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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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23. März 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

der portugiesische Aktienmarkt bleibt robust, die australische Notenbank könnte den Leitzins weiter anheben, und in Indien ist die Nachfrage nach Goldkrediten deutlich gestiegen.

US-Banken: Kapitalanforderungen sollen sinken

Am Donnerstag genehmigten US-Regulierungsbehörden einen überarbeiteten Basel-Entwurf zur Lockerung der Kapitalanforderungen für Banken und holen im nächsten Schritt Branchenfeedback ein. Ziel ist, die Anforderungen stärker an reale Risiken anzupassen. Kritiker warnen hingegen vor einer Schwächung des Finanzsystems in risikoreichen Zeiten. Die neuen Regeln erlauben Wall-Street-Banken eine Kapitalsenkung um 4,8 Prozent, großen Regionalbanken sogar um 5,2 beziehungsweise 7,8 Prozent – eine deutlich stärkere Lockerung als ursprünglich geplant. Die acht größten US-Großbanken könnten ihr erforderliches Kapital folglich um 20 bis 60 Milliarden Dollar reduzieren. Rating-Agenturen sehen sinkendes Kapital eher kritisch. Die Reformen gehen auf jahrelange Lobbyarbeit zurück und sollen US-Banken wettbewerbsfähig halten. Zudem schlägt die US-Notenbank Anpassungen am Kapitalzuschlag für global systemrelevante Banken (GSIB-Zuschlag) vor. Ich bleibe – vorbehaltlich der aktuell angespannten Marktlage durch den Irankrieg – strukturell positiv gestimmt für US-Banken.

MSCI Portugal Stärken von Versorgern und Energie 

Trotz der aktuellen Belastungen an den globalen Aktienmärkten infolge des Nahostkonflikts bleibt der Aktienindex MSCI Portugal bemerkenswert robust. Seit Beginn der jüngsten Eskalation zeigt sich der Index robust und verzeichnet kaum Verluste, während der europäische STOXX 600 im gleichen Zeitraum um etwa sechs Prozent nachgegeben hat. Diese relative Stärke spiegelt vor allem die Sektorstruktur des MSCI Portugal Index wider. Der Index ist stark in Versorgeraktien gewichtet, die knapp die Hälfte ausmachen und von stabilen Gewinnerwartungen sowie einem klaren Fokus auf erneuerbare Energien profitieren – in einem Umfeld höhere Ölpreise gewinnen erneuerbare Energien an Attraktivität. Auch der Öl- und Gassektor ist mit einer Indexgewichtung von rund 20 Prozent gut vertreten und dürfte von höheren Ölpreisen profitieren. Zudem weist der Sektor eine enge Verknüpfung mit Förderaktivitäten in Brasilien auf, die durch das EU-Mercosur-Abkommen begünstigt werden könnten.

Eine Lösung des Nahostkonflikts könnte allerdings wieder zu fallenden Ölpreisen führen und somit den Sektor belasten. Bewertungsseitig notiert der MSCI Portugal aktuell knapp unter dem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis der vergangenen zehn Jahre und könnte damit weiterhin attraktive Einstiegschancen bieten.

Australischer Dollar mit Potenzial 

Der Australische Dollar ist seit Jahresbeginn die mit Abstand stärkste Währung in den G10-Industrienationen. Hauptgrund ist die frühe geldpolitische Straffung: Während sich viele Notenbanken noch in Lockerungsphasen befinden oder zunächst abwarten, hat die Reserve Bank of Australia im laufenden Jahr bereits zweimal den Leitzins um jeweils 0,25 Prozentpunkte angehoben – zuletzt in dieser Woche auf 4,1 Prozent. Eine solide Konjunktur sowie Kerninflationsraten, die mit gut drei Prozent hartnäckig über dem Inflationsziel verharren, sprechen für weitere geldpolitische Straffungen. Die Märkte zusätzliche Preise bis Ende des Jahres knapp zwei Zinsanhebungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte ein. Zudem ist Australien als bedeutender Nettoexporteur vom kräftigen Anstieg verschiedener Rohstoffpreise, insbesondere der im Zuge des Irankonflikts gestiegenen globalen Gaspreise, betroffen. Auch der Anstieg der Metallpreise mit neuen Rekordständen bei Gold, Platin und Kupfer stärkt die Aussichten australischer Minen. Sollten die vorgenannten unterstützenden Faktoren anhalten und die globale Konjunktur widerstandsfähig bleiben, könnte der Australische Dollar – aktuell bei 1,63 je Euro – in den nächsten Quartalen weiter an Wert gewinnen.

Börsen fahren Achterbahn

Der Irankrieg bleibt das bestimmende Thema an den Finanzmärkten. Hohe Energiepreise, die gesperrte Straße von Hormus und die Sorgen um die Weltwirtschaft belasten die Stimmung an den Märkten, die Schwankungen bleiben hoch. Wie Anleger damit umgehen sollten, welche Risiken, aber auch Chancen es gibt, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge meines Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go. 

