6. Mai 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die Bank of Japan stabilisiert den Yen unter 160 Yen je US-Dollar, der starke Eindruck der US-Berichtssaison für das erste Quartal 2026 bestätigt sich, und die Vereinigten Arabischen Emirate treiben die Umsetzung ihres strategischen Energieausbaus voran.
Bank of Japan bremst Yen-Abwertung kurzfristig
Die Bank of Japan intervenierte an den Währungsmärkten, nachdem der Yen am vergangenen Donnerstag auf rund 160,7 Yen pro US-Dollar gefallen war – den tiefsten Stand seit Juli 2024.
Marktbeobachter schätzen den Einsatz zur Stützung der Währung auf rund 34,5 Milliarden US-Dollar; danach stieg der Yen auf etwa 155,6 Yen je Dollar. An den Märkten gilt das als Signal, dass die Schwelle von 160 Yen je Dollar für die Währungshüter eine klare Grenze ist, die sie bei Bedarf erneut verteidigen. Für eine nachhaltige Erholung bräuchte es jedoch sowohl eine spürbare Entspannung im Nahostkonflikt – da Japan stark von Energieimporten abhängig ist – als auch eine geringere Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan, die Kapital nach Japan zurücklenken könnte. Solange beides ausbleibt, dürfte der Abwertungsdruck auf den Yen anhalten.
Berichtssaison USA: Starkes Gewinnwachstum gibt Aktienrally Rückenwind
Der starke Eindruck der US-Berichtssaison für das erste Quartal 2026 bestätigt sich, nun, da bereits etwa zwei Drittel der Unternehmensberichte des S&P 500 vorliegen. Es zeichnet sich gegenüber dem Vorjahr ein Gewinnwachstum von beachtlichen 28 Prozent ab. Zwar ist dieser Wert durch Sondereffekte einzelner Großkonzerne nach oben verzerrt, doch mit 83 Prozent übertroffenen Analystenschätzungen ist auch die Ergebnisbreite klar positiv. Die Ölpreise spielten in der Berichtssaison bislang nur eine untergeordnete Rolle. Trotz zunehmender Risikohinweise der Unternehmen blieben konkrete Anpassungen der Ausblicke weitgehend aus. Dies dürfte daran liegen, dass Energiekosten für die meisten Firmen nur einen geringen Anteil der Gesamtkosten ausmachen und Konsumschwächen sich üblicherweise erst mit einer Verzögerung von wenigen Quartalen bemerkbar machen. Die erneut höher als erwartet ausgefallenen Investitionsausgaben der großen Technologiekonzerne für Künstliche Intelligenz wurden an den Börsen gemischt aufgenommen. Unbestritten ist jedoch, dass der Investitionsboom anhält. Das Investitionswachstum der Unternehmen im S&P 500 gegenüber dem Vorjahr dürfte im ersten Quartal so hoch sein wie seit 2001 nicht mehr. Insgesamt unterstützt die Berichtssaison die jüngste US-Aktienrally.
VAE planen Energieprojekte im Wert von 55 Milliarden US-Dollar
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) treiben die Umsetzung ihres strategischen Energieausbaus voran: Am vergangenen Sonntag stellte der führende staatliche Energieproduzent für den Zeitraum von 2026 bis 2028 die Vergabe von Projekten im Umfang von rund 55 Milliarden US-Dollar entlang der gesamten Energieinfrastruktur vor – von der Förderung von Öl und Gas über dessen Transport bis hin zur Weiterverarbeitung in Raffinerien und Chemieanlagen. Die Maßnahmen sind Teil einer bis 2030 angelegten Investitionsinitiative über insgesamt 150 Milliarden US-Dollar. Parallel wird der Ausbau zusätzlicher Pipelinekapazitäten zum Golf von Oman vorangetrieben, um die Abhängigkeit von der Straße von Hormus zu reduzieren. Vor dem Hintergrund des Austritts der VAE aus dem Förderkartell der OPEC zum 1. Mai wird damit der eingeschlagene Kapazitätsausbau weiter konkretisiert und beschleunigt. Die geplanten Aufträge sollen gezielt an lokale Anbieter vergeben werden, um Lieferketten zu stabilisieren und die heimische Industrie zu stärken. Für Anleger rücken damit insbesondere Anbieter von Bohr-, Ausrüstungs-, Transport- sowie Bau- und Industriedienstleistungen entlang der Energieförderungs- und Prozesskette in den Fokus, die von steigenden Investitionen und zunehmender Projektaktivität profitieren könnten.
Geringere externe Abhängigkeiten stärken Lateinamerikas Anleihemärkte
Lateinamerikanische Staatsanleihen zeigen sich in der aktuellen Iran-Krise und im Zuge der daraus resultierenden US-Dollar-Aufwertung im Vergleich zu ihren asiatischen Pendants widerstandsfähig. Anders als viele asiatische Volkswirtschaften ist die Region kaum von Energieimporten über die Straße von Hormus abhängig und damit weniger exponiert gegenüber Energiepreisschocks. Gleichzeitig hat Lateinamerika die strukturellen Verwundbarkeiten früherer Jahrzehnte deutlich reduziert. Insbesondere die Abkehr von einer ausgeprägten Fremdwährungsverschuldung in US-Dollar stärkt heute die makroökonomische Stabilität vieler Länder der Region. Ein Großteil der Staatsfinanzierung erfolgt inzwischen in lokaler Währung, was Wechselkursschocks abfedert und Refinanzierungsrisiken begrenzt. Sowohl Brasilien als auch Mexiko finanzieren über 80 Prozent ihrer Staatsanleihen in Lokalwährung. Brasilianische Lokalwährungs-Staatsanleihen erzielten im ersten Quartal eine US-Dollar-basierte Performance von rund sieben Prozent, während indische Staatsanleihen um knapp sechs Prozent nachgaben. Insgesamt unterstreicht die aktuelle Marktreaktion, dass lateinamerikanische Staatsanleihen inzwischen besser gegen externe Schocks gewappnet sind als in früheren Zyklen.
Notenbanken im Wartemodus
Der Nahostkonflikt und steigende Energiepreise erhöhen die Inflationsrisiken. Zugleich schwächt sich das Wachstum in Europa ab, während die US‑Wirtschaft robust bleibt. Fed, EZB und andere Notenbanken stehen vor der Frage: abwarten oder handeln? Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich ordnen die aktuelle Lage von Wirtschaft und Märkten ein.
Zahl des Tages: 320
Utopia Planitia ist eine ausgedehnte Ebene in der nördlichen Hemisphäre des Mars. Dort hat die Sonde Mars Express der Europäischen Raumfahrtagentur ESA jetzt eine bemerkenswerte Veränderung registriert: Eine dunkle Fläche, die wie ein schwarzer Schatten auf der Ebene zu liegen scheint, hat sich in den letzten 50 Jahren um mindestens 320 Kilometer nach Süden ausgedehnt. Die Ursachen sind noch unklar. ESA-Wissenschaftler haben zwei mögliche Erklärungen parat, die beide damit zu tun haben, dass auf dem roten Planeten oft ein kräftiger Wind weht: Entweder wurde dunkle Asche von Marswinden großflächig aufgewirbelt und verweht, oder der ockerfarbene Staub, der zuvor die Asche bedeckte, wurde weggepustet.
Ich wünsche Ihnen einen Tag mit Rückenwind.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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