19. Mai 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
der Ausverkauf am US-Anleihemarkt setzt sich fort, die Berichtssaison der DAX-Unternehmen für das erste Quartal fällt insgesamt solide aus, und Chinas Konjunktur verliert deutlich an Schwung.
Ausverkauf am US-Anleihemarkt – bislang ohne Stresssignale
Der Ausverkauf am US-Anleihemarkt setzt sich fort: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt aktuell bei knapp 4,6 Prozent – zu Beginn der Golfkrise waren es noch rund 3,9 Prozent. Treiber sind gestiegene Inflationserwartungen infolge der angespannten Lage am Energiemarkt sowie anhaltende fiskalische Unsicherheiten angesichts hoher Staatsverschuldung. Auffällig ist jedoch, dass der MOVE-Index – ein Maß für die erwartete Volatilität von US-Staatsanleiherenditen – zuletzt zwar angezogen hat, sich aber weiterhin unter dem Stressniveau früherer Marktphasen bewegt. Dies deutet darauf hin, dass die Renditebewegung bislang vom Markt als geordnet wahrgenommen wird. Anders als in früheren Stressphasen fehlen bislang deutliche Anzeichen für Liquiditätsengpässe, Zwangsverkäufe oder eine signifikante Ausweitung der Risikoaufschläge. Gleichwohl besteht das Risiko, dass die Volatilität zeitverzögert anzieht, sollte sich der Renditeanstieg stark beschleunigen. Dies könnte etwa der Fall sein, wenn die Erwartungen an eine mittelfristige Wiederöffnung der Straße von Hormus kippen. In Abwesenheit einer solchen Entwicklung könnten die erhöhten Renditen jedoch Einstiegschancen in den US-Anleihemarkt bieten.
Berichtssaison Deutschland: Finanzen glänzen, Industrie bremst
Die Berichtssaison der DAX-Unternehmen für das erste Quartal fällt insgesamt solide aus: Die Gewinne stiegen im Vorjahresvergleich um rund fünf Prozent – der stärkste Zuwachs seit zwei Jahren. Das Wachstum bleibt jedoch uneinheitlich. Den Löwenanteil trug der Finanzsektor bei, der einen Gewinnanstieg von über 30 Prozent erzielte, während Chemie-, Automobil- und Industriewerte die Vorjahresergebnisse nicht übertreffen konnten. Im Schnitt lagen die Gewinne der DAX-Konzerne rund drei Prozent über den Erwartungen der Analysten. Vorausschauend halten die meisten Unternehmen an ihren Prognosen fest – sie deuten jedoch an, ihre Schätzungen nach unten korrigieren zu müssen, sollten sich die hohen Energiepreise im Zuge des Iran-Konflikts bis in die zweite Jahreshälfte fortsetzen. Die Analysten nehmen die Risiken zunehmend in ihre Prognosen auf. Ihre Schätzungen für das Gewinnwachstum des Gesamtjahres belaufen sich nun im Schnitt auf rund sechs Prozent – zu Beginn des Jahres hatten sie noch bei rund 13 Prozent gelegen. Der Gegenwind für die globale Wirtschaft und der Anstieg der Energiepreise belasten die Gewinnprognosen.
Damit dürfte die Entwicklung des DAX weiterhin maßgeblich von Dauer und Verlauf des Iran-Konflikts geprägt sein.
KI-Boom verändert Finanzierung der US-Hyperscaler
Der Investitionsboom rund um Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Finanzierungsprofile von US-Hyperscalern. Für dieses Jahr werden branchenweit mehr als 700 Milliarden US-Dollar an KI-Investitionen erwartet, nach 410 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Die hohen Ausgaben für die Erweiterung der KI-Infrastruktur werden zunehmend über internationale Anleihemärkte finanziert. Neben dem Heimatmarkt werden auch Euro, Kanadischer Dollar, Schweizer Franken und Yen erschlossen. Für internationale Investoren bietet sich die Möglichkeit, Zugang zu den starken Bonitätsprofilen von US-Tech-Giganten zu erhalten, ohne dabei einem Fremdwährungsrisiko ausgesetzt zu sein. Zudem sprechen kräftig wachsende Cloud-Umsätze im hohen zweistelligen Prozentbereich für Erträge aus den hohen KI-Ausgaben. Steigende Preise für KI-Token deuten darauf hin, dass sich die Monetarisierung der neuen Infrastruktur verbessert. Die Fähigkeit, die hohen Investitionen zu tragen, stützt diese Entwicklungen. Euro-denominierte Technologieanleihen bieten eine attraktive Verzinsung von rund 3,7 Prozent bei gleichzeitig hoher Emittentenqualität.
Chinas Konjunktur verliert spürbar an Schwung
In China hat die Konjunktur zum Auftakt des zweiten Quartals deutlicher als erwartet an Schwung verloren. Belastend wirkten insbesondere die gestiegenen Ölpreise für energieintensive Sektoren sowie die weiterhin schwache Binnennachfrage. Im April stagnierten die Einzelhandelsumsätze im Zuge auslaufender staatlicher Kaufanreize nahezu mit einem Plus von nur 0,2 Prozent im Jahresvergleich. Demgegenüber blieb die Wachstumsdynamik im Dienstleistungssektor trotz einer Abschwächung von 5,0 auf 4,3 Prozent robust. Ein ähnliches Bild zeigt die Industrieproduktion, deren Wachstum von 5,7 auf 4,1 Prozent zurückging. Auffällig sind die divergierenden Wachstumspfade innerhalb der Industrie: Während die Gesamtproduktion an Dynamik verliert, entwickeln sich Zukunftsbranchen wie Erneuerbare Energien, Maschinenbau und Technologie überdurchschnittlich – gestützt durch die globale KI-Investitionswelle und die Resilienz chinesischer Lieferketten. Für Aktienanleger spricht dies weiterhin für einen selektiven Ansatz mit Fokus auf strukturelle Wachstumsthemen wie Energiesicherheit, KI und Robotik anstelle einer breit angelegten, makrogetriebenen Positionierung.
Kurstreiber Berichtssaison: Rekorde trotz Krisen
Rekordstände an den Aktienmärkten – und das mitten in anhaltenden Krisen. Während Nahostkonflikt, Inflation und hohe Energiepreise für Unsicherheit sorgen, liefert die Berichtssaison Argumente für Optimismus. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich erklären, warum vor allem Künstliche Intelligenz und Technologie die Kurse treiben und worauf Anleger jetzt achten sollten.
Zahl des Tages: 57.183
Ein verlangsamtes Gehen könnte auf Hörprobleme hinweisen. Das impliziert eine Studie, die von der University of Michigan zusammen mit einem großen IT-Konzern durchgeführt wurde. Die Untersuchung basiert auf den Daten von 57.183 Handynutzern, die ihre Gehgeschwindigkeit per App aufgezeichnet und zudem einen Hörtest gemacht hatten. Sie zeigt eine signifikante Korrelation zwischen Hörvermögen und Gehtempo, und zwar in allen Altersgruppen. Die Ursachen sind noch nicht ganz klar – möglicherweise ist das Gehirn bei Schwerhörigkeit so beschäftigt damit, Geräusche wahrzunehmen, dass der Gang unsicherer und damit langsamer wird.
Kommen Sie heute gut voran.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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