23. April 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
der designierte US-Notenbankchef Kevin Warsh betont die Unabhängigkeit der Fed, Mexikos Berichtssaison wird von starken Rohstoffgewinnen und schwacher Industrie geprägt, und autonome Fahrzeuge gewinnen dank sinkender Kosten und steigender Akzeptanz weltweit an Marktanteilen.
Anhörung im US Senat: Warsh betont Fed-Unabhängigkeit und vorsichtige Bilanzpolitik
Der designierte Fed-Chef Kevin Warsh trat in seiner Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats betont vorsichtig auf. Zu möglichen Zinsschritten äußerte er sich nicht konkret, verwies aber auf den klaren Vorrang der Preisstabilität. Deutlich wurde er bei der Bilanzpolitik: Er kritisierte die intensive Nutzung von Anleihekäufen in den vergangenen Jahren und sprach sich für eine behutsame, schrittweise Verkleinerung der Notenbankbilanz aus, abgestimmt mit dem Finanzministerium. In der Kommunikation plädierte er für weniger öffentliche Vorfestlegungen einzelner Mitglieder und für offenere Entscheidungen mit mehr Debatte und sichtbarem Dissens. Ob weiterhin regelmäßige Projektionen zum künftigen Zinskurs veröffentlicht werden, ließ er offen. Warsh betonte mehrfach die Unabhängigkeit der Notenbank und erklärte, es habe keine Zusagen an Präsident Donald Trump zu Zinssenkungen gegeben. Ein Zeitplan für die Abstimmung im Ausschuss steht noch aus. Nach aktuellem Plan soll Warsh Mitte Mai Jerome Powell ablösen, der am kommenden Mittwoch voraussichtlich letztmals eine Sitzung als Fed-Vorsitzender leiten wird.
Berichtssaison Mexiko: Rohstoffgewinne erwartet, Industriegewinne unter Druck
Mit Blick auf die anstehende Berichtssaison für das erste Quartal zeigt sich am mexikanischen Aktienmarkt ein differenziertes Bild. Die branchenübergreifenden Erwartungen an das Gewinnwachstum wurden zuletzt leicht auf rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zurückgenommen.
Am besten positioniert sind Rohstoffunternehmen, die gut ein Viertel der Marktkapitalisierung der Börse in Mexiko-Stadt stellen: Begünstigt durch hohe Preise und niedrige Vergleichswerte wird hier ein Gewinnplus von 28 Prozent erwartet. Dagegen dürften die Profite bei Titeln des Basiskonsums sowie im Finanzsektor, die zusammen rund 45 Prozent der Marktkapitalisierung ausmachen, im Jahresvergleich weitgehend stagnieren. Industriewerte bilden mit einem prognostizierten Gewinnrückgang von knapp 20 Prozent das Schlusslicht. Der Ausblick fällt etwas konstruktiver aus: Über die kommenden vier Quartale erwarten Analysten für Mexikos Aktienunternehmen Gewinnzuwächse von 13 Prozent, was einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,9 und damit einem leichten Abschlag auf den Zehn-Jahres-Durchschnitt entspricht. Belastungsfaktor bleiben kurzfristig die anstehenden Neuverhandlungen des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA, die bei einem erfolgreichen Abschluss jedoch mittelfristig Kurspotenzial eröffnen könnten.
