Die wichtigsten Fakten:

  • Steuerreform in den Vereinigten Staaten dürfte US-Aktienmarkt stützen
  • In der Eurozone scheint eine breite Streuung des Investments ratsam
  • Asiatische Schwellenländer könnten von globaler Konjunkturdynamik besonders stark profitieren.

Die meisten Aktienmärkte weltweit haben sich 2017 ohne größere Schwankungen ausgesprochen positiv entwickelt. Angesichts des anhaltenden, global überwiegend synchronen Konjunkturaufschwungs geht die Deutsche Bank für das kommende Jahr insgesamt von steigenden Notierungen aus – wenngleich die Kursschwankungen zunehmen dürften. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren tritt die expansive Geldpolitik der Notenbanken als Kurstreiber dabei zunehmend in den Hintergrund. Auch steigende Bewertungen sollten 2018 eine untergeordnete Rolle spielen. Stattdessen dürften die Notierungen maßgeblich durch anziehende Unternehmensgewinne gestützt werden: Für das kommende Jahr erwarten die Analysten derzeit ein Gewinnwachstum von rund 12 Prozent für Unternehmen im globalen Aktienleitindex MSCI World.

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Hohe Gewinnerwartungen für die US-Unternehmen

Eine Hauptanlageregion der Deutschen Bank bleiben die USA. Hier liegt das erwartete Unternehmensgewinnwachstum für das Gesamtjahr 2018 im Schnitt bei rund 11 Prozent. Grund dafür sind neben dem robusten privaten Konsum und anziehenden Unternehmensinvestitionen mögliche politische Impulse: Im Vorfeld der im November 2018 stattfindenden Midterm Elections scheint die Regierung von Präsident Donald Trump bemüht zu sein, konkrete Erfolge vorzuweisen. Das wurde zuletzt Anfang Dezember 2017 bei der Verabschiedung der Steuerreform durch den Senat deutlich. Die umfangreiche Reform, die Unternehmen erheblich entlasten sollte, dürfte bei Umsetzung dem US-Aktienmarkt zusätzlichen Rückenwind verleihen.

Auf Branchenebene scheinen der Finanz- und der Industriesektor interessantes Potenzial zu bieten. Die Finanzbranche dürfte zum einen vom anziehenden Kapitalmarktgeschäft, zum anderen vom steigenden US-Zinsniveau profitieren. Denn Banken erwirtschaften einen großen Teil ihrer Erträge, indem sie sich kurzfristig zu relativ niedrigen Zinsen Kapital leihen und es langfristig zu höheren Zinsen wieder verleihen. Steigen, wie für die USA erwartet, die Zinsen mit längeren Laufzeiten an, steigt in der Regel auch die Nettozinsmarge der Banken.

Dem Verarbeitenden Gewerbe wiederum dürfte die zuletzt gestiegene US-Investitionstätigkeit zugutekommen. Zwar fallen gegenwärtige Gewinne investierender Konzerne niedriger aus. Mittel- bis langfristig können Investitionen jedoch zu höherem Wachstum und Effizienzverbesserungen führen. Das Ertragspotenzial kann zum Beispiel durch Investitionen im Bereich der Digitalisierung oder Automatisierung gesteigert werden.

Ein weiterer interessanter Aspekt des US-Aktienmarkts ist die hohe Gewichtung des zukunftsträchtigen Technologiesektors. Dieser wird von Trends wie Cyber Security, Big Data, E-Payment oder Cloud Computing positiv beeinflusst. Zwar sind einige Unternehmen bereits relativ hoch bewertet. Aus Sicht der Deutschen Bank sind diese Bewertungen angesichts der zum Teil großen Marktmacht der Unternehmen und der über die nächsten Jahre erwarteten Gewinne jedoch gerechtfertigt. Die hohen Eigenkapitalrenditen sowie das nach wie vor niedrige US-Zinsniveau stützen die gestiegenen Bewertungen ebenfalls.

Innerhalb der Eurozone breite Streuung ratsam

Ähnlich positiv wie die USA schätzt die Deutsche Bank die Aktienmärkte der Eurozone ein: Das erwartete Gewinnwachstum für 2018 liegt mit 9,4 Prozent auf einem vergleichbaren Niveau. Dabei gilt es zu beachten, dass die einzelnen Euroländer zum Teil ganz unterschiedliche Stärken haben und sich eine breite Streuung des Investments daher anbieten könnte. Beispielsweise dürfte insbesondere der sehr konjunkturabhängige deutsche Aktienmarkt weiterhin vom globalen Wirtschaftsaufschwung profitieren – während ihn seine zyklische Sektorstruktur gleichzeitig schwankungsanfällig macht. Einen näheren Blick wert sein könnten auch der spanische Aktienmarkt aufgrund der anziehenden Binnenkonjunktur sowie die französische Börse mit ihren zahlreichen Luxusgüterherstellern.

Außerhalb der Währungsunion dürfte der britische Leitindex FTSE 100 von seiner Vielzahl an weltweit tätigen, exportlastigen Unternehmen profitieren – zumal das aktuell vergleichsweise schwache britische Pfund ihre Geschäfte stützt. Hier liegt jedoch auch ein Risiko für Euroanleger, da im Falle einer weiteren Pfundabwertung Währungsverluste drohen. Außerdem bleiben die mit Ungewissheit behafteten Brexit-Verhandlungen ein Belastungsfaktor. Vergleichsweise weniger Aufwärtspotenzial sieht die Deutsche Bank in den kommenden Monaten für den Schweizer Aktienmarkt, der aufgrund seiner insgesamt defensiven Ausrichtung weniger am zyklischen Aufschwung partizipieren dürfte.

