Die wichtigsten Fakten:

  • USA und Eurozone: Inflation könnte anziehen und Notenbanken zum Handeln bewegen
  • Steigende Zinsen dürften Anleihekurse unter Druck setzen
  • Zweigeteiltes Jahr für den Euro/US-Dollar-Kurs erwartet

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An den globalen Rentenmärkten dürfte im kommenden Jahr erhöhte Stolpergefahr herrschen: Vielen Anlegern fällt es noch schwer, ihren Blick von der guten alten Zeit den neuen Realitäten zuzuwenden. Dabei stecken diese für Investoren voller Herausforderungen und Hindernisse. Neben möglichen Kursverlusten durch steigende Zinsen werden die Aussichten durch das niedrige Renditeniveau getrübt. Auch wenn es verfrüht sein mag, von einem Bärenmarkt zu sprechen: Der jahrzehntelange Bullenmarkt wird 2018 aller Voraussicht nach weiter auslaufen.

Höhere Inflation als Zinstreiber

Hauptauslöser für die durchwachsenen Aussichten am Anleihemarkt ist das stabilere globale Wirtschaftswachstum. Vor allen Dingen in den USA und Europa liegt dieses bereits seit einiger Zeit deutlich über dem jeweiligen Potenzialwachstum. Das dürfte über kurz oder lang in beiden Regionen zu einem zunehmenden Arbeitskräftemangel und in der Folge höheren Löhnen führen. In Deutschland beispielsweise hat die Industriegewerkschaft Metall, die rund 4 Millionen Arbeitnehmer vertritt, angekündigt, in die Tarifverhandlungen zum Jahresbeginn mit Lohnforderungen von 6 Prozent eintreten zu wollen. Auch wenn abzuwarten bleibt, in welchem Maße die Löhne tatsächlich steigen – es kann davon ausgegangen werden, dass die relativ schwache Lohnentwicklung der vergangenen Jahre ein Ende finden wird.

Bei steigenden Löhnen stünde den Menschen mehr Geld zur Verfügung, was sich 2018 unter anderem in höheren Konsumausgaben niederschlagen sollte. Und wo mehr konsumiert wird, können auch Preissteigerungen umgesetzt werden. Für einen Anstieg der Inflation sprechen darüber hinaus die seit Jahresmitte 2017 nochmals gestiegenen Rohstoffnotierungen, die sich klassischerweise mit einer gewissen Verzögerung auf die Teuerungsrate auswirken.

In diesem Umfeld dürften die Notenbanken, allen voran die US-amerikanische Fed, ihren bereits eingeleiteten Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik fortsetzen. Die Deutsche Bank hat jüngst ihre Prognose angepasst und erwartet nun vier Leitzinsschritte in den USA im kommenden Jahr und eine weitere Verkleinerung der Fed-Bilanz – was die Nachfrage nach US-Staatsanleihen dämpfen würde. In der Eurozone dagegen könnte die Zurückhaltung der Europäischen Zentralbank (EZB) noch eine Weile anhalten. Erst zum 2. Halbjahr 2018 scheint eine deutlichere EZB-Rhetorik hinsichtlich einer Beschleunigung des Ausstiegs aus der ultralockeren Geldpolitik wahrscheinlich. Erste Leitzinsschritte werden allerdings nicht vor Mitte 2019 erwartet.

Insgesamt rechnet die Deutsche Bank bei leicht anziehenden Inflationsraten und einer langsamen Normalisierung der Geldpolitik mit steigenden Zinsen vor allen Dingen in den USA, aber auch in der Eurozone – sowohl am kurzen als auch am langen Ende der Zinsstrukturkurve. Im Bereich der 10-jährigen Staatsanleihen könnten die Renditen zum Ende des Jahres 2018 in den USA auf rund 3 Prozent und in der Eurozone auf knapp 1 Prozent klettern – verbunden mit entsprechenden Kursverlusten für bestehende Investments am Rentenmarkt.

