12. Oktober 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
der ungarische Aktienmarkt wird mit Abschlag gehandelt, US-Haushalte erwarten eine anhaltend hohe Inflation, und Künstliche Intelligenz hält Einzug in Europas Unternehmen.
Aktienmarkt Ungarn: Rückenwind aus Europa
Die Aussicht auf einen Beitritt Ungarns zur Eurozone bis 2030 könnte sich zu einem langfristigen Kurstreiber für den ungarischen Aktienmarkt entwickeln, der weiterhin mit einem Abschlag gegenüber anderen osteuropäischen Ländern wie Polen oder Tschechien gehandelt wird. Eine weitere wirtschaftliche Konvergenz könnte die Länder- und Währungsrisikoprämien Ungarns senken, die Finanzierungskosten durch strukturell niedrigere Zinsen reduzieren und die Unternehmensgewinne durch stärkeren Handel sowie höhere Investitionen stützen.Zusätzlichen Rückenwind könnten mögliche Zuflüsse aus dem Aufbau- und Resilienzfonds der EU liefern. Finanzwerte, die rund zwei Drittel des Leitindex BUX ausmachen, könnten von einer stärkeren Kreditnachfrage profitieren. Anleger sollten jedoch beachten, dass die geringe Marktgröße und die hohe Konzentration des ungarischen Aktienmarkts mit einer erhöhten Volatilität einhergehen können.
US-Verbraucher spüren den Preisdruck
Die US-Haushalte erwarten eine anhaltend hohe Inflation. Laut der jüngsten Umfrage der New York Fed stiegen die Inflationserwartungen für die kommenden zwölf Monate um 0,3 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2023. Auch für die nächsten drei Jahre legten sie leicht auf 3,3 Prozent zu. Gleichzeitig rechnen die Haushalte mit höheren Einkommen und Ausgaben. Insgesamt deuten die Umfrageergebnisse auf robuste US-Konsumenten hin, die den erhöhten Preisdruck jedoch zunehmend wahrnehmen. Aus Sicht der US-Notenbank spricht dies für einen restriktiveren geldpolitischen Kurs. Für Anleger bleiben damit Unternehmen mit hoher Preissetzungsmacht und robustem Gewinnwachstum attraktiv, während zinssensitive Marktsegmente anfälliger für eine länger restriktive Geldpolitik bleiben.
Aktien-Anleihen-Diversifikation noch sinnvoll?
Ist die Kombination aus Aktien und Anleihen im Gesamtportfolio in Zeiten höherer Inflationsraten noch sinnvoll? Die Antwort lautet: Ja. Zwar deutet eine Studie der Banque de France darauf hin, dass die Diversifikationsvorteile zwischen Aktien und Unternehmensanleihen im Euroraum in den vergangenen Jahren geringer geworden sind. Steigende Inflationserwartungen und höhere Zinsen belasteten beide Anlageklassen häufig gleichzeitig, sodass sie sich zeitweise ähnlich entwickelten. Allerdings sollten die Ergebnisse nicht überinterpretiert werden. Die Studie betrachtet ausschließlich Aktien und Unternehmensanleihen derselben Emittenten.Aussagen über andere Anlageklassen, beispielsweise Staatsanleihen, lassen sich daraus nur eingeschränkt ableiten. Vor allem kurzlaufende Staatsanleihen könnten weiterhin zur Stabilisierung eines Portfolios beitragen. Zudem bieten die heute höheren Renditen wieder attraktivere laufende Erträge als in der Niedrigzinsphase. Diversifikation bleibt damit weiterhin ein sinnvoller Grundsatz, auch in Zeiten hoher Schwankungen an den Märkten.
Umfrage: KI-Investitionen meist selbstfinanziert
Umfrage: KI-Investitionen meist selbstfinanziert Künstliche Intelligenz (KI) hält zunehmend Einzug in Europas Unternehmen. Laut einer EZB-Umfrage unter rund 5.000 Firmen im Euroraum konzentrieren sich die Investitionspläne für die kommenden zwölf Monate vor allem auf KI-Anwendungen, Mitarbeiterschulungen und Dateninfrastruktur. Größere Unternehmen planen dabei häufiger Investitionen in allen Bereichen. Das passt zur Finanzierung: 72 Prozent wollen ihre KI-Investitionen aus eigenen Mitteln bestreiten, was tendenziell finanzstärkeren Großunternehmen entgegenkommt. Dass externe Finanzierungsquellen meist nur ergänzend genutzt werden, dürfte auch daran liegen, dass sich Software und Fachwissen kaum als Kreditsicherheit eignen. Größere Unternehmen haben somit gute Voraussetzungen, bei der KI-Transformation voranzugehen und ihre Marktposition zu stärken. Zugleich profitieren Anbieter von Software und Dateninfrastruktur von den Investitionen.
