PERSPEKTIVEN am Morgen

Starten Sie gut informiert
in den Tag

Aktuelle Einschätzungen zu Märkten und Branchen.
Jetzt lesen oder jeden Morgen um 7.00 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

1. Dezember 2021

Lieber Leser,

das Verarbeitende Gewerbe in den USA verzeichnet den stärksten Lohnanstieg seit 1982, die Gewinnerwartungen für europäische Autozulieferer werden nach unten revidiert, und Schwedens Wirtschaft wächst im dritten Quartal um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.


Automatisierung und Robotik: Bedeutung für US-Industrie wächst

Das Verarbeitende Gewerbe in den USA verzeichnete jüngst den stärksten Lohnanstieg seit 1982. Dennoch quittierten allein im September 337.000 Arbeiter in der fertigenden Industrie ihren Job, der höchste Wert seit dem Erfassungsstart im Jahr 2000. Aktuell sind 7,2 Prozent aller Stellen im Verarbeitenden Gewerbe unbesetzt, knapp fünf Prozentpunkte mehr als im 20-jährigen Durchschnitt. Ein baldiges Abebben des Lohndrucks scheint daher unwahrscheinlich. Entsprechend steigt der Anreiz, den Arbeitskräftebedarf mithilfe von Betriebsautomatisierungen zu reduzieren. Darauf deuten auch die seit Anfang dieses Jahres um 32 Prozent gestiegenen Importe von Industrierobotern im Vergleich zu 2019 hin. Zudem könnten die Betriebe Studien zufolge bereits mit kleinen Investitionen ihre Produktivität signifikant steigern. Für die Konzerne der Automatisierungs- und Robotikbranche, die beispielsweise im STOXX Global Automation and Robotics Index abgebildet werden, sollte der Arbeitskräftemangel sowie das steigende Lohnniveau im Verarbeitenden Gewerbe zusätzlichen Rückenwind bedeuten. Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28,8 auf Basis der erwarteten Gewinne des kommenden Jahres sind die im Index enthaltenen Unternehmen zwar hoch bewertet, langfristig orientierte Anleger könnten aber Rücksetzer zum sukzessiven Aufbau ihrer Position nutzen.


Europa: Autozulieferer unter Druck

Jüngst nach unten revidierte Gewinnerwartungen europäischer Autozulieferer dürften in dieser Woche bei Marktteilnehmern Befürchtungen eines Déjà-vu geweckt haben. Zumindest deuten die infolgedessen gefallenen Aktienkurse einer Vielzahl von Unternehmen der Branche darauf hin. Bereits im September hatten vereinzelte Gewinnwarnungen europäischer Kfz-Teilehersteller quasi als Vorboten die schlechten Quartalsberichte der Branche „angekündigt“. Die Gründe für den erneut getrübten Ausblick sind keine Unbekannten: Der Chipmangel belastet weiterhin die Autoverkäufe und damit die Umsätze der Autozulieferer. Gleichzeitig ist die finanzielle Situation vieler Branchenvertreter infolge anhaltenden Margendrucks zunehmend angespannt. Mangels fehlender Preissetzungsmacht gelingt es ihnen nur begrenzt, die seit Monaten hohen Energie-, Rohstoff- und Komponentenpreise an ihre Kunden – die großen internationalen Automobilhersteller – weiterzureichen. Zusätzlich hat die Omikron-Variante die Unsicherheiten bezüglich einer Normalisierung der globalen Lieferketten sowie des Halbleiterangebots erhöht. Der Druck auf Aktien europäischer Autozulieferer könnte daher in den kommenden Monaten anhalten.


Aktien Schweden: hohe Bewertung, hohe Schwankungen

Schwedens Wirtschaft wuchs im dritten Quartal um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und um zwei Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Haupttreiber waren sowohl der private Konsum als auch die Anlageinvestitionen mit Quartalszuwächsen von 2,4 beziehungsweise 2,6 Prozent. Das für 2022 erwartete Gewinnwachstum je Aktie der schwedischen Börse liegt mit zehn Prozent zwar über dem des breiten europäischen Marktes von acht Prozent. Mit entsprechenden Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 18,6 und 15,6 sind schwedische Titel aber auch höher bewertet.

