5. November 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
nach den US-Zwischenwahlen zeichnet sich eine demokratische Kontrolle des Kongresses ab, ein zentraler Engpass im KI-Boom liegt in der Stromversorgung, und der Preisdruck im Euroraum nimmt zu.
US-Midterms: Demokratisch kontrollierter Kongress könnte Renditedruck dämpfen
Nach den US-Zwischenwahlen zeichnet sich eine demokratische Kontrolle des Kongresses ab. Dies könnte den zuletzt hohen Renditen von US-Staatsanleihen eine gewisse Entlastung verschaffen. Der demokratisch kontrollierte Kongress dürfte zusätzliche Steuersenkungen und andere schuldenfinanzierte Maßnahmen des Präsidenten erschweren. Umgekehrt könnten die Demokraten höhere Ausgaben, etwa für Sozialprogramme, nicht ohne Weiteres durchsetzen: Entsprechende Gesetze müssten beide Kongresskammern passieren und könnten anschließend am Veto des Präsidenten scheitern. Dieses politische Gegengewicht verringert die Wahrscheinlichkeit umfangreicher neuer Fiskalmaßnahmen. Eine weniger expansive Haushaltspolitik könnte somit den Aufwärtsdruck auf die Renditen dämpfen, da sie den staatlichen Finanzierungsbedarf und das Risiko zusätzlichen Inflationsdrucks begrenzt. Die angespannte US-Haushaltslage sowie geopolitische Risiken bleiben jedoch Belastungsfaktoren, die den Renditedruck wieder erhöhen könnten.
KI-Boom bekommt Stromproblem
Die US-Demokraten gewannen bei den Zwischenwahlen die Mehrheit in beiden Kongresskammern und mehrere Gouverneursposten. Für Rechenzentren dürften Letztere wichtiger sein, da vor allem Bundesstaaten und Gemeinden Genehmigungen erteilen. Im Bundesstaat Texas – auf den ein großer Teil der geplanten US-Kapazität entfällt – werden bereits keine neuen Genehmigungen erteilt, bis der Netzbetreiber die beantragten, noch nicht freigegebenen, Projekte geprüft hat. Das zeigt den größeren Engpass: die Stromversorgung. Die Netzanschlussanträge summieren sich dort auf über 470 Gigawatt – mehr als das Fünffache des bisherigen Spitzenverbrauchs. Zudem befürchten 50 Prozent der US-Bürger höhere Stromkosten durch Rechenzentren – im Januar waren es noch 38 Prozent. Große Technologiekonzerne haben zugesagt, zusätzlichen Strom selbst zu beschaffen und zu bezahlen. Stromerzeuger, Versorger und Netzbetreiber dürften von dem hohen Investitionsbedarf profitieren. Für die Rechenzentren bedeutet das eher höhere Kosten und längere Bauzeiten als ein Ende des Ausbaus.
Euroraum: Inflation erhöht den Druck auf die EZB
Die Gesamtinflation im Euroraum beschleunigte sich im Oktober. Laut Schnellschätzung von Eurostat stieg die Inflationsrate von 3,8 Prozent im September auf 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr und lag damit doppelt so hoch wie das Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank. Ausschlaggebend für den Anstieg waren vor allem höhere Energiepreise. Auch der zugrunde liegende Preisdruck blieb bestehen, wobei die Kerninflation unverändert bei 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr lag. Unterdessen deutet der jüngste Lohnindikator der EZB auf zunehmenden Lohndruck hin, der den Inflationsdruck zusätzlich verstärken könnte. Insgesamt bestärken die jüngsten Daten die Markterwartungen einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf der EZB-Sitzung im Dezember, die an den Swap-Märkten inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 90 Prozent eingepreist wird.
Berichtssaison Japan: mehr Zuversicht bei den Ausblicken
Japans Berichtssaison zeigt bislang ein gemischtes Bild. Erst etwa ein Fünftel der börsennotierten Unternehmen hat Ergebnisse veröffentlicht und viele große Exporteure und Großbanken stehen noch aus. Im TOPIX übertraf rund ein Drittel die Gewinnerwartungen, knapp die Hälfte blieb darunter. Positiver sind die Ausblicke: Etwa ein Viertel erhöhte die Jahresprognose, nur jedes zehnte Unternehmen senkte sie. Dennoch blieb der Markt vorsichtig: Seit Anfang Oktober verlor der TOPIX rund fünf Prozent.
Binnenorientierte und dividendenstarke Aktien federten die Schwäche der Halbleiterwerte teilweise ab. Für Euro-Anleger liegt der Index seit Jahresbeginn rund 22 Prozent im Plus und das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis mit knapp 15 etwa vier Prozent über dem Zehn-Jahres-Median. Entscheidend ist weiterhin, ob sich die KI-Investitionen in den kommenden Jahren auszahlen. Aktienrückkäufe von rund 125 Milliarden Euro seit Jahresbeginn und anhaltend positive Gewinnrevisionen dürften den Markt vorerst stützen.
