Rohstoffe, Makro- und Anlageklassenausblick – 15.09.2026

Rohstoffe: anhaltender Preisdruck

Die wichtigsten Fakten:

  • Ölpipeline-Umleitungen haben den Ölpreisanstieg begrenzt. Erd-gas- und Ölderivatemärkte bleiben angespannt.
  • Mehrere Faktoren sprechen für Aufwärtspotenzial beim Goldpreis.
  • Knappes Angebot und starke Nachfrage stützen die Erwartung wei-terer Zugewinne bei Kupfer.
Hellbeleuchtete Ölbohrplattform in ruhiger See bei Sonnenaufgang

Bildquelle: TONTOXIN / Adobe Stock

Störungen der Transporte durch die Straße von Hormus haben die Ölpreise zu volatilen Kursen geführt. Die Weltwirtschaft ist weniger ölintensiv als früher und alternative Pipelines und Schifffahrtsrouten maximieren das Angebot – etwa durch den Suezkanal oder rund um Afrika nach Asien. Weitere Öltransporte erfolgen mit Schiffen, deren Ortungssysteme zeitweise abgeschaltet sind, durch die Straße von Hormus; ein Teil der Ladungen wird anschließend im Golf von Oman umgeladen. Die moderaten Rohölpreise verbergen jedoch die angespannte Lage bei Raffinerieprodukten: Crack-Spreads – die Differenz zwischen Rohöl- und Produktpreisen – sind wegen der gestörten Nahostexporte, Angriffen auf russische Raffinerien und insgesamt geringerer Verarbeitungskapazitäten hoch. Infrastrukturschäden, Transportstörungen und schrumpfende strategische Reserven sind anhaltende Aufwärtsrisiken. Eine Entspannung im Nahen Osten dürfte die Verfügbarkeit verbessern und Preise im Prognosezeitraum sinken lassen (Brent-Ziel für September 2027: 79 USD/Fass). Allerdings ist Vorsicht geboten. Anhaltende, ungelöste Angebotsstörungen im Nahen Osten könnten die Ölpreise weiter steigen lassen und Risiken für die Weltwirtschaft mit sich bringen.

Energie bleibt angespannt, Gold mit Rückenwind. Kupfer profitiert von Elektrifizierung und knappen Angebotsbedingungen.

Die europäischen Gaspreise stiegen zuletzt auf den höchsten Stand seit Anfang 2023. Geringere LNG-Lieferungen aus dem Nahen Osten haben Erdgas verknappt und den Wettbewerb mit Asien um flexible US-LNG-Ladungen verschärft. Die EU-Speicherstände sind für diese Jahreszeit niedriger als in den beiden Energiekrisenjahren 2021 und 2022. Eine Deeskalation könnte kurzfristig zwar Entlastung bringen. Wegen der starken Nachfrage nach LNG und niedrigen Vorräten dürften die Preise in den kommenden Monaten aber kaum deutlich fallen.

Edelmetallpreise blieben im zweiten Quartal volatil, da das Risiko einer strafferen Zentralbankpolitik die Märkte belastete und Realrenditen steigen ließ. Gold fand bei rund 4.000 USD/Feinunze einen Boden. Zeitweise belastend wirkten starke Abflüsse aus Gold-ETCs und die Auflösung spekulativer Long-Positionen an US-Terminbörsen. Nach einer Stabilisierung – unterstützt durch abnehmende Erwartungen hinsichtlich weiterer Fed-Zinserhöhungen – profitierte Gold von einer zunehmenden Zentralbanknachfrage sowie der allmählichen Rückkehr von ETC-Zuflüssen und spekulativem Kaufinteresse. Ein etwas schwächerer USD, wachsende Haushaltsdefizite (USA und global) sowie geopolitische Risiken dürften den Preis weiter stützen. Unser 12-Monats-Ziel für den Goldpreis liegt bei 5.000 USD/Feinunze.

Die Kupferpreise erreichten zuletzt Rekordstände. Wegen der US-Zollrisiken wurde das Industriemetall in den USA verstärkt eingelagert, was das Angebot andernorts verknappte. Zugleich beschleunigte sich die Kupfernachfrage für Stromnetze, Erneuerbare Energien, KI-Rechenzentren und Infrastruktur. Sinkende Erzgehalte, geringe Investitionen, lange Projektlaufzeiten und Störungen bei großen Minen begrenzen derzeit das Angebot, sodass im kommenden Jahr ein Defizit wahrscheinlich ist. Abwärtsrisiken für den Kupferpreis sind eine schwächere chinesische Nachfrage und ein Abbau der US-Vorräte, falls Zölle ausbleiben sollten. (Kupfer-Ziel für September 2027: 15.100 USD/Tonne).

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Redaktionsschluss: 09.09.2026, 15.00 Uhr

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