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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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01. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

ein schwacher Yen stützt Japans Exporte, der S&P 600 erklimmt ein Allzeithoch, und die Hoffnung auf Entspannung im Iran-Konflikt lässt die Aluminiumpreise fallen. 

China: Elektronikindustrie verdoppelt Gewinne 

Die Gewinne chinesischer Industrieunternehmen stiegen in den ersten fünf Monaten des Jahres um 18,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark legten erneut Branchen zu, die auf Pekings strategischer Prioritätenliste weit oben stehen. Getrieben vom globalen Boom im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und der hohen Nachfrage nach Speicherchips verdoppelten Elektronikhersteller ihre Gewinne gegenüber dem Vorjahreszeitraum, Hightech-Unternehmen verzeichneten mit plus 45 Prozent ebenfalls kräftige Gewinnzuwächse. Dank hoher Preise und einer anhaltend starken Nachfrage nach Industriemetallen verdoppelten auch Rohstoffproduzenten ihre Gewinne zwischen Januar und Mai. Deutlich schwächer entwickelten sich dagegen konsumnahe Industriezweige, die weiterhin unter begrenzter Preissetzungsmacht und einer verhaltenen Binnennachfrage leiden. Der jüngste Rückgang des Ölpreises dürfte den Kostendruck in energieintensiven und margenarmen Bereichen zwar mindern, an der Zweiteilung der Gewinnentwicklung jedoch wenig ändern. Die industrielle Modernisierung, Pekings Förderprogramme im Rahmen der „KI plus“-Strategie sowie der weltweite Ausbau digitaler Infrastruktur sprechen für anhaltend überdurchschnittliche Gewinnzuwächse bei Chinas technologie- und anlagenorientierten Industrieunternehmen.

Japan: Yen bleibt unter Abwertungsdruck  

Der japanische Yen wertete gestern auf rund 162,50 je US-Dollar ab und fiel damit auf das niedrigste Niveau seit Dezember 1986. Die Yen-Schwäche ist primär auf die anhaltend hohen Zinsdifferenzen zurückzuführen, da der Leitzins der Bank of Japan trotz der Erhöhung Mitte Juni mit 1,0 Prozent weiterhin deutlich unterhalb des Zinsniveaus der USA und der meisten Industrieländer liegt. Der Abwertungsdruck auf den Yen verstärkte sich, nachdem die US-Notenbank Fed Mitte Juni geldpolitisch stark restriktive Signale ausgesendet hatte. Neue staatliche Ausgabenprogramme zur Dämpfung der im zweiten Quartal erhöhten Kosten für Energierohstoffe haben einen weiteren Anstieg der bereits sehr hohen Schuldenquote Japans zur Folge, was den Yen zusätzlich belastet. Von Devisenmarktinterventionen hält die Bank of Japan momentan Abstand, da aufgrund der breit gefächerten US-Dollar-Stärke eine Erholung des Yen nicht nachhaltig sein dürfte. Zudem stützt der schwache Yen exportorientierte Sektoren. Vermutlich müssten sich die US-Konjunkturdaten verschlechtern beziehungsweise die US-Inflation sinken, um die Zinserwartungen an die amerikanische Notenbank zu drücken, bevor der Yen moderat zum US-Dollar aufwerten kann.

Sinkender Ölpreis: US-Nebenwerte mit Potenzial 

US-Nebenwerte haben in den vergangenen Wochen erneut relative Stärke gezeigt. Der S&P Small Cap 600 gewann seit Mitte Juni gegenüber dem US-Leitindex S&P 500 rund drei Prozent und erreichte jüngst ein neues Allzeithoch. Rückenwind kam von sinkenden Ölpreisen, von denen insbesondere die stärker binnenorientierten Nebenwerte profitieren. Die Verbreiterung der US-Aktienmarktentwicklung – seit Ende März wurde die Performance vor allem von großen Technologiewerten getragen – könnte Bestand haben, sofern sich die Lage rund um die Straße von Hormus weiter stabilisiert. Mit einem vorausschauenden Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 16 handeln die Aktien des S&P Small Cap 600 mit einem Bewertungsabschlag von über 20 Prozent gegenüber dem S&P 500. Zum Vergleich: Zwischen 2005 und 2020 handelten sie im Durchschnitt mit einer Bewertungsprämie von knapp 19 Prozent gegenüber dem US-Leitindex. Vor diesem Hintergrund weisen US-Nebenwerte weiterhin Aufholpotenzial auf.

Parallel steuern die Hersteller die knappen Mengen aktiv: Große Kunden erhalten bevorzugt langfristige Lieferverträge und reichen die höheren Kosten an die Verbraucher weiter. Kleinere Abnehmer müssen ihr Angebot beschränken oder gehen sogar leer aus. Die Hersteller von Speicherchips maximieren dadurch ihre Gewinne, vermeiden aber gleichzeitig das Risiko eines späteren Überangebots. Der SOX Philadelphia Semiconductor Index liegt bei plus 87 Prozent seit Jahresbeginn, hat allerdings Anfang vergangener Woche um zehn Prozent korrigiert.