Autonome Fahrzeuge: Kommerzialisierung beschleunigt sich
Die Kommerzialisierung von Robotaxis und anderen autonomen Fahrzeugen gewinnt in China und den USA an Tempo. Jüngste technologische Fortschritte haben Sicherheit, Zuverlässigkeit und Skaleneffekte verbessert, während Kostenvorteile gegenüber konventionellen Taxis die Marktausweitung unterstützen. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung nimmt zu: Rund zwei Drittel der US-Verbraucher würden grundsätzlich eine Fahrt mit einem Robotaxi in Erwägung ziehen. Mit zunehmender Reife der Technologie und weiter steigender Kosteneffizienz dürfte sich die Nutzung ausweiten und die globale Nachfrage zunehmen. Analysten erwarten, dass der Anteil von Robotaxis am Ride-Hailing-Markt in den USA von rund einem Prozent im Jahr 2025 auf rund acht Prozent im Jahr 2030 steigt, in China im gleichen Zeitraum von 0,3 auf rund 12 Prozent. Vor diesem Hintergrund könnte es für Anleger interessant sein, den Markt aufmerksam zu beobachten, um selektive Einstiegsmöglichkeiten zu identifizieren, insbesondere bei Automobilherstellern, die bereits über die technologische Basis und die erforderlichen Lieferketten verfügen, um ihre Produktion mit zunehmender Marktskalierung auf autonome Fahrzeuge auszuweiten.
Schlusslicht in Asien: indonesische Aktien stark unter Druck
Indonesische Aktien verzeichnen mit minus 14 Prozent in Euro seit Jahresbeginn die schwächste Wertentwicklung unter den asiatischen Schwellenländern. Zum einen wirkt sich die hohe Abhängigkeit des Landes von Ölimporten belastend aus. Steigende Ölpreise erhöhen Energie‑ und Transportkosten und setzen die Margen sowie die Gewinnerwartungen vieler Unternehmen unter Druck. Zum anderen hat die Warnung des Indexanbieters MSCI vor geringer Streubesitzquote, eingeschränkter Markttransparenz und möglichen Indexanpassungen das Vertrauen internationaler Anleger beeinträchtigt und in den vergangenen Monaten zu deutlichen Kapitalabflüssen geführt. In der Folge notierte die Indonesische Rupiah im laufenden Monat mehrfach auf neuen Rekordtiefs gegenüber dem US‑Dollar. Vor diesem Hintergrund beließ die Notenbank Indonesiens den Leitzins gestern bei 4,75 Prozent und kündigte an, die Landeswährung entschlossen verteidigen zu wollen. Im Zuge der Kurskorrekturen hat sich der Bewertungsabschlag der Börse in Jakarta gegenüber dem Zehn‑Jahres‑Durchschnitt seit Jahresbeginn von 17 auf 26 Prozent ausgeweitet, was sich für mittelfristig orientierte Anleger als Einstiegsmöglichkeit erweisen könnte. Kurzfristig bleiben die Unsicherheiten in der Golfregion und die fragile Währung zentrale Risiken.
Ausschüttungen 2026: Dividendenrendite ist nicht alles
Hohe Dividendenrenditen wirken attraktiv – doch dahinter kann mehr Risiko stecken, als die Kennzahl vermuten lässt: etwa wenn Ausschüttungen nicht aus laufenden Gewinnen, sondern aus der Substanz finanziert werden oder wenn die Rendite nur steigt, weil Kurse zuvor stark gefallen sind. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich erklären, welche Qualitätsmerkmale zählen, wie Dividendenaristokraten einzuordnen sind und warum Fonds helfen können – aber nicht jeden Fallstrick automatisch vermeiden.
Zahl des Tages: 780
Die vielleicht abgelegenste Bibliothek der Welt hat die Koordinaten 70°40,8′ Süd, 08°16,2′ West – sie liegt in der Antarktis, unweit der deutschen Polarforschungsstation Neumayer III. Seit gut 20 Jahren birgt der leuchtend grüne 20-Fuß-Container, ein Projekt des Kölner Künstlers Lutz Fritsch, einen gemütlichen Leseraum im ewigen Eis. Die rund 780 Bände der Südpol-Bücherei wurden von prominenten Spendern signiert und mit persönlichen Widmungen versehen. Wer weiß, vielleicht zieht es ja am heutigen Welttag des Buches einige Forscher in die Bibliothek, um bei minus 20 Grad Außentemperatur in den Bänden zu blättern.
Finden Sie heute etwas Zeit für sich.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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