06. Oktobter 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
der Euro fällt zeitweise auf ein 17-Monats-Tief zum US-Dollar, die Märkte in Spanien reagieren kaum auf die Wahlankündigung, und der indische Aktienmarkt verliert weiter an Boden.
Euro-Schwäche: kein Krisenszenario eingepreist
Nicht nur zum Schweizer Franken, sondern auch zum US-Dollar geriet der Euro in den vergangenen Tagen zunehmend unter Druck: Zum Wochenauftakt fiel unsere Gemeinschaftswährung um rund 0,8 Prozent auf 1,1161 US-Dollar je Euro, das tiefste Niveau seit 17 Monaten. Zu den Sorgen über Frankreichs Haushaltsdefizit und die politischen Unsicherheiten vor den französischen Präsidentschaftswahlen im April 2027 gesellten sich zum Wochenstart weitere Unwägbarkeiten aufgrund der für Ende November ausgerufenen Neuwahlen in Spanien hinzu. Diese Gemengelage dämpft die Erwartungen an künftige Zinserhöhungen der EZB, zumal EZB-Chefvolkswirt Philip Lane darauf verwies, dass die Kapitalmärkte der EZB einen Teil der Arbeit abnehmen. Auch die Währungsoptionsmärkte üben weiterhin Druck auf den Euro aus: Strukturen, die auf eine weitere Abwertung des Euro innerhalb der kommenden zwölf Monate setzen, waren so stark nachgefragt wie zuletzt im März 2025. Im Laufe des gestrigen Tages verengte sich dann jedoch der Renditeaufschlag zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen, auch der Euro konnte sich von den Tagestiefs erholen. Festzuhalten ist außerdem, dass der Renditeaufschlag von den Höchstständen zur Zeit der Staatsschuldenkrise Ende 2011 noch deutlich entfernt ist. Dies spricht dafür, dass Anleger derzeit vor allem erhöhte Unsicherheit absichern statt bereits ein Krisenszenario einzupreisen.
Frankreich: erhöhte Volatilität am Anleihemarkt
Frankreich steht momentan im Fokus der Finanzmärkte. Die Renditedifferenz zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen weitete sich zuletzt auf den höchsten Stand seit rund 15 Jahren aus, da Investoren aufgrund der angespannten Haushaltslage höhere Risikoaufschläge verlangen. Der Druck auf französische Vermögenswerte spiegelt vor allem die politische Unsicherheit im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im kommenden Frühjahr wider und keinen akuten wirtschaftlichen Einbruch. Kurzfristig dürfte die Volatilität besonders am Anleihemarkt erhöht bleiben. Anders als während der Eurokrise sind jedoch viele Banken heute deutlich besser kapitalisiert. Zugleich sind aufgrund der geringeren Bestände an Staatsanleihen die Verflechtungen zwischen Staats- und Bankrisiken geringer. Anleger sollten daher die Situation in Ruhe betrachten und keine voreiligen Schlüsse ziehen. Vielmehr könnten die deutlich gestiegenen Risikoaufschläge bei einer Stabilisierung der politischen Lage wieder zurückgehen. Nach den Kursverlusten bei französischen Staatsanleihen könnten sich die Kurse wieder erholen.
Spanien: Neuwahlen lassen die Märkte kalt
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hat für den 29. November vorgezogene Parlamentswahlen angesetzt. Auslöser war die Ablehnung zentraler Wohnungsdekrete durch das fragmentierte Parlament, begleitet von landesweiten Protesten. Anders als in Frankreich, wo die politische Unsicherheit zuletzt zu höheren Risikoaufschlägen führte, dürften die Auswirkungen auf spanische Staatsanleihen begrenzt bleiben. Dafür sprechen das robuste nominale Wirtschaftswachstum und die vergleichsweise solide Entwicklung der Staatsfinanzen. Der Internationale Währungsfonds erwartet 2026 einen leicht positiven Primärsaldo, also einen Haushaltsüberschuss vor Zinszahlungen. Zugleich soll die Staatsschuldenquote 2026 unter 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken. Insgesamt zeigten sich die Finanzmärkte unbeeindruckt: Spanische Staatsanleihen notierten weitgehend stabil, während der IBEX-Leitindex auf die Ankündigung kaum reagierte.
