13. August 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
nach den US-Inflationsdaten ist eine Zinserhöhung der Fed weniger wahrscheinlich, der KI-Boom könnte vor einer Konsolidierungsphase stehen, und das gestiegene Aktienangebot dürfte die US-Börsen nur begrenzt belasten.
US-Inflation sorgt für Erleichterung: Zinserhöhung weniger wahrscheinlich
Die US-Inflation blieb im Juli weitgehend stabil. Der Verbraucherpreisindex stieg wie erwartet um 0,1 Prozent zum Vormonat und um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Grund für den zumindest vorübergehend leichten Rückgang der Jahresrate war, dass der Preis für US-Öl der Sorte WTI Anfang Juli auf das niedrigste Niveau seit Ende Februar gesunken war – mittlerweile notiert er wieder höher. Wichtiger für die Geldpolitik der Fed dürfte sein, dass die um die stark schwankenden Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kerninflationsrate lediglich um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr stieg – die geringste Jahresrate seit März 2021. Dies wurde an den Märkten mit Erleichterung aufgenommen: Die Terminmärkte preisten die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed im September nur noch mit rund 35 Prozent ein, weshalb die Renditen von US-Staatsanleihen über die gesamte Zinskurve hinweg nachgaben und der US-Dollar leicht abwertete.
KI-Boom vor der Konsolidierung: Zugang zu Kapital wird zum Schlüsselfaktor
Einige Marktbeobachter sehen den Boom im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) an einem Wendepunkt. Nach Jahren massiver Investitionen in Rechenzentren, Chips und KI-Modelle steigen die Kapitalkosten, während die wirtschaftlichen Erträge vieler Projekte noch unklar bleiben. Gleichzeitig erhöht China mit leistungsfähigen und günstigen Open-Source-Modellen den Wettbewerbsdruck, sodass KI-Angebote zunehmend austauschbar werden könnten. Besonders gefährdet erscheinen Unternehmen mit hohen Investitionen, negativer Cashflow-Entwicklung und starkem Finanzierungsbedarf. Erste Anzeichen für diese Entwicklung zeigen sich bereits bei verschobenen oder abgesagten Börsengängen und Finanzierungsrunden sowie in einer restriktiveren Kreditvergabe. Das wahrscheinlichste Szenario ist daher keine KI-Blase, sondern eine Phase der Konsolidierung. Bei knapper werdendem Kapital dürften sich vor allem Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen, starken Bilanzen und klaren Wettbewerbsvorteilen durchsetzen.
Mehr Aktien am Markt: Gegenwind für US-Börsen dürfte begrenzt bleiben
Das Aktienangebot an den US-Märkten hat im laufenden Jahr spürbar zugenommen. Laut Daten der Federal Reserve stiegen die Nettoneuemissionen von Aktien im ersten Quartal auf rund 25 Milliarden US-Dollar und waren damit erstmals seit dem ersten Quartal 2021 wieder positiv. Unternehmen führten dem Markt per saldo mehr Aktien zu – zum Beispiel durch Börsengänge und Kapitalerhöhungen –, als durch Aktienrückkäufe, Übernahmen und andere Maßnahmen entzogen wurden. Für das zweite Quartal signalisieren Analysten eine weitere Beschleunigung, die jedoch auf wenige große Transaktionen zurückzuführen ist. Für die Märkte dürfte das höhere Angebot verkraftbar sein: Gemessen an der Marktkapitalisierung bleiben Neuemissionen historisch betrachtet moderat. Zudem dürften robuste Aktienrückkäufe, insbesondere von Finanz- und Halbleiterunternehmen, den zusätzlichen Angebotsdruck abfedern.
Eisenerz unter Druck: Angebotsbereinigung noch nicht in Sicht
Der Preis für Eisenerz, den wichtigsten Rohstoff für die Stahlherstellung, fiel zuletzt in Singapur bis auf 92,85 US-Dollar je Tonne – ein 13-Monats-Tief. Die saisonbedingt schwächere Nachfrage aus China hat die Notierungen besonders belastet. Der Preisrückgang könnte laut Analysten für Produzenten mit höheren Förderkosten problematisch werden. Im Rahmen ihrer Studie gehen sie davon aus, dass bei Preisen zwischen 90 und 95 US-Dollar je Tonne 15 bis 40 Millionen Tonnen Förderkapazität unrentabel würden. Das wären aber nur 0,6 bis 1,5 Prozent der jährlich geförderten 2,6 Milliarden Tonnen. Für eine Marktbereinigung müssten die Preise ihrer Meinung nach jedoch in Richtung 85 US-Dollar je Tonne fallen. Der Markt beginnt somit zwar, hochpreisige Anbieter unter Druck zu setzen, ist aber noch weit von einer signifikanteren Angebotsverknappung entfernt. Für Anleger könnte das darauf hindeuten, dass das Eisenerzangebot vorerst hoch bleibt und die Preise entsprechend unter Druck stehen dürften – zumindest solange die Stahlproduktion in China nicht merklich zulegt.
Anleihemärkte im Spannungsfeld von Inflation und Schulden
Steigende Renditen, hohe Inflation und ein immer größerer Schuldenberg: Die USA stehen vor geld- und fiskalpolitischen Herausforderungen. Vor allem am US-Anleihemarkt sorgen diese Entwicklungen für Bewegung. Warum Investoren nervös auf die Signale der US-Notenbank reagieren und welche Rolle die hohe Staatsverschuldung spielt, erläutere ich im Gespräch mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.
Zahl des Tages: 300.000
Vor gut 200 Millionen Jahren starben durch Naturkatastrophen und Klimaextreme weltweit bis zu 70 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten aus. Teuntje Hollaar von der Universität Utrecht und Kollegen untersuchten jetzt europäische Sedimentbohrkerne aus der Zeit der Katastrophe. Die Forscher entdeckten in der bis zu 300.000 Jahre langen Phase des Massenaussterbens zahlreiche Farnsporen, zugleich fanden sie Anzeichen für heftige Feuersbrünste. Ihre These: Nachdem die Wälder im urzeitlichen Europa dem Extremklima zum Opfer gefallen waren, breiteten sich die widerstandsfähigen Farne explosionsartig aus. Abgestorbene Farne bildeten dicke trockene Matten, die sich durch Dürren und Gewitter entzündeten und, da sie schnell nachwuchsen, dem Feuer immer wieder Nahrung boten – ein Teufelskreis, der dazu führte, dass Europa jahrtausendelang von großflächigen Bränden heimgesucht wurde.
Vermeiden Sie heute die Extreme.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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