PERSPEKTIVEN am Morgen

Starten Sie gut informiert
in den Tag

Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
Jeden Morgen um 7.00 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

05. Oktobter 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

in den USA wurden weniger neue Stellen geschaffen als erwartet, der globale Private-Equity-Markt gewinnt an Dynamik, und Europas Bankaktien leiden unter politischer und fiskalischer Unsicherheit.

Abkühlung am US-Jobmarkt dämpft Zinssorgen 

Der US-Arbeitsmarktbericht für September signalisierte eine leichte Abkühlung. Außerhalb der Landwirtschaft wurden lediglich 29.000 neue Stellen geschaffen und damit spürbar weniger als die von Analysten erwarteten 90.000. Die Arbeitslosenquote stieg leicht von 4,1 auf 4,2 Prozent, während die Erwerbsquote von 61,6 auf 61,8 Prozent zunahm. Auch die Zahl der neu geschaffenen Stellen des Vormonats wurde von 162.000 auf 133.000 nach unten revidiert. Die schwächeren Arbeitsmarktdaten sprechen gegen eine Überhitzung der US-Wirtschaft und dürften den Druck auf die US-Notenbank mindern, nach der jüngsten Leitzinserhöhung bereits im Oktober einen weiteren Zinsschritt vorzunehmen. Die globalen Finanzmärkte reagierten auf die Zahlen mit fallenden US-Staatsanleihe-Renditen und einem schwächeren US-Dollar, während der S&P 500 zulegte. 

Private Equity: Verkäufe nahe Rekordniveau

Der globale Private-Equity-Markt hat nach einem gedämpften ersten Halbjahr im dritten Quartal wieder an Dynamik gewonnen. Unternehmensverkäufe erreichten einen Wert von mehr als 450 Milliarden US-Dollar und lagen damit nahe dem Rekordniveau von 2021. Einige sehr große Transaktionen haben Investoren so dringend benötigte Liquidität verschafft. Für Anleger kann dies ein positives Signal sein, da erfolgreiche Verkäufe Kapital an Investoren zurückführen und die Grundlage für neue Investitionen schaffen. Anleger in Private-Equity-Fonds sollten beobachten, ob die starke Exit-Aktivität in den kommenden Quartalen nach mehreren Jahren schwacher Ausschüttungen für Anleger anhält. Im aktuellen Umfeld dürften für Anleger insbesondere diejenigen Manager interessant bleiben, die Unternehmen bereits in der Vergangenheit erfolgreich skaliert haben und somit über bessere Veräußerungschancen verfügen könnten. 

Anleiheturbulenzen: Schweizer Franken gestärkt

War der Schweizer Franken Mitte September noch auf ein Jahrestief gegenüber dem Euro gefallen, wertete er Ende vergangener Woche zeitweise um mehr als zwei Prozent gegenüber der Gemeinschaftswährung auf. Grund hierfür war die verstärkte Suche der Anleger nach „sicheren Häfen“ infolge der turbulenten Bewegungen an den Staatsanleihemärkten. Insbesondere die deutliche Ausweitung des Renditeabstands zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen ging mit einer kräftigen Aufwertung des Schweizer Franken einher. Zudem wurden die Erwartungen an den Zinsterminmärkten hinsichtlich möglicher Leitzinserhöhungen der EZB in den kommenden Monaten spürbar zurückgenommen, was den Franken gegenüber dem Euro zusätzlich unterstützte. Die Zinsdifferenz zu den Nullzinsen der Schweiz dürfte damit künftig weniger stark ansteigen, als noch Ende September eingepreist worden war. Außerdem nährte der Anstieg der Inflationsrate auf 1,0 Prozent im September Spekulationen an den Zinsterminmärkten, dass auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) 2027 die Leitzinsen erhöhen könnte. Darüber hinaus rückte die SNB in ihrer Kommunikation zuletzt von ihrer zuvor ausgeprägteren und eher einseitigen Bereitschaft ab, gegen eine Aufwertung des Frankens zu intervenieren. Der Franken könnte daher kurzfristig gefragt bleiben und dabei vor allem auf Entwicklungen an den europäischen Staatsanleihemärkten reagieren, primär im Zusammenhang mit französischen Risikoprämien.

Europäische Bankaktien günstiger bewertet

Europäische Bankaktien gerieten zuletzt deutlich unter Druck. Auslöser waren insbesondere steigende Risikoprämien für Staatsanleihen in Frankreich und Italien, höhere Energiepreise sowie Sorgen über die Belastbarkeit der europäischen Wirtschaft. Der europäische Bankenindex verlor am Donnerstag fast vier Prozent. Die Kursverluste dürften dabei vor allem politische und fiskalische Unsicherheiten widerspiegeln und weniger eine Verschlechterung der Fundamentaldaten vieler Institute. Zwar belasten höhere Risikoprämien kurzfristig die Stimmung, gleichzeitig profitieren Banken weiterhin von erhöhten Zinsen am langen Ende der Zinskurve und einer insgesamt robusten Wirtschaftsentwicklung. Für langfristig orientierte Anleger könnten die jüngsten Rückschläge daher Chancen bieten, Positionen in ausgewählten europäischen Bankaktien zu attraktiveren Bewertungen auszubauen.

