PERSPEKTIVEN am Morgen

Starten Sie gut informiert
in den Tag

Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
Jeden Morgen um 7.00 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

17. April 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

der Internationale Währungsfonds fordert mehr Disziplin in der Finanzpolitik, die Erholung am US‑Anleihemarkt bleibt verhalten, und bei Emerging-Markets-Aktien zeigen sich klare regionale Unterschiede.

IWF besorgt über hohe Staatsverschuldung

In seinem jüngst aktualisierten Ausblick betont der Internationale Währungsfonds (IWF), dass die derzeit hohen öffentlichen Defizite und Verschuldungsgrade vor allem in den großen Industriestaaten nicht mehr nur konjunkturell bedingt sind, sondern zunehmend strukturelle Ursachen haben. Höhere Staatsausgaben für Verteidigung und Energietransformation, dauerhaft gestiegene Zinslasten sowie eine im Vergleich zu schwache Einnahmenentwicklung setzen die Staatsfinanzen unter Druck. Der aktuelle Energiepreisschock verstärkt die ohnehin schwache Ausgangslage, indem er das reale Wachstum schwächt und sich viele Regierungen zu fiskalisch kostspieligen Unterstützungen der Konjunktur veranlasst sehen. Im Jahr 2025 lag die globale staatliche Defizitquote bei rund fünf Prozent der Wirtschaftsleistung, die Schuldenquote bei 94 Prozent – Tendenz steigend. Der IWF warnt ausdrücklich davor, auf stärkeres Wachstum als Lösung zu vertrauen, da dies bei strukturellen Treibern notwendige Anpassungen verzögert, den Handlungsspielraum limitiert und Schuldenrisiken erhöht. Um die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen langfristig zu sichern, sind vielmehr eine disziplinierte Finanzpolitik mit klarer Priorisierung produktivitätssteigernder Investitionen, die Stärkung fiskalischer Regeln und eine stabilere Einnahmenbasis gefordert. 

US-Treasuries bleiben Stabilitätsanker   

Nach der jüngsten Erholung notieren US‑Aktien wieder über dem Niveau vor der Eskalation am Golf. Die Erholung am US‑Anleihemarkt bleibt dagegen verhalten: Die Rendite zehnjähriger US‑Staatsanleihen liegt mit 4,25 Prozent rund 0,3 Prozentpunkte über dem Stand von Ende Februar, für Anleihen mit zweijährigen Restlaufzeiten sogar fast 0,4 Prozentpunkte. Dies signalisiert eine Neubewertung des geldpolitischen Kurses der US‑Notenbank. Getrieben von gestiegenen Inflationssorgen rechnet der Markt nun mit einer deutlich geringeren und verzögerten Lockerung des Leitzinses. Ein wesentlicher Teil des Renditeanstiegs ist auf höhere Laufzeitprämien – den Renditeaufschlag, den Anleger für eine langfristige Kapitalbindung verlangen – sowie auf gestiegene Inflationserwartungen zurückzuführen. Bereinigt um diese Effekte bleibt das erwartete reale Zinsniveau gegenüber dem Vorkriegsumfeld weitgehend unverändert. Höhere Laufzeitprämien sprechen in dem weiter unsicheren Umfeld gegen längere Restlaufzeiten, weil diese stärker auf mögliche Renditeänderungen reagieren. Mittelfristig dürften längere US‑Staatsanleihen jedoch ein relevanter Stabilitätsanker bleiben, insbesondere falls die US-Konjunktur infolge anhaltend höherer Ölpreise an Schwung verlieren sollte.

