Die wichtigsten Fakten

  • Schwankungen an den Kapitalmärkten dürften zunehmen
  • Klare Anlagestrategie von hoher Bedeutung
  • Anleger sollten optimistisch bleiben

Wo liegen unentdeckte Chancen, wo versteckte Risiken und wie geht es weiter? Fragen, die uns durchs ganze Leben begleiten, auch abseits der Börse. Schon heute wissen, was morgen passiert, das ist ein reizvoller Gedanke. Da das nicht geht, malen wir uns eine Zukunft aus, die wir kaum kennen. Was dabei hilft, ist der uns in die Wiege gelegte Optimismus.

Unsere Kids halten wir für besonders talentiert, und fragt man nach, ist anscheinend fast jeder am Autolenkrad besonders gut. Frisch verheiratete Paare halten die eigene Ehe für unfehlbar. Dabei wird etwa jede dritte Ehe geschieden. Wer wie ich sogar nochmals heiratet, beweist den Sieg der Hoffnung über die Statistik! Vieles in unserem Leben ist eine Glaubensfrage. Vielleicht geht die Welt deshalb nur selten unter. Es ist die Hoffnung, die uns antreibt. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft oder auf ein gesundes und glückliches Leben. Dass wir unsere Chancen oft überschätzen und unsere Risiken meist unterschätzen, ist kein Fluch, sondern ein Segen. Schließlich ist der einzige Mist, auf dem nichts wächst, der Pessimist. Es sind die Optimisten, denen die Welt gehört. So bleiben wir auf Kurs, trotz Rückschlägen. Wir erfinden, forschen, fordern heraus und sind bereit, Bestehendes zu zerstören, um Neues aufzubauen. Apple hat mit dem iPod eine Revolution eingeleitet. Steve Jobs zerstörte den iPod dann aber durch das iPhone. Die iPads wurden durch die iPhone-Plus-Modelle kannibalisiert; die Bereitschaft sich neu zu erfinden, hat Apple zum weltweit wertvollsten Unternehmen gemacht. Es geht um den ewigen Kreislauf der Fortsetzung und nicht darum, das Ende der Fahnenstange zu erreichen.

Deutschland geht es gut – und das dürfte 2018 so bleiben

Und was für Apple, Amazon, Google oder Alibaba gilt, gilt letztendlich für die ganze Wirtschaft und natürlich für den Aktienmarkt. Keine Frage: Auch in Deutschland gibt es Menschen, bei denen es nicht rundläuft. Aber die Arbeitslosigkeit liegt auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Nicht nur die Löhne wachsen, sondern auch bei den Vermögen gab es in den vergangenen Jahren kräftige Zuwächse. Schluss mit der Schwarzmalerei: Deutschland geht es gut, und das dürfte sich 2018 fortsetzen. Kein rein deutsches, sondern ein globales Phänomen. Erstmals seit Ende der Finanzkrise sehen wir von Asien, über Europa bis hin zu den USA eine erholte und im Einklang wachsende Wirtschaft. Das Gewinnwachstum der Unternehmen in all diesen Regionen bewegt sich im oberen einstelligen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich. Goldlöckchen wäre stolz auf uns, denn dieser Brei ist weder zu heiß noch zu kalt.

Notenbanken auf unbekannten Wegen – was macht der Anleihemarkt?

Solange wir eine langsam und moderat anziehende Inflation sehen, können die Zentralbanken die teils aggressive Geldpolitik schrittweise drosseln und normalisieren. Halten die EZB, die Federal Reserve, die Bank of England und Bank of Japan ihren Kurs und es wird umgesetzt, was bereits ausgesprochen wurde, fallen im Jahresverlauf rund eine Billion US-Dollar an Stimulus weg. Dass eine Eins mit zwölf Nullen dahinter viel Geld ist, darüber brauchen wir kaum reden. Dass sich die Notenbanken mit dem Exit vom Mega-Stimulus der letzten Jahre erneut auf Neuland bewegen und wir in diversen Anlageklassen eine überhöhte Bewertung sehen, erschwert den Prozess. Bei einem Airbus A380 die Motoren auszutauschen, ist am Boden leicht, aber nicht bei einigen Tausend Metern über den Wolken. Kurzum: Wie die Renditen der Anleihen reagieren, spielt eine entscheidende Rolle.