Griechenland – zurück in der ersten Börsenliga
Griechenland, einst das Sorgenkind der Euro-Schuldenkrise, hat den Turnaround geschafft. Die Volkswirtschaft erholt sich, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Börse macht deutlich Boden gut. Ist jetzt eine gute Zeit für den Einstieg in den griechischen Markt? Welche Sektoren sollten Anleger im Auge behalten? Darüber sprechen Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To GO.
Was diese Woche wichtig wird
Im Laufe der Woche, Berichtssaison
- USA | Aus dem S&P 500 berichten 26 Unternehmen, darunter JPMorgan, Bank of America, Wells Fargo, Citigroup, Morgan Stanley, Goldman Sachs, BlackRock, Johnson & Johnson und UnitedHealth.
- Europa | Aus dem STOXX 600 berichten acht Unternehmen, darunter ASML, Investor AB, Nordea Bank und Ericsson.
- Asien | Aus Taiwan berichtet Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), aus Hongkong China Mobile und aus Indien berichten unter anderem Reliance Industries, HDFC Bank, ICICI Bank und Bajaj Finance.
Mittwoch
- China | Konsumenten- und Produzentenpreise im September. Die jährliche Teuerungsrate der Konsumentenpreise wird bei 1,0 Prozent erwartet, nach 0,8 Prozent im August. Damit bliebe der Preisdruck trotz des leichten Anstiegs schwach, was die anhaltende Zurückhaltung der Verbraucher und die insgesamt gedämpfte Binnennachfrage widerspiegelt. Deutlich stärker dürfte sich dagegen die Produzentenpreisinflation entwickelt haben: Hier wird ein Anstieg von 3,8 auf 4,5 Prozent erwartet, der höchste Wert seit mehr als vier Jahren. Ausschlaggebend dürften vor allem höhere Energie- und Transportkosten sein.
- USA | Verbraucherpreise im September. Auch in den USA dürften die hohen Öl- und Kraftstoffpreise das Inflationsgeschehen im September geprägt haben. Analysten erwarten im Median einen Anstieg der Konsumentenpreise um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Damit bliebe der Preisdruck auf einem Niveau, das kaum mit dem Inflationsziel der US-Notenbank vereinbar ist. Auch bei der Kernrate wird ein leichter Anstieg von 2,4 auf 2,5 Prozent erwartet. Etwas Entspannung könnten dagegen die am Donnerstag anstehenden Produzentenpreise signalisieren. Sowohl bei der Gesamt- als auch bei der Kernrate werden auf Jahressicht leichte Rückgänge auf 5,3 beziehungsweise 4,4 Prozent antizipiert.
Donnerstag
- Großbritannien | Bruttoinlandsprodukt im August. Volkswirte erwarten für August einen leichten Rückgang des monatlichen Wachstumsindikators um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat. Dies folgt allerdings auf ein kräftiges Plus von 0,4 Prozent im Juli. Ausschlaggebend für die Verlangsamung dürften eine schwächere Aktivität im Dienstleistungssektor und eine geringere Industrieproduktion gewesen sein, während die Bautätigkeit etwas an Schwung gewonnen haben könnte. Der gleitende Drei-Monats-Durchschnitt wird mit 0,5 Prozent leicht über dem Vormonatswert erwartet und würde damit weiterhin auf eine insgesamt solide Konjunktur während der Sommermonate hindeuten.
Zahl des Tages: 11.742
Die Clarion-Clipperton-Zone im tropischen Pazifik gilt als eine der weltweit aussichtsreichsten Regionen für den Tiefseebergbau. Zugleich bildet ihr Sediment den Lebensraum für zahlreiche kaum erforschte Mikroorganismen. Ein Team der chinesischen Chongqing University um Lilan Zhang hat 53 Sedimentproben aus der Region ausgewertet und dabei besonders nach unbekannten Viren Ausschau gehalten. Auf Basis ihrer Daten erstellten die Forscher einen Katalog mit 11.742 genetisch abgegrenzten Virusgruppen, von denen 95,6 Prozent keiner bekannten Virusfamilie zuzuordnen waren. Anders gesagt, fast alle in der Clarion-Clipperton-Zone nachgewiesenen Viren waren der Forschung bislang unbekannt. Über potenzielle Folgen des geplanten Bergbaus gibt die Studie keine Auskunft. Sie dokumentiert aber den Zustand vor möglichen großflächigen Eingriffen – so wollen die Autoren eine Grundlage für spätere Umweltbewertungen schaffen.
Ich wünsche Ihnen einen entdeckungsreichen Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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