24. März 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
der Konflikt um die Straße von Hormus ist noch nicht beendet, die US-Staatsverschuldung dürfte langfristig deutlich ansteigen, und Chinas Tech-Konzerne versprechen ein starkes Gewinnwachstum.
Nahostkonflikt: Märkte atmen vorerst auf
Nach dem Ultimatum des US-Präsidenten Donald Trump zur Öffnung der Straße von Hormus reagierten die Märkte gestern zunächst nervös. Analysten warnen vor einer weiteren Eskalation mit dem Risiko einer globalen Energiekrise, deren Ausmaße an die 1970er Jahre erinnern könnten. Die Drohung der USA, iranische Energieinfrastruktur anzugreifen, erhöht das Eskalationspotenzial – ohne Aussicht auf eine rasche Wiederaufnahme des maritimen Handels. Nachdem sich die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen der für die US-Administration offenbar vernünftigen Marke von 4,5 Prozent genähert hatten, erklärte der Präsident gestern, man befinde sich in Gesprächen mit dem Iran, und verlängerte das Ultimatum bis kommenden Freitag. Die Märkte reagierten umgangen. Die Passage eines Tankers mit irakischem Öl durch die Meerenge verbessert die Stimmung zusätzlich. Der Brent-Ölpreis liegt um rund 15 Prozent. Auch der DAX, der am Morgen noch unter 22.000 Punkten notiert hatte, erholte sich binnen Minuten auf über 23.000 Punkte. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen lagen deutlich von 3,07 auf 2,95 Prozent nach. Der Konflikt ist damit jedoch nicht beendet, und die wirtschaftlichen Folgen der faktischen Blockade der Straße von Hormus bleiben schwer abschätzbar. Die Marktpreise sind weiterhin eine höhere Inflation, aber keine Rezession, ein. Sollte die Situation jedoch erneut eskalieren und die Energiepreise bei gleichzeitig fallenden Zinsen weiter steigen, könnte dies als Vorbote einer drohenden Rezession interpretiert werden.
Die US-Haushaltsbehörde sieht wachsende Risiken
Die aktualisierten 30-Jahres-Projektionen des Congressional Budget Office (CBO) zeichnen ein spürbar eingetrübtes fiskalisches Bild. Die unabhängige, überparteiliche Behörde des US-Kongresses geht davon aus, dass die US-Staatsverschuldung bis ins Jahr 2056 auf rund 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steigen wird – von 99 Prozent im Jahr 2025. Während die Ausgabenquote auf knapp 28 Prozent des BIP anlegen dürfte, bleiben die projizierten Einnahmen mit rund 19 Prozent deutlich zurück. Hauptursachen der wachsenden strukturellen Lücke sind demografisch bedingte Mehrausgaben für Sozialversicherung und öffentliches Gesundheitssystem sowie stark steigende Zinslasten. Letztere entwickeln sich langfristig zum größten Ausgabenposten und könnten bis 2056 rund sieben Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen.
Gleichzeitig wird ein Rückgang des realen Trendwachstums auf durchschnittlich 1,7 Prozent erwartet, was sich angesichts zunehmend produktivitätssteigernder KI-Anwendungen aber auch zu pessimistisch erweisen könnte. Insgesamt unterstreichen die CBO-Projektionen die wachsenden Risiken für die fiskalische Nachhaltigkeit der US-Haushaltspolitik. Dies könnte zu einer Verfestigung erhöhter Renditen beitragen, insbesondere am langen Ende des US-Staatsanleihemarktes.
Aktien China: Tech-Sektor liefert Gewinnimpulse
Die Berichtssaison für das vierte Quartal in China läuft an. Die Unternehmen, die ihre Zahlen bereits veröffentlicht haben, stellen fast ein Drittel der Marktkapitalisierung des CSI 300 Index dar. Analysten prognostizieren für das vierte Quartal ein Gewinnwachstum von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das Geschäftsjahr 2025 erwarten sie ein Wachstum von 13 Prozent, für 2026 einen Anstieg um 16 Prozent. Der Technologiesektor ist maßgeblicher Treiber des Index. Für das vierte Quartal wird für den Sektor im Marktkonsens ein Gewinnwachstum von 146 Prozent prognostiziert, für das Gesamtjahr ein Wachstum von 60 Prozent im Jahr 2025 und 70 Prozent im Jahr 2026. Insgesamt ergibt sich damit ein Bild, in dem das gesamtjährige Wachstum des Index moderat verläuft, der Technologiesektor jedoch weiterhin starke Impulse liefert.
Börsen fahren Achterbahn
Der Irankrieg bleibt das bestimmende Thema an den Finanzmärkten. Hohe Energiepreise, die gesperrte Straße von Hormus und die Sorgen um die Weltwirtschaft belasten die Stimmung an den Märkten, die Schwankungen bleiben hoch. Wie Anleger damit umgehen sollten, welche Risiken, aber auch Chancen es gibt, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge meines Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.