Börse Mumbai setzt Verlustserie fort
Mit acht Verlustwochen in Folge verzeichnet der indische Aktienindex Nifty 50 seine längste wöchentliche Verlustserie seit 25 Jahren. Aus Sicht von Euro-Anlegern verlor der Index seit Jahresbeginn rund 16 Prozent. Ausländische Investoren zogen bereits mehr Kapital ab als im gesamten Vorjahr. Hohe Ölpreise, die schwache Rupie, steigende US-Anleiherenditen und anhaltende Verkäufe ausländischer Investoren belasten den Markt. Zudem dürfte die indische Notenbank aufgrund der erhöhten Inflation den Leitzins auf ihrer nächsten Sitzung am 7. Oktober deutlich anheben: Am Markt wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Zinsanhebung um 50 Basispunkte eingepreist. Auch die KI-getriebene Tech-Rally, die derzeit viele asiatische Indizes stützt, dürfte dem indischen Markt wegen der geringen Gewichtung des Technologiesektors nur begrenzt zugutekommen. Eine nachhaltige Erholung ist wohl erst bei sinkenden Ölpreisen und nachlassenden Kapitalabflüssen zu erwarten.
Allzeithoch trotz Renditegegenwind
Trotz kräftiger Turbulenzen an den Anleihemärkten notieren viele Aktienindizes nahe ihren Allzeithochs. Sind die Investoren zu sorglos oder gibt es gute Gründe für diese Entwicklung? Und bleiben Aktien in privaten Anlageportfolios weiterhin alternativlos? Darüber sprechen Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.
Was diese Woche wichtig wird
Im Laufe der Woche, Berichtssaison
- USA | Aus dem S&P 500 berichten PepsiCo, Delta Air Lines und Constellation Brands.
- Europa | Aus dem STOXX 600 berichten Tesco, Industrivärden und Tryg.
- Asien | Aus Japan legt unter anderem Fast Retailing Zahlen vor, aus Indien berichtet Tata Consultancy Services (TCS).
- Mittwoch, Deutschland | Industrieproduktion im August. Im Median prognostizieren Analysten einen Anstieg um 1,0 Prozent gegenüber dem Vormonat. Der überraschend schwache Juli (minus 1,1 Prozent) wäre damit weitgehend ausgeglichen. Mit Blick nach vorn werden wohl auch die bereits am Vortag veröffentlichten Auftragseingänge relevant sein. Nach dem vor allem von Großaufträgen getragenen Anstieg um 2,5 Prozent im Juli wird für August ein Rückgang um 1,0 Prozent zum Vormonat erwartet. Insgesamt mehren sich jedoch die Anzeichen, dass die deutsche Industrie die Talsohle hinter sich lässt. Darauf deuten auch die jüngsten Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe hin, die im September sowohl bei der Produktion als auch bei den Neuaufträgen eine fortgesetzte Belebung signalisierten.
- Freitag, USA | Universität von Michigan, Index der US-Konsumenten für Oktober. Analysten erwarten im Median einen leichten Rückgang von 48,1 auf 48,0 Punkte. Der seit Juli zu beobachtende Abwärtstrend würde sich damit fortsetzen. In der vergangenen Umfrage belasteten vor allem die deutlich gestiegenen Verbraucherpreise und die damit verbundenen Sorgen um die Kaufkraft die Einschätzung der aktuellen finanziellen Lage sowie der wirtschaftlichen Aussichten der US-Haushalte. Besonderes Augenmerk gilt erneut den Inflationserwartungen, die zuletzt sowohl im Ein-Jahres-Bereich auf 4,6 Prozent als auch im Fünf-Jahres-Horizont auf 3,4 Prozent gestiegen waren. Setzt sich dieser Aufwärtstrend fort, könnte der Druck auf die US-Notenbank zunehmen, einem möglichen Entankern der Inflationserwartungen entgegenzuwirken.
Zahl des Tages: 8.400
Zahl des Tages: 8.400 Die japanischen Astrophysiker Noriharu Watanabe und Norio Narita von der Universität Tokio haben einen seltsamen Exoplaneten in über 800 Lichtjahren Entfernung entdeckt – und nur noch wenige Jahre Zeit für seine Erforschung. TOI-1355b ist ein „heißer Jupiter“: ein Gasriese, der seinen Mutterstern auf einer ungewöhnlichen elliptischen Bahn umkreist. Auf der Oberfläche von TOI-1355b wird es mit 8.400 Grad Celsius deutlich heißer als auf unserer Sonne. Kein Wunder: Der Gasriese kommt seinem Stern extrem nah und umrundet ihn in nur zwei Erdtagen. Um mehr über dieses exotische Objekt herauszufinden, müssen die Forscher sich beeilen. Denn Exoplaneten sind viel zu klein, um von der Erde aus direkt gesehen zu werden; sie lassen sich nur beobachten, wenn sie vor ihrem Stern vorbeiziehen. Da sich die Umlaufbahn von TOI-1355b allmählich verschiebt, wird er 2033 für Jahrhunderte aus unserem Blickfeld verschwinden.
Drücken Sie heute aufs Tempo.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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