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27. September 2021

Bundestagswahl 2021 – Spezial

Was ist passiert?

Bei den Wahlen zum 20. Deutschen Bundestag am Sonntag kam es wie erwartet zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden großen amtierenden Regierungsparteien, wobei die SPD nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mit 25,7 Prozent der Stimmen knapp vor der CDU/CSU (24,1 %) liegt. Auf den Plätzen drei und vier folgen die Grünen (14,8 %) sowie die FDP (11,5 %). Wird die AfD außen vorgelassen, würden folgende Koalitionen rein rechnerisch über eine absolute Mehrheit (mindestens 368 Stimmen) im neuen Bundestag verfügen:·      SPD, Grüne und FDP („Ampel“): 416 Stimmen·      CDU/CSU, Grüne und FDP („Jamaika“): 406 StimmenEine Neuauflage der „Großen Koalition“ aus CDU/CSU und SPD, auch bei Beteiligung einer weiteren Partei, erscheint aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, kann aber nicht ganz ausgeschlossen werden. Eine Koalition von SPD, Grünen und Linken („Rot-Rot-Grün“) kommt mit 363 Stimmen nicht auf eine absolute Mehrheit.


Wie haben die Märkte reagiert?

Da zahlreiche Umfragen auf ein solches Wahlergebnis hindeuteten, gab es aus Sicht der Wirtschaft und der Finanzmärkte keine großen Überraschungen. Die US-amerikanischen Aktienfutures eröffneten den asiatischen Handel positiv. Und auch die Kursbewegungen an den europäischen Aktienmärkten sind zum Wochenstart dementsprechend leicht positiv ausgefallen. Bei europäischen Staatsanleihen sowie beim Euro sind bisher ebenfalls keine nennenswerten wahlbedingten Kursschwankungen zu verzeichnen. 


Was sollen Anleger tun?  

Dauerte die Regierungsbildung schon nach der Bundestagswahl 2017 mit 171 Tagen so lange wie noch nie, dürften die Sondierungen angesichts der Vielzahl möglicher Konstellationen und unterschiedlicher Standpunkte auch dieses Mal nur langsam vonstattengehen. Wegen der anhaltenden politischen Unsicherheit könnte es am Aktienmarkt zeitweise zu Rücksetzern kommen, die Anleger mit entsprechender Risiko-Neigung zum Einstieg nutzen können.

Grundsätzlich sind folgende Koalitionen möglich: Große Koalition (Rot, Schwarz), Jamaika (Schwarz, Grün, Gelb) oder Ampel (Rot, Grün, Gelb). Eine R2G-Koalition (Rot, Rot, Grün) hat hingegen keine Mehrheit.

Für die langfristige Entwicklung der Wirtschaft und Märkte spielt die wirtschafts- und fiskalpolitische Ausrichtung der neuen Bundesregierung eine wichtige Rolle. Marktwirtschaftliche Elemente dürften in einer Jamaika-Koalition am stärksten zum Tragen kommen, weil sowohl CDU/CSU als auch FDP massive administrative Eingriffe beispielsweise in der Klimapolitik und am Wohnungsmarkt ablehnen, während sie gleichzeitig auf die Einhaltung staatlicher Verschuldungsgrenzen setzen und Steuererhöhungen ablehnen. Eine solche Politik wird vom Markt als wachstumsfreundlich angesehen – Aktien sind in einem solchen Umfeld für Anleger besonders interessant.

Auch in einer Ampelkoalition dürften signifikante Steuererhöhungen zwar ausbleiben. Da SPD und Grüne aber auf einen Ausbau staatlicher Unterstützungsmaßnahmen setzen, könnten die fiskalischen Belastungen zunehmen. Auch möchten beide Parteien den Arbeitsmarkt stärker regulieren und den EU-Wiederaufbaufonds zu einem dauerhaften Hilfsmechanismus umbauen. Staatliche Eingriffe in der Klimapolitik und am Wohnungsmarkt sind wahrscheinlicher als bei einer Jamaika-Koalition, was das Umfeld für Unternehmen in den betroffenen Sektoren herausfordernder gestaltet. Insgesamt dürften sich die Perspektiven für Wirtschaft und Märkte bei einer Ampelkoalition aber nicht grundlegend verändern.

Eine R2G-Bundesregierung (Rot, Rot, Grün) mit stärkeren Schwerpunkten bei Themen wie Steuererhöhungen und Umverteilung sowie starken staatlichen Eingriffen am Arbeits- und Wohnungsmarkt fand hingegen keine Mehrheit. 

Grundsätzlich sollten sich die potenziellen Auswirkungen der Bundestagswahl auf den deutschen Aktienmarkt sowie auf andere europäische Märkte beschränken. Dabei sind kleinere Unternehmen tendenziell stärker von wirtschaftspolitischen Kursänderungen betroffen als große, die wegen ihrer meist starken Exportausrichtung sehr viel stärker an der globalen Konjunkturentwicklung hängen. Mögliche Belastungen durch staatliche Eingriffe oder Steuererhöhungen könnten sich daher eher in den Kursen kleiner börsennotierter Unternehmen niederschlagen.

Da die Staatsverschuldung bei einer Ampelkoalition langfristig stärker steigen könnte, müssen sich Anleger, die in Bundesanleihen investiert sind, möglicherweise auf Kursverluste einstellen. Auch der Euro könnte zwischenzeitlich bei einer solchen Regierungskoalition etwas unter Druck geraten, wenn sich die Wachstumsaussichten für die größte Volkswirtschaft der Eurozone verschlechtern. Für eine stabile Entwicklung des Euro spricht allerdings, dass sich die Europapolitik unter einer neuen Bundesregierung – egal welcher Couleur – nicht substanziell ändern sollte. 


„Politische Börsen haben kurze Beine“ – auch dieses Mal?

Wie sich die Bundestagswahl am 26. September auf die Börse auswirkt? Unklar, da ihr Ausgang offen wie selten ist. Genauso, ob die Börsenweisheit „Politische Börsen haben kurze Beine“ auch auf die USA und China zutrifft: Die US-Administration ringt um ihr Fiskalpaket, und Chinas Regierung beschließt weitere Regulierungen für den Immobiliensektor. Darüber diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge von PERSPEKTIVEN To Go.


Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden


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