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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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02. April 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

hohe Kraftstoffpreise drücken das US-Konsumklima, das deutsche Wachstum könnte die Ein-Prozent-Marke verfehlen, und die optische Infrastruktur gewinnt für Anleger an Bedeutung.

USA: Inflationsdruck durch Benzin und Sojaöl

Die Preise für US-Öl der Sorte WTI schlossen am Montag erstmals seit der Zeit unmittelbar nach Beginn des Russland-Ukraine-Krieges wieder bei über 100 US‑Dollar je Barrel. Der landesweite durchschnittliche Preis für normales bleifreies Benzin in den USA erhöhte sich daraufhin laut der American Automobile Association auf 4,018 US‑Dollar/Gallone, ein kräftiger Anstieg, verglichen mit 2,98 US‑Dollar Ende Februar. Erstmals seit August 2022 liegt der Preis somit wieder über der Marke von vier US‑Dollar/Gallone. Noch ausgeprägter fiel die Verteuerung bei Diesel aus, dessen Einzelhandelspreis bereits auf über 5,45 US‑Dollar/Gallone gestiegen ist, was aufgrund spürbar steigender Transportkosten mittelfristig eine signifikante Inflationsgefahr darstellen könnte. Das Weiße Haus hat zwar bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um den Preisanstieg im Inland zu begrenzen, bislang haben diese Maßnahmen jedoch keinen spürbaren Rückgang der Kraftstoffpreise bewirkt. Der sich aufbauende Inflationsdruck dürfte starke Auswirkungen auf die Verbraucherstimmung haben: Laut einer Studie der Stanford University sinkt das Konsumklima – gemessen an der Umfrage der University of Michigan – mit jedem Anstieg der Kraftstoffpreise um einen US‑Dollar um mindestens 4,5 Indexpunkte, selbst unter Berücksichtigung anderer Einflussfaktoren. Dies bedeutet laut den Autoren der Studie, dass sich die Konsumenten mit jedem Dollar Anstieg an der Zapfsäule rund fünf Prozent schlechter in Hinsicht auf ihre wirtschaftliche Lage fühlen.

Weiterer Inflationsdruck baut sich bei Biokraftstoffen auf. Sojaöl präsentierte den stärksten Quartalsanstieg seit 1988 und wird ebenfalls auf dem höchsten Niveau seit Beginn des Russland-Ukraine-Krieges gehandelt. Zum einen hat der Anstieg der Energiepreise infolge der Eskalation im Nahen Osten die Nachfrage nach alternativen Rohstoffen für Biokraftstoffe spürbar beschleunigt. Der Aufwärtstrend wird zum anderen dadurch untermauert, dass die US-Raffinerien verpflichtet sind, in diesem Jahr Benzin und Diesel eine Rekordmenge an Biokraftstoffen beizumischen. Dieses Beispiel unterstreicht, wie breit sich angebotsseitige Schocks inzwischen in den Rohstoffmärkten widerspiegeln – mit klaren Rückwirkungen auf die Inflationsdynamik. Momentan setzen die Zinsterminmärkte deshalb nicht mehr auf die noch Anfang März erwarteten weiteren Leitzinssenkungen der US-Notenbank Fed. 

Deutsche Wirtschaftsinstitute: Erholung verzögert sich

Die führenden Wirtschaftsinstitute haben am Mittwoch ihre Gemeinschaftsdiagnose für die deutsche Wirtschaft vorgelegt und ihre Wachstumsprognosen deutlich gesenkt. Für 2026 erwarten sie nun lediglich ein Plus von 0,6 Prozent statt wie zuvor von 1,3 Prozent, für 2027 wurde die Prognose von 1,4 auf 0,9 Prozent gesenkt. Hauptbelastungsfaktor ist der Energiepreisschock infolge des Irankriegs, der die Inflation wieder ansteigen lässt. Für 2026 rechnen die Institute mit einer Teuerungsrate von 2,8 Prozent, für 2027 mit 2,9 Prozent. Dies dürfte die Kaufkraft der privaten Haushalte schmälern und die konjunkturelle Erholung verzögern. Zugleich heben die Institute hervor, dass die expansive Finanzpolitik mit höheren Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur die Binnenwirtschaft stützen dürfte. Preisbremsen bei Energie lehnen die Institute ab und sprechen sich stattdessen für gezielte soziale Entlastungen aus. Zuletzt gab es Entspannungssignale aus der Golfregion. Sollten sie sich bestätigen, könnten sich sowohl die Wirtschaft als auch die Aktienmärkte erholen. Entsprechend legte der DAX in den vergangenen Tagen spürbar zu, liegt seit Jahresbeginn jedoch weiterhin rund fünf Prozent im Minus.

