14. September 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
Inflationsdaten aus den USA stützen Erwartungen einer Zinserhöhung der Fed, die Dieselpreise in den USA erreichen im Schnitt erstmals 6,06 US-Dollar je Gallone, und die jüngste Leitzinsanhebung der EZB dürfte den positiven Ausblick für europäische Banken nicht gefährden.
Inflationsdaten aus den USA stützen Erwartungen einer Zinserhöhung
Die US-Verbraucherpreise stiegen im August weiter an. Der Verbraucherpreisindex (CPI) erhöhte sich gegenüber dem Vormonat wie erwartet um 0,4 Prozent, nach 0,1 Prozent im Juli. Haupttreiber waren höhere Energiepreise, insbesondere bei Kraftstoffen und Benzin. Die jährliche Inflationsrate blieb bei 3,4 Prozent. Der Kernverbraucherpreisindex ohne Energie und Nahrungsmittel stieg um 0,3 Prozent – stärker als die erwarteten 0,2 Prozent – und signalisiert anhaltenden Preisdruck sowie mögliche Zweitrundeneffekte. In der Folge stiegen die Renditen kurzlaufender US-Staatsanleihen, während langfristige Renditen nachgaben. Der US-Dollar legte gegenüber dem Euro zunächst zu, gab die Gewinne jedoch wieder ab. Für die Fed-Sitzung am Mittwoch preisten die Märkte am Freitagnachmittag eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 87 Prozent ein.
US-Diesel erreicht Rekordpreis: Geopolitik verknappt das Angebot
Die Dieselpreise in den USA sind laut American Automobile Association erstmals auf durchschnittlich 6,06 US-Dollar je Gallone gestiegen.
In Kalifornien werden teils fast acht US-Dollar erreicht. Angebotsausfälle in Russland und im Nahen Osten sowie Störungen in der Straße von Hormus verschärfen die Versorgungslage. Die hohen Preise dürften die Inflation anheizen und vor allem Transport, Bau und Landwirtschaft belasten. Der Regierung bleiben nur begrenzte Möglichkeiten, den Preisanstieg zu bremsen. Weitere Reservefreigaben und Exportbeschränkungen sind im Gespräch, doch letztere könnten das weltweite Angebot zusätzlich verknappen und die Preise weiter erhöhen.
Erhöhtes Zinsniveau stützt Gewinnaussichten europäischer Banken
Die jüngste Leitzinsanhebung der EZB dürfte den positiven Ausblick für europäische Banken nicht gefährden. Zwar können höhere Zentralbankzinsen Konjunktur und Kreditnachfrage belasten, das weiterhin erhöhte Zinsniveau unterstützt jedoch die Ertragskraft der Banken. Die jüngste Berichtssaison untermauerte diese Entwicklung. Die Nettozinserträge legten im Quartalsvergleich durchschnittlich um rund drei Prozent zu und beschleunigten sich damit erneut. Gleichzeitig bleiben Konjunktur und Kreditnachfrage robust. Analysten hoben ihre Gewinnprognosen für die Banken des STOXX 600 erneut an und erwarten für 2027 und 2028 zweistellige Wachstumsraten. Mit einem Zwölf-Monats-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,5 halte ich europäische Banken weiterhin für interessant bewertet.
Portugal verdeutlicht Wachstumspotenzial für Europas Versorger
Der strukturelle Wachstumstrend europäischer Versorger zeigt sich besonders deutlich am Beispiel Portugals. Obwohl Portugal mit Elektrifizierungsraten von rund 33 Prozent in der Industrie und knapp 42 Prozent bei Haushalten bereits zu den stärker elektrifizierten Märkten Europas zählt, besteht weiteres Potenzial. Ein wesentlicher Treiber ist das günstige Verhältnis von Strom- zu Gaspreisen. Konkret kostete eine Kilowattstunde Strom für portugiesische Haushalte 2025 weniger als doppelt so viel wie eine Kilowattstunde Gas – dies begünstigt damit den Umstieg auf strombasierte Heizsysteme wie Wärmepumpen. Zum Vergleich: Deutsche Haushalte zahlten für Strom mehr als dreimal so viel wie für Gas. Analysten erwarten darüber hinaus zusätzliche Nachfrageimpulse durch Elektrofahrzeuge sowie Investitionen in Rechenzentren und Wasserstoffprojekte. Insgesamt erscheinen mir europäische Versorger als attraktive Beimischung. Kurzfristiger Rückenwind durch höhere Energiepreise trifft dabei auf langfristige Wachstumstreiber.
Effiziente Märkte: Mythos oder Realität?
Kapitalmärkte sollen Informationen möglichst schnell und effizient in Preise übersetzen. Gleichzeitig gibt es Unterschiede zwischen hochliquiden Börsenplätzen und weniger effizienten Marktsegmenten, in denen aktive Anleger Chancen suchen. Wie Bewertungen entstehen und welche Rolle Hochfrequenzhandel und Liquidität spielen, analysiere ich im Gespräch mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.
Zahl des Tages: 2.000
Wie beeinflusst die Landnutzung das Leben im Boden und die Bodenqualität? Um diese Frage zu beantworten, gründeten Forscher um Marcel van der Heijden, Agrarökologe an der Universität Zürich, das Citizen-Science-Projekt „Beweisstück Unterhose“. 1.000 Freiwillige vergruben dabei mehr als 2.000 weiße Baumwoll-Unterhosen an Standorten in der ganzen Schweiz. Nach zwei Monaten wurden die Hosen wieder ausgegraben und zur Analyse ins Labor geschickt. Es zeigte sich: Am stärksten zersetzten sich die Unterhosen in Privatgärten, die ideale Bedingungen für Regenwürmer, Bakterien und andere Bodenlebewesen bieten. Die geringste Aktivität wurde dagegen unter Rasenflächen festgestellt. Vergrabene Unterhosen können ein aussagekräftiges Instrument sein, um biologische Prozesse in Böden sichtbar zu machen: Für diese Entdeckung wurden van der Heijden und Kollegen jetzt mit einem Ig-Nobelpreis für kuriose Forschung 2026 ausgezeichnet.
Gehen Sie heute neue Wege.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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