Allzeithoch trotz Renditegegenwind 

Trotz kräftiger Turbulenzen an den Anleihemärkten notieren viele Aktienindizes nahe ihren Allzeithochs. Sind die Investoren zu sorglos oder gibt es gute Gründe für diese Entwicklung? Und bleiben Aktien in privaten Anlageportfolios weiterhin alternativlos? Darüber sprechen Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.

Was diese Woche wichtig wird 

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • USA | Aus dem S&P 500 berichten PepsiCo, Delta Air Lines und Constellation Brands.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 berichten Tesco, Industrivärden und Tryg.
  • Asien | Aus Japan legt unter anderem Fast Retailing Zahlen vor, aus Indien berichtet Tata Consultancy Services (TCS). 
  • Montag, USA | ISM-Dienstleistungsindex im September. Für den Gesamtindex wird ein leichter Rückgang von 55,4 auf 55,2 Punkte erwartet. Der wichtige Frühindikator würde damit weiterhin auf eine robuste Expansion des Dienstleistungssektors hindeuten, der rund 80 Prozent der US-Wirtschaftsleistung ausmacht. Für den Subindex der bezahlten Preise wird ein Anstieg auf 73 Punkte prognostiziert, was auf zunehmenden Preisdruck auf hohem Niveau hindeuten würde. Der Beschäftigungsindex dürfte mit 49 Punkten zwar weiterhin einen leichten Stellenabbau signalisieren, allerdings mit nachlassender Dynamik. Insgesamt könnten die Daten die Erwartung stützen, dass die US-Notenbank vor einer möglichen erneuten Straffung zunächst weitere harte Daten zu Konjunktur, Inflation und Arbeitsmarkt abwartet. 
  • Mittwoch, Deutschland | Industrieproduktion im August. Im Median prognostizieren Analysten einen Anstieg um 1,0 Prozent gegenüber dem Vormonat. Der überraschend schwache Juli (minus 1,1 Prozent) wäre damit weitgehend ausgeglichen. Mit Blick nach vorn werden wohl auch die bereits am Vortag veröffentlichten Auftragseingänge relevant sein. Nach dem vor allem von Großaufträgen getragenen Anstieg um 2,5 Prozent im Juli wird für August ein Rückgang um 1,0 Prozent zum Vormonat erwartet. Insgesamt mehren sich jedoch die Anzeichen, dass die deutsche Industrie die Talsohle hinter sich lässt. Darauf deuten auch die jüngsten Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe hin, die im September sowohl bei der Produktion als auch bei den Neuaufträgen eine fortgesetzte Belebung signalisierten. 
  • Freitag, USA | Universität von Michigan, Index der US-Konsumenten für Oktober. Analysten erwarten im Median einen leichten Rückgang von 48,1 auf 48,0 Punkte. Der seit Juli zu beobachtende Abwärtstrend würde sich damit fortsetzen. In der vergangenen Umfrage belasteten vor allem die deutlich gestiegenen Verbraucherpreise und die damit verbundenen Sorgen um die Kaufkraft die Einschätzung der aktuellen finanziellen Lage sowie der wirtschaftlichen Aussichten der US-Haushalte. Besonderes Augenmerk gilt erneut den Inflationserwartungen, die zuletzt sowohl im Ein-Jahres-Bereich auf 4,6 Prozent als auch im Fünf-Jahres-Horizont auf 3,4 Prozent gestiegen waren. Setzt sich dieser Aufwärtstrend fort, könnte der Druck auf die US-Notenbank zunehmen, einem möglichen Entankern der Inflationserwartungen entgegenzuwirken.

Zahl des Tages: 21,5–16,9

„Das Küssen stellt ein evolutionäres Problem dar, da es offenbar weder das Überleben noch die Fortpflanzung in offensichtlicher Weise fördert, während die potenziellen Risiken einer Krankheitsübertragung hoch sind. Worin besteht sein Nutzen oder seine adaptive Funktion?“ Das fragen sich Matilda Brindle von der Universität Oxford und ihre Kollegen in einer aktuellen Studie und versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Schon vor 21,5 bis 16,9 Millionen Jahren könnten demnach Großaffen die ersten Küsse ausgetauscht haben; auch Neandertaler haben sich wahrscheinlich geküsst. Und warum das alles? Möglicherweise hat sich das Küssen aus der Weitergabe vorgekauter Nahrung entwickelt, schlagen die Forscher nüchtern vor – für diese unromantische Bestandsaufnahme wurden Brindle und Team jetzt mit einem Ig-Nobelpreis für kuriose Forschung 2026 ausgezeichnet.