US-Zwischenwahlen: Startschuss für die nächste Börsenrally?
Die US-Zwischenwahlen rücken näher und könnten auch an den Börsen für Bewegung sorgen. Die Vergangenheit zeigt: Nach den Midterms liefen US-Aktien oftmals besonders gut. Gleichzeitig liefern starke Unternehmensgewinne Rückenwind. Auch die Aussichten rund um Künstliche Intelligenz bleiben vielversprechend, werden angesichts hoher Investitionen aber zunehmend kritisch hinterfragt. Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten bleiben ebenfalls bestehen. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich ordnen ein, was die Wahl für die Märkte bedeutet – und ob die Voraussetzungen für eine weitere Börsenrally stimmen.
Zahl des Tages: 99,9
Wo lebt es sich im Alter am angenehmsten? Eine Lissabonner Beratungsfirma hat dieser Tage einen „Global Retirement Index“ vorgestellt, in dem die attraktivsten Länder für finanziell abgesicherte Ruheständler aufgelistet sind. Neben der Lebensqualität spielen dabei auch Kriterien wie Mobilität, Bürokratie, Kosten und steuerliche Fragen eine Rolle. In diesem Jahr erscheint den Beratern ein Alterssitz in Südamerika besonders verlockend. Uruguay belegt mit 99,9 Punkten den Spitzenplatz unter 46 Ländern und Regionen, gefolgt von Mauritius und Spanien. Betrachtet man nur den Faktor Lebensqualität, fällt das Ranking allerdings anders aus: Hier hat Irland die Nase vorn – und neun der zehn besten Destinationen für Ruheständler liegen in Europa.
Planen Sie heute vorausschauend.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
Das könnte Sie auch interessieren
PERSPEKTIVEN im Fokus
Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte
PERSPEKTIVEN To Go
Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast
WICHTIGE HINWEISE:
Bei diesen Informationen handelt es sich um Werbung. Diese Texte genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Anlage- und Anlagestrategieempfehlungen oder Finanzanalysen. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor beziehungsweise nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die in diesem Text gemachten Angaben stellen keine Anlageempfehlung, Anlageberatung oder Handlungsempfehlung dar, sondern dienen ausschließlich der werblichen Information. Die Angaben ersetzen nicht eine auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers abgestimmte Beratung. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen.
Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden.
Die vollständigen Angaben zum jeweiligen Fonds sind dem Basisinformationsblatt und dem Verkaufsprospekt, ergänzt durch den jeweiligen letzten geprüften Jahresbericht und den jeweiligen Halbjahresbericht, falls ein solcher jüngeren Datums als der letzte Jahresbericht vorliegt, zu entnehmen. Diese Unterlagen stellen die allein verbindliche Grundlage des Kaufs von Anteilen des jeweiligen Fonds dar. Sie sind in elektronischer oder gedruckter Form kostenlos bei Ihrem Berater erhältlich. Weitere ausführliche allgemeine Informationen zu Investmentfonds enthält zudem die Broschüre „Basisinformation über Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen“, welche ebenso kostenlos bei Ihrem Berater erhältlich ist.
Jede Geldanlage ist mit Risiken verbunden. Es gibt keine Garantie und Marktschwankungen können zu Verlusten bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Über die speziellen Risiken eines Wertpapierprodukts informieren die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen. Wertentwicklungen in der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Sofern es in diesem Dokument nicht anders gekennzeichnet ist, geben alle Meinungsaussagen die aktuelle Einschätzung der Deutschen Bank wieder, die sich jederzeit ändern kann.
ZUM THEMA NACHHALTIGKEIT:
Derzeit fehlt es an einheitlichen Kriterien und einem einheitlichen Marktstandard zur Bewertung und Einordnung von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten als nachhaltig. Dies kann dazu führen, dass verschiedene Anbieter die Nachhaltigkeit von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten unterschiedlich bewerten. Zudem sind die gesetzlichen Vorgaben zur Offenlegung der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und zum Umgang mit dem Thema ESG (Environment = Umwelt, Social = Soziales, Governance = Unternehmensführung) und Sustainable Finance (nachhaltige Finanzwirtschaft) einem stetigen Wandel unterworfen. Die Auslegung der relevanten gesetzlichen Regelungen ist zudem nicht eindeutig und abschließend. All dies kann dazu führen, dass gegenwärtig als nachhaltig bezeichnete oder beworbene Finanzdienstleistungen und Finanzprodukte die künftigen gesetzlichen Anforderungen an die Qualifikation als nachhaltig oder als Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigend nicht erfüllen.
Soweit in dieser Marketinginformation von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Deutsche Bank AG, Taunusanlage 12, 60325 Frankfurt, Deutschland.
© Deutsche Bank AG 2026