25. März 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
Steuerrückzahlungen könnten den US-Aktienmarkt stützen, die EU-Kommission will Unternehmensgründungen erleichtern, und die Preise von Industriemetallen reagieren unterschiedlich auf den Nahostkonflikt.
US-Aktien günstiger bewertet
Seit Beginn des Nahostkonflikts zeigte sich der S&P 500 im Vergleich zu europäischen und asiatischen Leitindizes zwar widerstandsfähiger, gab jedoch ebenfalls um rund vier Prozent nach, für Euro‑Investoren um rund zwei Prozent. Auf Bewertungsebene fiel die Korrektur ausgeprägter aus, da Kursrückgänge auf weiterhin steigende Gewinnerwartungen trafen. Entsprechend sank das für die kommenden zwölf Monate erwartete Kurs‑Gewinn‑Verhältnis der S&P-500-Unternehmen überproportional und liegt mit rund 20 bereits knapp 15 Prozent unter dem Niveau von Ende Oktober. Historisch gesehen boten Phasen ähnlicher Bewertungsrückgänge bei gleichzeitig steigenden Gewinnschätzungen im S&P 500 häufig attraktive Einstiegschancen. Stützend für US‑Aktien könnte die bis etwa Ende April andauernde Steuerrückerstattungs-Saison wirken.
Im Zuge der Steuerreform des „One Big Beautiful Bill Act“ werden in diesem Jahr erhöhte Rückzahlungen erwartet, von denen Anleger erfahrungsgemäß einen Teil am Aktienmarkt investieren. Dies dürfte dazu beigetragen haben, dass US-Aktienfonds in der vergangenen Woche die höchsten Zuflüsse seit Jahresbeginn verzeichneten. Gleichwohl dürfte die kurzfristige Aktienmarktentwicklung weiterhin maßgeblich vom Verlauf des Nahostkonflikts geprägt bleiben.
„EU Inc.“ gibt Impulse für Wagniskapital
Am vergangenen Mittwoch hat die Europäische Kommission ein neues rechtliches Rahmenwerk vorgestellt, das „EU Inc.“-Regime. Es soll Gründern in allen 27 EU-Mitgliedstaaten ermöglichen, Unternehmen innerhalb von 48 Stunden vollständig online, ohne Mindestkapital und zu minimalen Kosten zu gründen. Das Rahmenwerk umfasst weiterhin eine EU-weite Besteuerung bei Verkäufen und vereinfachte Insolvenzregeln. Für Start-ups und Geber von Wagniskapital (Venture Capital) kann dies als weiterer Schritt zur Stärkung des europäischen Marktes gesehen werden. Es herrscht Optimismus, doch bleibt auch Skepsis, ob die nötige Rechtssicherheit gegeben ist, um Start-ups europaweit wachsen zu lassen. Anders als die USA verfügt die EU über kein zentrales Rechtssystem, sondern überlässt die Auslegung nationalen Gerichten. Kritiker warnen deshalb vor „27 verschiedenen Varianten“ anstelle eines einheitlichen Standards. Ich bleibe vorbehaltlich der aktuellen Situation im Iran positiv gestimmt für den europäischen Venture-Capital-Markt, der zudem auf Sektorebene und geografisch gut diversifiziert ist.
Argentinien: Aktien als Ölpreis-Hedge
Während die globalen Aktienmärkte infolge steigender Ölpreise aktuell unter Druck stehen, konnte der MSCI Argentina seit Beginn des Nahostkonflikts um rund ein Prozent in Euro zulegen – zwischenzeitlich lag der Index in den vergangenen Tagen sogar rund fünf Prozent im Plus. Damit hat sich der MSCI Argentina zuletzt als relativer Schutz vor steigenden Ölpreisen erwiesen. Zusätzlich begünstigen die jüngsten Strukturreformen in Argentinien Investitionen im Öl‑ und Gassektor, unter anderem durch steuerliche Anreize. Die Regierung verfolgt das Ziel, die Förderung in der rohstoffreichen Region Vaca Muerta mithilfe ausländischer Investitionen auszuweiten. Förderaktivitäten argentinischer Energiewerte erfolgen zudem teilweise in Zusammenarbeit mit europäischen Unternehmen, etwa im Rahmen von Infrastrukturinvestitionen. Diese Kooperationen könnten durch das Inkrafttreten des EU‑Mercosur‑Abkommens zusätzlich begünstigt werden. Risiken bleiben jedoch bestehen: Eine Entspannung im Nahostkonflikt könnte zu sinkenden Ölpreisen führen und den argentinischen Energiesektor kurzfristig durch geringere Erträge belasten. Zudem dürfte die weitere Umsetzung der Strukturreformen in Argentinien mit erhöhter politischer Unsicherheit einhergehen, wodurch die Volatilität am Aktienmarkt zunehmen könnte.
