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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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2. November 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die Wirtschaft im Euroraum erweist sich im dritten Quartal trotz hoher Energiepreise als relativ robust, die Preise für Speicherchips dürften auch 2027 weiter steigen, und die Inflationseinschätzung der Bank of Japan signalisiert weitere Zinserhöhungen.

Wirtschaft im Euroraum wächst stärker als erwartet

Die Wirtschaftsaktivität im Euroraum erwies sich im dritten Quartal 2026 trotz hoher Energiepreise als relativ robust. Die Wirtschaft wuchs gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Prozent – nach 1,2 Prozent im zweiten Quartal und stärker als die erwarteten 1,1 Prozent. Gegenüber dem Vorquartal stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent und damit doppelt so stark wie erwartet, nach 0,6 Prozent im zweiten Quartal. Auf Länderebene zeigte sich ein gemischtes Bild: Während Frankreich gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent schrumpfte, wuchsen Deutschland und Spanien um 0,2 beziehungsweise 0,6 Prozent. Irland wies mit 5,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal das stärkste Wachstum im Euroraum auf. Auch ohne Irland deuten die Daten darauf hin, dass weder die hohen Energiepreise noch restriktivere Kreditbedingungen das Wachstum auf Quartalsbasis zwar gedämpft haben könnten, sich die Konjunktur gegenüber dem Vorjahr jedoch allmählich zu erholen scheint.

KI-Hunger hält Chip-Preise hoch

Die Preise für Speicherchips dürften auch 2027 weiter steigen. Marktforscher erwarten, dass das Angebot das ganze Jahr knapp bleibt und die Preise bis ins erste Halbjahr 2028 zulegen. Treiber ist die Nachfrage aus Rechenzentren, die die schwächeren Verkäufe von Smartphones und PCs ausgleichen dürfte. Für besonders leistungsfähige Arbeitsspeicher, die in KI-Chips verbaut werden, rechnen die Marktforscher 2027 mit einem Preisanstieg von im Schnitt über 120 Prozent. Der Umsatz dieses Segments könnte sich damit mehr als verdreifachen. Neue Fabriken dürften erst ab 2028 spürbar zum Angebot beitragen, da geeignete Produktionsflächen fehlen und Fertigungsanlagen lange Lieferzeiten haben. Langfristige Lieferverträge könnten den Preisanstieg zwar dämpfen, sorgen aber für eine gewisse Preis- und Nachfragestabilität. 

Analysten haben ihre Gewinnerwartungen für die Unternehmen im KOSPI – der von Speicherchip-Herstellern geprägt ist – für 2027 und 2028 in den vergangenen drei Monaten um mehr als vier Prozent angehoben.

Bank of Japan: Zinspause mit restriktivem Signal

Die Bank of Japan (BoJ) beließ den Leitzins wie erwartet bei 1,25 Prozent, jedoch signalisiert ihre Inflationseinschätzung weitere Zinserhöhungen. Erstmals seit Einführung des Inflationsziels von zwei Prozent 2013 erklärte die BoJ, die zugrunde liegende Inflation habe das Ziel erreicht. Wegen höherer Ölpreise hob sie ihre Inflationsprognose für das Fiskaljahr 2027 von 2,4 auf 2,6 Prozent an, während sie die Wachstumsprognose von 0,8 auf 0,7 Prozent senkte. An den Terminmärkten wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte im Dezember weiter mit 82 Prozent eingepreist. Der Yen legte nach dem restriktiven Inflationssignal gegenüber dem Euro zu – weitere Zinserhöhungen könnten ihn mittelfristig stützen. Zudem wird die BoJ ihre jährlichen Verkäufe von Aktien-ETFs nahezu verdreifachen, wodurch sich der geschätzte Abbau von 112 auf 43 Jahre verkürzt. Die Verkäufe entsprechen jedoch nur rund 0,1 Prozent des Börsenumsatzes; angesichts des langsamen Tempos erwarte ich hierdurch keine nachhaltigen Marktstörungen.

US-Mittelstand gewinnt bei Private Equity an Bedeutung

Volumen und Anzahl von Transaktionen in nicht-börsennotierte Unternehmen bleiben im aktuellen makroökonomischen Umfeld weltweit hinter den Werten zu Jahresbeginn zurück. Investoren bevorzugen kleinere Unternehmen, die weniger Kapital erfordern. Der US-Mittelstand hat sich in dem Zuge zu einem gefragten Segment entwickelt: Die Anzahl der Transaktionen stieg im letzten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um rund ein Viertel auf über 1.000 Transaktionen. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet steuert das US-Mid-Market-Segment gemessen an der Zahl der Transaktionen somit auf das beste Jahr seit fünf Jahren hin. Fast die Hälfte aller Investitionen in mittelständische US-Unternehmen entfällt seit Jahresbeginn auf Unternehmen, die Produkte oder Services für andere Unternehmen erbringen (B2B). Anleger mit Interesse am US-Mittelstand oder Private Equity sollten Fonds erwägen, die dieses Segment abdecken.

US-Zwischenwahlen: Startschuss für die nächste Börsenrally?

Die US-Zwischenwahlen rücken näher und könnten auch an den Börsen für Bewegung sorgen. Die Vergangenheit zeigt: Nach den Midterms liefen US-Aktien oftmals besonders gut. Gleichzeitig liefern starke Unternehmensgewinne Rückenwind. Auch die Aussichten rund um Künstliche Intelligenz bleiben vielversprechend, werden angesichts hoher Investitionen aber zunehmend kritisch hinterfragt. Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten bleiben ebenfalls bestehen. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich ordnen ein, was die Wahl für die Märkte bedeutet – und ob die Voraussetzungen für eine weitere Börsenrally stimmen.

Zahl des Tages: 4.000.000.000

Auf der Jagd nach der dunklen Energie – einer rätselhaften Energieform, die über zwei Drittel unseres Universums ausmachen könnte – haben Astronomen mit den DESI Legacy Imaging Surveys das größte zweidimensionale Farbbild des Kosmos erstellt. Sie kombinierten dafür mehr als 260.000 Aufnahmen aus drei Himmelsdurchmusterungen. Die Karte zeigt fast vier Milliarden Sterne, Galaxien und andere kosmische Objekte und bildet rund 75 Prozent des Nachthimmels ab. Die hochgenaue Karte soll den Forschern helfen, lohnende Objekte für ihre Messungen ausfindig zu machen. Aber auch Hobbyastronomen und andere Interessierte können sie im Internet ansehen – und eine virtuelle Reise durch ein 5,6 Billionen Pixel großes Bild unseres Universums machen. 

Sehen Sie heute das große Ganze. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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