PERSPEKTIVEN am Morgen

Starten Sie gut informiert
in den Tag

Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
Jeden Morgen um 7.00 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

20. März 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die Notenbank des Euroraums behält ihre Leitzinsen bei, die EU-Kommission prüft Änderungen beim Emissionshandel, und die Weltbank stellt Kriterien für eine sinnvolle Industriepolitik auf. 

EZB hebt Inflationsprognose deutlich an 

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert belassen, der Einlagensatz liegt weiterhin bei 2,00 Prozent. Im Mittelpunkt standen die neuen Stabsprojektionen sowie die Einschätzung der inflationsseitigen Risiken infolge des Nahostkonflikts. Die aktualisierten Projektionen berücksichtigen Daten bis zum 11. März, als der Brent‑Ölpreis etwa 92 US‑Dollar je Barrel und der Erdgaspreis an der TTF-Terminbörse 50 Euro je Megawattstunde betrugen. Die EZB erwartet von 2026 bis 2028 höhere Inflationsraten als in ihrer Dezember-Projektion. Sie rechnet nun mit einer durchschnittlichen Inflation von 2,6 Prozent im Jahr 2026 statt mit bisher 1,9 Prozent, was vor allem auf höhere Energiepreise zurückgeführt wird. Für 2027 und 2028 werden 2,0 beziehungsweise 2,1 Prozent erwartet. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel wird bei 2,3 Prozent im Jahr 2026, 2,2 Prozent im Jahr 2027 und 2,1 Prozent im Jahr 2028 gesehen. Die Wachstumsprognosen wurden nach unten revidiert, insbesondere für 2026 auf 0,9 Prozent. In der anschließenden Pressekonferenz sah EZB-Präsidentin Christine Lagarde die EZB „gut positioniert“ hinsichtlich potenzieller Inflationsgefahren aufgrund der stark gestiegenen Preise für Energierohstoffe. An den Zinsterminmärkten wird nun eine Leitzinserhöhung für die übernächste Sitzung im Juni eingepreist, gefolgt von einer weiteren bis zum Jahresende. Die Renditen der Staatsanleihen der Euroländer stiegen insbesondere in den kurzen Laufzeiten spürbar an. Die Volatilität dürfte weiterhin hoch bleiben. 

EU wird Energiepreise eindämmen

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU) berieten sich am Donnerstag zu Lösungen, um den durch den Irankrieg verursachten Anstieg der Energiepreise einzudämmen. Der Preis für Brent-Rohöl stieg am Donnerstag erneut und die europäischen Gaspreise lagen doppelt so hoch wie zu Beginn des US-israelischen Kriegs gegen den Iran am 28. Februar. Langfristig setzt Europa darauf, fossile Brennstoffe durch lokale CO₂-arme Energieproduktion zu ersetzen, um die Anfälligkeit für volatile Öl- und Gaspreise zu beenden. Kurzfristige Lösungen sind allerdings schwer zu finden, da die 27 Mitgliedstaaten sehr unterschiedliche Energiemixe und nationale Energiesteuern haben. Die EU-Kommission prüft aktuell unter anderem Änderungen am Emissionshandelssystem. Weiterhin schlug die Kommission vor, dass Regierungen nationale Steuern senken oder staatliche Hilfen für angeschlagene Industrien erhöhen könnten. Europäische energieintensive Sektoren der Industrie wie Chemie und Teile des Fertigungsgewerbes müssen neben Transport und Logistik mit Margendruck rechnen. Der Versorgungs- und der Energiesektor hingegen sollten weiter in einer Position der Stärke bleiben.

Weltbank: Wo Industriepolitik wirkt – und wo nicht 

Der jüngste Bericht der Weltbank zur Industriepolitik stellt fest: Staatliche Eingriffe sind dort sinnvoll, wo klassische Marktmechanismen nicht ausreichen – etwa bei fehlender Infrastruktur, Qualifikationsdefiziten oder Informations-Asymmetrien. Besonders wirksam sind beispielsweise Industrieparks sowie zielgerichtete Ausbildungsprogramme, Export‑ und Marktzugangshilfen, weil sie direkt an konkreten Engpässen ansetzen und ohne große Verzerrungen auskommen. Keine gute Industriepolitik sind vielmehr breit angelegte Zölle oder Vorgaben für Unternehmen, einen bestimmten Anteil ihrer Vorprodukte, Materialien oder Dienstleistungen aus dem Inland zu beziehen. Zölle und die sogenannten „Local Content Requirements“ erhöhen Konsumentenpreise, verteuern Vorleistungen und führen häufig zu internationalen Gegenreaktionen. In Fällen von Marktversagen – etwa bei Informations-Asymmetrien, natürlichen Monopolen, öffentlichen Gütern oder Externalitäten – ist der Staat gefragt. Eingriffe in die Wirtschaft sollten sich meines Erachtens auf eine ordentliche Standort- und Angebotspolitik konzentrieren und zudem gut begründet, präzise, ​​zeitlich und auswertbar sein.