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Asien als Profiteur des globalen zyklischen Aufschwungs

Stark von der guten Weltkonjunktur und dem anziehenden Welthandel dürften 2018 Aktien Asiens profitieren. Das gilt unter anderem für Japan, dessen Exporteure von einem vergleichsweise schwachen Yen gestützt werden sollten. Daneben könnten strukturelle Anpassungen im Unternehmenssektor wie der Aufbruch ineffizienter Überkreuzbeteiligungen oder die von Premierminister Shinzo Abe eingeleiteten Reformen hinsichtlich der Unternehmensführung und des Einsatzes der hohen Bargeldreserven ihre Wirkung stärker entfalten. Derzeit verfügen die Unternehmen im Leitindex Topix über Cash-Bestände in Höhe von rund 31 Prozent ihrer Marktkapitalisierung, die künftig effizienter genutzt werden sollen – sei es in Form von Investitionen, Aktienrückkäufen oder Dividenden. Während Anleger von Investitionen langfristig profitieren könnten, dürften sich höhere Ausschüttungen kurzfristig auf die Erträge von Aktieninvestments auswirken. Ergebnisse der Bestrebungen zur Steigerung der Kapitaleffizienz sind bereits zu beobachten: Die Eigenkapitalrendite japanischer Unternehmen stieg in den vergangenen fünf Jahren von 4 auf 8 Prozent.

Liberalisierung von Chinas Kapitalmärkten schreitet voran

Noch tiefer als in Japan greift der Wandel in China: Bereits seit Jahren befindet sich die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in einem Transformationsprozess. Darin eingebunden sind auch die Kapitalmärkte: Der für ausländische Investoren teilweise unzugängliche chinesische Aktienmarkt öffnet sich zusehends. Über Kooperationen zwischen der Börse in Hongkong und den Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen, die sogenannten Stock Connects, können Festlandchinesen jetzt auch „H-Aktien“ chinesischer Unternehmen kaufen, die vormals exklusiv in Hongkong gehandelt wurden. Gleichzeitig wurden die Restriktionen für Ausländer beim Erwerb von chinesischen Festlandaktien, den sogenannten A-Aktien, gelockert. Die Deutsche Bank geht davon aus, dass sich die sukzessive Öffnung der chinesischen Kapitalmärkte fortsetzen und die Zuflüsse in chinesische Aktien entsprechend zunehmen dürften. Zumal durch die Liberalisierung der Märkte die Gewichtung Chinas im Schwellenländer-Leitindex MSCI Emerging Markets weiter steigen sollte.

Darüber hinaus ist zu erwarten, dass Chinesen durch die Liberalisierung einen größeren Teil ihrer hohen Ersparnisse in ausländische Aktien investieren könnten. Zu den Hauptprofiteuren dürften asiatische Nachbarn wie Taiwan oder Südkorea gehören, die aufgrund ihrer vielen Techunternehmen nicht nur für chinesische Investoren interessant sein könnten.

Indien: Reformeifer könnte Wachstum langfristig stützen

Mit Indien zeigt sich ein weiterer asiatischer Riese gewillt, durch strukturelle Reformen seine wirtschaftlichen Perspektiven nachhaltig zu verbessern. 2017 gelang Premierminister Narendra Modi mit der Einführung einer einheitlichen Mehrwertsteuer ein wichtiger Schritt. Zudem dürfte die jüngste Rekapitalisierung der öffentlichen Banken die Kreditvergabe ankurbeln und damit die Wirtschaft stimulieren. Angesichts des Reformeifers der Modi-Administration, einer jungen Bevölkerung und eines starken Wachstums sieht die Deutsche Bank für den indischen Aktienmarkt langfristig weiteres Potenzial – trotz möglicher Rücksetzer, die bei groß angelegten Reformprogrammen auftreten können.

Schwellenländer mit Licht und Schatten

Während in China und Indien die wirtschaftlichen Entwicklungen optimistisch stimmen, kann in anderen Schwellenländern wie Südafrika und der Türkei die Politik zum Belastungsfaktor werden. Dafür könnten Russland und Brasilien im Laufe des Jahres 2018 wieder stärker in den Investmentfokus rücken. Das liegt unter anderem am Anstieg der für beide Volkswirtschaften wichtigen Rohstoffpreise. Dazu kommt, dass Russland seine Währung stabilisieren sowie seine Leistungsbilanz verbessern konnte, während Brasilien die Inflation deutlich gesenkt hat. Allerdings bleibt in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas der Ausgang der Präsidentschaftswahl im Oktober 2018 ein potenzieller Unsicherheitsfaktor.

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Aktien als Kerninvestment: Zykliker vor defensiven Titeln

Aktien bleiben im Jahr 2018 ein Kerninvestment der Deutschen Bank. Zwar könnten politische und geldpolitische Unsicherheiten immer wieder für zeitweise Kursrücksetzer sorgen. Die fundamentalen Aussichten für die Aktienmärkte weltweit sind jedoch positiv. Insgesamt erscheint für 2018 ein global breit gestreutes Aktienportfolio ratsam. Auf Sektorenebene dürften insbesondere konjunktursensitive Titel interessant sein. Hoch bewertete defensive Titel und Dividendenaktien dagegen könnten sich in Zeiten einer anziehenden Weltkonjunktur schwächer entwickeln als zyklische Werte.

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Redaktionsschluss: 12.12.2017

Anpassung der Prognose zu Unternehmensgewinnen am 31.01.2018 von 10% auf 12%

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