21. April 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
der S&P 500 erreicht ein Allzeithoch bei schmaler Marktbreite, Angebotsengpässe stützen Industriemetallpreise, und der Renminbi gewinnt im geopolitischen Umfeld an Bedeutung.
S&P 500: neues Allzeithoch, geringe Marktbreite
Der S&P 500 hat die Verluste nach den jüngsten Spannungen im Nahen Osten wettgemacht und vergangene Woche ein Allzeithoch erreicht.
Die Rally ruht jedoch auf schmalen Schultern: IT und Kommunikationsdienstleistungen tragen mehr als zwei Drittel des Anstiegs; die Marktbreite ist auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2023 gefallen. Auch bei den Gewinnschätzungen zeigt sich Konzentration: Seit Beginn des Irankonflikts wurden die Gewinnerwartungen für 2026 zwar angehoben, positive Revisionen gab es aber nur bei den Sektoren Energie, IT und Grundstoffen – ein einzelnes Unternehmen erklärt mehr als die Hälfte der positiven Gewinnanpassungen auf Indexebene. Nach der schnellen Erholung der vergangenen Wochen könnte der Markt kurzfristig eine Pause einlegen. Breitere Impulse sehe ich, falls sich die geopolitische Lage entspannt und die laufende Berichtssaison überzeugt.
Angebotsengpässe stützen Aluminium- und Kupferpreise
Die Aluminiumpreise werden weiterhin vom deutlich verknappten Angebot nach der Sperrung der Straße von Hormus gestützt. Seit Jahresbeginn hat sich das Metall um rund 19 Prozent verteuert. Nach den kräftigen Rückgängen im März, als sich die globalen Konjunkturaussichten wegen des Konflikts im Nahen Osten eintrübten, legten auch andere Industriemetalle zuletzt wieder zu. Bei Kupfer und Zink kommt hinzu, dass China ab Mai keine Schwefelsäure mehr exportiert. Schwefelsäure ist für viele Kupferproduzenten unverzichtbar; ohne sie wäre rund ein Fünftel des weltweiten Kupferangebots nicht herstellbar. Das trifft besonders Produzenten in Chile und in der Demokratischen Republik Kongo, weil sich die Verfahren kurzfristig kaum umstellen lassen. Vieles spricht daher für einen strukturell höheren Preisboden bei Kupfer, mit kleineren und kürzeren Korrekturen.
Chinas Währung profitiert vom geopolitischen Umfeld
Im März entfielen erstmals 56 Prozent der von chinesischen Banken abgewickelten grenzüberschreitenden Zahlungen auf den Renminbi, während der Anteil des US‑Dollars unter 40 Prozent sank. Dies signalisiert keine abrupte Trendwende, sondern eine Beschleunigung einer seit Jahren beobachtbaren Entwicklung, die durch den Irankrieg zusätzlich an Dynamik gewonnen hat. In einem Umfeld erhöhter geopolitischer und finanzieller Unsicherheit zeigt sich der Renminbi bemerkenswert stabil. Seit Ende Februar legt er – im Rahmen des täglichen Fixings und der engen Steuerung durch die chinesische Notenbank – moderat gegenüber dem US‑Dollar zu und weist deutlich geringere Schwankungen auf als andere wichtige Währungen.
Diese Stabilität steigert seine Attraktivität für Handel, Zahlungsverkehr und Finanzierung, insbesondere im asiatischen Wirtschaftsraum. Mit einem absehbaren Verlust der Rolle des US‑Dollars als zentrale globale Handels‑ und Reservewährung ist jedoch nicht zu rechnen. Diese Stellung beruht weiterhin auf der Größe und Liquidität der US‑Finanzmärkte, dem tiefen Markt für Staatsanleihen sowie einem über Jahrzehnte aufgebauten Vertrauensvorschuss. Mittelfristig spricht daher vieles für eine zunehmende Fragmentierung des globalen Währungssystems. Der Renminbi gewinnt dort an Bedeutung, wo reale Handelsströme dominieren, während der US‑Dollar das Rückgrat des globalen Finanzsystems bleiben dürfte.
Der Nahe Osten hält die Märkte in Atem
US-Präsident Donald Trump und der Irankrieg halten die Märkte weiter in Atem. In den USA und in Europa läuft die Berichtssaison an. Damit rücken Fundamentaldaten wieder in den Fokus. Übertreffen die Unternehmen die Erwartungen sogar? Wie die aktuelle Lage aussieht und wie sich Anlegende mit den Unsicherheiten auseinandersetzen können, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.
Zahl des Tages: 82
Was weiß ein Putzerfisch über sich selbst? Nicht viel, sollte man meinen. Japanische Wissenschaftler um Masanori Kohda von der Osaka Metropolitan University sehen das anders: Das Team arbeitet seit Jahren daran, die kognitiven Fähigkeiten der kleinen Riffbewohner zu erforschen. So benötigten Putzerfische im Schnitt 82 Minuten, um eine an ihrem Körper angebrachte Markierung zu entfernen, nachdem sie sich selbst im Spiegel gesehen hatten. Auch besitzen die Tiere offenbar eine gewisse Experimentierfreude: Sie ließen kleine Garnelenstückchen fallen und beobachteten sie im Spiegel. Die Forscher glauben, dies alles könnte auf ein Ich-Bewusstsein hinweisen – wie es zum Beispiel auch Delfine zeigen.
Ich wünsche Ihnen einen selbstbewussten Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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