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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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25. Juni 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die Zahl börsennotierter Unternehmen in Europa geht zurück, deutsche China-Exporteure hoffen auf einen vorteilhafteren Wechselkurs, und die Ölpreise könnten nahe einer Bodenbildung sein.

Börsengänge in Europa unattraktiv?  

Mit zunehmendem Wachstum und zunehmender Reife der Privatmärkte in Europa ist die Anzahl der Unternehmen, die durch privates Eigenkapital finanziert werden, per Ende des ersten Quartals auf nahezu 15.000 Firmen gestiegen. Zum Vergleich: Die Anzahl börsennotierter Firmen lag zur gleichen Zeit bei rund 6.200, dem niedrigsten Stand seit 2017. Während die Anzahl privat finanzierter Unternehmen im ersten Quartal nur gering anstieg, sank die Anzahl börsennotierter Firmen um über fünf Prozent. Der nahezu geschlossene IPO-Markt in Europa verstärkt diesen Trend. In den ersten fünf Monaten 2026 gingen nur sieben privat finanzierte Unternehmen in Europa an die Börse und erzielten eine Marktkapitalisierung von rund 2,5 Milliarden Euro. Zugleich bevorzugen viele europäische Unternehmen Börsengänge in den USA. Ohne deutliche Marktverbesserung könnte sich der Trend zur Verlagerung europäischer Unternehmenseigentümerschaft in private Hände oder zu Börsennotierungen außerhalb Europas weiter fortsetzen.

Deutschland–China: Wende beim Wechselkurs

Die relative preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie gegenüber China ist seit der Pandemie um rund 40 Prozent gesunken, da sich die Erzeugerpreise stark auseinanderentwickelt haben, ohne dass dies durch den Wechselkurs ausgeglichen wurde. Der deutliche Rückgang der deutschen Handelsbilanz gegenüber China ist weitgehend auf die Aufwertung des realen Wechselkurses zurückzuführen. Seit Ende vergangenen Jahres begann sich das Blatt jedoch zu wenden, und diese Entwicklung hat sich in den vergangenen Monaten fortgesetzt. Zwar sind die Erzeugerpreise in Deutschland infolge des Energiepreisschocks stärker gestiegen als in China, doch wertet Chinas nominaler Wechselkurs von unterbewerteten Niveaus aus langsam, aber stetig weiter auf. Für die zweite Jahreshälfte erwarten Analysten, dass sich eine Wende beim realen Wechselkurs und bei der Handelsbilanz abzeichnen könnte. Ein vorteilhafterer Wechselkurs könnte insbesondere jene Sektoren der deutschen Industrie unterstützen, für die China ein wichtiger Absatzmarkt darstellt, wie zum Beispiel Maschinenbau, Chemie und Autos. 

US-Inflation im Mai leicht unter den Erwartungen 

Etwas geringer als erwartet ist die US-Inflation, gemessen am Preisdeflator für persönliche Konsumausgaben (PCE), im Mai im Vergleich zum Vormonat gestiegen: Das breitere Inflationsmaß als der Konsumentenpreisindex legte um 0,4 Prozent zu, während der Marktkonsens von 0,5 Prozent ausgegangen war. Hauptverantwortlich für den Anstieg waren primär die Bereiche Wohnungseinrichtung und Haushaltswaren (plus 1,2 Prozent), Kraftfahrzeuge (0,9 Prozent) und Freizeitgüter (0,8 Prozent), während die Energie- und Kraftstoffpreise um 2,4 Prozent sanken. Die Daten deuten darauf hin, dass sich der Anstieg der Energiepreise im Frühjahr allmählich auch in anderen Bereichen niederschlägt. Der für die Geldpolitik der US-Notenbank Fed entscheidende, um Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kern-PCE-Index erhöhte sich erwartungsgemäß in der Jahresrate von 3,3 Prozent auf 3,4 Prozent, den höchsten Stand seit Oktober 2023. Die US-Verbraucher lassen sich die Konsumlaune aber noch nicht verderben: Der reale private Konsum stieg im Mai um 0,3 Prozent und damit stärker als erwartet. Der moderate monatliche Anstieg der PCE-Rate und die robusteren Konsumausgaben hatten zur Folge, dass sich die Markterwartungen an potenzielle Zinserhöhungen der Fed nur wenig veränderten.

Ölpreis fällt auf Vor-Krisen-Niveau 

Mit rund 72,10 US-Dollar je Barrel sanken die Preise für Brent-Öl erstmals seit Ende Februar unter 72,48 Dollar, den Schlusskurs vor Beginn der Eskalation im Nahen Osten. Nachdem zuletzt immer mehr Tanker die Straße von Hormus offen passierten, gehen viele Marktakteure nun davon aus, dass die Ölmärkte sich in Richtung eines höheren Angebots bei gleichzeitig sinkender Nachfrage bewegen. Einem Agenturbericht zufolge würden Käufer aktuell mit Angeboten aus dem Nahen Osten und aus Afrika „nahezu überschwemmt“. Die steigende Verfügbarkeit von Öl hat auch die Preise für physische Lieferungen gedrückt. Eine am Markt viel beachtete Kennzahl, der sogenannte Brent-Prompt-Spread, drehte am Mittwoch erstmals seit Kriegsbeginn in eine bearishe Struktur, nämlich einen Abschlag für sofort verfügbare Ware verglichen mit den Preisen für eine spätere Lieferung. Allerdings könnten die Ölpreise nun nahe einer Bodenbildung sein: Der anfängliche Energiepreisschock ging zulasten von Lagerbeständen, die nun wieder aufgefüllt werden müssen. Dies gilt sowohl für strategische Reserven der OECD-Länder als auch für die handelbaren US-Lagerbestände in Cushing im Bundesstaat Oklahoma. Die Vorräte dort waren in der vergangenen Woche auf rund 19 Millionen Barrel gefallen und damit unter ein Niveau, das als operative Mindestanforderung gilt. Im Normalfall werden dort zwischen 35 und 45 Millionen Barrel gelagert.

Das für die kommenden zwölf Monate erwartete Gewinnwachstum ist mit rund zehn Prozent so gering wie in kaum einem anderen Schwellenland. Ein Verbleib des indonesischen Aktienmarktes im EM-Index ist zwar möglich, die schwachen Fundamentaldaten sowie der gedämpfte Ausblick halten mich jedoch zunächst an der Seitenlinie.

Globale Risiken, geldpolitische Signale – und die Folgen für die Märkte

Zwischen Iran-Verhandlungen, Ölpreisentwicklung und Zinsentscheiden von Fed und EZB: Die Kapitalmärkte stehen erneut im Spannungsfeld globaler Einflussfaktoren. Was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger? Das erfahren Sie von Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer in der aktuellen Folge.

Zahl des Tages: 44,71

Für Hari Chandra Giri steht die Welt regelmäßig Kopf. Und das ist wortwörtlich zu nehmen: Der Sportler aus Nepal hat schon mehrere Rekorde im Handstandlaufen aufgestellt, den jüngsten in Südwestchina. An einem Berghang in der Region Chongqing lief Giri hundert steinerne Treppenstufen in einer Zeit von 44,71 Sekunden auf den Händen abwärts. Nicht ganz ungefährlich – ein Sturz hätte fatale Folgen haben können. Giris bisherige Bestleistungen waren ebenfalls erstaunlich, wenn auch etwas weniger risikoreich: Unter anderem trank er auf den Händen stehend in 24 Sekunden einen halben Liter Zitronensaft.

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Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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