Schweden ist mit einer Außenhandelsquote von über 90 Prozent eine vergleichsweise offene Volkswirtschaft; das heißt, das Wirtschaftswachstum und die Umsatz- und Ertragserwartungen der dortigen Unternehmen reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen der globalen Wachstumsdynamik. Sollte die Erholung der Weltwirtschaft im Laufe des Jahres 2022 an Dynamik gewinnen und der Druck auf die globalen Lieferketten abnehmen, dürften davon auch Schwedens Industrieunternehmen sowie Produzenten konjunkturabhängiger Konsumgüter profitieren, die zusammen rund 45 Prozent der Marktkapitalisierung der Stockholmer Börse ausmachen. Bis dahin sollten Anleger jedoch mit erhöhter Volatilität rechnen und Vorsicht walten lassen.


Automobilbranche: japanische Hersteller auf Erholungskurs

Die japanische Autoindustrie könnte sich schneller von den Lieferkettenproblemen erholen als ihre europäischen und US-amerikanischen Wettbewerber. Nach einem Einbruch um rund 50 Prozent im dritten Quartal sprang die Produktion von Pkws in Japan im Oktober um fast 28 Prozent nach oben. Die großen Fahrzeughersteller rechnen angesichts abflauender Lieferengpässe bei Halbleitern in Südostasien mit einer Normalisierung der Produktion bereits bis Jahresende. Sofern die Pandemie in der Region nicht wieder aufflammt und erneute Lockdowns ausbleiben, sollte der Output von Fahrzeugen dementsprechend weiter schnell wachsen. Die Erholung spiegelt sich am Markt wider – Aktien aus der Fahrzeugbranche performen seit Anfang Oktober um etwa 3,5 Prozent besser als der japanische Gesamtmarkt. Ich sehe für die Kurse weiteres Aufwärtspotenzial, zumal die japanischen Autobauer immer noch vergleichsweise günstig bewertet sind.


Jahresausblick 2022: robustes Wachstum, nachlassende Dynamik

Nach einem rekordverdächtigen Wirtschaftswachstum 2021 erwartet die Deutsche Bank für 2022 ein robustes weltweites Wachstum von 4,5 Prozent. Das alles bestimmende Thema dürfte die Inflation sein. Über den Ausblick für 2022 sowie dessen Bedeutung für die Geldanlage diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge von PERSPEKTIVEN To Go.


Zahl des Tages: 8

Auch das noch: Der Klimawandel lässt die Scheidungsrate steigen. Nicht bei Menschen allerdings, sondern bei Albatrossen. Die eleganten Segler leben normalerweise streng monogam – nur ein Prozent trennt sich von seinem einmal gefundenen Lebenspartner. Seit der Erwärmung der Ozeane gehen aber bis zu acht Prozent der Paare vorzeitig auseinander. Francesco Ventura von der Universität Lissabon hat das Sozialleben der Albatrosse beobachtet und glaubt: Stress bei der Futtersuche im wärmeren Wasser könnte die Harmonie in der Partnerschaft auf die Probe stellen.

Zeigen Sie heute Beständigkeit.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden


"PERSPEKTIVEN am Morgen" - Newsletter

Erhalten Sie jeden Morgen den Marktkommentar als E-Mail direkt in Ihren Postkorb.

Anrede

Mit der Registrierung habe ich die Datenschutzbestimmungen der Deutschen Bank zur Kenntnis genommen.

Dr. Ulrich Stephan

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Sie erhalten nach der Registrierung eine E-Mail an die von Ihnen angegebene Adresse. Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung mit dem dort enthaltenen Link.

Sie können sich jeder Zeit, zum Beispiel in jeder E-Mail-Ausgabe von "PERSPEKTIVEN am Morgen", wieder abmelden. Es besteht kein Rechtsanspruch auf den täglichen Erhalt des Newsletters.

Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.

HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)