Volkswirtschaft/Geldpolitik, Makro- und Anlageklassenausblick – 15.09.2026
Volkswirtschaft: investitionsgetriebene Resilienz
Die wichtigsten Fakten:
- Wachstum: KI-Investitionen und Fiskalpolitik geben den Takt vor.
- Inflation: von hohem Niveau nur allmählich rückläufig.
- Geldpolitik: Vorsicht bleibt geboten.
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Real verlor die US-Wirtschaft im zweiten Quartal an Dynamik: Das annua-lisierte BIP-Wachstum sank von 2,1 % im ersten Quartal auf 1,5 % im zwei-ten Quartal. Das nominale BIP-Wachstum beschleunigte sich dagegen auf 8,0 %, getragen von einem Anstieg des BIP-Deflators, der höhere Energie-kosten und eine robuste Nachfrage widerspiegelt, um 6,4 %. Der bei höhe-rer Inflation übliche Nachfragerückgang blieb bislang aus – teilweise wegen des Vermögenseffekts durch den Anstieg von US-Aktienindizes auf nahezu Rekordstände sowie der weiterhin wirkenden umfangreichen Fiskalimpulse. Zugleich könnten allein die KI-Investitionen der fünf größten US-Anbieter von KI-Infrastruktur im Jahr 2027 eine Summe von 1 Billion USD erreichen, bei einem Staatshaushaltsdefizit von rund 2 Billionen USD pro Jahr. Vor diesem Hintergrund dürfte die US-Wirtschaft weiterhin robust wachsen: 2026 um 2,1 % sowie 2027 um 2,0 %. Wir erwarten, dass die Fed eine weitere Zinserhöhung vornimmt und den Leitzins in den kommenden zwölf Monaten auf 3,75 % bis 4,00 % anhebt. Dies dürfte dazu beitragen, die Preissteigerung einzudämmen. Die Verbraucherpreisinflation wird voraus-sichtlich allmählich zurückgehen und 2026 im Durchschnitt bei 3,2 % lie-gen, bevor sie sich 2027 mit 2,3 % dem Zielwert von 2 % annähert.
Wachstum bleibt investitionsgetrieben robust, Inflation sinkt nur langsam – Zentralbanken bleiben vorsichtig und eher restriktiv.
Die Wirtschaft des Euroraums gewann im zweiten Quartal wieder an Fahrt: Nach Stagnation im ersten Quartal stieg das BIP gegenüber dem Vorquar-tal um 0,6 %. Robuste KI-Investitionen und zusätzliche Staatsausgaben dämpften die negativen Folgen des Golfkonflikts – zumindest bisher. Ohne anhaltenden Energiepreisschub dürften diese Investitions- und Fiskalimpul-se die Konjunktur weiter stützen. Wir erwarten ein BIP-Wachstum von 0,9 % im Jahr 2026 und 1,3 % im Jahr 2027. Die Inflation dürfte nur langsam von durchschnittlich 3,1 % im Jahr 2026 auf 2,5 % im Jahr 2027 sinken. Die EZB wird unserer Einschätzung nach daher vorsichtig bleiben und die Leitzinsen vermutlich zeitnah noch einmal um 25 Basispunkte anheben und 2027 abwarten. Angesichts der konjunkturellen Widerstandskraft ist eine Lockerungstendenz unwahrscheinlich. Der Einlagensatz dürfte bis zum Ende unseres Prognosezeitraums bei 2,5 % liegen.
Japans Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 0,4 % gegenüber dem Vorquartal, nach 0,5 % im ersten Quartal. Sinkende Lagerbestände ver-deckten jedoch eine stärkere Binnennachfrage und deuten zusammen mit einem höheren Preisdruck auf ein robusteres nominales Wachstum hin. Steigende Realeinkommen, anhaltende Fiskalhilfen und eine Erholung der Investitionen könnten das reale BIP-Wachstum von 0,8 % im Gesamtjahr 2026 auf 1,0 % im Jahr 2027 erhöhen. Die Gesamtinflation dürfte 2026 bei 2,0 % und 2027 bei 1,8 % liegen, begünstigt durch die geplante Senkung der Lebensmittelsteuer ab April 2027. Der zugrunde liegende Preisdruck und die JPY-Schwäche könnten die BoJ dennoch zu drei weiteren Zins-schritten veranlassen. Wir rechnen damit, dass der Leitzins bis Ende des dritten Quartals 2027 1,75 % erreichen wird.
Chinas reales BIP-Wachstum verlangsamte sich im Jahresvergleich von 5,0 % im ersten Quartal auf 4,3 % im zweiten Quartal. Erste Daten für das dritte Quartal signalisieren eine unter anderem wetterbedingte weitere Ab-schwächung. Die Entwicklung der Wirtschaft bleibt insgesamt sehr unaus-gewogen: Exportorientierte Industrie- und Technologiesektoren expandie-ren solide, während der Immobilienmarkt und Teile des Binnenkonsums schwach bleiben und den Preisdruck dämpfen. Peking dürfte daher eher versuchen, bereits angekündigte Hilfen schneller umzusetzen als ein breit angelegtes Konjunkturpaket neu aufzulegen – zumal das offizielle Wachs-tumsziel 2026 von 4,5 % bis 5,0 % erreichbar bleiben sollte. Wir erwarten für 2026 ein BIP-Wachstum von 4,6 %, das sich 2027 leicht auf 4,5 % ab-schwächen dürfte.
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Redaktionsschluss: 09.09.2026, 15.00 Uhr