürfte. Da dies über steigende Exporte auch die Wirtschaft Schwedens anschieben sollte, könnte die Krone weiterhin Rückenwind verspüren.


Verliert Gold an Glanz?

Gold war gefragt wie lange nicht: Im März erreichte sein Preis die 2.000-US-Dollar-Marke; weitere Rekorde folgten. Zuletzt gab es aber einen kleinen Rücksetzer. Ist die Rally nun vorbei? Das erfahren Sie von Michael Blumenroth, Kapitalmarktexperte der Deutschen Bank, im Gespräch mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.


Was diese Woche wichtig wird

Freitag

  • Eurozone | Verbraucherpreise im Mai. Die Gesamtrate der Inflation dürfte sich von 2,4 auf 2,5 Prozent erhöht haben, während die Kernrate unverändert bei 2,7 Prozent geblieben sein sollte. Ein höherer Preisdruck könnte dazu führen, dass die am Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit für drei Leitzinssenkungen der EZB in diesem Jahr weiter sinkt. Der Euro würde davon voraussichtlich profitieren, während die Volatilität bei Anleihen und Aktien anziehen dürfte.
  • USA | PCE Core Deflator im April. Das bevorzugte Inflationsmaß der Fed sollte bei 2,8 Prozent verharrt haben. Liegt der Preisdruck unter der Konsenserwartung, ist an den Märkten mit einem zunehmenden Risikoappetit zu rechnen.


              Zahl des Tages: 591.000.000

              In der Erdgeschichte bildet das Ediacarium eine wichtige Zäsur: Damals entstanden die ersten mehrzelligen Tiere. Was hat diesen Entwicklungsschub ausgelöst? John Tarduno von der University of Rochester, New York, glaubt es zu wissen. Vor rund 591 Millionen Jahren brachen große Teile des Erdmagnetfelds zusammen, was dazu führte, dass der Atmosphäre Wasserstoff und andere leichte Gase entzogen wurden. Diese Katastrophe war vielleicht ein Glücksfall, so Tarduno. Denn zurück blieben freie Sauerstoffatome, die von den Organismen aufgenommen werden konnten. Neben der pflanzlichen Photosynthese, die den Sauerstoffgehalt der Atmosphäre erhöhte, könnte ein kollabierendes Magnetfeld die Evolution zusätzlich vorangetrieben haben. 

              Entwickeln Sie sich heute weiter. 

              Herzlichst

              Ihr Ulrich Stephan

              Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden


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