Die wichtigsten Fakten:

  • Für Euroanleger scheint 2017 insbesondere der US-Anleihemarkt interessant
  • In Europa und Japan dürften die Zinsen niedrig bleiben
  • Anleihemärkte in den Schwellenländern könnten sich weiter beruhigen

Blickt man auf die Zinsprognosen zum Jahresende 2017, wird deutlich, dass die Rentenmärkte in Bewegung bleiben dürften. Denn sowohl in den USA als auch in Deutschland liegen die Zinserwartungen auf einem höheren Niveau als die derzeitigen Zinssätze: Für 10-jährige US-amerikanische Staatsanleihen rechnet die Deutsche Bank mit 3,1 Prozent, für ihre deutschen Pendants mit 0,9 Prozent. Bis dahin könnten Rentenanlegern turbulente Zeiten bevorstehen. Gründe dafür sind die Vielzahl politischer Unsicherheitsfaktoren und die daraus resultierende Verunsicherung der Marktteilnehmer.

Betroffen von der zunehmenden Volatilität dürften sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen sein – auch wenn Unternehmenspapiere trotz einer möglichen Ausweitung der Zinsdifferenzen zu Staatspapieren eine insgesamt bessere Performance zeigen könnten. Regional könnte der US-Markt für Euroanleger im kommenden Jahr interessant sein. Zum einen aufgrund des deutlich höheren Zinsniveaus als in Europa. Zum anderen im Hinblick auf mögliche Währungseffekte im Zuge einer von der Deutschen Bank erwarteten US-Dollar-Stärke.

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Zinswende in den USA

Die US-Präsidentschaftswahl dürfte nach 35 Jahren tendenziell sinkender Renditen und steigender Anleihekurse die Zinswende in den USA endgültig eingeleitet haben: Nach dem Sieg Donald Trumps Anfang November stiegen die Kapitalmarktzinsen innerhalb weniger Tage von 1,8 auf über 2,3 Prozent an. In Erwartung fiskalpolitischer und zunehmend protektionistischer Maßnahmen seitens der Trump-Regierung rechnen viele Marktteilnehmer in den kommenden Monaten mit einem erhöhten Emissionsvolumen von US-Staatsanleihen sowie mit Lohnsteigerungen, die letztlich zu einem Aufwärtsdruck bei der US-Inflation führen könnten. Ab dem Zeitpunkt, an dem Trump damit beginnt, seine Ankündigungen zu konkretisieren, erwartet die Deutsche Bank ein weiteres Anziehen der laufenden Verzinsung in den USA. Der Zinshöhepunkt könnte im Spätsommer 2017 erreicht werden.

Die Hauptgründe für eine mögliche Deckelung der US-Zinsen sieht die Deutsche Bank in zu erwartenden Schwierigkeiten bei der tatsächlichen Umsetzung der Pläne Trumps. Hinzu kommen externe Einflüsse. Denn aufgrund der engen Verflechtungen der bedeutenden Notenbanken untereinander – als Gläubiger und Schuldner – sowie ihres gemeinsamen Interesses, große Zinsunterschiede zu vermeiden, dürfte das nach wie vor sehr niedrige Zinsniveau in Europa und Japan ein zu starkes Hochlaufen der US-Zinsen begrenzen – auch wenn die Gefahr eines unkontrollierten Zinsanstiegs in den USA dadurch nicht vollständig ausgeschlossen werden kann. Geldpolitisch dürften die gestiegenen Anleiherenditen durch zwei Leitzinsanhebungen der US-Notenbank im kommenden Jahr gestützt werden.

Alles beim Alten in der Eurozone – UK unter Druck

In der Eurozone dürften die schwache wirtschaftliche Dynamik sowie die demografische Entwicklung auch 2017 den Inflationsdruck niedrig halten. Das eröffnet der Europäischen Zentralbank (EZB) Spielraum für die Fortsetzung ihrer auf Konjunkturbelebung ausgerichteten ultralockeren Geldpolitik; bereits Mitte Dezember 2016 verkündete sie die Verlängerung ihres Anleiheankaufprogramms um neun Monate bis Dezember 2017. Dadurch, dass die EZB weiter als Käufer von Euro-Staats- und Unternehmensanleihen auftritt, wird sie die Nachfrage hoch und die entsprechenden Anleiherenditen niedrig halten können.

In Großbritannien wird als Folge des angestrebten EU-Austritts in den kommenden fünf Jahren eine zusätzliche Staatsschuldenaufnahme in Höhe von 120 Milliarden britischen Pfund erwartet. Dabei könnten aufgrund der aktuell niedrigen Verzinsung insbesondere langlaufende Staatsanleihen ausgegeben werden. Die Deutsche Bank erwartet im Jahr 2017 leicht steigende Zinsen, sieht aber für Euroanleger bei britischen Staats- und Unternehmenspapieren eher geringes Potenzial.

Schwellenländer solider, aber weiter dollarabhängig

Schwellenländeranleihen verbuchten 2016 ein gutes Jahr. Seitdem die Kapitalmarktzinsen in den USA gestiegen sind, ist ihre Entwicklung jedoch zusehends unter Druck geraten: Kapitalabflüsse in die Vereinigten Staaten ließen ihre Renditen steigen – jedoch weniger stark als von einigen Marktteilnehmern befürchtet. Denn im Gegensatz etwa zum Jahr 2013, als die bloße Ankündigung der US-Notenbank, ihre expansive Geldpolitik zurückzufahren, zu einer erheblichen Kapitalflucht aus den Schwellenländern führte – dem sogenannten Taper Tantrum –, scheinen viele dieser Länder heute fundamental deutlich besser aufgestellt zu sein. Die Deutsche Bank geht daher davon aus, dass sich der Anleihemarkt in den Schwellenländern im Jahresverlauf 2017 weiter beruhigen dürfte. Dann könnte die vergleichsweise hohe Verzinsung der Papiere wieder verstärkt in den Fokus von entsprechend risikobereiten Anlegern rücken. Neben Hartwährungsanleihen in US-Dollar könnten unter Berücksichtigung von Risikofaktoren wie dem Aufbau neuer US-Handelsbarrieren oder einem enttäuschenden US-Konjunkturverlauf auch Lokalwährungsanleihen interessante Möglichkeiten für entsprechend risikobereite Euroanleger bieten. Denn im Vergleich zum Euro dürften nicht nur der US-Dollar, sondern auch viele Schwellenländerwährungen 2017 an Stärke gewinnen.

Im Jahresverlauf wieder Jagd auf Rendite

Für die Deutsche Bank könnten im Jahr 2017 US-Anleihen sowohl unter Rendite-Risiko-Aspekten als auch aus Währungsgesichtspunkten interessant sein. Sollten sich die Märkte im Jahresverlauf weiter beruhigen, könnten entsprechend risikobereite Anleger auch höhere Renditemöglichkeiten in den Blick nehmen, etwa in den Schwellenländern. Wichtig wird es dabei sein, das globale politische Umfeld sehr genau zu beobachten und das Portfolio so zusammenzustellen, dass auf überraschende Entwicklungen schnell reagiert werden kann.

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