Schweiz: Notenbank zu Interventionen bereit
Notierte der Schweizer Franken als von vielen Anlegern nachgesuchter „sicherer Währungshafen“ noch Mitte März mit weniger als 0,90 Franken pro Euro auf dem höchsten Niveau seit Januar 2015, wertete er zuletzt auf dem niedrigsten Stand seit Ende Februar ab. Ursache hierfür war die Sitzung der Schweizerischen Notenbank SNB. Diese hat zwar den Leitzins bei 0,0 Prozent belassen, aber gleichzeitig eine erhöhte Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt signalisiert, um einer „Raschen und übermäßigen Aufwertung“ des Frankens entgegenzuwirken. Hatten die Terminmärkte kürzlich noch Negativzinsen in der Schweiz, um den Anstieg des Frankens abzubremsen, nicht ausgeschlossen, erscheinen die Risiken für den künftigen Zinspfad momentan stärker nach oben gerichtet. Ein anhaltender Konflikt im Nahen Osten könnte die Energiepreise länger hoch halten und die Inflation in Richtung des oberen Endes des Preisstabilitätsbereichs der SNB bei 2,0 Prozent treiben – ein Risiko, das auch von der SNB angesprochen wurde. Am Freitag wurden an den Zinsterminmärkten infolgedessen auch für die Schweiz knapp zwei Leitzinserhöhungen bis zum Jahresende eingepreist. Dies würde den Franken tendenziell stützen, allerdings dürfte die SNB vermutlich tatsächlich am Devisenmarkt intervenieren, falls es mit einer starken Aufwertung des Frankens einhergeht.
Was diese Woche wichtig wird
Im Laufe der Woche, Berichtssaison
- USA | Aus dem S&P 500 berichten Carnival, Cintax und Paychex.
- Europa | Aus dem STOXX 600 legen 16 Unternehmen ihre Geschäftsberichte vor, darunter H&M, Terna, CTS Eventim und NEXT.
- Asien | Aus China berichten unter anderem Ping An Insurance, Industrial & Commercial Bank, Petrochina, Meituan, BYD und Xiaomi.
Dienstag
- Japan | Konsumentenpreise im Februar. Mit 1,5 Prozent erwarten die Analysten eine Stagnation der Inflation auf dem Januar-Niveau. Der Preisdruck dürfte jedoch künftig wieder zunehmen. Japans Notenbank verwies zuletzt auf die Irankrise und höhere Energiepreise als Belastungsfaktoren für Inflation und Konjunktur. Entsprechend groß ist das Interesse an den ebenfalls am Dienstag anstehenden Flash-Einkaufsmanager-Indizes, die Hinweise geben werden, wie stark der Krieg am Golf die Stimmung in Japans Privatwirtschaft bereits gedämpft hat. Mit 53,9 Punkten liegt der branchenübergreifende Composite-PMI zuletzt allerdings noch komfortabel in der Wachstumszone.
- Eurozone | S&P Global Einkaufsmanager-Indizes, Vorabschätzung für März. Deutlich weniger Spielraum in Richtung Kontraktionsbereich als in Japan zeigten die PMIs im Februar in der Eurozone. Für März wird zudem ein breiter angelegter Stimmungsrückgang erwartet – sowohl im verarbeitenden Gewerbe (von 50,8 auf 49,5 Punkte) als auch bei den Dienstleistern (von 51,9 auf 51,0 Punkte). Der Composite-PMI würde mit erwarteten 51,0 Punkten zwar weiterhin Wachstum signalisieren, allerdings mit nachlassender Dynamik. Ein stärkerer Stimmungsabschwung, der stärker ausfällt, als erwartet, könnte Stagnationssorgen schüren und sowohl europäische Aktien als auch den Euro belasten.
- USA | S&P Global Einkaufsmanager-Indizes für März. Auch unter US-Unternehmen dürfte sich die Stimmung im März angesichts deutlich gestiegener Dieselpreise und Transportkosten sowie wachsender Sorgen über Lieferketten-Engpässe eingetrübt haben. Zwar signalisierte der branchenübergreifende Einkaufsmanagerindex mit 51,9 Punkten im Februar noch eine robuste Ausweitung der Aktivitäten. Erste März-Umfragen unter US-Haushalten zeigen jedoch zunehmend Wolken am Konsumhimmel, die früher oder später auch die Aussichten für Industrie- und Service-Unternehmen dämpfen könnten.
Zahl des Tages: 20
Ein Team um Hannah Griebling von der kanadischen University of British Columbia wollte das Problemlösungsverhalten von Waschbären untersuchen. Sie setzen den Tieren eine „Puzzle Box“ vor – einen Kasten mit mehreren Zugängen, Riegeln, Schiebetüren und Drehknöpfen – und platzierten darin einen Marshmallow. Die Waschbären hatten 20 Minuten Zeit, um sich die Süßigkeit zu sichern. Die Überraschung folgte, nachdem das Marshmallow verzehrt war: Obwohl es keine Belohnung mehr gab, probierten die Tiere die Puzzle Box eigentlich weiter. Dass Waschbären aus reiner Neugier Probleme lösen, könnte sich in komplexen Umgebungen auszahlen – zum Beispiel in den kanadischen Großstädten, in denen sie längst heimisch sind.
Handeln Sie heute zielorientiert.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
PERSPEKTIVEN am Morgen: Störung im Anmeldeprozess
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Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.
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