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28. Juni 2022

Liebe Leserinnen und Leser,

eine Rezession in Deutschland scheint nicht ausgemacht, in Tschechien scheiden drei Mitglieder des geldpolitischen Rates aus, und Singapurs Industrieproduktion übertrifft im Mai die Markterwartungen deutlich.


Sorgen um Rezession in Deutschland

Der ifo Geschäftsklimaindex hat wie auch die unerwartet schwachen Einkaufsmanagerindizes kaum zur Beruhigung der Rezessionssorgen am Markt beigetragen. Das für die hiesige Wirtschaft wichtige Stimmungsbarometer sank im Juni auf 92,3 Punkte – einen Wert, der in der Vergangenheit häufig mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung einherging. Während die Lagebeurteilung noch auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau verharrte, gaben die Erwartungen stark nach. Vor allem in der chemischen Industrie ist die Furcht vor den Folgen einer möglichen Erdgasverknappung im zweiten Halbjahr groß. Einen Lichtblick gab es aber auch: Die Stimmung der Dienstleister verbesserte sich im Juni deutlich. Eine Rezession in Deutschland halte ich daher keinesfalls für ausgemacht, wenn die Bundesbürger ihre Freude an Restaurantbesuchen, Reisen und anderen Freizeitaktivitäten nach dem Abflauen der Omikron-Pandemie-Welle beibehalten.


Tschechien: Kommt die Wende von der Zinswende?

In Tschechien werden zum 1. Juli drei Mitglieder des neunköpfigen geldpolitischen Rates inklusive Gouverneur Jiří Rusnok ausscheiden, die allesamt als „Falken“ – also Anhänger einer restriktiveren Geldpolitik – gelten. Hingegen stimmte der neue Gouverneur Aleš Michl gegen jede einzelne der neun Zinserhöhungen, die die Notenbank seit vergangenem Sommer vornahm. Da in den kommenden Monaten weitere „Falken“ aus dem Gremium ausscheiden werden, steigt die Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen, sobald die Inflationsrate nicht mehr weiter ansteigt. Da die Notenbank an den Währungsmärkten den Außenwert der Tschechischen Krone durch Interventionen momentan und vermutlich auch weiterhin stützt, könnten sich auch für Anleger aus der Eurozone Chancen auf Kursgewinne bei tschechischen Anleihen ergeben.


Europäischer Wohnimmobilienmarkt trotz höherer Zinsen stabil

Angesichts des weltweit stärksten Zinserhöhungszyklus seit den 1980er-Jahren wächst die Sorge, dass schnell steigende Hypothekenzinsen eine Preiskorrektur an den Wohnimmobilienmärkten auslösen. In 19 Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind die Häuserpreise im Verhältnis zu den verfügbaren Einkommen heute sogar höher als vor Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008. Trotzdem halte ich einen Einbruch der Märkte wie damals für unwahrscheinlich. Die Anforderungen der Banken an die Kreditvergabe wurden seither deutlich verschärft, weshalb massenhafte Darlehensausfälle infolge höherer Zinsen nicht zu erwarten sind. Auch ist das Wohnungsangebot in vielen Ländern nach wie vor knapp, und hohe Ersparnisse sowie ein starker Arbeitsmarkt stützen die Nachfrage. Vor allem in Europa erwarte ich aus diesem Grund kaum fallende Preise, zumal das Bewertungsniveau hier meist nicht so weit über den historischen Durchschnittswerten liegt wie zum Beispiel in Kanada oder in Neuseeland.


Singapurs Industrieproduktion überraschend stark

Singapurs Industrieproduktion übertraf im Mai mit einem Jahreszuwachs von 13,8 Prozent die Markterwartungen deutlich. Begünstigt durch weitere Lockerungen der Kontaktbeschränkungen stieg die Produktion damit den achten Monat in Folge. Besonders stark war der Zuwachs im Bereich Elektronik, maßgeblich getrieben durch die Produktion von Halbleitern mit einem Jahreszuwachs von 46 Prozent. Der Exportanteil elektronischer Erzeugnisse Singapurs machte 2020 etwa 35 Prozent aus. Dieser Anteil dürfte zunehmen – auch weil in den vergangenen Monaten gleich mehrere Chipweltmarktführer den Aufbau neuer Produktionskapazitäten in Singapur in Milliardenhöhe angekündigt haben. Durch seine starke Infrastruktur und einen hochqualifizierten Talentpool rückt Singapur zunehmend in den Fokus internationaler Hightechfirmen.

Das könnte auch Wachstumschancen für den Singapurer Aktienmarkt eröffnen, der Anlegern zudem eine interessante Dividendenrendite von 4,3 Prozent in Aussicht stellt.


Preisanstieg bei Rohstoffen treibt die Inflation

Rohstoffe sind teuer geworden und treiben die Inflation. Dabei betrifft der starke Preisanstieg nicht nur Öl und Gas. Die Aussichten für Rohstoffe und die Folgen für die Weltwirtschaft fasse ich im Gespräch mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer zusammen.