Industriemetalle: Kupfer verliert, Aluminium gewinnt
Seit dem Beginn der Eskalation im Nahostkonflikt bewegen sich die Preise der Industriemetalle in teils unterschiedliche Richtungen. Während Kupfer mehr als acht Prozent unterhalb des Niveaus von Ende Februar und somit zwei Prozent unterhalb des Preises zum Jahresanfang notiert, verteuerte sich Aluminium seit dem Monatsbeginn um rund drei Prozent und seit Jahresbeginn um etwa sieben Prozent. Die Aluminiumpreise werden dadurch gestützt, dass die Sperrung der Straße von Hormus das Angebot aufgrund der unterbrochenen Exporte aus den Nahostländern spürbar verknappt. Die Kupferpreise leiden hingegen darunter, dass die Finanzmärkte aufgrund der kräftig angestiegenen Erdöl- und Erdgaspreise negative Auswirkungen auf die globale Industrieproduktion und Konjunktur und somit eine verringerte Nachfrage nach dem roten Metall befürchten. Hinweise darauf gibt auch die Positionierung spekulativ orientierter Anleger an der Londoner Metallbörse LME. Die Netto-Kaufpositionen in Termingeschäften und Optionen stiegen für Aluminium vergangene Woche auf ein Rekordhoch, wohingegen die entsprechenden Positionen für Kupfer auf ein Zwei-Jahres-Tief fielen. Wie bei den meisten Sektoren an den Finanzmärkten dürften sich die Kursbewegungen bei den Industriemetallen schnell umkehren, sobald sich eine Deeskalation im Nahen Osten abzeichnet.
Börsen fahren Achterbahn
Der Irankrieg bleibt das bestimmende Thema an den Finanzmärkten. Hohe Energiepreise, die gesperrte Straße von Hormus und die Sorgen um die Weltwirtschaft belasten die Stimmung an den Märkten, die Schwankungen bleiben hoch. Wie Anleger damit umgehen sollten, welche Risiken, aber auch Chancen es gibt, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge meines Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.
Was diese Woche wichtig wird
Im Laufe der Woche, Berichtssaison
- USA | Aus dem S&P 500 berichten Carnival, Cintax und Paychex.
- Europa | Aus dem STOXX 600 legen 16 Unternehmen ihre Geschäftsberichte vor, darunter H&M, Terna, CTS Eventim und NEXT.
- Asien | Aus China berichten unter anderem Ping An Insurance, Industrial & Commercial Bank, Petrochina, Meituan, BYD und Xiaomi.
Zahl des Tages: 20–30
Steigende Meeresspiegel sind ein zwar bekanntes, aber möglicherweise unterschätztes Problem. Darauf weist eine Metastudie hin, die Katharina Seeger und Philip Minderhoud von der niederländischen Universität Wageningen vorgelegt haben. Die Forscher nahmen 385 Veröffentlichungen zu Küstenschutz und Klimafolgen unter die Lupe und stellten fest: Aufgrund methodischer Fehler haben Risikoanalysen die Höhe des Meeresspiegels bislang im Schnitt um 20 bis 30 Zentimeter unterschätzt. In Teilen Südostasiens liegen die Pegel sogar um einen Meter höher als gedacht. Wenn Seeger und Minderhoud recht haben, leben heute schon zwischen 55 und 101 Millionen Menschen in Gebieten unterhalb des Meeresspiegels – frühere Schätzungen hatten die Zahl von zehn bis 15 Millionen ergeben.
Bleiben Sie heute obenauf.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.
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