PERSPEKTIVEN am Morgen

Starten Sie gut informiert
in den Tag

Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
Jeden Morgen um 7.00 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

11. Mai 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die Geopolitik dürfte den europäischen Aktienmarkt vorerst weiter prägen, Start-ups aus Europa übertreffen häufiger die Milliarden-Euro-Marke, und Donald Trump wird zu einem Besuch in China erwartet.

Aktien Europa: Gewinnsprung im ersten Quartal

Die Berichtssaison im STOXX 600 neigt sich dem Ende zu und die Gewinne zeigen sich resilient. Aktuell deutet sich ein Wachstum von rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal an, was dem höchsten Gewinnsprung seit drei Jahren entspricht und etwa sechs Prozentpunkte über den Erwartungen zum Saisonstart liegt. Treiber dieser Entwicklung sind insbesondere Energieunternehmen, die dank höherer Öl- und Gaspreise auf ein Gewinnplus von über 50 Prozent zusteuern. Darüber hinaus konnten auch Finanz- und Rohstoffwerte positiv überraschen. Zwar verweisen einige Unternehmen auf geopolitische Risiken, die über steigende Energiepreise und eine schwächere Nachfrage belasten könnten. Insgesamt haben jedoch mehr Unternehmen ihre Prognosen angehoben als gesenkt. Kurzfristig dürfte die Entwicklung europäischer Aktien weiter von geopolitischen Faktoren geprägt sein. Mehr Klarheit zur Widerstandsfähigkeit von Wirtschaft und Konsum über den Energiesektor hinaus dürfte die Berichtssaison zum zweiten Quartal liefern. Um konjunkturelle Risiken zu begrenzen, könnten Anleger verstärkt auf strukturelle Wachstumsthemen wie künstliche Intelligenz (KI) und Energiesicherheit setzen.

Wertentwicklung europäischer Aktien in Euro und inklusive Dividenden von 2021 bis 2026.

Wagniskapital: immer mehr „Unicorns“ in Europa

In Europa haben in diesem Jahr schon elf Start-ups, die von privaten Wagniskapitalgebern (Venture Capital) finanziert wurden, die Schwelle von einer Milliarde Euro überschritten. Junge Unternehmen, deren Unternehmenswert eine Milliarde Euro übersteigt, werden aufgrund ihrer Seltenheit auch Unicorns, also Einhörner, genannt. Im ersten Quartal 2026 sind mehr als doppelt so viele Unicorns wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres entstanden. Sie gehören mehrheitlich den Sektoren der (physischen) KI und der Verteidigungstechnologie an. Geopolitische Spannungen und Europas Wunsch nach größerer Souveränität sorgen für anhaltende Dynamik, vor allem bei den Verteidigungsausgaben. Ende März gab es global über 1.500 Einhörner mit einem Gesamtwert von über 8,5 Billionen US-Dollar. Im Vergleich zu vor zehn Jahren ist die Anzahl auf mehr als das Siebenfache gestiegen. Langfristige, risikobewusste Anleger könnten in diesen Sektoren fündig werden.

Gipfeltreffen: Märkte blicken nach Peking

Der Besuch von US‑Präsident Donald Trump bei seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping am Donnerstag und Freitag in Peking dürfte neben erheblichem globalem Medieninteresse auch die Aufmerksamkeit der Märkte auf sich ziehen. Dem Treffen gingen intensive Vorabgespräche zwischen hochrangigen Vertretern beider Seiten aus den Finanz‑, Außen‑ und Handelsressorts voraus. Im Mittelpunkt dürfte zunächst das gemeinsame Interesse stehen, den Konflikt im Nahen Osten einzudämmen und die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Daneben bleibt der schwelende Handelskonflikt ein zentrales Thema: China ist an einer Lockerung der US‑Ausfuhrbeschränkungen für Hochtechnologie‑Halbleiter gelegen, während die USA unter anderem Erleichterungen bei chinesischen Exportkontrollen für seltene Erden anstreben. Beide Seiten haben ein klares Interesse daran, den bis November angelegten „Zollfrieden“ aufrechtzuerhalten. Nach zuletzt wenig ergiebigen Gesprächsrunden erscheint jedoch ein umfassendes Abkommen im Rahmen des Präsidententreffens unwahrscheinlich. Gleichwohl könnten die Definition zentraler Leitplanken für weitere Verhandlungsrunden sowie konstruktive Signale zur Entspannung im Golfkonflikt die Marktstimmung stützen.

