Der Anleihenmarkt ist der größte Wertpapiermarkt der Welt. Neben Unternehmen und Banken bieten auch Staaten und Kommunen festverzinsliche Wertpapiere an. Sie gelten als vermeintlich risikoärmere Papiere. 7 Dinge, die jeder über Anleihen wissen sollte.

Anleihen versprechen auf den ersten Blick vor allem eines – Sicherheit. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn längst nicht jeder „Bond“ ist sicher. Außerdem sollten Anleger ihren Blick nicht nur auf Staatsanleihen richten, sondern das breite Angebot dieser Anlageform im Auge behalten. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Anleihen.

Frage 1: Warum schauen alle immer auf die Zentralbanken?
Die Zentralbanken geben den Leitzins vor. Der wiederum ist die Richtgröße für den Zins, den zum Beispiel Staaten für ihre Anleihen zahlen. Niedrige Leitzinsen sorgen also in der Tendenz für niedrige Anleihezinsen. Und die Veränderung der Leitzinsen beeinflusst die Kurse: Erhöhen die Zentralbanken diese Kenngröße, fallen die Anleihekurse – weil Investoren, die Anleihen ins Depot nehmen wollen, dann lieber neue kaufen, die sich am aktuell höheren Leitzins orientieren und entsprechend mehr Gewinn abwerfen. Senken Zentralbanker dagegen die Leitzinsen, steigen im Umkehrschluss die Kurse. Kein Wunder also, wenn alle Anleger auf die Zentralbanken schauen.

Frage 2: Warum notieren Anleihen immer in Prozent?
Anleihen werden in Prozent notiert, sobald sie an den Markt gehen. Der Kurs steigt im Handelsverlauf über 100 Prozent des Nennwertes oder fällt unter 100 Prozent. Wenn ein „Bond“ daher mit 105 Prozent am Anleihemarkt notiert, müsste ein Käufer 105 Prozent des ursprünglichen Nennwertes dafür zahlen. Komfortabel ist diese Angabe für Anleihebesitzer – sie wissen so auf einen Blick, wieviel ihre Papiere wert sind. Wer zum Beispiel Anleihen im Wert von 10.000 Euro gezeichnet hat, hält bei einem Kurs von 105 Prozent einen aktuellen Gegenwert von10.500 Euro – abzüglich Kosten und Gebühren.

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Frage 3: Stammen Anleihen immer vom Staat?
Staatsanleihen machen zwar einen großen Teil des Marktes aus, aber auch Firmen „begeben“ so genannte Unternehmensanleihen, wie es im Fachjargon heißt. Bei beiden Anleihearten gibt es bonitätsstarke und schwache Schuldner. Bei Staatsanleihen ist beispielsweise die Bundesrepublik Deutschland dank ihrer Wirtschaftskraft und ihres geringen Verschuldungsgrads ein „guter“ Schuldner.

Frage 4: Sind alle Anleihen sicher?
Auf keinen Fall. So verfügt zum Beispiel die Bundesrepublik Deutschland über eine sehr gute Kreditwürdigkeit. Das Bonitätsrisiko – also das Risiko, dass der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht vollständig oder gar nicht nachkommen kann – ist bei einer deutschen Staatsanleihe deutlich geringer, als es beispielsweise bei vielen Start-Up-Unternehmen sein dürfte. Deutsche Staatsanleihen sind deutlich sicherer, das Risiko eines Totalsausfalls ist deutlich geringer - nicht nur im Vergleich zu Unternehmensanleihen, sondern auch im Vergleich zu den allermeisten anderen Staatsanleihen. Die Kehrseite der Medaille: Bonitätsstarke Anleihen werfen auch deutlich weniger Zinsen ab.

Deswegen ist es so wichtig für Anleger, sich nicht allein von hohen Renditeangaben beeindrucken zu lassen, sondern sich gemeinsam mit einem Bankberater ein umfassendes Bild einer Anleihe zu verschaffen.

Frage 5: Welche Rolle spielt das Rating?
Ein Rating ist das Urteil einer spezialisierten Agentur über die Zahlungsfähigkeit eines Anleiheschuldners. Die drei größten internationalen Ratingagenturen S&P, Fitch und Moody’s vergeben Höchstnoten wie „AAA“ oder „Aaa“ für höchste Sicherheit. Die schlechteste Note ist bei S&P und Fitch das „D“ und steht für „Default“, den Ausfall. Die Agentur Moody’s vergibt hierfür ein „C“. Investoren weltweit verlassen sich auf diese Einschätzungen, die auf intensiven Analysen der Schuldner beruhen. Schließlich bieten sie eine vergleichsweise einfache Antwort auf die Frage, wie zahlungsfähig ein Schuldner ist. Und das ist für Anleiheinvestoren eine entscheidende Frage.

Verschlechtert sich solch ein Rating, werden die Anleger nervös. Denn das bedeutet eben auch eine negativere Beurteilung der Sicherheit ihres Investments. In der Regel fällt mit einer Ratingabstufung auch der Kurs der Anleihe. Ratings sollten jedoch niemals die einzige Bewertungsgröße sein, sondern lediglich ein Bestandteil für eine auf weiteren Informationen basierte Anlageentscheidung.

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Frage 6: Welche Faktoren beeinflussen die Rendite?
Die Rendite einer Anleihe besteht aus den vorab festgelegten Zinsen (dem Kupon) und der Kursentwicklung einer Anleihe. Eine ganze Reihe von Faktoren bestimmt letztlich diese Rendite: die Entwicklung der Leitzinsen, das Rating, aber auch die Laufzeit. Grundsätzlich gilt: Je länger eine Anleihe läuft, umso höher die Verzinsung durch den Schuldner. Immerhin verleihen die Anleger ihr Geld dann ja auch länger und wollen dafür kompensiert werden. Doch die Regel gilt eben nur grundsätzlich – bei gewissen Marktkonstellationen können Anleihen mit kurzer Laufzeit mehr Rendite bringen als Anleihen mit längerer Laufzeit.

Frage 7: Wie kann ich in Anleihen investieren?
Grundsätzlich auf zwei Wegen - direkt oder indirekt. Beim Direktinvestment fließt das Geld quasi ohne Umweg in eine Anleihe. Indirekte Investments sind zum Beispiel Fonds. Ein Fondsmanager investiert das Geld seiner Anleger seinerseits in jene „Bonds“, die ihm aussichtsreich erscheinen. Dabei kann er unterschiedliche Anleihearten so kombinieren, dass riskantere und risikoärmere Wertpapiere zusammen ein ausgewogenes Portfolio ergeben. Ob direktes oder indirektes Investment, beide folgen den skizzierten Spielregeln. Ihr Berater kann Ihnen sagen, welcher Weg aufgrund Ihrer Risikoneigung für Sie in Betracht kommen kann.

Ob und welche Anleihen 2019 Potenzial bieten, erfahren Sie hier.

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