Dr. Oliver Plein

Anleger fragen, Experten antworten

18.04.2017

FRANKFURT. Selten hat die Wahl eines US-Präsidenten die Kapitalmärkte so bewegt wie im Fall Donald Trump. Fragen zur weiteren Entwicklung an den Börsen beantwortet Oliver Plein, Leiter Produktspezialisten Aktien bei Deutsche Asset Management.

Dividendenstarke Titel haben in der Trump-Hausse enttäuscht. Sollten Anleger von ihnen besser die Finger lassen?

Absolut betrachtet konnten Anleger mit dividendenstarken Titeln in den vergangenen Monaten einen mehr als soliden Wertzuwachs erzielen. Auch in relativer Hinsicht ergeben sich kaum Unterschiede zwischen „Dividendenaktien“ und dem breiten Aktienmarkt. Aber seit das Reflationsszenario – verbesserte Makrodaten, steigende Unternehmensgewinne und steigende Zinsen in den USA – die Fantasie der Anleger beflügeln, haben defensive Aktienstrategie doch Gegenwind verspürt. Man sollte jedoch die Kirche im Dorf lassen, denn in früheren Phasen mit moderatem Zinsanstieg hat sich gezeigt, dass mit einer Dividendenstrategie fast immer positive absolute Erträge erzielt werden konnten. Und dann sind da ja auch noch weitere Pluspunkte, vor allem die geringere Schwankungsanfälligkeit und das stabile Dividendeneinkommen. Nicht zu vergessen: Das Niedrigzinsumfeld dürfte uns in der Euro-Zone und Japan noch länger erhalten bleiben, und auch in den USA sind die realen Renditen von Staatsanleihen nach wie vor kaum sichtbar. Ein „Dividendeneinkommen“ bleibt somit für viele Anleger eine Kernposition. Für Investoren, die von einer Fortsetzung der Reflation und einer entsprechenden Beschleunigung der Märkte ausgehen, sollte dagegen eine Value-Strategie, d.h. Fokus auf Aktien mit niedriger Bewertung, erste Wahl sein. Werthaltige Aktien können eine höhere Partizipation an der konjunkturellen Erholung bieten. Für Investoren, die von einer Fortsetzung der Reflation und einer entsprechenden Beschleunigung der Märkte ausgehen, sollten dagegen Aktien mit niedriger Bewertung erste Wahl sein.

Folgt nach der Trump-Euphorie an der Wall Street die große Ernüchterung, wenn der US-Präsident seine Versprechen nicht halten kann?

Sicherlich besteht ein gewisses Enttäuschungspotenzial, sollten Zweifel an der Realisierung vieler Vorhaben aufkommen – zumal der US-Aktienmarkt, gemessen am Standard-Kurs-Gewinn-Verhältnis, nicht gerade als niedrig bewertet erscheint. Es sprechen jedoch gute Gründe dafür, dass die Vorschusslorbeeren für den Markt nicht alleine auf Donald Trump zurückzuführen sind. So hat sich die Konjunktur bereits vor der US-Präsidentschaftswahl weltweit beschleunigt, und viele Frühindikatoren (z.B. Einkaufsmanagerindizes) steigen seit Mitte des vergangenen Jahres. Zudem treiben die steigenden Unternehmensgewinne die Märkte in Richtung Höchststände. Sicherlich ist ein Teil der besseren Aussichten bereits in den Aktienkursen eingepreist, was das weitere Kurspotenzial von US-Aktien begrenzen dürfte. Ein Nichteinlösen aller Versprechen müsste nicht zwingend eine Korrektur auslösen, dürfte aber für mehr Volatilität sorgen.

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