5. Juni 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
griechische Aktien dürften nach einem schwankungsintensiven Jahresstart unterstützt bleiben, Interventionen am Währungsmarkt können den Yen kaum stützen, und Zink ist so teuer wie seit fast vier Jahren nicht.
Griechenlands Börse profitiert von Wachstum und günstigen Bewertungen
Griechische Aktien dürften unterstützt bleiben. Nach einem schwankungsintensiven Jahresstart liegt der Leitindex Athex Composite 2026 bei einer Gesamtrendite von rund 13 Prozent.
Die Aussichten bleiben günstig: Laut Analysten dürfte die griechische Wirtschaft im Jahr 2026, gestützt durch Investitionen der Europäischen Union (EU) aus dem NextGenerationEU-Programm, spürbar schneller wachsen als der EU-Durchschnitt. Der Irankonflikt hat bislang nur geringe Auswirkungen. Zwar importierte Griechenland 2025 laut Analysten rund 40 Prozent seines Öls aus dem Nahen Osten, gleichzeitig verfügt das Land jedoch über vergleichsweise hohe Reserven. Negative Effekte auf den Tourismus sind bislang kaum erkennbar – im Gegenteil könnte Griechenland sogar profitieren, da sich Reiseaktivitäten verstärkt in den Mittelmeerraum verlagern könnten. Analysten haben ihre Gewinnschätzungen für griechische Unternehmen zuletzt weiter angehoben und erwarten für die kommenden zwölf Monate rund 15 Prozent Wachstum. Beim rund Neunfachen der erwarteten Gewinne erscheinen griechische Aktien aus meiner Sicht attraktiv bewertet. Darüber hinaus könnte die in den kommenden Quartalen von mehreren Indexanbietern geplante Hochstufung Griechenlands zum Industrieland unterstützend wirken.
Interventionen stützen kaum: Yen bleibt unter Druck
Der Yen bleibt weiterhin anfällig, obwohl Japan zuletzt in großem Umfang Fremdwährungen, vor allem US-Dollar, verkauft und Yen gekauft hat. Das Finanzministerium meldete für den Zeitraum von Ende April bis Ende Mai Interventionen in Höhe von knapp zwölf Billionen Yen, was mehr als 60 Milliarden Euro entspricht. Dies waren somit die stärksten Interventionen innerhalb eines Quartals seit 2004. Die begrenzte Wirkung zeigt jedoch, dass Interventionen allein den Trend vermutlich nicht endgültig drehen können. Mittelfristig könnte sich das Bild jedoch ändern. Nach mehreren Bewertungsmaßstäben erscheint der Yen unterbewertet, beispielsweise gemessen an Kaufkraftparitäten und Zinsdifferenzen.
Zwar hat sich der Renditeabstand zwischen zweijährigen japanischen und US-Staatsanleihen binnen weniger Jahre von gut fünf auf zwei bis drei Prozentpunkte verringert, dennoch blieb eine nachhaltige Aufwertung bislang aus. Kapitalströme könnten jedoch mittelfristig eine Erholung des Yen auslösen: Seit Beginn der Abenomics-Ära genannten Wirtschaftspolitik des damaligen Ministerpräsidenten Shinzō Abe Ende 2012 investierten japanische Anleger in ausländische Wertpapiere und trugen damit zur starken Abwertung des Yen bei. In den vergangenen zwei Jahren zeichnete sich jedoch eine allmähliche, langsame Trendwende ab: Heimische Investoren bauen wieder Positionen in heimischen Anleihen und Aktien auf, während auch internationale Anleger ihre Engagements in Japan ausweiteten. Verstärkt sich der Trend des zunehmenden Engagements heimischer und internationaler Anleger, sollte der Yen auf mittlere Sicht aufwerten.
Angebotsdefizit und robuste Nachfrage treiben Zinkpreis auf Vier-Jahres-Hoch
Der Zinkpreis ist an der Londoner Metallbörse LME seit Jahresbeginn um rund 17 Prozent auf 3.650 US-Dollar je Tonne gestiegen – den höchsten Stand seit fast vier Jahren. Die Gründe:
- Die Zinklagerbestände an der LME sind auf historisch niedrige Niveaus gefallen. Die momentan gelagerten rund 110.000 Tonnen würden nicht einmal den globalen Bedarf von drei Tagen abdecken.
- Es kommt aktuell zu Angebotsausfällen. Nach einer Explosion in einer Produktionsstätte in Kasachstan arbeitet diese mit stark verminderter Kapazität. In einer Raffinerie in Peru wird die Produktion nach einem Brand erst langsam wieder hochgefahren.
- Eine Verzögerung bei der Inbetriebnahme von neuen Minenprojekten trägt zum aktuellen Angebotsdefizit bei. Trotz Befürchtungen einer globalen Konjunkturdelle infolge des Nahostkonflikts bleibt im Moment die Nachfrage nach dem Industriemetall, das primär von der Bau- und Automobilindustrie sowie für Infrastrukturprojekte nachgefragt wird, robust.
Analysten erwarten für die kommenden Monate ein anhaltendes Angebotsdefizit, das die Preise auf hohem Niveau halten dürfte. Dieses sollte jedoch zum Jahresende hin mit der Inbetriebnahme neuer Minen und potenziell steigenden Exporten Chinas ausgeglichen werden, was die Preise dann unter Druck setzen könnte.
US-Börsen auf Höhenflug: Wie tragfähig ist die Rally?
Die US-Börsen eilen von Rekord zu Rekord, angetrieben vor allem von Technologie und dem Boom rund um Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig steigt die Inflation, geopolitische Risiken bleiben präsent – und die Rally wird von immer weniger Titeln getragen. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich ordnen ein, wie solide der aktuelle Höhenflug wirklich ist.
Zahl des Tages: 24.000.000
Wenn Menschen zum Mond fliegen, möchten sie möglichst zügig ankommen. Anders sieht es aus, wenn planbare Materiallieferungen anstehen, zum Beispiel für eine künftige Mondstation: Dann spielt die Kosteneffizienz eine größere Rolle. Allan Kardec de Almeida Júnior von der Universität Coimbra in Portugal und Kollegen haben unter diesem Vorzeichen 24 Millionen mögliche Flugbahnen von der Erde zum Mond untersucht. Der bestmögliche Pfad führt nach ihren Berechnungen zunächst nahe am Mond vorbei, zieht dann eine Schleife im All und nähert sich unserem Trabanten von der Rückseite. So wird die Gravitation optimal ausgenutzt und möglichst wenig kostbarer Treibstoff verbraucht. Für Expresslieferungen scheint der Pfad allerdings ungeeignet: Im modellierten Szenario ist das Raumschiff fast 32 Tage lang unterwegs.
Nehmen Sie sich heute Zeit.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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