22. April 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
Großbritannien legt einen 500-Millionen-Pfund-KI-Fonds auf, Platin gibt nach einem Rekordhoch wegen Positionsabbau nach, und Taiwans Exportaufträge erreichen dank KI- und Tech-Boom ein Rekordniveau.
500 Millionen Pfund für KI: Großbritannien sucht den globalen Anschluss
Im April hat das Vereinigte Königreich einen staatlichen Fonds für Künstliche Intelligenz (KI) ins Leben gerufen, um heimische Start-ups zu fördern und die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu verringern. Die Regierung plant Investitionen in Höhe von insgesamt 500 Millionen Britischen Pfund; sieben Förderungen in den Bereichen Infrastruktur, agentische KI und physische KI sind bereits erfolgt. Großbritannien nimmt bereits eine Spitzenrolle bei der Finanzierung von KI-Start-ups in Europa ein, strebt jedoch an, mit Ländern wie den USA und China im Bereich KI-Entwicklung mitzuhalten. Dank erstklassiger Universitäten mit herausragender Forschung und führenden Experten in der KI steht Großbritannien im internationalen Wettbewerb gut da. Trotzdem beklagen Start-ups und Investoren schon lange fehlende Finanzierungsmöglichkeiten, besonders für Wachstumsunternehmen. Ob das Land strukturelle Herausforderungen wie Finanzierungsengpässe, hohe Stromkosten und bedingte Attraktivität für weitere, internationale Fachkräfte überwinden kann, bleibt abzuwarten – nur dann können britische Start-ups auch global bestehen.
Nach Rekordhoch: Positionsabbau lässt Platin nachgeben
Der Platinpreis legte – ähnlich wie Silber – zwischen Anfang Dezember und Ende Januar stark zu. Der Preis sprang von rund 1.700 US-Dollar je Feinunze auf ein Rekordhoch von 2.922 US-Dollar. Seit Anfang März kam es jedoch nach der Eskalation im Nahen Osten zu deutlichen Positionsauflösungen, auch wegen der Erwartung einer schwächeren Industrienachfrage.
Die Bestände börsengehandelter Platinzertifikate sanken im März aufgrund von Anlegerverkäufen weltweit um sechs Prozent. An der chinesischen Terminbörse Guangzhou Futures Exchange wurden die Positionen nach einer Erhöhung der zu hinterlegenden Sicherheiten um insgesamt rund 24 Prozent reduziert, primär infolge einer starken Auflösung von Kaufpositionen. An den Terminbörsen in den USA nutzten viele Anleger die Rücksetzer dagegen zum Einstieg. Die Kaufpositionen spekulativer Marktakteure stiegen im März um 132 Prozent auf 590.000 Feinunzen. Nach der verkündeten zweiwöchigen Waffenruhe im Konflikt mit dem Iran stabilisierte sich Platin zuletzt über 2.000 Dollar je Feinunze. Sollte eine dauerhafte Deeskalation gelingen, spricht einiges für weitere Gewinne. Das Januarhoch dürfte vorerst aber außer Reichweite bleiben.
KI und Tech treiben Taiwans Exportaufträge
Taiwans Exportaufträge sind im März sprunghaft gestiegen und haben mit mehr als 90 Milliarden US-Dollar einen Rekordwert erreicht. Die Exportaufträge stiegen um fast 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – deutlich mehr als die erwarteten 41 Prozent. Im Zuge des KI-Booms und der erhöhten Nachfrage nach Technologieprodukten verzeichneten die Bereiche Elektronik – Halbleiter zählen dazu – mit 74 Prozent sowie Informations- und Kommunikationstechnik mit 121 Prozent besonders hohe Wachstumsraten. Zudem stiegen Exportaufträge für Maschinen deutlich, während andere Bereiche nach Rückgängen wieder an Fahrt gewannen. Analysten korrigierten ihre Gewinnprognosen für die im TAIEX gelisteten Unternehmen in den letzten Monaten kontinuierlich nach oben und erwarten in den nächsten zwölf Monaten ein Gewinnwachstum von über 30 Prozent.
Geopolitische Risiken bremsen M&A bislang kaum
Daten zur Fusions- und Übernahmeaktivität (Mergers and Acquisitions, M&A) in den USA und Europa im ersten Quartal 2026 deuten auf eine Abkehr vom risikoarmen Ansatz der frühen 2020er Jahre hin und zeigen stattdessen eine erneute Fokussierung auf wachstumsorientierte und stärker transformative Transaktionen. Auffällig ist, dass die im ersten Quartal deutlich gestiegene geopolitische Unsicherheit die Transaktionsaktivität bislang nur geringfügig gedämpft zu haben scheint. Im ersten Quartal stieg das Gesamtvolumen angekündigter Transaktionen in den USA gegenüber dem Vorjahr um rund 44 Prozent und in Europa um rund 73 Prozent. Gleichzeitig divergierte die Anzahl der Transaktionen regional: Während sie in den USA zunahm, ging sie in Europa zurück. Dies spricht dafür, dass die weitere M&A-Aktivität in Europa zunehmend von größeren Transaktionen geprägt ist. Insgesamt stützen die Daten einen konstruktiven Ausblick für die M&A-Märkte in beiden Regionen im laufenden Jahr, auch vor dem Hintergrund erhöhter geopolitischer Unsicherheit.
Ausschüttungen 2026: Dividendenrendite ist nicht alles
Hohe Dividendenrenditen wirken attraktiv – doch dahinter kann mehr Risiko stecken, als die Kennzahl vermuten lässt: etwa wenn Ausschüttungen nicht aus laufenden Gewinnen, sondern aus der Substanz finanziert werden oder wenn die Rendite nur steigt, weil Kurse zuvor stark gefallen sind. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich erklären, welche Qualitätsmerkmale zählen, wie Dividendenaristokraten einzuordnen sind und warum Fonds helfen können – aber nicht jeden Fallstrick automatisch vermeiden.
Zahl des Tages: 2
Leiden Sie nach längerer Bildschirmzeit unter Symptomen wie schmerzenden Augen und einer verdunkelten Augenpartie? Dann haben Sie vielleicht Bixonimania – eine Krankheit, die Lazljiv Izgubljenovic von der Asteria Horizon University in zwei Online-Preprints beschrieben hat. Doch keine Sorge: Weder die Krankheit noch Izgubljenovic oder seine Hochschule existieren tatsächlich. Die beiden Publikationen waren ein Experiment zur Zuverlässigkeit von KI-Chatbots, das die (reale) Forscherin Almira Osmanovic Thunström von der Universität Göteborg durchgeführt hat. Sie stellte fest: Schon kurz nach Erscheinen der Texte stellten mehrere Chatbots die Diagnose Bixonimania, wenn Nutzer nach entsprechenden Symptomen fragten. Klare Hinweise auf eine Fälschung ignorierten die Modelle – wie den Dank an eine „Professorin der Sternenflottenakademie“ dafür, ihr Labor an Bord der USS Enterprise zur Verfügung gestellt zu haben.
Lassen Sie sich heute nicht hinters Licht führen.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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