FOMO oder die Angst, das Beste zu verpassen

Wie sich der Kreislauf am Aktienmarkt fortsetzt, spielt eine ebenso entscheidende Rolle. Anders gesagt: Ändert sich das Umfeld und die Reaktion gefällt nicht, ändert sich auch das Vorgehen der Notenbanken. So kommt es auch, dass geopolitische Schocks den Kapitalmarkt kaum mehr schockieren. Die Notenbanken gelten als Retter in der letzten Not. Es wurde der Gedanke etabliert, dass es kein „downside“, sondern nur noch ein „upside“ gibt. Jegliche Kursschwäche bei Aktien wird genutzt, um dankbar zuzugreifen. FOMO nennt man das bei uns an der Wall Street. Es ist die Angst, die nächste Rallye zu verpassen, oder, wie man bei mir in New York sagt, „the fear of missing out“. Durch die aggressive Geldpolitik der letzten Jahre wurde ein ganzes Ökosystem von Anlagestrategien ermöglicht. Die boomenden Aktienrückkäufe und die extrem niedrige Volatilität hängen ebenfalls damit zusammen. Was die Wall Street betrifft, hatten wir im abgelaufenen Jahr die geringsten Schwankungen in der Geschichte des amerikanischen Aktienmarktes.

An den Märkten regieren die Animal Spirits

Wie lange geht das gut? Schwer zu sagen. Aber dieser Bullenmarkt hat anscheinend drei Leben: Die erste Phase wurde 2009 durch den aggressiven Stimulus der Notenbanken angetrieben, mit einer Verdoppelung des S&P 500 Index binnen etwas mehr als zwei Jahren. In der zweiten Phase ab 2012 gab es wachsende Bedenken, dass die Rallye lediglich künstlich und durch die Liquidität der Notenbanken getragen wird. Im Februar 2016 wurde dann die dritte und vielleicht letzte Phase eingeläutet, mit endlich wieder zunehmendem Wirtschaftswachstum in den meisten Regionen dieser Welt, einhergehend mit einer Ertragserholung bei den Unternehmen und dem Erwachen der Animal Spirits.

Wir sehen das bei dem fiebrigen Boom des Bitcoins. Was mit den Geeks anfing, dann in den Finanzmedien landete, steht nun auf dem Titel jeder Tageszeitung. Aber der explosionsartige Anstieg hat wenig mit den fundamental attraktiven Aussichten dieser Krypotwährung zu tun als mit der Hoffnung, rasch viel Geld zu machen. Wie bei jeder Spekulationsblase funktioniert das eine Zeit lang gut. Mich erinnert das alles an ein Zitat von John Maynard Keynes: „Der Markt kann länger irrational bleiben als ich liquide!”

Was passiert mit Ihnen, wenn etwas mit Ihrem Geld passiert?

Wie lange wird die Party dauern? Niemand kennt die Zukunft. Hält sich der Bullenmarkt an der Wall Street bis August, blicken wir jedenfalls auf den längsten Aufschwung in der Geschichte des US-Aktienmarktes. Das leicht verdiente Geld liegt aber vermutlich hinter uns, und auch die Schwankungsbreite dürfte im neuen Jahr zunehmen und größer werden. Sucht Uber den Weg an die Börse, wäre das womöglich ein Warnsignal. Das wertvollste Unicorn der Welt kommt einer Cash-Verbrennungsanlage gleich. Mit hochgerechnet 9 Milliarden US-Dollar handelt es sich um den verlustreichsten Techkonzern in der Geschichte von Silicon Valley.

Was auch immer 2018 an der Börse passieren mag, gilt es, zwei Dinge zu beachten: Zum einen sind Kursrückschläge etwas ganz Normales, zum anderen geht es weniger darum, die Zukunft zu kennen, als sich selbst und die eigenen Anlageziele. Bei meiner eigenen privaten Geldanlage steht eine Frage im Vordergrund: Egal was mit dem Geld passiert, wird mein Leben auch danach noch in Ordnung sein? Wer diese Frage mit einem klaren Ja beantworten kann, hat wenig zu befürchten und darf der Zukunft vertrauensvoll entgegenblicken.

Für den Einzelnen ist die Welt sicherer geworden

Die Zeiten sind gar nicht so unsicher, wie viele meinen. Unsere Lebenserwartung ist seit den 30er-Jahren um über ein Drittel gestiegen. Die Zahl der Verkehrstoten ist seit 1970 um 84 Prozent gesunken. Wir fühlen uns so sicher, dass wir durch Airbnb in den Betten fremder Menschen schlafen oder durch Uber in deren Autos mitfahren. Unsere privaten Momente teilen wir auf Facebook, Twitter und Instagram oder suchen auf Tinder nach intimen Freundschaften. Unser kollektives Risiko hat durch Terrorismus, Datenklau oder Klimawandel zugenommen. Das Risiko des Einzelnen aber hat nachgelassen.

Für den Inhalt dieses Artikels ist der Autor verantwortlich. Die Inhalte spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Deutschen Bank wider und stellen keine Anlageempfehlung dar.

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Redaktionsschluss: 12.12.2017