Brasilien: erster Zinsschritt, unsicherer Ausblick 

Die brasilianische Notenbank senkte am Mittwoch erwartungsgemäß den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 14,75 Prozent. Die Währungshüter beschrieben dies als vorsichtigen Einstieg in die „Kalibrierung“ ihrer Geldpolitik. Zugleich signalisierten sie erhöhte Unsicherheit über Ausmaß und Tempo weiterer Lockerungen, da die Auswirkungen des Kriegs am Golf die ohnehin erhöhten Inflationserwartungen zusätzlich anheizen könnten. Auch deshalb dürfte die Geldpolitik – trotz möglicher zusätzlicher Zinssenkungen – vorerst restriktiv bleiben und dämpfend auf die Binnenkonjunktur wirken. 

Brasilianische Aktien haben nach einer bemerkenswerten Aufholjagd der vergangenen Monate zuletzt etwas Terrain verloren. Historisch zeigt sich der rohstofflastige Markt, ähnlich wie die Märkte in Chile und Peru, in Zeiten steigender Energie- und Rohstoffpreise recht widerstandsfähig. Anleger sollten jedoch beachten, dass Schwellenländerbörsen in unsicheren Marktphasen allein aufgrund ihrer geringeren Kapitalisierung stärker unter Druck geraten können. Entsprechend wäre auch die Börse in São Paulo nicht vor Kapitalabflüssen infolge einer möglicherweise global zunehmenden Risikoaversion gefeit.

Börsen fahren Achterbahn

Der Irankrieg bleibt das bestimmende Thema an den Finanzmärkten. Hohe Energiepreise, die gesperrte Straße von Hormus und die Sorgen um die Weltwirtschaft belasten die Stimmung an den Märkten, die Schwankungen bleiben hoch. Wie Anleger damit umgehen sollten, welche Risiken, aber auch Chancen es gibt, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge meines Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go. 

Zahl des Tages: 2/2

In China ist heute traditionell ein guter Tag, um Pfannkuchen und Nudeln zu essen, dagegen sollte von Nadelarbeiten Abstand genommen werden. Der Grund ist das hierzulande wenig bekannte Longtaitou-Fest, an dem, so wörtlich, „der Drache seinen Kopf erhebt“. Longtaitou wird jährlich am zweiten Tag des zweiten Monats des chinesischen Kalenders gefeiert, ein Datum, an dem eine bestimmte Sternenkonstellation am Himmel erscheint. Auf der Erde symbolisieren die Pfannkuchen Drachenschuppen, die Nudeln den Drachenbart – und die Nadeln werden aus der Hand gelegt, um die Augen des Drachen nicht zu verletzen.

Ich wünsche Ihnen einen rücksichtsvollen Tag.


Herzlichst


Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

PERSPEKTIVEN am Morgen: Störung im Anmeldeprozess

Aktuell ist die Registrierung mit den Umlauten ö, ü, ä sowie mit ß nicht möglich. Sie können sich mit oe, ue, ae sowie mit ss weiterhin registrieren. 

Sollte auch das nicht funktionieren, wenden Sie sich an: perspektiven-am.morgen@db.com

"PERSPEKTIVEN am Morgen" - Newsletter

Erhalten Sie den Marktkommentar von Dr. Stephan jeden Morgen als E-Mail direkt in Ihren Postkorb.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Anrede

Mit der Registrierung habe ich die Datenschutzbestimmungen der Deutschen Bank zur Kenntnis genommen.

Dr. Ulrich Stephan

Sie erhalten nach der Registrierung eine E-Mail an die von Ihnen angegebene Adresse. Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung mit dem dort enthaltenen Link.

Sie können sich jeder Zeit, zum Beispiel in jeder E-Mail-Ausgabe von "PERSPEKTIVEN am Morgen", wieder abmelden. Es besteht kein Rechtsanspruch auf den täglichen Erhalt des Newsletters.

Das könnte Sie auch interessieren

Perspektiven Newsletter

PERSPEKTIVEN im Fokus

Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte

Perspektiven Podcast

PERSPEKTIVEN To Go

Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast

Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.

HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden das Video und die Verbindung zu YouTube erst nach einem Klick aktiv. Bereits beim Aktivieren des Videos werden personenbezogene Daten (IP-Adresse) an YouTube bzw. Google gesendet und gegebenenfalls auch dort gespeichert. Wenn Sie den Button "Video aktivieren" anklicken, wird ein Cookie auf Ihrem Computer gesetzt, sodass die Website weiß, dass Sie dem Anzeigen von eingebetteten Videos in Ihrem Browser zugestimmt haben. Weitere Details zu den von Google erhobenen Daten finden Sie unter https://policies.google.com/privacy.