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Unternehmensanleihen unter Druck

Ähnlich getrübt wie bei Staatsanleihen sind die Anlegeraussichten im Segment der Unternehmensanleihen. Bonitätsstarke Eurozonen-Unternehmensanleihen (Investment Grade, IG) beispielsweise verbuchten in den vergangenen fünf Jahren noch einen durchschnittlichen Gesamtertrag – zusammengesetzt aus Zins- und Kurserträgen – von 3,8 Prozent pro Jahr. Zwar sind die Unternehmen fundamental größtenteils weiter gut aufgestellt. Doch schon bei einem von der Deutschen Bank erwarteten leichten Anstieg der Kapitalmarktzinsen wären Kursverluste für bestehende Investments die Folge. Die Deutsche Bank erwartet bei Euro-IG-Anleihen im Jahr 2018 insgesamt einen negativen Gesamtertrag von –1 Prozent. Nicht viel besser sieht es im Bereich der riskanteren Unternehmenspapiere aus: Renditen von rund 3 Prozent erfüllen kaum die Ansprüche an eine Hochzinsanleihe.

In den USA liegt das Zinsniveau insgesamt etwas höher: US-Dollar-IG-Anleihen rentieren derzeit durchschnittlich mit rund 3 Prozent, im Hochzinsbereich sind es 5,7 Prozent. Aufgrund des erwarteten Anstiegs der US-Kapitalmarktzinsen sind die Papiere vor Rücksetzern allerdings nicht gefeit. In Anbetracht des Rendite-Risiko-Profils von US-Hochzinsanleihen erscheinen der Deutschen Bank Aktien in den kommenden Monaten unter Berücksichtigung der entsprechenden Risiken die interessantere Wahl zu sein.

Kurswechsel beim US-Dollar

Die von der Deutschen Bank erwarteten Leitzinsschritte der Fed sowie die anfängliche Zurückhaltung der EZB dürften den US-Dollar im Vergleich zum Euro im 1. Halbjahr 2018 leicht stärken. Ein Eurokurs von möglicherweise unter 1,15 US-Dollar erscheint möglich. Überzeugt die Wirtschaft der Eurozone weiter, dürfte die EZB spätestens im 2. Halbjahr die Rhetorik in Richtung eines Ausstiegs aus ihrer ultralockeren Geldpolitik verschärfen. Gehen dieser Entwicklung steigende Inflationserwartungen voraus, sollten nicht nur die kurzlaufenden Zinsen anziehen. Kapitalflüsse in die Eurozone könnten den Euro stützen, weshalb die Deutsche Bank Ende 2018 einen Kurs von 1,20 US-Dollar erwartet.

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Schwellenländer weiter interessant

Für entsprechend risikobereite Anleger könnte sich 2018 aus Renditegesichtspunkten ein Blick auf die Rentenmärkte der Schwellenländer lohnen. Diese sind insgesamt wirtschaftlich mittlerweile besser aufgestellt als noch vor ein paar Jahren – ausgeglichenere Leistungsbilanzen, größere Währungsreserven, höhere Realzinsen – und dürften vom Anziehen der Weltkonjunktur sowie des Welthandels ebenso profitieren wie von der Stabilisierung der Rohstoffpreise. Interessant sein könnten Staats- und Unternehmensanleihen in US-Dollar, da diese im Unterschied zu Lokalwährungsanleihen nicht so sensibel auf den erwarteten Zinsanstieg in den USA und der Eurozone reagieren sollten.

Aktives Rentenmanagement wichtig

Insgesamt dürfte das Umfeld für Anleiheanleger im kommenden Jahr zunehmend herausfordernder werden. Eine Kaufen-und-Halten-Strategie wird aller Voraussicht nach kaum noch interessante Erträge einbringen können. Daher wird es wichtiger, die verbleibenden Renditemöglichkeiten an den globalen Anleihemärkten optimal zu nutzen – etwa mithilfe einer dynamischen Asset-Allokation und einer flexiblen Laufzeitengestaltung.

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Redaktionsschluss: 12.12.2017