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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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20. August 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die Märkte vertrauen auf die Resilienz der US-Wirtschaft, das US-Finanzministerium will künftig mehr Staatsanleihen zurückkaufen, und die Gewinnprognosen für US-Industriegüteraktien steigen.

Hohe Laufzeitprämie bei US-Anleihen 

Die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen sind seit Juni deutlich angestiegen und haben bei 30-jährigen Laufzeiten Niveaus erreicht, die zuletzt Anfang der 2000er-Jahre beobachtet wurden. Ursache ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren:Erstens verschärfen sich die Sorgen über die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen. Das Staatsdefizit dürfte im laufenden Fiskaljahr rund zwei Billionen US-Dollar erreichen, während sich die Gesamtverschuldung der Marke von 40 Billionen US-Dollar nähert. Die Zinsausgaben zählen mittlerweile zu den größten Ausgabenpositionen des Bundeshaushalts. Zweitens verharrt die Inflation trotz jüngster Verbesserungen oberhalb des geldpolitischen Zielwerts, wodurch Investoren höhere Risikoaufschläge verlangen. Drittens erhöht eine außergewöhnlich hohe Emissionstätigkeit von Unternehmen, insbesondere zur Finanzierung von Investitionen in Künstliche Intelligenz, das Angebot langfristiger Anleihen und konkurriert mit Staatsanleihen um Kapital. Hinzu kommen Unsicherheiten über den künftigen geldpolitischen Kurs der Zentralbank. Insgesamt steigt die sogenannte Laufzeitprämie, also die zusätzliche Rendite, die Anleger für das Halten langfristiger Anleihen fordern. Dies verteuert die Refinanzierungskosten des Staates. Zugleich signalisieren Marktindikatoren jedoch keinen Stress, sondern anhaltendes Vertrauen der Kapitalmärkte in die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft.

US-Regierung interveniert am Anleihemarkt 

Das US-Finanzministerium kündigte jetzt eine deutliche Ausweitung seiner Rückkaufprogramme für Staatsanleihen an. Ab dem 9. September 2026 soll das maximale Volumen der Buybacks im lang laufenden Segment (zehn bis 30 Jahre) von bislang zwei auf mindestens vier Milliarden US-Dollar je Operation erhöht werden. Ziel ist die Verbesserung der Marktliquidität in einem Bereich, der zuletzt unter stark steigenden Renditen, nachlassender Nachfrage und dem erhöhten Laufzeitprämienniveau gelitten hat. Die Ankündigung führte unmittelbar zu sinkenden Renditen: Die Verzinsung zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel um sechs Basispunkte auf 4,65 Prozent, jene 30-jähriger Anleihen um neun Basispunkte auf 5,20 Prozent. Ökonomisch handelt es sich nicht um einen Schuldenabbau, sondern um eine Anpassung der Fälligkeitsstruktur, um Marktspannungen zu reduzieren und die Funktionsfähigkeit des Treasury-Marktes zu stabilisieren, so die Argumentation des Finanzministeriums.

Industriegüterbranche profitiert von KI

Der Ausbau der Infrastruktur im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) lenkt den Blick auf Netzkapazitäten und die lokale Akzeptanz von Rechenzentren. In den USA entfällt der Großteil der beantragten Netzleistung auf Netzzugangsanträge für Rechenzentren – in Texas sind es beispielsweise 90 Prozent. Große Stromverbraucher dürften stärker an den Netzkosten beteiligt werden. Widerstand entsteht vor allem wegen steigender Strompreise, Wasserverbrauch, Luftverschmutzung, Lärm und Verkehr. Politische und infrastrukturelle Risiken werden zu Standortfaktoren. 

Der notwendige Ausbau der Netzkapazitäten und Stromerzeugung für Rechenzentren dürfte Industriegüterunternehmen zugutekommen. Analysten hoben ihre Gewinnerwartungen für S&P-500-Industriegüterunternehmen im vergangenen Monat an und rechnen für die nächsten zwölf Monate mit knapp 20 Prozent Gewinnwachstum.

Favoritenwechsel an der Börse: Was die Gewinner von morgen ausmacht

Künstliche Intelligenz, Abnehmspritzen, Rüstung oder Erneuerbare Energien: An der Börse wechseln die Favoriten regelmäßig. Manche Trends bleiben über Jahre gefragt, andere verlieren plötzlich an Dynamik. Doch lassen sich solche Favoritenwechsel frühzeitig erkennen? Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, spricht mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer darüber, worauf Anleger bei Zukunftstrends achten sollten.

Zahl des Tages: 0,5–1

Das Erbgut des modernen Menschen enthält auch die DNA ausgestorbener Frühmenschen: Jeder von uns trägt ein Stückchen Neandertaler in sich. Wie groß dieser Anteil ist, hat ein Team um Yulin Zhang von der University of California auf Basis von hunderten Genproben aus aller Welt modelliert. Die Forscher fanden, dass rund zwei Prozent der menschlichen DNA archaischen Ursprungs sind, wobei ein Prozent auf Neandertaler und ein kleinerer Teil auf Denisova-Menschen entfällt. Die Überraschung: Zwischen 0,5 und einem Prozent unserer DNA sind offenbar archaisch, aber keinem bekannten Frühmenschen zuzuordnen. Vor mehr als 500.000 Jahren dürfte sich die unbekannte Verwandtschaft von unserer Abstammungslinie abgespalten haben. Nun müssen Zhang und Kollegen auf künftige Fossilienfunde hoffen – die unseren „Geistervorfahren“ eine konkrete Gestalt geben.

Entdecken Sie heute, was in Ihnen steckt.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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