Was diese Woche wichtig wird

    Montag

    • USA | Die Aufträge für langlebige Güter dürften im Mai leicht zugenommen haben und auf eine anhaltend robuste Investitionstätigkeit der Unternehmen hindeuten. Dies könnte die Gewinnerwartungen von Industrieunternehmen stützen.
    • USA | Die Anzahl der ausstehenden Hausverkäufe sollte in Anbetracht der hohen Hypothekenzinsen weiter in Richtung des Vor-Pandemie-Niveaus gesunken sein. Mit der Normalisierung dürfte auch der Preisdruck am Immobilienmarkt abebben.

    Dienstag

    • Ungarn | Zinsentscheid der Magyar Nemzeti Bank. Ein Ende des Inflationsdrucks zeichnet sich noch nicht ab; auch im Mai lag die Teuerungsrate über den Analystenerwartungen. Die Währungshüter dürften daher wieder an der Zinsschraube drehen, was den Druck auf die Staatsanleihen erhöhen sollte.
    • USA | Angesichts der hartnäckigen Inflation könnte sich das vom Conference Board ermittelte Verbrauchervertrauen im Juni leicht eingetrübt haben und die Anlegerstimmung belasten.

    Mittwoch

    • Japan | Einzelhandelsumsätze für Mai. Dank des Abflauens der Omikron-Pandemie-Welle sollten die Verkäufe erneut deutlich angezogen haben. Das könnte für eine positivere Stimmung an der Börse in Japan sorgen.
    • Deutschland | Verbraucherpreise im Juni. Die Inflation dürfte auf hohem Niveau stagnieren und den Druck auf die EZB, die Zinswende zu forcieren, aufrechterhalten. Aktien und Anleihen könnten dementsprechend weiter unter Druck bleiben.

    Donnerstag

    • Japan | Die Industrieproduktion könnte im Mai weiter gesunken sein. Der Gegenwind am Aktienmarkt für Japans Produzenten sollte damit anhalten.
    • China | Einkaufsmanagerindizes im Juni. Nachlassende Corona-Beschränkungen könnten eine leichte Expansion der Aktivität im Verarbeitenden Gewerbe begünstigt haben. Auch im Dienstleistungssektor dürfte die Stimmung gestiegen sein. Insgesamt sollten die Daten auf eine Verbesserung der konjunkturellen Lage hindeuten, was den Aktienmärkten weltweit zugutekommen dürfte.
    • Deutschland | Es wird erwartet, dass der Einzelhandelsumsatz im Mai leicht über dem Niveau des Vormonats gelegen hat. Das könnte Rezessionssorgen mildern und die Stimmung am Aktienmarkt aufhellen.
    • Schweden | Zinsentscheid der Sveriges Riksbank. Angesichts einer Inflationsrate von über sechs Prozent dürften die Währungshüter die Leitzinsen schneller anziehen. Die Schwedische Krone sollte davon profitieren.
    • Deutschland | Es wird erwartet, dass die Arbeitslosenquote im Juni auf dem Niveau des Vormonats liegt. Die Zahl der Erwerbstätigen sollte dennoch leicht gestiegen sein. Die Renditen von Bundesanleihen könnten zulegen.
    • USA | PCE Core Deflator im Mai. Das bevorzugte Inflationsmaß der Fed lässt Energie- und Lebensmittelpreise außer Acht und sollte auf einen leicht nachlassenden Inflationsdruck hinweisen. Dem Aktienmarkt würde das Rückenwind verleihen.

    Freitag

    • Hongkong, Kanada | Die Börsen bleiben feiertagsbedingt geschlossen.
    • Japan | Tankan-Indizes für große Unternehmen im zweiten Quartal 2022. Die Geschäftslage der großen exportorientierten Unternehmen des Verbarbeitenden Gewerbes könnten sich infolge der globalen konjunkturellen Verlangsamung leicht eingetrübt haben. Dienstleister hingegen sollten von der sukzessiven Wiederöffnung des Landes profitieren.
    • Eurozone | Die Teuerungsrate der Verbraucherpreise sollte im Juni weiter angezogen haben. Damit dürfte die Wahrscheinlichkeit eines größeren Zinsschrittes im Laufe des Jahres zunehmen. Das würde die Anlegerstimmung drücken.
    • USA | Der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe könnte im Juni weiterhin auf eine deutliche Expansion der Aktivitäten hindeuten. Robuste Daten dürften Rezessionsängste abschwächen und die Zinsstrukturkurve steiler werden lassen.

    Zahl des Tages: 22

    Der 37 Jahre alte Engländer Ricky Lightfoot hat seinem Nachnamen alle Ehre gemacht. Bei einem Wettlauf im walisischen Llanwrtyd Wells trat der Feuerwehrmann kürzlich gegen 1.200 andere Läufer an – und gegen 60 Pferde. Lightfoot absolvierte die 22 Meilen durch raues Gelände in 2 Stunden, 22 Minuten und 23 Sekunden als Schnellster. Er war erst der dritte Läufer seit den 1980er-Jahren, der sich im Wettbewerb Mensch–Pferd gegen die vierbeinige Konkurrenz durchsetzen konnte. Dabei ließ er den Zweitplatzierten um glatte zwei Minuten hinter sich: einen Hengst namens Lane House Boy.

    Haben Sie heute die Nase vorn.

    Herzlichst

    Ihr Dirk Steffen

    Leiter Kapitalmarktstrategie


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