Schwellenländer-Aktien moderat bewertet

Globale Schwellenländer-Aktien haben sich, gemessen am Index MSCI Emerging Markets in Euro, seit dem Tiefpunkt Ende März um rund elf Prozent erholt und damit mehr als doppelt so stark wie Industrieländer-Aktien. Zusätzlichen Rückenwind brachte die Ankündigung der Waffenruhe im Irankrieg am 8. April. Zugleich zeigt sich eine klare regionale Spreizung: Nordasien, Osteuropa und Lateinamerika holten am stärksten auf, während ölimportierende Regionen wie Teile Südostasiens und Indien zurückblieben. Angesichts absehbarer realwirtschaftlicher Belastungen durch höhere Ölpreise dürfte diese Differenzierung anhalten. Sollten sich die Hoffnungen auf eine dauerhafte Stabilisierung am Golf bestätigen, sprechen jedoch mehrere Faktoren für mittelfristiges Kurspotenzial der Schwellenländer-Märkte: eine im historischen Vergleich moderate Bewertung, die geringe Positionierung internationaler Anleger sowie ein für die kommenden zwölf Monate erwartetes Gewinnwachstum von mehr als dreißig Prozent. Besonders hervorzuheben sind die technologielastigen Märkte Nordasiens mit prognostizierten Gewinnzuwächsen von rund achtunddreißig Prozent. Auch die rohstofflastigen Märkte Lateinamerikas sollten sich gegenüber den direkten Folgen des Ölpreisschocks vergleichsweise robust zeigen.

US-Banken profitieren von Volatilität 

Die großen Wall‑Street‑Banken und Investmenthäuser haben die US‑Berichtssaison überwiegend positiv eröffnet. Rückenwind für die Ergebnisse kam dabei insbesondere von der erhöhten Volatilität an den Finanzmärkten im Zuge des Konflikts in Nahost. Unsichere Marktphasen gehen in der Regel mit höherer Handelsaktivität und steigendem Absicherungsbedarf einher. Auch das Investment‑Banking-Geschäft zeigte sich stark: Die Gebühren legten im Jahresvergleich trotz geopolitischer Unsicherheit um bis zu 48 Prozent zu. Zugleich berichten die Banken von einer weiterhin soliden Lage der privaten Haushalte und zeigen damit eine resiliente US‑Wirtschaft an. Als möglicher Belastungsfaktor für die künftige Entwicklung gelten jedoch steigende Rohstoff‑ und Energiepreise, die mittelfristig die Kreditqualität beeinträchtigen könnten. 

Gleichzeitig halten die Banken weiterhin erhöhte Kapitalpuffer vor. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass noch unklar ist, wie locker die künftigen Kapitalvorgaben im Zuge des im März vorgestellten überarbeiteten Basel-Entwurfs letztlich ausfallen werden. Die Aktien der US-Banken und Investmenthäuser legten seit Mitte März deutlich zu. Die Berichtssaison dürfte der jüngsten Aufwärtsbewegung insgesamt Rückhalt verleihen.

Der Nahe Osten hält die Märkte in Atem

US-Präsident Donald Trump und der Irankrieg halten die Märkte weiter in Atem. In den USA und in Europa läuft die Berichtssaison an. Damit rücken Fundamentaldaten wieder in den Fokus. Übertreffen die Unternehmen die Erwartungen sogar? Wie die aktuelle Lage aussieht und wie sich Anlegende mit den Unsicherheiten auseinandersetzen können, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • USA | Aus dem S&P 500 berichten 28 Unternehmen, darunter Bank of America, Citigroup, JPMorgan Chase, Morgan Stanley, Blackrock, Abbott Laboratories, Netflix, PepsiCo und Johnson & Johnson.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 legen sechs Unternehmen Ergebnisse vor, darunter ASML und Tesco.Asien | Aus China berichtet Contemporary Amperex Technologies (CATL). Aus Indien berichten ICICI Bank und HDFC Bank. 
  • USA | Einzelhandelsumsätze und Erzeugerpreisindex im März. Der Marktkonsens geht davon aus, dass der Erzeugerpreisindex im März um 1,2 Prozent zum Vormonat gestiegen ist, nach 0,7 Prozent im Februar. Grund ist, dass die höheren Energiepreise den Preisdruck auf Produzentenebene stark erhöht haben dürften. Darüber hinaus werden am Donnerstag die Daten zur Industrieproduktion für März veröffentlicht. Hier wird ein Rückgang des monatlichen Wachstums von 0,2 Prozent im Februar auf 0,1 Prozent erwartet.
  • Freitag, Großbritannien | BIP-Wachstum im Februar. Laut Konsens rechnen Analysten damit, dass das monatliche BIP-Wachstum im Februar auf 0,1 Prozent gestiegen ist, nachdem die Wirtschaft im Januar stagniert hatte. Die Industrieproduktion dürfte im Februar um 0,2 Prozent zugelegt haben. Die höheren Energiepreise sowie mögliche Auswirkungen von Lieferkettenstörungen infolge des eskalierten Konflikts im Nahen Osten werden sich in diesen Daten jedoch noch nicht widerspiegeln.

