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23. Mai 2022

Liebe Leserinnen und Leser,

die Kundenfrequenz in den Geschäften des Einzelhandels ist vielerorts niedriger als vor der Corona-Krise, die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen mittel- und osteuropäischer Länder steigen schnell, und die People’s Bank of China senkt den Referenzzins für Hypothekenkredite.


Homeoffice dämpft Einzelhandelsumsatz

In vielen europäischen Städten sind immer noch Nachwirkungen der Coronavirus-Pandemie zu beobachten. Weil die Arbeitswege vor allem in den Metropolen häufig sehr lang sind, arbeiten dort nach wie vor viele Arbeitnehmer gerne von zu Hause aus. In London, Paris und Madrid lag die Zahl der Berufspendler Anfang Mai daher noch etwa 20 bis 30 Prozent unterhalb des Vor-Pandemie-Niveaus. Hierunter leidet auch der Einzelhandel; da die Pendler wegbleiben, ist an den betreffenden Standorten die Kundenfrequenz in den Geschäften niedriger als vor der Corona-Krise. Besser sieht es in anderen europäischen Großstädten aus: In Mailand und München beispielsweise haben sich die Mobilitätszahlen sowohl der Berufspendler als auch der Einzelhandelskunden schon wieder fast normalisiert. Ich erwarte an diesen Standorten dementsprechend ein stärkeres Wachstum der Mietpreise bei Einzelhandelsimmobilien als in London, Paris oder Madrid. Unabhängig davon dürften sich auch Standorte im Umfeld der Metropolen besser entwickeln, da Arbeitnehmer im Homeoffice in stärkerem Maße die Einkaufsmöglichkeiten vor Ort nutzen und damit die Umsätze lokaler Einzelhändler stützen.


Mittel-/Osteuropa: gemischter Ausblick für die Anleihemärkte

Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen Tschechiens, Polens und Ungarns haben seit Beginn des Russland-Ukraine-Kriegs um rund die Hälfte ihres jeweiligen Ausgangswertes zugelegt. Die Märkte reagierten mit massiven Abverkäufen auf zunehmend aggressivere Zinsschritte der Notenbanken dieser drei Länder, die ihre 2021 begonnenen Zinszyklen wegen der sich auf hohem Niveau verfestigenden Inflationsraten beschleunigten. 

Teuerungsraten von zuletzt um die 13 Prozent sowie Sorgen um einen weiteren Anstieg im laufenden Quartal könnten die Währungshüter in Tschechien und Polen zu weiteren Zinsschritten veranlassen. Das dürfte eine Entspannung an den dortigen Rentenmärkten verzögern. Demgegenüber könnte die mit zuletzt 9,5 Prozent spürbar geringere Inflationsrate in Ungarn der dortigen Notenbank eine weniger restriktivere Gangart erlauben. Zudem würde eine Haushaltskonsolidierung der im April wiedergewählten Regierung über verminderte Neuemissionen das Angebot an Staatsanleihen reduzieren und kursstützend wirken. Dies könnte bis Mitte des Jahres den ungarischen Anleihemarkt stabilisieren und bis Jahresende auch die Kurse zehnjähriger Papiere – deren Rendite aktuell bei 7,4 Prozent liegt – steigen lassen.


US-Benzin so teuer wie nie zuvor

Die täglichen Durchschnittspreise für Normalbenzin stiegen in den USA erstmals in allen 50 Bundesstaaten zugleich über die Marke von vier US-Dollar je Gallone (3,785 Liter). In Kalifornien wurde mit durchschnittlich 6,02 US-Dollar je Gallone an den Zapfsäulen gar ein Rekordpreis aufgerufen. Der Zeitpunkt ist für die Verbraucher ungünstig, da mit dem Feiertag „Memorial Day“ am 30. Mai der Startschuss für die inoffizielle Sommersaison bis Anfang September fällt, in der die US-Amerikaner üblicherweise deutlich mehr Benzin nachfragen. Die Ölförderungs- und Raffineriekapazitäten in den USA liegen momentan jedoch ebenso wie die Lagerbestände noch deutlich unter Vor-Pandemie-Niveau. Auch deshalb wird US-Öl der Sorte West Texas Intermediate aktuell teurer als Öl der Nordseesorte Brent gehandelt, was ungewöhnlich ist. Analysten vermuten, dass der durchschnittliche US-Haushalt 2022 real 450 US-Dollar höhere Ausgaben für Benzin haben wird als im Vorjahr. Wegen der auf breiter Basis signifikanten Lohn- und Gehaltserhöhungen dürfte der prozentuale Anteil dieser Ausgaben an den insgesamt verfügbaren Haushaltseinkommen jedoch nur geringfügig über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre liegen. Die Gewinnmargen insbesondere der Firmen, die im Ölraffinerie-Geschäft tätig sind, dürften noch eine Weile auf Rekordniveau verbleiben.


