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16. April 2021

Liebe Leser,

US-Konsumenten sorgen erneut für Schlagzeilen, europäische Bauaktien werden mit einem überdurchschnittlich hohen Abschlag zum MSCI Europe gehandelt, und die Renditeaufschläge von Anleihen der Euro-Peripheriestaaten steigen.


US-Konsumenten sorgen erneut für Schlagzeilen

Kaum liegen die Stimulus-Schecks im Briefkasten, geht es in die nächste Shopping Mall; ein Knopfdruck von der Couch aus ist natürlich auch beliebt. Im März wurden die „1.400-US-Dollar-Covid-Hilfen“ genutzt und die Einzelhandelsumsätze überraschten mit knapp zehn Prozent Zuwachs im Vergleich zum Vormonat. Ein weiterer unterstützender Faktor zeigte sich am Arbeitsmarkt; die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken auf den niedrigsten Stand seit März 2020. Die Reaktion der US-Anleihemärkte mit fallenden Renditen ist durch die aktuelle Datenlage nicht zu erklären. Hier sind vermutlich ausländische Anleger – insbesondere aus Japan – am Werk, die das erhöhte US-Zinsniveau nach Zurückhaltung im ersten Quartal jetzt zum Einkauf nutzen. Außerdem sieht mancher Investor lediglich den Einmaleffekt der Hilfszahlungen sowie die expansiven Aussagen der US-Notenbank in der laufenden Woche, dass es noch „ein weiter Weg zur Vollbeschäftigung sei“ (John C. Williams, Fed New York).


Europäische Bauunternehmen favorisiert

Der europäische Bausektor gehört zu meinen Anlagefavoriten am Aktienmarkt. In den vergangenen drei Monaten erzielte jeder Titel des Sektors einen größeren Kursgewinn als der Gesamtmarkt. Insgesamt legte der Sektor um rund neun Prozent zu. Da die Analysten im gleichen Zeitraum ihre Gewinn- und Dividendenprognosen sogar noch deutlicher nach oben korrigiert haben, ist die Bewertung des Sektors allerdings gesunken. Gemessen an Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis sowie Dividendenrendite werden Bauaktien weiterhin mit einem überdurchschnittlich hohen Abschlag von gut 20 Prozent zum MSCI Europe gehandelt. Entsprechend halte ich die Branche als Anlageziel bei entsprechender Risikobereitschaft weiterhin für interessant.


Anleihen Europa: höheres Renditeplus in der Peripherie

Die Renditeaufschläge von Bonds der Euro-Peripheriestaaten sind im Unterschied zu Unternehmensanleihen und anderen Segmenten des europäischen Anleihemarkts im April gestiegen. Bei zehnjährigen italienischen, spanischen und portugiesischen Staatsanleihen hat sich die Renditedifferenz gegenüber deutschen Bundesanleihen gleicher Laufzeit um 0,05 bis 0,16 Prozentpunkte ausgeweitet.

Die Entwicklung könnte mit dem Anstieg der Bundesanleiherendite um rund 0,3 Prozentpunkte seit Jahresbeginn zusammenhängen – zumindest 30-jährige Papiere bieten seit Anfang Februar wieder eine positive Verzinsung. Denn deutsche Staatsanleihen sind für Investoren dadurch attraktiver geworden; innerhalb des Anleihesegments kommt es dementsprechend zu Umschichtungen zulasten der Peripherieanleihen. Ein weiterer deutlicher Anstieg der Risikoprämien ist trotzdem unwahrscheinlich, da die Europäische Zentralbank stärkere Marktbewegungen durch eine gezielte Anpassung ihrer Anleihekäufe dämpfen dürfte. Die Renditeaufschläge von Bonds der Euro-Peripheriestaaten sollten im historischen Vergleich damit niedrig bleiben und eröffnen meines Erachtens kaum Potenzial für Kursgewinne.


Türkei: Zinssenkungen möglich

Die Notenbank der Türkei bestätigte in der ersten Sitzung unter der Leitung des neuen Gouverneurs Şahap Kavcıoğlu den Leitzins auf dem aktuellen Niveau von 19 Prozent. Zwar versicherten die Währungshüter, die Inflationsrate vom aktuellen Niveau bei 16,2 Prozent in Richtung der Zielmarke von fünf Prozent drücken zu wollen. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Sitzungen unterließen sie aber den Hinweis, dass die Geldpolitik über einen längeren Zeitraum hinweg kontraktiv bleiben werde. Stattdessen reiche es aus, wenn der Leitzins über der Inflationsrate liege. Dies öffnet die Tür für zukünftige Zinssenkungen. Immerhin erwarten Analysten für die zweite Jahreshälfte einen moderateren Anstieg der Verbraucherpreise. Unmittelbar nach dem gestrigen Zinsentscheid gaben sowohl die Türkische Lira als auch der Aktienleitindex Borsa Istanbul 100 nach. Denn die Märkte sind besorgt, dass die Notenbank das Ziel niedrigerer Inflationsraten nicht konsequent genug verfolgen beziehungsweise den Leitzins zu früh oder zu stark senken wird. Aus diesem Grund empfehle ich aktuell nur risikobewussten Anlegern ein Engagement an den Märkten in der Türkei.


Knappheit bei Halbleitern

Die Chip-Industrie boomt. Kürzlich warnten einige Hersteller sogar vor Lieferengpässen bei den unter anderem für Autos verwendeten Halbleitern. Was bedeutet das für die Branche und für die Weltwirtschaft? Darüber diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge von PERSPEKTIVEN To Go.


Zahl des Tages: 1.400

Kann man zu höflich sein? Man kann, glaubt Einav Hart von der George Mason University. Die Forscherin brachte Testpersonen dazu, einem Gesprächspartner heikle Fragen zu stellen – zum Beispiel nach finanziellen Problemen oder Affären. Ihr Versuch mit über 1.400 Probanden zeigte: Die Befragten störten sich weniger an der Verletzung ihrer Privatsphäre, als erwartet worden war. Mehr Offenheit könnte sich sogar positiv auf eine Beziehung auswirken, so Einav Hart – die ihre Untersuchung freilich nicht als Plädoyer für schlechte Manieren verstanden wissen will.  

Zeigen Sie heute Fingerspitzengefühl. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden


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