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3. September 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

das US-Repräsentantenhaus verabschiedet einen Übergangshaushalt, europäische Gesundheitsaktien bleiben trotz guter Geschäftszahlen hinter dem Gesamtmarkt zurück, und Reeder könnten länger als erwartet von den gestiegenen Frachtraten profitieren.

US-Übergangshaushalt verabschiedet: Finanzierung der US-Regierung bis Dezember gesichert

Das US-Repräsentantenhaus verabschiedete am Dienstag mit 370 zu 48 Stimmen einen Übergangshaushalt, nachdem der Senat bereits Anfang August zugestimmt hatte. Damit ist die Finanzierung der US-Bundesregierung bis zum 11. Dezember gesichert und ein Regierungs-Shutdown zum Beginn des neuen Haushaltsjahrs am 1. Oktober verhindert. Die Haushaltsverhandlungen für das Fiskaljahr 2027 werden auf die Zeit nach den Kongresswahlen Anfang November verschoben. Kurzfristig richtet sich der Blick der Märkte weiter auf die gestiegenen Renditen für US-Staatsanleihen. Mittelfristig könnten die Budgetverhandlungen sowie das Erreichen der US-Schuldengrenze von 41,1 Billionen US-Dollar – voraussichtlich im ersten Quartal 2027 – an Bedeutung gewinnen.

Gute Zahlen reichen nicht: Europas Gesundheitssektor bleibt zurück

Europäische Gesundheitsunternehmen übertrafen in der jüngsten Berichtssaison häufiger die Umsatz- und Gewinnerwartungen als im Vorquartal. Entsprechend haben sich die Gewinnerwartungen der Analysten zuletzt aufgehellt. Dennoch blieb der Sektor in den vergangenen zwei Monaten hinter dem Gesamtmarkt zurück. 

Grund dafür dürfte die zuletzt niedrigere Erfolgsquote klinischer Studien sein. Ab dem Beginn des kommenden Jahrzehnts laufen zunehmend Patente und Exklusivrechte aus, wodurch Pipeline- und Studiendaten für Marktteilnehmer stärker in den Fokus rücken. Die Bewertungen dürften den Sektor jedoch stützen: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,5 auf Basis der erwarteten Gewinne der kommenden zwölf Monate handeln die STOXX-600-Gesundheitswerte unter ihrem Zehn-Jahres-Durchschnitt und mit einem historisch hohen Abschlag von knapp 20 Prozent gegenüber ihren US-Pendants.

Tankermarkt bleibt auf Kurs: Analysten sehen Potenzial bis 2027

Reeder könnten länger als erwartet von den gestiegenen Frachtraten profitieren. Viele Marktteilnehmer erwarten zwar, dass der aktuelle Aufschwung 2026 seinen Höhepunkt erreicht. Teile der Analystengemeinschaft sehen jedoch Potenzial für eine Verlängerung des Zyklus bis 2027. Als mögliche Ursachen gelten anhaltende Störungen wichtiger Schifffahrtsrouten, längere Transportwege für Rohöl und die notwendige Wiederauffüllung der Lagerbestände nach den jüngsten Lieferunterbrechungen. Gleichzeitig bleibt das Angebot neuer Tanker trotz geplanter Flottenausweitungen begrenzt, da Verschrottungen älterer Schiffe und sinkende Flotteneffizienz den Kapazitätszuwachs teilweise kompensieren. Entscheidend wird jedoch sein, ob die Nachfrage nach Öltransporten robust bleibt und sich die globalen Handelsrouten nicht schneller normalisieren als derzeit angenommen.

Steigende Zinsen stützen japanische Finanzwerte

Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen ist zu Wochenbeginn auf drei Prozent gestiegen – den höchsten Stand seit rund drei Jahrzehnten. Dies spiegelt die Normalisierung der Geldpolitik wider: Der Terminmarkt preist für die Sitzung der Bank of Japan am 18. September mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Leitzinserhöhung von 1,00 auf 1,25 Prozent ein. Davon dürften japanische Banken profitieren – denn höhere Zinsen können ihre Zinsmargen und Nettozinserträge steigern. Zugleich sprechen steigende Eigenkapitalrenditen und das wachsende Interesse internationaler Investoren für den Sektor. Analysten erhöhten ihre Gewinnprognosen für Finanzunternehmen im MSCI Japan für die Fiskaljahre 2026 und 2027 binnen drei Monaten um 8,7 und 7,0 Prozent. Das erwartete Gewinnwachstum liegt nun bei 11,5 und 8,6 Prozent.

Steigende Renditen, starke Börsen: Kommt das Anleihen-Comeback?

Einmal im Jahr richtet sich der Blick der Finanzmärkte nach Jackson Hole. Diesmal haben die Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh neue Spekulationen über eine US-Zinserhöhung ausgelöst. Was bedeuten steigende Anleiherenditen für die weiterhin starken Aktienmärkte? Und erleben Anleihen jetzt ihr Comeback? Das erfahren Sie von Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und mir in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 15

Kein Alkohol am Steuer, das versteht sich von selbst. Aber muss es künftig auch heißen: Taylor Swift gefährdet Ihre Gesundheit? Vishal Patel von der Harvard Medical School und sein Team haben tödliche Autounfälle in den USA von 2017 bis 2022 ausgewertet und mit den Erscheinungsdaten der zehn meistgestreamten neuen Musikalben verglichen. Sie stellten fest: Am Tag, an dem ein populäres Album herauskam, stieg die Zahl der Verkehrstoten in den USA um 15 Prozent. Nun ist Korrelation noch keine Kausalität. Aber nach Ausschluss anderer Faktoren – wie Wetter und Alkohol – kommen die Forscher zu dem Schluss, dass sich vor allem jüngere und männliche Fahrer von neuen Musiktiteln signifikant ablenken lassen. 

Ich wünsche Ihnen einen aufmerksamen Tag.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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