Chinas Notenbank überrascht

Die People’s Bank of China senkte am Freitag den Referenzzins für Hypothekenkredite von 4,6 auf 4,45 Prozent. Mit diesem unerwarteten und deutlichen Schritt versucht Peking offenbar, das Momentum einer sich anbahnenden Entspannung der Lockdown-Maßnahmen zu nutzen und die Immobiliennachfrage zu reanimieren. Im April war die jährliche Preisentwicklung für Neuimmobilien in den 70 größten Städten des Landes zum ersten Mal seit fast sechseinhalb Jahren negativ. Zudem bleibt zu befürchten, dass eine weitere Verlangsamung der Wohnungsbauaktivität zusätzliche Zahlungsausfälle vor allem privater Immobilienentwickler provozieren könnte. Die mit der Zinssenkung einhergehende finanzielle Entlastung der von Lockdowns hart getroffenen privaten Haushalte sollte zudem der schwachen Konsumnachfrage zugutekommen. Mit gezielten Maßnahmen, wie beispielsweise der ab Juni geplanten Steuervergünstigung von Autokäufen in ländlichen Regionen, wird Peking auch zukünftig versuchen, der Binnennachfrage unter die Arme zu greifen. Davon könnten auch Chinas Festlandbörsen profitieren: Deren für 2022 erwartetes Gewinnwachstum liegt mit knapp 17 Prozent deutlich über dem globalen Durchschnitt, zudem behaupten sie sich seit Ende April entgegen des weltweiten Abwärtstrends mit Kurszuwächsen.


Was diese Woche wichtig wird

    Im Laufe der Woche, Berichtssaison

    • Europa | 20 STOXX-600-Unternehmen, unter anderem CD Projekt und CTS Eventim, legen Zahlen zum ersten Quartal 2022 vor. 
    • USA | Aus dem S&P 500 berichten Costco, Medtronic, Nvidia sowie Ralph Lauren Corporation.
    • Asien | Aus Hong Kong berichten Alibaba Group, Lenovo und Meituan-Dianping.

    Montag, Deutschland | Das ifo Geschäftsklima im Mai wird auf dem Niveau des Vormonats erwartet. Das würde auf eine gedämpfte Konjunkturlage hindeuten. Lieferengpässe und der hohe Preisdruck dürften den Unternehmen weiterhin das Wirtschaften erschweren.

    Dienstag

    • Deutschland, Eurozone | Einkaufsmanagerindizes im Mai. Das Wachstum im Verarbeitenden Gewerbe sollte sich leicht verlangsamt haben. Der Dienstleistungssektor könnte aber wegen der voranschreitenden Erholung von der Coronavirus-Pandemie sogar etwas stärker gewachsen sein als im Vormonat.
    • UK, USA | Die Einkaufsmanagerindizes im Mai dürften trotz einer sich abschwächenden Dynamik weiterhin auf eine starke Expansion im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor hinweisen. Rezessionsängste könnten angesichts robuster Daten abnehmen. Das würde die Aktienmärkte stützen.

    Mittwoch

    • Neuseeland | Zinsentscheid der Reserve Bank of New Zealand. Die Währungshüter dürften gegen die Inflationsrate von zuletzt knapp sieben Prozent mit einem deutlichen Zinsschritt vorgehen. Der Neuseeländische Dollar könnte davon profitieren. 
    • Deutschland | Das GfK Verbrauchervertrauen sollte sich im Juni auf dem niedrigen Niveau des Vormonats eingependelt haben. Weiterhin belasten hohe Energie- und Lebensmittelpreise das Gemüt der Konsumenten. 
    • USA | Die Aufträge für langlebige Güter könnten im April zugenommen haben und auf anhaltend positive Wirtschaftserwartungen seitens der Besteller hindeuten. 
    • USA | Das Federal Open Market Committee veröffentlicht das Protokoll zur Sitzung am 4. Mai. Detailliertere Informationen über die geldpolitischen Ansichten der Ausschussmitglieder und deren Wirtschaftsaussichten könnten an den Märkten für Bewegung sorgen.

    Donnerstag

    • USA | Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2022. Im Zuge der zweiten Schätzung sollte die Prognose für die US-Wirtschaftsleistung leicht nach oben korrigiert werden. Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte dürften aber vernachlässigbar sein.
    • USA | Die Anzahl der ausstehenden Hausverkäufe könnte im April zurückgegangen sein. Ein geringes Angebot an Häusern sowie gestiegene Hypothekenzinsen führen seit Monaten zu einer sukzessiven Normalisierung des heiß gelaufenen Immobilienmarktes.

    Freitag

    • USA | Die Konsumentenausgaben sollten im April gestiegen sein. Da die Umsätze der US-Konzerne stark vom Binnenmarkt abhängen, dürften robuste Zahlen die Anlegerstimmung aufhellen.
    • USA | PCE Core Deflator im April. Das bevorzugte Inflationsmaß der Fed sollte auf eine nachlassende Preisdynamik hindeuten. Aktien- und Anleihenmärkte könnten aufatmen.


      Aktienmärkte: Wie tief fallen die Kurse noch?

      Die Aussichten für die Wirtschaft trüben sich ein. Die Herausforderungen für die Märkte sind daher groß und mit ihnen die Kursschwankungen. Wie Anleger darauf reagieren können, erfahren Sie von Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und mir in der aktuellen Folge von PERSPEKTIVEN To Go.


      Zahl des Tages: 72

      Gibt es die perfekte Schokoladenform? Corentin Coulais von der Universität Amsterdam durfte sich mit Unterstützung eines großen Lebensmittelkonzerns der Grundlagenforschung zu diesem Thema widmen. Der Physiker, der sich sonst mit Robotik und Prothesen beschäftigt, nahm einen 3-D-Drucker und dunkle Schokolade mit 72 Prozent Kakaoanteil und modellierte daraus verschiedene Formen. Versuchspersonen durften dann probieren und ihre Favoriten benennen. Komplizierte Spiralmuster kamen am besten an – das leichte Knuspern im Mund empfanden die Testesser als besonders angenehm.

      Zeigen Sie sich heute gut in Form.

      Herzlichst

      Ihr Ulrich Stephan

      Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden


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