Aluminium: Bodenbildung nach Preisverfall?

Nachdem das vorläufige Friedensabkommen zwischen den USA und Iran den Optimismus hinsichtlich einer nachhaltigen Öffnung der Straße von Hormus geschürt hatte, gerieten die Preise für Aluminium kräftig unter Druck. Rund 15 Prozent Kursverlust im Juni bedeuten den größten monatlichen Rücksetzer seit Oktober 2008 und bringen die Preise zurück auf das Niveau von Ende Februar vor der Eskalation im Nahen Osten. Noch am 2. Juni war Aluminium an der Londoner Metallbörse mit knapp 3.800 US-Dollar/Tonne auf einem Vier-Jahres-Hoch gehandelt worden, da die Nahostregion nahezu ein Zehntel der globalen Produktion ausmacht und der entsprechende Angebotsausfall von den Marktakteuren eingepreist wurde. Rekordexporte aus China trugen nun ebenfalls zur schnellen Umkehr der Rally bei. Ähnlich wie bei Öl hat die Geschwindigkeit des Preisrückgangs bei Aluminium zudem viele spekulativ orientierte Investoren auf dem falschen Fuß erwischt, was für Verkäufe sorgte. Hinzu kam die Aufwertung des US‑Dollars sowie Erwartungen eines steigenden Zinspfads der US‑Notenbank. Beides könnte die Nachfrage nach dem weißen Metall weiter dämpfen. Gleichzeitig dürfte sich aber die globale Konjunktur im Falle der nachhaltigen Deeskalation im Nahen Osten geringer eintrüben, als noch vor Kurzem erwartet worden war, weshalb eine Bodenbildung der Aluminiumpreise durchaus wahrscheinlich erscheint.

Auf Kredit an die Börse: Gefahr für Anleger und Märkte?

Zwischen langfristiger Geldanlage und kurzfristiger Spekulation verläuft oft eine unscharfe Grenze – besonders beim Einsatz von Fremdkapital. Welche Rolle Risikoprofil, Anlagehorizont und Marktumfeld dabei spielen, analysieren Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.

Was diese Woche wichtig wirdI

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • USA | Aus dem S&P 500 berichten unter anderem Nike, Constellation Brands, General Mills und FactSet.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 berichtet unter anderem Prosus.

Mittwoch

  • Eurozone | Inflation (Erstschätzung) für Juni. Im Marktkonsens wird ein Rückgang der Inflation im Euroraum von 3,2 Prozent im Mai auf 3,0 Prozent erwartet. Dies könnte als ein erstes Anzeichen für eine beginnende leichte Abschwächung des Preisdrucks vom Höchststand gewertet werden. Die für die Geldpolitik der EZB wichtigere Kerninflationsrate, die Energie- und Nahrungsmittelpreise ausklammert, dürfte jedoch unverändert bei 2,6 Prozent liegen. Spürbare Effekte der Zinserhöhung der EZB Mitte Juni dürften sich erst mittelfristig zeigen.
  • USA | ISM-Einkaufsmanagerindex (Verarbeitendes Gewerbe) für Juni. Im Median erwarten Analysten, dass der Index nach 54,0 Punkten im Mai mit 53,8 Punkten weiterhin deutlich im expansiven Bereich verharrt. Ein Rückgang in dieser Größenordnung würde auf eine lediglich geringfügige Eintrübung der Stimmung in den Industriebetrieben hindeuten. Mit Interesse dürften die Marktakteure darauf achten, ob die im Juni gesunkenen Erdöl- und Erdgaspreise sich stark dämpfend auf die Input- und Output-Preise ausgewirkt haben.
  • Donnerstag, USA | Arbeitsmarktdaten für Juni. Der Marktkonsens erwartet einen Beschäftigungsaufbau von 115.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, nach 172.000 im Mai. Dies würde darauf hindeuten, dass die Dynamik am Arbeitsmarkt zwar nachlässt, die Beschäftigungsentwicklung insgesamt jedoch sehr robust bleibt. Die Arbeitslosenquote dürfte im vierten Monat in Folge bei 4,3 Prozent verharren, während die durchschnittlichen Stundenlöhne gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich leicht von 3,4 auf 3,5 Prozent gestiegen sind.

Zahl des Tages: 24.000

Lima gilt als Hotspot für Gourmets aus aller Welt, die zum Beispiel peruanische Nationalgerichte wie Ceviche oder Causa Limeña (gefüllte Stampfkartoffeltörtchen) probieren möchten. Die aktuelle Umfrage eines britischen Reiseverlags bestätigt jetzt den kulinarischen Spitzenrang: Rund 24.000 Teilnehmer aus 150 Städten weltweit haben Lima zur World’s Best Food City gewählt. Neben der Qualität der Restaurants spielten dabei auch Erschwinglichkeit und allgemeine Esskultur eine Rolle. Bangkok und Mexiko-Stadt belegen die Plätze zwei und drei – bevor mit London und Barcelona die ersten Foodie-Metropolen Europas auf der Liste erscheinen.  

Zeigen Sie heute guten Geschmack.

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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