Asien an der Spitze des KI-Booms

Südkoreanische und taiwanische Tech-Unternehmen erzielten zuletzt Rekordgewinne und lenkten dadurch das Anlegerinteresse auf kritische Bereiche der globalen KI-Lieferkette. Asien hat sich dank einer technologischen Führungsrolle in Bereichen wie Speicher- und Rechenchips sowie einer fortschrittlichen Chipfertigung an die Spitze des KI-Booms gesetzt. Die asiatischen Chiphersteller profitieren stark von Investitionen der US-Tech-Riesen in KI-Infrastruktur. Diese legen mehr Wert auf Versorgungssicherheit als auf den Preis – die Produktionskapazitäten sind bis 2027 vollständig ausgelastet. Dies verschafft den Chipherstellern aus Asien eine starke Position bei der Preisgestaltung. Die Gewinnwachstumsprognosen der Analysten spiegeln dies wider: Für Unternehmen, die im KOSPI und TAIEX gelistet sind, wird innerhalb der kommenden zwölf Monate ein Wachstum von 92 und 35 Prozent erwartet. Zudem sind die Positionierungen nicht überlaufen. Im Zuge des beginnenden Iran-Konflikts haben globale Investoren im März fast 50 Milliarden US-Dollar aus südkoreanischen und taiwanischen Aktien abgezogen. Beide Länder sind stark von Ölimporten aus dem Nahen Osten abhängig. Seither sind jedoch nur etwa sieben Milliarden US-Dollar wieder zurückgeflossen. Die bisherigen Gesamtjahresrenditen des KOSPI und TAIEX belaufen sich auf 75 und 42 Prozent, und die Rally dürfte weitergehen – solange die KI-Investitionen der US-Tech-Riesen anhalten.

MSCI World: guter Index oder überschätztes Investment?

Der MSCI World zählt zu den beliebtesten Indizes bei ETF‑Anlegern. Seine starke USA‑ und Technologielastigkeit sorgt jedoch immer wieder für Kritik. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich ordnen ein, welche Rolle der MSCI World als Basisinvestment spielen kann – und wann Ergänzungen sinnvoll sind.

Zahl des Tages: 2

Als die Raumsonde Voyager 1 im Jahr 1977 ins Weltall startete, hatte sie zehn wissenschaftliche Messinstrumente an Bord. Einige davon arbeiten heute noch, über 25 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Allerdings geht die Leistung der Radionuklidbatterien an Bord jährlich um rund vier Watt zurück. Um Energie zu sparen, hat die NASA daher kürzlich ein Experiment zur Messung elektrisch geladener Teilchen abgeschaltet – damit bleiben noch zwei Instrumente funktional. Die Weltraumagentur will nun im kommenden Jahr einen „Big Bang“ wagen: Von der Erde aus sollen die Instrumente auf einen Schlag so umgestellt werden, dass sie weniger Energie verbrauchen – und die Mission über ihren 50. Jahrestag hinaus fortgesetzt werden kann.

Ich wünsche Ihnen einen energiereichen Tag.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

PERSPEKTIVEN am Morgen: Störung im Anmeldeprozess

Aktuell ist die Registrierung mit den Umlauten ö, ü, ä sowie mit ß nicht möglich. Sie können sich mit oe, ue, ae sowie mit ss weiterhin registrieren. 

Sollte auch das nicht funktionieren, wenden Sie sich an: perspektiven-am.morgen@db.com

"PERSPEKTIVEN am Morgen" - Newsletter

Erhalten Sie den Marktkommentar von Dr. Stephan jeden Morgen als E-Mail direkt in Ihren Postkorb.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Anrede

Mit der Registrierung habe ich die Datenschutzbestimmungen der Deutschen Bank zur Kenntnis genommen.

Dr. Ulrich Stephan

Sie erhalten nach der Registrierung eine E-Mail an die von Ihnen angegebene Adresse. Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung mit dem dort enthaltenen Link.

Sie können sich jeder Zeit, zum Beispiel in jeder E-Mail-Ausgabe von "PERSPEKTIVEN am Morgen", wieder abmelden. Es besteht kein Rechtsanspruch auf den täglichen Erhalt des Newsletters.

Das könnte Sie auch interessieren

Perspektiven Newsletter

PERSPEKTIVEN im Fokus

Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte

Perspektiven Podcast

PERSPEKTIVEN To Go

Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast

Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.

HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden das Video und die Verbindung zu YouTube erst nach einem Klick aktiv. Bereits beim Aktivieren des Videos werden personenbezogene Daten (IP-Adresse) an YouTube bzw. Google gesendet und gegebenenfalls auch dort gespeichert. Wenn Sie den Button "Video aktivieren" anklicken, wird ein Cookie auf Ihrem Computer gesetzt, sodass die Website weiß, dass Sie dem Anzeigen von eingebetteten Videos in Ihrem Browser zugestimmt haben. Weitere Details zu den von Google erhobenen Daten finden Sie unter https://policies.google.com/privacy.