Zahl des Tages: 44,4

Der Cockapoo ist eine Mischung aus zwei Hunderassen, einem Pudel und einem Cockerspaniel. Solche Hybrid- oder Designerhunde sind beliebt – auch deshalb, weil sie als leicht erziehbar und familienfreundlich gelten. Das könnte allerdings ein Irrtum sein, sagen Forscher des britischen Royal Veterinary College. Die Wissenschaftler analysierten tausende Antworten aus einem standardisierten Fragebogen zum Hundeverhalten und stellten fest: Designerhunde benahmen sich in 44,4 Prozent der Fälle schlechter als die Rassehunde, von denen sie abstammen, und nur in 9,8 Prozent der Fälle besser. Als besonders schwer erziehbar erwiesen sich ausgerechnet die Cockapoos – die puscheligen Hausgenossen schnitten in allen Verhaltenskriterien schlechter ab als Pudel und Cockerspaniel. 

Ich wünsche Ihnen einen umgänglichen Tag. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

PERSPEKTIVEN am Morgen: Störung im Anmeldeprozess

Aktuell ist die Registrierung mit den Umlauten ö, ü, ä sowie mit ß nicht möglich. Sie können sich mit oe, ue, ae sowie mit ss weiterhin registrieren. 

Sollte auch das nicht funktionieren, wenden Sie sich an: perspektiven-am.morgen@db.com

"PERSPEKTIVEN am Morgen" - Newsletter

Erhalten Sie den Marktkommentar von Dr. Stephan jeden Morgen als E-Mail direkt in Ihren Postkorb.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Anrede

Mit der Registrierung habe ich die Datenschutzbestimmungen der Deutschen Bank zur Kenntnis genommen.

Dr. Ulrich Stephan

Sie erhalten nach der Registrierung eine E-Mail an die von Ihnen angegebene Adresse. Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung mit dem dort enthaltenen Link.

Sie können sich jeder Zeit, zum Beispiel in jeder E-Mail-Ausgabe von "PERSPEKTIVEN am Morgen", wieder abmelden. Es besteht kein Rechtsanspruch auf den täglichen Erhalt des Newsletters.

Das könnte Sie auch interessieren

Perspektiven Newsletter

PERSPEKTIVEN im Fokus

Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte

Perspektiven Podcast

PERSPEKTIVEN To Go

Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast

Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.

HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden das Video und die Verbindung zu YouTube erst nach einem Klick aktiv. Bereits beim Aktivieren des Videos werden personenbezogene Daten (IP-Adresse) an YouTube bzw. Google gesendet und gegebenenfalls auch dort gespeichert. Wenn Sie den Button "Video aktivieren" anklicken, wird ein Cookie auf Ihrem Computer gesetzt, sodass die Website weiß, dass Sie dem Anzeigen von eingebetteten Videos in Ihrem Browser zugestimmt haben. Weitere Details zu den von Google erhobenen Daten finden Sie unter https://policies.google.com/privacy.