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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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22. September 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

ein perspektivischer Euro-Beitritt dürfte dem ungarischen Forint Rückenwind verleihen, der Weltraum entwickelt sich zunehmend zu einer strategisch wichtigen Infrastruktur- und Anlageklasse, und Argentiniens Erholung verliert an Schwung.

Niedrigeres Inflationsziel unterstreicht Ungarns Euro-Ambitionen

Ungarn ist seinem Ziel eines Euro-Beitritts bis 2030 einen Schritt näher gekommen, indem die ungarische Notenbank ihr Inflationsziel beginnend zum 1. Januar 2028 von 3,0 Prozent auf 2,5 Prozent gesenkt hat. Dieses neue Ziel rückt das Land näher an das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent heran und unterstützt die Erfüllung des Preisstabilitätskriteriums der Europäischen Union (EU). Die Anpassung erfolgte vor dem Hintergrund einer Verbraucherpreisinflation, die zuletzt niedriger als zwei Prozent war und somit auf dem niedrigsten Stand seit 2016. Die Devisenmärkte werteten den Schritt als ein Signal für weitere Fortschritte bei der Euro-Konvergenz: Der Forint legte nach der Ankündigung gegenüber dem Euro um rund 0,6 Prozent zu. Die Perspektive eines Euro-Beitritts dürfte die Währung bis Jahresende zusätzlich stützen, unterstützt durch Kapitalzuflüsse und freigegebene EU-Mittel.

Autonome KI-Agenten steigern den Bedarf an Rechenleistung und Infrastruktur

Die jüngsten Fortschritte bei konsumnahen KI-Agenten könnten der Wertschöpfungskette rund um Künstliche Intelligenz (KI) neuen Rückenwind verleihen. Während klassische Chatbots vor allem Informationen liefern, übernehmen KI-Agenten Aufgaben im Auftrag der Nutzer, beispielsweise das Organisieren von Terminen, das Buchen von Reisen oder den Vergleich und Kauf von Produkten. Da diese Prozesse weitgehend autonom ablaufen können, dürfte ihre Verbreitung den Bedarf an Rechenleistung und Infrastruktur deutlich erhöhen. Davon dürfte die gesamte KI-Wertschöpfungskette profitieren. Besonders gut positioniert erscheinen neben den Anbietern der Anwendungen selbst unter anderem Hersteller klassischer Prozessoren, da agentenbasierte Anwendungen zahlreiche aufeinanderfolgende Arbeitsschritte koordinieren, sowie Cybersicherheitsunternehmen, die den steigenden Schutzbedarf autonomer Systeme adressieren.

Weltraumwirtschaft gewinnt als Infrastruktur- und Anlageklasse an Bedeutung

Der Weltraum entwickelt sich zunehmend von einem reinen Forschungsgebiet zu einer strategisch wichtigen Infrastruktur- und Anlageklasse. Sinkende Startkosten, wiederverwendbare Raketen, unbemannte Systeme und eine steigende Nachfrage nach Verteidigung, Daten, Konnektivität und Kommunikation schaffen neue kommerzielle Chancen. Viele Systeme wie Satelliten, Kommunikationsnetze und Beobachtungstechnologien können sowohl zur zivilen Nutzung als auch zur Verteidigung dienen und damit die Ertragsbasis verbreitern. Die Anzahl der am Markt befindlichen Wagniskapital-Fonds mit Schwerpunkt Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung stieg von mehr als 50 im Januar 2020 auf knapp 250 im Januar 2026, während sich das Gesamtkapital der Fonds im selben Zeitraum analog dazu von fünf Milliarden US-Dollar mehr als verfünffachte. Insgesamt könnte die Weltrauminfrastruktur von strukturellen Trends, hoher strategischer Relevanz und einer zunehmenden Beteiligung privaten Kapitals profitieren. Langfristige Anleger könnten in diesem Bereich fündig werden.

Argentinien: Schwacher Konsum bremst die Wirtschaftserholung

Argentiniens Erholung verliert an Schwung. Das reale Bruttoinlandsprodukt sank saisonbereinigt um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Ausschlaggebend für die schwache Binnenkonjunktur war der private Konsum, der um 2,4 Prozent nachgab. Dies überwog den kräftigen Anstieg der Exporte sowie der Investitionen in kapitalintensive Bereiche wie Bergbau und Landwirtschaft. Die zweigeteilte Konjunktur spiegelt sich auch am Aktienmarkt wider.

Seit Jahresbeginn legte der Energiesektor, der knapp die Hälfte des MSCI Argentina ausmacht, in Euro um 66 Prozent zu. Der Finanzsektor mit einem Indexgewicht von knapp einem Viertel verlor dagegen rund fünf Prozent. Perspektivisch wird entscheidend sein, dass die Reformagenda mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2027 breite Unterstützung behält. Dafür muss die Wirtschaftserholung stärker den privaten Konsum erreichen.

Starke Börsen, schwache Verbraucherstimmung: das US-Paradox

Die US-Wirtschaft wächst, der Arbeitsmarkt bleibt robust und die Börse zeigt sich stark. Doch gestiegene Preise sowie hohe Wohn- und Finanzierungskosten belasten viele amerikanische Haushalte. Was bedeutet diese Diskrepanz für Konjunktur, Konsum und den US-Aktienmarkt? Darüber spricht Dr. Dirk Steffen, Leiter Kapitalmarktstrategie der Deutschen Bank, mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.

Zahl des Tages: 107.677

Liegt es an Fisch und Reis, an der körperlichen Bewegung, der Harmonie von Mensch und Natur? Was immer die Gründe sind: In keinem Land der Welt gibt es mehr alte Menschen als in Japan. Nach den jüngsten Zahlen des japanischen Gesundheitsministeriums leben im Inselstaat 107.677 Hundertjährige, die meisten davon – 88 Prozent – sind Frauen. Zu Beginn der Aufzeichnungen 1963 hatten erst 153 Menschen in Japan ihren hundertsten Geburtstag gefeiert. Heute muss man schon ein deutlich höheres Alter erleben, um aus der Masse der Senioren hervorzustechen – wie Kishimoto Fuyo, die als derzeit älteste Japanerin mit über 114 Jahren in einem Altenheim in Kyoto lebt.

Ich wünsche Ihnen einen beständigen Tag.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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