Indien erlebt Boom der Goldkredite 

Das Goldvermögen in Händen indischer privater Haushalte wird auf rund fünf Milliarden US-Dollar geschätzt. Seit Generationen gilt insbesondere Goldschmuck als eine der bevorzugten Formen der Vermögensbildung und -sicherung. Der starke Anstieg des Goldpreises sowie verschärfte Vergabekriterien für unbesicherte Konsumentenkredite haben zuletzt zu einer deutlich steigenden Nachfrage nach goldgedeckten Finanzierungen geführt. Innerhalb eines Jahres hat sich das Kreditvolumen von umgerechnet 19 auf 43 Milliarden US-Dollar entsprechend mehr als verdoppelt. Diese dynamische Entwicklung rückt zunehmend auch in den Fokus internationaler Investoren. Da bisher nur ein kleiner Teil des vorhandenen Goldvermögens als Kreditsicherheit genutzt wird, bietet der Markt für Goldkredite noch erhebliches Wachstumspotenzial. Entsprechend haben internationale Anleger ihre Beteiligungen an Finanzierern mit starkem Engagement im Goldkreditsegment zuletzt spürbar ausgeweitet. Dies stärkt nicht nur die für eine Ausweitung der Kreditvergabe notwendige Kapitalbasis, sondern auch die Aktienkurse der überwiegend im Small-Cap-Index gelisteten Finanzierer. Für risikobewusste Anleger könnte ein gezielter Blick auf diesen wachsenden Nischenmarkt interessant sein.

Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • USA | Aus dem S&P 500 berichten Carnival, Cintax und Paychex.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 legen 16 Unternehmen ihre Geschäftsberichte vor, darunter H&M, Terna, CTS Eventim und NEXT.
  • Asien | Aus China berichten unter anderem Ping An Insurance, Industrial & Commercial Bank, Petrochina, Meituan, BYD und Xiaomi.

Dienstag

  • Japan | Konsumentenpreise im Februar. Mit 1,5 Prozent erwarten die Analysten eine Stagnation der Inflation auf dem Januar-Niveau. Der Preisdruck dürfte jedoch künftig wieder zunehmen. Japans Notenbank verwies zuletzt auf die Irankrise und höhere Energiepreise als Belastungsfaktoren für Inflation und Konjunktur. Entsprechend groß ist das Interesse an den ebenfalls am Dienstag anstehenden Flash-Einkaufsmanager-Indizes, die Hinweise geben werden, wie stark der Krieg am Golf die Stimmung in Japans Privatwirtschaft bereits gedämpft hat. Mit 53,9 Punkten liegt der branchenübergreifende Composite-PMI zuletzt allerdings noch komfortabel in der Wachstumszone.
  • Eurozone | S&P Global Einkaufsmanager-Indizes, Vorabschätzung für März. Deutlich weniger Spielraum in Richtung Kontraktionsbereich als in Japan zeigten die PMIs im Februar in der Eurozone. Für März wird zudem ein breiter angelegter Stimmungsrückgang erwartet – sowohl im verarbeitenden Gewerbe (von 50,8 auf 49,5 Punkte) als auch bei den Dienstleistern (von 51,9 auf 51,0 Punkte). Der Composite-PMI würde mit erwarteten 51,0 Punkten zwar weiterhin Wachstum signalisieren, allerdings mit nachlassender Dynamik. Ein stärkerer Stimmungsabschwung, der stärker ausfällt, als erwartet, könnte Stagnationssorgen schüren und sowohl europäische Aktien als auch den Euro belasten.
  • USA | S&P Global Einkaufsmanager-Indizes für März. Auch unter US-Unternehmen dürfte sich die Stimmung im März angesichts deutlich gestiegener Dieselpreise und Transportkosten sowie wachsender Sorgen über Lieferketten-Engpässe eingetrübt haben. Zwar signalisierte der branchenübergreifende Einkaufsmanagerindex mit 51,9 Punkten im Februar noch eine robuste Ausweitung der Aktivitäten. Erste März-Umfragen unter US-Haushalten zeigen jedoch zunehmend Wolken am Konsumhimmel, die früher oder später auch die Aussichten für Industrie- und Service-Unternehmen dämpfen könnten.

Zahl des Tages: 7.200.000

Die Wiege der Menschheit stehen in Afrika. Oder etwa doch nicht? Ein Team um Nikolai Spassov vom bulgarischen Nationalmuseum für Naturgeschichte entdeckte in Südbulgarien den Oberschenkelknochen eines Hominiden namens Graecopithecus freybergi. Die Form des Knochens lässt vermuten, dass Graecopithecus vor rund 7,2 Millionen Jahren schon aufrecht gehen konnte. Damit wäre er (oder sie, denn es könnte sich um ein weibliches Exemplar handeln) der älteste Vormensch, über eine Million Jahre älter als unser ältester afrikanischer Vorfahren. Möglicherweise sind die europäischen Vormenschen vor langer Zeit nach Afrika ausgewandert – von wo aus sich unsere Spezies dann auf der Welt verbreitete.

Üben Sie heute den aufrechten Gang.


Herzlichst


Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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