18. September 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
Saudi-Arabiens Börse zeigt sich trotz Pipeline-Angriffen robust, europäische Immobilienaktien fallen hinter dem Gesamtmarkt zurück, und der Renminbi notiert gegenüber dem US-Dollar so stark wie seit Anfang 2023 nicht mehr.
Saudi-Arabiens Börse zeigt sich trotz Pipeline-Angriffen robust
Seit den Angriffen auf mehrere Pumpstationen der Petroline-Pipeline hat der MSCI Saudi Arabia rund ein Prozent nachgegeben. Seit Jahresbeginn liegt der Index jedoch weiterhin knapp neun Prozent im Plus, sodass die Marktreaktion auf die jüngste Eskalation bislang moderat ausfällt. Dies dürfte auch daran liegen, dass Investoren derzeit von einer vorübergehenden Störung ausgehen. Über die Petroline werden rund fünf Millionen Barrel Rohöl pro Tag transportiert, womit sie eine wichtige Alternative zu Exporten über die Straße von Hormus darstellt. Jüngste Berichte deuten auf eine schrittweise Wiederaufnahme des Pipelinebetriebs hin. Zudem kann Saudi-Arabien Ausfälle vorübergehend durch strategische Rohölbestände im Ausland abfedern. Die geopolitischen Risiken bleiben jedoch erhöht. Sollten die Beeinträchtigungen länger anhalten oder weitere Angriffe folgen, könnten die Ölexporte und die wirtschaftlichen Perspektiven des Landes spürbarer belastet werden. Daher erscheint bei Anlagen in Saudi-Arabien derzeit erhöhte Vorsicht angebracht.
Angebotsschocks prägen die 2020er Jahre
Die 2020er Jahre unterscheiden sich wirtschaftlich bisher grundlegend von den 2010er Jahren. Während nach der globalen Finanzkrise vor allem die Nachfrageschwäche dominierte, prägen im laufenden Jahrzehnt multiple Angebotsschocks die globale wirtschaftliche Entwicklung. Pandemiebedingte Lieferkettenstörungen, Arbeitskräftemangel, Energieengpässe, Handelsbarrieren und geopolitische Konflikte zeigen, dass zusätzliche Nachfrage bei knappen Kapazitäten zunehmend in höheren Preisen statt in höherer Produktion mündet, solange keine Kapazitäten aufgebaut oder Alternativen gefunden sind. Geld- und Fiskalpolitik stoßen damit häufiger an Grenzen, da niedrigere Zinsen oder staatliche Nachfrageimpulse fehlende Kapazitäten und gestörte Lieferketten kurzfristig nicht ersetzen können. Umso wichtiger werden Reformen und Investitionen auf der Angebotsseite. Gelingt dieser Wandel, könnten diversifiziertere Lieferketten, höhere Versorgungssicherheit sowie zusätzliche Investitionen in Produktivität und Produktionskapazitäten die Weltwirtschaft langfristig effizienter und widerstandsfähiger machen.
Steigende Kapitalmarktzinsen bremsen Europas Immobilienaktien
Der STOXX 600 Real Estate gab seit Jahresbeginn inklusive Dividenden um rund 0,7 Prozent nach und bleibt damit deutlich hinter dem STOXX 600 zurück, der um über zehn Prozent stieg.
Maßgeblich dafür dürfte die Zinsentwicklung sein: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg von knapp 2,9 Prozent zu Jahresbeginn auf zuletzt mehr als 3,5 Prozent. Höhere Renditen belasten Immobilienwerte über niedrigere Gegenwartswerte langfristiger Mieterträge und steigende Refinanzierungskosten. Gleichzeitig verliert die Dividendenrendite des Sektors von rund fünf Prozent gegenüber Staatsanleihen an Attraktivität. Zuletzt haben Analysten zudem ihre Gewinnerwartungen für den Sektor gesenkt. Ob sich die Kurse stabilisieren, dürfte maßgeblich von der weiteren Entwicklung der langfristigen Renditen im Euroraum abhängen.
Renminbi erreicht höchsten Stand seit Anfang 2023
Mit gut 6,70 Renminbi je US-Dollar hat die chinesische Währung seit Jahresbeginn rund vier Prozent gegenüber dem US-Dollar aufgewertet und notiert damit so fest wie zuletzt Anfang 2023. Die Devisen-Terminmärkte erwarten bis Ende des ersten Quartals 2027 einen Wechselkurs von rund 6,61 Renminbi je US-Dollar und damit eine weitere Aufwertung um 1,5 Prozent. Zusätzliche Hinweise liefert die chinesische Devisenaufsicht: Chinesische Exporteure erhöhten im August den Anteil ihrer Deviseneinnahmen, den sie in Renminbi tauschten, von 54 auf 63 Prozent. Sowohl die Terminmärkte als auch die Realwirtschaft scheinen damit für die kommenden Monate auf eine Fortsetzung der graduell festeren Renminbi-Fixings durch die chinesische Notenbank zu setzen.
Abverkauf am Anleihemarkt: Warnsignal oder Normalisierung?
Die Anleihemärkte sorgen für Unruhe: Renditen nähern sich den Niveaus der Finanzkrise und die Debatte über Inflation, Geldpolitik und Staatsverschuldung gewinnt neue Brisanz. Droht eine neue Krise oder erleben wir die Rückkehr zu einem normalen Zinsumfeld? Darüber spricht Dr. Dirk Steffen, Leiter Kapitalmarktstrategie der Deutschen Bank, mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.
Zahl des Tages: 91
Wenn Mirko Rainer den Säbel zückt, muss sich niemand Sorgen machen. Der Besitzer zweier Nobelrestaurants im Tessin ist ein Meister der Sabrage – des Öffnens von Schaumweinflaschen mit einem (stumpfen) Champagnersäbel. Dabei wird der Kopf der Champagnerflasche mit dem Wulst und dem Korken in einer fließenden Bewegung abgeschlagen. Vor kurzem bewies Rainer sein Geschick in einer Südtiroler Sektmanufaktur: Er köpfte 91 Champagnerflaschen in 60 Sekunden und verbesserte damit seinen eigenen Rekord um 23 Bouteillen. Eine elitäre Bestleistung, kein Zweifel, aber nicht nur das: Mit dem Rekord kamen 14.000 Euro Spenden für eine Kinderhilfsorganisation zusammen.
Lassen Sie es heute mal krachen.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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