Ich wünsche Ihnen einen realistischen Tag.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

"PERSPEKTIVEN am Morgen" - Newsletter

Erhalten Sie den Marktkommentar von Dr. Stephan jeden Morgen als E-Mail direkt in Ihren Postkorb.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Anrede

Mit der Registrierung habe ich die Datenschutzbestimmungen der Deutschen Bank zur Kenntnis genommen.

Dr. Ulrich Stephan

Sie erhalten nach der Registrierung eine E-Mail an die von Ihnen angegebene Adresse. Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung mit dem dort enthaltenen Link.

Sie können sich jeder Zeit, zum Beispiel in jeder E-Mail-Ausgabe von "PERSPEKTIVEN am Morgen", wieder abmelden. Es besteht kein Rechtsanspruch auf den täglichen Erhalt des Newsletters.

Das könnte Sie auch interessieren

Perspektiven Newsletter

PERSPEKTIVEN im Fokus

Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte

Perspektiven Podcast

PERSPEKTIVEN To Go

Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast

WICHTIGE HINWEISE:
Bei diesen Informationen handelt es sich um Werbung. Diese Texte genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Anlage- und Anlagestrategieempfehlungen oder Finanzanalysen. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor beziehungsweise nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die in diesem Text gemachten Angaben stellen keine Anlageempfehlung, Anlageberatung oder Handlungsempfehlung dar, sondern dienen ausschließlich der werblichen Information. Die Angaben ersetzen nicht eine auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers abgestimmte Beratung. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen.

Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden.

Die vollständigen Angaben zum jeweiligen Fonds sind dem Basisinformationsblatt und dem Verkaufsprospekt, ergänzt durch den jeweiligen letzten geprüften Jahresbericht und den jeweiligen Halbjahresbericht, falls ein solcher jüngeren Datums als der letzte Jahresbericht vorliegt, zu entnehmen. Diese Unterlagen stellen die allein verbindliche Grundlage des Kaufs von Anteilen des jeweiligen Fonds dar. Sie sind in elektronischer oder gedruckter Form kostenlos bei Ihrem Berater erhältlich. Weitere ausführliche allgemeine Informationen zu Investmentfonds enthält zudem die Broschüre „Basisinformation über Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen“, welche ebenso kostenlos bei Ihrem Berater erhältlich ist.

Jede Geldanlage ist mit Risiken verbunden. Es gibt keine Garantie und Marktschwankungen können zu Verlusten bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Über die speziellen Risiken eines Wertpapierprodukts informieren die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen. Wertentwicklungen in der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Sofern es in diesem Dokument nicht anders gekennzeichnet ist, geben alle Meinungsaussagen die aktuelle Einschätzung der Deutschen Bank wieder, die sich jederzeit ändern kann.

ZUM THEMA NACHHALTIGKEIT:
Derzeit fehlt es an einheitlichen Kriterien und einem einheitlichen Marktstandard zur Bewertung und Einordnung von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten als nachhaltig. Dies kann dazu führen, dass verschiedene Anbieter die Nachhaltigkeit von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten unterschiedlich bewerten. Zudem sind die gesetzlichen Vorgaben zur Offenlegung der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und zum Umgang mit dem Thema ESG (Environment = Umwelt, Social = Soziales, Governance = Unternehmensführung) und Sustainable Finance (nachhaltige Finanzwirtschaft) einem stetigen Wandel unterworfen. Die Auslegung der relevanten gesetzlichen Regelungen ist zudem nicht eindeutig und abschließend. All dies kann dazu führen, dass gegenwärtig als nachhaltig bezeichnete oder beworbene Finanzdienstleistungen und Finanzprodukte die künftigen gesetzlichen Anforderungen an die Qualifikation als nachhaltig oder als Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigend nicht erfüllen.

Soweit in dieser Marketinginformation von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Deutsche Bank AG, Taunusanlage 12, 60325 Frankfurt, Deutschland.

© Deutsche Bank AG 2026

Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden das Video und die Verbindung zu YouTube erst nach einem Klick aktiv. Bereits beim Aktivieren des Videos werden personenbezogene Daten (IP-Adresse) an YouTube bzw. Google gesendet und gegebenenfalls auch dort gespeichert. Wenn Sie den Button "Video aktivieren" anklicken, wird ein Cookie auf Ihrem Computer gesetzt, sodass die Website weiß, dass Sie dem Anzeigen von eingebetteten Videos in Ihrem Browser zugestimmt haben. Weitere Details zu den von Google erhobenen Daten finden Sie unter https://policies.google.com/privacy.