Einen Blick wert: optische Technologien

Die Datenübertragung gewinnt mit dem Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) an Bedeutung. Größere KI-Modelle, ein steigender Energiebedarf und leistungsfähigere Rechensysteme erfordern schnelle und zugleich energieeffiziente Verbindungen. Das gilt innerhalb einzelner Rechenzentren, etwa zwischen Chips, Prozessoren und Servern, sowie für die Vernetzung mehrerer Standorte. Kupferbasierte Technologien stoßen dabei zunehmend an physikalische Grenzen. Optische Technologien, also die Übertragung von Daten über Lichtsignale in Glasfasern, rücken daher stärker in den Fokus moderner Rechenzentrumsarchitekturen. Europäische Unternehmen sind entlang der Wertschöpfungskette optischer Infrastruktur gut positioniert: von Materialien und Komponenten über Silizium‑Photonik bis hin zu optischen Netzwerken zwischen großen Rechenzentren. Analysten erwarten daher einen mehrjährigen Wachstumszyklus für Europas optische Infrastruktur. Entsprechende Unternehmen finden sich sowohl im Technologie‑ als auch im Telekommunikationsindex des STOXX 600. Beide Indizes haben seit Ende Februar nachgegeben. Für langfristig orientierte Anleger könnten sich damit interessante Einstiegschancen in ausgewählte Titel entlang der optischen Wertschöpfungskette ergeben.

Nahostkonflikt: Bleibt Gold auch unter Druck ein sicherer Hafen?

Noch kein Crash, aber die Angst davor wächst. Die Börse ist seit vergangenem Freitag im Korrekturmodus: Große Indizes haben von ihren Höchstständen mehr als zehn Prozent verloren. Und auch der Goldpreis ist zwischenzeitlich stark gefallen. Hat Gold noch die Funktion eines sicheren Hafens? Und wie können Anleger auf die Abkühlung an den Märkten reagieren? Diese und weitere Fragen diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.

Was diese Woche wichtig wird

  • Im Laufe der Woche, Berichtssaison USA | Aus dem S&P 500 berichten Nike, McCormick & Co und Conagra Brands.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 berichten Auto1 Group, Tauron Polska Energia, Buzzi, Asseco Poland und Infrastrutture Wireless Italia.
  • Asien | Aus China berichten unter anderem die Bank of China und China Shenhua Energy. 
  • Dienstag, Euroraum | Gesamt- und Kerninflation im März (vorläufig). Analysten erwarten im Konsens, dass sich die jährliche Gesamtinflation im Euroraum von 1,9 Prozent im Februar auf 2,6 Prozent im März beschleunigt haben könnte. Die Kerninflation dürfte mit 2,4 Prozent auf einem Niveau liegen, wie im Februar gelegen haben. Die März-Daten werden den ersten Monat darstellen, in dem sich die jüngste Eskalation im Nahen Osten vollständig in den Verbraucherpreisen des Euroraums widerspiegelt. In der vergangenen Woche signalisierte EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel, dass eine Zinserhöhung im April „eine Option“ sei. Entsprechend hohe Inflationsdaten könnten den restriktiven Ton der EZB weiter untermauern. 
  • Mittwoch, USA | ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im März. Dem Marktkonsens dürfte der Index mit 52,3 Punkten oberhalb der Expansionsschwelle von 50 Punkten verblieben sein und damit weiter auf eine Ausweitung der wirtschaftlichen Aktivität hindeuten. Gleichzeitig wird erwartet, dass der Index geringfügig unter dem Februarwert von 52,4 Punkten liegt. Am Freitag wird außerdem der entsprechende Index für den Dienstleistungssektor veröffentlicht. Freitag, 
  • USA | Arbeitsmarktdaten für März. Analysten rechnen im Median mit einem Beschäftigungszuwachs von 50.000 Stellen im März, nachdem die Beschäftigung im Februar um 92.000 Stellen zurückgegangen war. Die Arbeitslosenquote dürfte stabil bei 4,4 Prozent bleiben. Die Märkte werden insbesondere darauf achten, dass sich inwieweit die jüngste Eskalation im Nahen Osten über höhere Ölpreise auf die Einstellungsdynamik ausgewirkt hat. In der Vergangenheit hat sich der US-Arbeitsmarkt jedoch als vergleichsweise widerstandsfähig gegenüber Ölpreisschwankungen erwiesen.

    Zahl des Tages: 80.000

    Falls Sie in den nächsten Tagen in der Nähe von Wilhelmshaven einen Ausflug machen, haben Sie gute Chancen, einem Osterhasen zu begegnen – auf dem Motorrad. Seit zehn Jahren sind die „Motorradhasen“ zu Ostern am Jadebusen unterwegs, um ehrenamtlich Spenden zu sammeln und Geschenke zu verteilen. Unter dem Motto „Laut für die Leisen“ kamen 2025 Spenden in Höhe von 80.000 Euro zusammen; im Jubiläumsjahr soll nun die 100.000-Euro-Marke geknackt werden. Als unverwechselbares Kennzeichen tragen die rund 120 Vereinsmitglieder bunte Hasenkostüme, in denen sie ihre Touren auf zwei Rädern antreten. Wie ein Teilnehmer sagt: Man kann auch als kleiner Hase Großes bewirken – diese gelungene Aktion ist der beste Beweis. 

    Ich wünsche Ihnen frohe Ostertage. 

    Herzlichst

    Ihr Ulrich Stephan

    Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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