Die wichtigsten Fakten:

  • Der Handelskonflikt zwischen China und den USA ist ein Kampf um die Technologieführerschaft.
  • Der systematische Umbau der chinesischen Volkswirtschaft kostet Wachstum.
  • Der Brexit könnte in die Verlängerung gehen. Das birgt Risiken für die globale Konjunktur.

Drohungen, Zölle, Vergeltungsmaßnahmen, Deeskalation, Verhandlungen – und dann das Ganze wieder von vorn. Das größte Risiko für die Weltwirtschaft bleibt der Handelskonflikt zwischen China und den USA. Die nächste Gesprächsrunde ist noch im Oktober geplant. Vieles spricht aber inzwischen dafür, dass die Auseinandersetzung bereits einen chronischen Zustand erreicht hat. US-Präsident Donald Trump dürfte im Wahljahr 2020 zwar sehr an einem Waffenstillstand interessiert sein – ein Abgleiten der US-Wirtschaft in die Rezession könnte ihn das Amt kosten. Und auch Chinas schwächelnder Wirtschaft täte eine längere Atempause gut. Doch eine echte Lösung erwartet die Deutsche Bank nicht. Der Handelskonflikt hat sich schon längst zu einem Kampf um Technologieführerschaft und geopolitische Bedeutung entwickelt.

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Weniger Wachstum

Die geringere Wachstumsdynamik in China ist nicht nur Folge des Handelsstreits – auch der systematische Umbau der Wirtschaft mit der Stärkung des Binnenmarkts bremst die Konjunktur. Die offiziellen Stimmungsindikatoren der Wirtschaft bleiben unter den Erwartungen, die Gewinne der Industrieunternehmen stehen unter Druck. Eine weitere Stimulierung des Binnenmarktes rückt näher – deshalb könnte das Wachstum in China 2019 und auch 2020 bei rund 6 Prozent liegen.

Auch die US-Wirtschaft leidet unter dem Handelsstreit. Die Unternehmen sind verunsichert, Investitionen rückläufig. Zusammen mit den negativen Auswirkungen von Zöllen auf die Konsumenten dürfte dies auch die US-Konjunktur schwächen. Die US-Notenbank Fed kommt in ihren Analysen zu dem Schluss, dass der Konflikt bereits 0,75 Prozent-Punkte Wachstum gekostet haben könnte.

Ungelöster Brexit

In Europa sind alle Blicke nach London gerichtet. Premierminister Boris Johnson will die EU weiterhin um jeden Preis am 31. Oktober verlassen – am wahrscheinlichsten ist nach Einschätzung der Deutschen Bank aber eine erneute Verschiebung des Austrittstermins des Vereinigten Königreichs. Ein No-Deal-Brexit wäre nach Meinung vieler Experten ein „Worst-Case“-Szenario. Inzwischen aber gibt es auch ernstzunehmende Stimmen, die vom 31. Oktober nicht abrücken würden. So spricht sich Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, für einen harten Brexit aus: Die anhaltende Unsicherheit sei Gift für die gesamte Wirtschaft, die Spaltung der britischen Gesellschaft eine Gefahr für ganz Europa.

Unterdessen könnte die deutsche Wirtschaft im 3. Quartal bereits in die Rezession abgerutscht sein. Die Industrieunternehmen haben ihren Ausstoß gegenüber dem Vormonat im Juli überraschend um 0,6 Prozent zurückgefahren – den zweiten Monat in Folge. Das Verarbeitende Gewerbe drosselte die Produktion deutlich um 0,8 Prozent. Unerfreulich ist auch die Entwicklung der Kapitalgüterproduktion, die ein Indikator für die künftige konjunkturelle Dynamik ist. Hier ergab sich im Juli bereits der dritte Rückgang innerhalb der vergangenen vier Monate. Die Vorjahresrate der gesamten Industrieproduktion verbesserte sich im Juli zwar leicht von -4,7 Prozent auf -4,2 Prozent – ein Ende des Schrumpfungskurses ist damit aber noch nicht in Sicht.

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 24.09.2019. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.


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Redaktionsschluss: 04.10.2019