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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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27. August 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

Inflationssorgen belasten die Stimmung der US-Verbraucher, Rohstoffaktien stützen den kanadischen Leitindex, und Ungarns Notenbank setzt ihren Lockerungszyklus fort.

USA: Inflation bleibt hartnäckig, Konsum robust

Der von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsindikator, der Preisindex der privaten Konsumausgaben (PCE-Preisindex), stieg im Juli gegenüber dem Vormonat wie von der Analystengemeinschaft erwartet um 0,2 Prozent. Im Vorjahresvergleich lag die Teuerungsrate bei 3,7 Prozent und damit weiterhin deutlich über dem Inflationsziel der US-Notenbank von zwei Prozent. Der PCE-Kernpreisindex, der die volatilen Komponenten Energie und Nahrungsmittel ausklammert, erhöhte sich auf 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Inflationsdaten bestätigen, dass der Preisauftrieb in den USA nur langsam nachlässt. Zugleich blieben die Konsumausgaben der privaten Haushalte robust und stiegen im Juli um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die gestern veröffentlichten Daten änderten daher wenig an den Markterwartungen, dass die US-Notenbank angesichts der robusten Konjunktur und des weiterhin hartnäckigen Inflationsdrucks die Zinsen bis zum Jahresende nochmals anheben dürfte.
Die jüngsten Stimmungsindikatoren signalisieren jedoch eine gewisse Vorsicht der Verbraucher mit Blick auf die kommenden Monate. Der vom Conference Board am Dienstag veröffentlichte Gesamtindex des Verbrauchervertrauens sank im August leicht um 0,8 auf 89,4 Punkte. Verantwortlich hierfür waren vor allem pessimistischere Erwartungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung und der Lage am Arbeitsmarkt in den kommenden sechs Monaten, während sich die Einschätzung der aktuellen Situation sogar verbesserte. Gleichzeitig wurden steigende Preise, insbesondere für Energie und Lebensmittel, weiterhin häufig als Belastungsfaktor genannt. Auch Verweise auf geopolitische Konflikte und Handelsfragen nahmen zu. Diese verhaltene Konsumdynamik spricht im S&P 500 derzeit für Abwärtsrisiken bei Basiskonsumgütern. Zudem erscheint dieser Sektor mit einem Kurs‑Gewinn‑Verhältnis von neun Prozent relativ zum Zehn-Jahres-Durchschnitt in diesem Kontext nicht besonders günstig bewertet.

Kanada: Gewinner und Verlierer im Zollstreit

Nach dem Scheitern der Handelsgespräche setzten die USA am Wochenende Zölle von 50 Prozent auf ausgewählte kanadische Waren in Kraft. Zu Wochenbeginn kündigte US-Präsident Trump zusätzlich an, kanadische Fahrzeuge, Lastwagen und Autoteile vom 1. Januar 2027 an ebenfalls mit 50 Prozent zu belegen. Kanadas Premierminister Carney hat Vergeltungszölle vom 8. September an angekündigt. Der kanadische Aktienindex S&P/TSX 60 legte im Wochenverlauf dennoch zu. 

Die Reaktion verlief entlang der Branchengrenzen: Werte aus der Automobilindustrie und dem Industriesektor gaben nach, während der Roh- und Grundstoffsektor von festeren Metallpreisen getragen wurde. Solange der Rohstoffteil des Index von hohen Metallpreisen gestützt wird, dürfte die Indexebene verdecken, wie stark einzelne Exportbranchen belastet sind.

Ungarn: Notenbank lockert Zinsschraube weiter 

Die ungarische Notenbank hat ihren Leitzins am Dienstag erwartungsgemäß um 25 Basispunkte auf 5,5 Prozent gesenkt. Es war die dritte Zinssenkung in Folge und die vierte in diesem Jahr. Hintergrund ist der deutliche Rückgang der Inflation auf 1,2 Prozent im Juli, den niedrigsten Stand seit knapp zehn Jahren. Notenbankchef Mihály Varga bestätigte zudem, dass die Überprüfung des Inflationsziels von derzeit drei Prozent fortgesetzt wird. Ergebnisse werden im Herbst erwartet. Über weitere Zinsschritte soll erst auf Basis der im September veröffentlichten Inflationsprognosen entschieden werden. Der Forint wertete daraufhin leicht auf und näherte sich wieder der Marke von 360 Forint je Euro. Ausschlaggebend war weniger die Zinssenkung selbst als die vorsichtige Kommunikation der Notenbank, die keine unmittelbare Fortsetzung des Lockerungszyklus in Aussicht stellte.

Favoritenwechsel an der Börse: Was die Gewinner von morgen ausmacht

Künstliche Intelligenz, Abnehmspritzen, Rüstung oder Erneuerbare Energien: An der Börse wechseln die Favoriten regelmäßig. Manche Trends bleiben über Jahre gefragt, andere verlieren plötzlich an Dynamik. Doch lassen sich solche Favoritenwechsel frühzeitig erkennen? Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, spricht mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer darüber, worauf Anleger bei Zukunftstrends achten sollten.

Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, BerichtssaisonUSA | Aus dem S&P 500 berichten 17 Unternehmen, darunter Nvidia, Crowdstrike, Salesforce, Intuit, Synopsys und Workday.Europa | Aus dem STOXX 600 berichten 17 Unternehmen, darunter Prudential, EMS-Chemie, Pernod Ricard und Ageas.Asien | Aus Hongkong berichten unter anderem Industrial & Commercial Bank of China, China Construction Bank, PetroChina und Bank of China.

  • Freitag, Japan | Verbraucherpreise der Region Tokio im August. Die Verbraucherpreisinflation in Tokio hat sich zuletzt deutlich beschleunigt. Die Kerninflation (ohne Lebensmittel) stieg von 1,3 Prozent im Mai über 1,6 Prozent im Juni auf 1,9 Prozent im Juli. Noch bemerkenswerter war der Anstieg der Kernrate ohne Lebensmittel und Energie auf 2,0 Prozent, was auf eine breitere Verankerung des Preisauftriebs hindeutet. Die Tokio-Daten gelten als wichtiger Frühindikator für die landesweiten Verbraucherpreise und werden von der Bank of Japan entsprechend aufmerksam beobachtet. Ein unerwartet kräftiger Anstieg könnte eine aus Marktsicht bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit eingepreiste Leitzinserhöhung Mitte September nahezu besiegeln.

Zahl des Tages: 5

Um Bänderschnecken, die häufigste Schneckenart Europas, geht es in einer Untersuchung aus dem Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam. Im Fokus stehen dabei nicht die Schnecken selbst. Franziska Jehle und ihr Team interessierten sich vielmehr für die Schleimspur der Tiere und ihren vielfältigen Nutzen. Denn wie die Forscher herausfanden, erzeugen Schnecken aus nur wenigen Grundbausteinen fünf verschiedene Schleimarten. Diese dienen zur Fortbewegung oder als Klebstoff, schützen vor Austrocknung, verschließen das Gehäuse oder dienen der Verteidigung. Zu verstehen, wie die Schnecken den jeweils benötigten Schleim aus Proteinen und Kalzium anmischen, könnte bei der Entwicklung nachhaltiger Materialien hilfreich sein – zum Beispiel für umweltfreundliche Klebstoffe, funktionelle Beschichtungen oder medizinische Anwendungen.

Ich wünsche Ihnen einen nutzbringenden Tag.


Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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