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24. Februar 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

der STOXX 600 übertrifft den NASDAQ-100 zuletzt teilweise deutlich, Künstliche Intelligenz sorgt im europäischen Bankensektor für Diskussionen, und katarische Aktien rücken für Investoren wieder stärker in den Blick.

STOXX 600 vor Bewährungsprobe: Bewertungsabschlag schmilzt, Gewinnlücke bleibt

Der europäische STOXX 600 hat den technologielastigen NASDAQ-100 seit Anfang November 2025 währungsbereinigt zeitweise um knapp 18 Prozent übertroffen. Historisch ist das selten: In den vergangenen 20 Jahren erzielte Europa nur sieben Mal innerhalb von vier Monaten einen ähnlichen Vorsprung. Danach verlor der STOXX 600 in den folgenden zwölf Monaten relativ zum NASDAQ-100 durchschnittlich rund 21 Prozent. Zwar startete Europa zuletzt mit einem ungewöhnlich hohen Bewertungsabschlag, gemessen am erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis der nächsten zwölf Monate, doch entspricht dieser mit rund 40 Prozent wieder dem Zehn-Jahres-Durchschnitt. Eine weitere Outperformance wird damit schwieriger, zumal sich die Gewinntrends deutlich unterscheiden: Für 2026 bis 2028 erwarten Analysten beim NASDAQ-100 ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum von rund 19 Prozent, beim STOXX 600 nur knapp elf Prozent. Ohne eine strukturelle Verbesserung der europäischen Gewinnperspektiven, etwa durch eine deutlich stärkere konjunkturelle Erholung in Deutschland, dürfte es europäischen Aktien zunehmend schwerfallen, ihre seit November aufgebaute Outperformance gegenüber den wachstumsstarken NASDAQ-Titeln auszubauen.

Künstliche Intelligenz verändert die Ertragsperspektiven europäischer Banken

Künstliche Intelligenz hat zuletzt auch im europäischen Bankensektor für Diskussionen gesorgt. Einige Beobachter erwarten Druck auf Gebühren und stärkeren Wettbewerb um Einlagen, da Künstliche Intelligenz (KI) Preis- und Zinsvergleiche vereinfacht und somit möglicherweise Wechselanreize erhöht. Viele Analysten gehen jedoch davon aus, dass Banken insgesamt von KI profitieren. Neben neuen Umsatzchancen durch personalisierte Zusatzangebote dürften insbesondere Kosteneinsparungen die Ertragskraft steigern. Viele Institute nutzen KI bereits, um Prozesse zu vereinfachen oder den Kundenservice zu verbessern. Zahlreiche kleinere Effizienzgewinne entlang der Wertschöpfungskette können sich zu spürbaren Einsparungen summieren. Die Aufgabe des Managements der Banken besteht nun darin, diese Fortschritte zu skalieren. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für die kommenden zwölf Monate von rund zehn ist der europäische Bankensektor relativ zu seiner Historie zwar nicht mehr günstig bewertet – dennoch bleibe ich positiv. Analysten erwarten für europäische Banken zwischen 2026 und 2028 ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum von über neun Prozent. Diese Erwartungen sollten durch verbesserte Konjunkturdaten und die angesprochenen, KI-bedingten Effizienzsteigerungen zusätzliche Unterstützung erhalten.

Katar: Comeback nach schwachem Jahr 2025

Der MSCI Qatar Index stieg seit Jahresbeginn um über 5,5 Prozent und machte damit den im Jahr 2025 aufgelaufenen Verlust von rund fünf Prozent wett.

Ein wichtiger Grund für die Underperformance des MSCI Qatar im Jahr 2025 ist die Indexstruktur – diese besteht zu etwa 70 Prozent aus Substanzwerten aus dem Finanzsektor, in einer Volkswirtschaft, die stark von Erdgasexporten abhängig ist. In einem Marktumfeld, das von KI-getriebenen Wachstumsnarrativen dominiert wurde, erwies sich diese Indexstruktur als relativer Nachteil. Katarische Titel rücken jedoch wieder stärker in den Blick: Analysten erwarten für 2026 und 2027 eine deutliche Beschleunigung des katarischen Wirtschaftswachstums. Nach einem Zuwachs von lediglich 2,9 Prozent im Jahr 2025 werden für 2026 und 2027 Wachstumsraten von jeweils 5,1 und 7,2 Prozent prognostiziert. Als wesentlicher Impuls gilt die Inbetriebnahme des North-Field-East-Projekts, das die Erdgasproduktion Katars um rund 40 Prozent erhöhen soll. Mit dem erwarteten Wachstumsschub dürfte auch die Kreditnachfrage zulegen, wovon insbesondere katarische Finanzwerte profitieren könnten. Insgesamt könnten somit katarische Werte als Diversifikationsbaustein im Portfolio berücksichtigt werden.

„Physical AI“: langfristiger Billionenmarkt mit Aufholpotenzial für die USA

„Physical AI“ versetzt Maschinen wie Roboter und autonome Fahrzeuge in die Lage, ihre Umgebung in Echtzeit eigenständig wahrzunehmen, zu analysieren und mit der physischen Welt zu interagieren. Und sie könnte den USA dabei helfen, den Trend des rückläufigen Verarbeitenden Gewerbes umzukehren. Der Markt bietet großes Potenzial: Analysten schätzen, dass die Zahl der KI-fähigen Roboter bis 2050 auf 6,5 Milliarden steigen und mehr als 25 Billionen US-Dollar erwirtschaften könnte. Während China den Markt derzeit dominiert – gemessen an der geschätzten Zahl der bereits in verschiedenen Branchen wie Industrie und Dienstleistungen eingesetzten Roboter –, haben die USA Aufholpotenzial. Besonders US-Automobilhersteller verfügen bereits über eine gute Grundlage, um ihre Produktion auf KI-fähige Maschinen umzustellen. Die technische Expertise der Branche, bestehende Lieferketten und die Fähigkeit, die Produktion zu skalieren, könnten diesen Übergang unterstützen.

KI‑Rotation: Software unter Druck, Hardware im Vorteil

Künstliche Intelligenz (KI) prägt die aktuelle Sektorrotation: Softwarewerte geraten unter Druck, während Hardware und Halbleiter profitieren. Zugleich liefert die Berichtssaison positive Überraschungen, und mit der Idee des designierten Fed-Chefs Kevin Warsh zur engeren Treasury–Fed‑Abstimmung rückt die Zinspolitik in den Fokus. Wie sich das auf Bewertungen und Anlagestrategien auswirkt, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 0,15

Der Bau von Windkraftanlagen wirkt sich auf die Umwelt aus – wie genau, das hat ein Team um Nils Christiansen vom Helmholtz-Zentrum Hereon in Geesthacht anhand der Offshore-Windparks in der Nordsee untersucht. Die Forscher fanden, dass Rotoren und Pfeiler der Windräder gegensätzliche Klimaeffekte erzeugen. Die Rotoren bremsen den Wind und erwärmen die Nordsee dadurch im Schnitt um 0,05 Grad im Jahr. Gleichzeitig erzeugen die Pfeiler im Wasser Turbulenzen, die per saldo zu einer Abkühlung um 0,15 Grad führen. Auch die Bewegung von Sediment am Meeresgrund wird durch die Windparks beeinflusst. Die Forscher hoffen, dass Offshore-Anlagen mithilfe ihrer Daten künftig noch umweltfreundlicher geplant werden können. 

Ich wünsche Ihnen einen Tag mit Rückenwind. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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