16. April 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
der Internationale Währungsfonds prognostiziert für Deutschland 2026 noch 0,8 Prozent Wachstum, Chinas Ausfuhren wachsen dynamisch, und weiter steigende Goldpreise könnten die Silbernotierungen mitziehen.
IWF senkt globale Wachstumsprognosen
In seinem am Dienstag veröffentlichten halbjährlichen World Economic Outlook revidierte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für das globale Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 auf 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Januar waren noch 3,3 Prozent prognostiziert worden. Demgegenüber hob der IWF seine Prognose für die globale Inflation im Jahr 2026 gegenüber Oktober um 0,7 Prozentpunkte auf 4,4 Prozent an. Das Basisszenario des IWF unterstellt dabei, dass der Nahostkonflikt in Umfang und Dauer begrenzt bleibt, weshalb die konjunkturellen Auswirkungen für die meisten Industrieländer insgesamt moderater ausfallen dürften als für die meisten Schwellenländer. Die Wachstumsprognosen für die großen Industrieländer wurden jedoch ebenfalls gesenkt: Für die USA projiziert der IWF nun ein Wachstum von 2,3 Prozent, für den Euroraum wurde die Prognose auf 1,1 Prozent reduziert, für Deutschland gar auf 0,8 Prozent. Der IWF hob explizit hervor, dass die globale Unsicherheit infolge der geopolitischen Spannungen ein historisch hohes Niveau erreicht habe. Wäre der Nahostkonflikt nicht eskaliert, hätte der IWF seine globale Wachstumsprognose auf 3,4 Prozent angehoben. Dies unterstreicht die Robustheit der zugrunde liegenden makroökonomischen Fundamentaldaten.
China: starke Ausfuhren, erholte Aktienkurse
Chinas Exporte legten im ersten Quartal um rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu und erzielten damit das stärkste Quartalswachstum seit etwa vier Jahren. Die zugleich schwächeren März-Daten sind überwiegend kalendarisch bedingt und spiegeln die in diesem Jahr späteren und längeren Neujahrsfeiertage wider. Saisonbereinigt zeigen die Zahlen trotz anhaltender Störungen im Schiffsverkehr in der Golfregion auch im März eine weiter zunehmende Dynamik. Bemerkenswert ist, dass diese Entwicklung weniger zyklisch als strukturell geprägt scheint. Neben relativen Kostenvorteilen aufgrund geringerer Abhängigkeiten von importiertem Öl und Gas profitieren chinesische Exporteure vor allem von zwei globalen Megatrends: zum einen vom starken Ausbau weltweiter Rechenleistung im Zuge zunehmender Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz, der Herstellern von Elektronik und entsprechender Ausrüstung volle Auftragsbücher beschert. Zum anderen von der Energiewende, die von dem Konflikt in der Golfregion zusätzliche Impulse erhält und chinesischen Green‑Tech‑Exporteuren nachhaltigen Rückenwind verleiht. Die Breite dieser Treiber spricht dafür, dass die Exportwirtschaft auch künftig einen signifikanten Beitrag zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts leisten dürfte, das der Internationale Währungsfonds in seiner jüngsten Schätzung für 2026 bei 4,4 Prozent erwartet.
Eine sich verstetigende Exportdynamik könnte auch zur Stabilisierung der chinesischen Aktienmärkte beitragen. Nach der jüngsten Erholung haben die an Chinas Festlandbörsen notierten Aktien – sogenannte A‑Aktien – die seit Beginn des Iran‑Kriegs angefallenen Verluste nahezu vollständig aufgeholt und sich damit deutlich besser entwickelt als andere Märkte der Region. Rückenwind kam dabei auch von der Erholung der Erzeugerpreise, deren jährliche Zuwachsrate mit 0,5 Prozent im März erstmals seit über drei Jahren in den positiven Bereich zurückkehrte. Historisch reagieren die im Vergleich zu Hongkong-Aktien stärker industriell geprägten A‑Aktien besonders sensibel auf moderat steigende Erzeugerpreise - ein Umfeld, in dem Produzenten Input-Kostensteigerungen leichter zugunsten ihrer Gewinnmargen weitergegeben können. Die anhaltende Unsicherheit in der Golfregion dürfte auch an Chinas Festlandbörsen für weiterhin erhöhte Schwankungen sorgen. Für mittelfristig orientierte Anleger könnten sich attraktive Einstiegschancen eröffnen.
Silberpreis mit Luft nach oben
Nachdem der Silberpreis von seinem am 29. Januar gehandelten Rekordhoch bei 121,65 US-Dollar je Feinunze bis Mitte März auf 61 US-Dollar/Unze nachgegeben hatte, stabilisierte er sich zuletzt etwas unterhalb der Marke von 80 US-Dollar/Unze. Ähnlich wie bei Gold mussten auch hier zu Beginn der Eskalation im Nahen Osten Kaufpositionen aufgelöst werden, um Liquidität zu generieren. Global wurden die Bestände in mit physischem Silber hinterlegten Zertifikaten im März um drei Prozent reduziert. Auch die direkte Nachfrage nach physischem Metall in Form von Barren und Münzen blieb in den ersten drei März-Wochen verhalten, bevor sie zum Monatsende hin spürbar zunahm. Den vorübergehenden Preisrückgang nutzten zudem Hersteller von Photovoltaikmodulen, um Lagerbestände wieder aufzubauen. Das von vielen Marktakteuren stark beachtete Verhältnis zwischen den Gold- und Silberpreisen, das Ende Januar auf ein ungewöhnlich niedriges Niveau von etwa 44 gefallen war, ist zuletzt mit 60 bis 65 ungefähr auf sein langfristiges Durchschnittsniveau zurückgekehrt. Weiter steigende Goldpreise könnten deshalb die Silbernotierungen mit sich ziehen.
Auch ein anhaltendes Angebotsdefizit oder eine mögliche Belebung der Investitionsnachfrage sprächen für höhere Silberpreise. Gleichwohl sollten die Preise unter dem Allzeithoch vom Januar bleiben, da das globale Wachstum durch die nachteiligen Effekte des Nahostkonflikts schwächer ausfallen dürfte als zu Jahresbeginn erwartet.
Edelmetalle: Was kommt nach dem Preisanstieg?
Edelmetalle haben zuletzt kräftig zugelegt – starke Schwankungen inklusive. Welche Rolle spielen geopolitische Konflikte, Zölle und Lieferketten für Silber, Kupfer, Platinmetalle und andere Rohstoffe – und welche Branchen trifft das besonders? Worauf Anleger bei dieser Anlageklasse achten sollten, darüber diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.
Was diese Woche wichtig wird
Im Laufe der Woche, Berichtssaison
- USA | Aus dem S&P 500 berichten 28 Unternehmen, darunter Bank of America, Citigroup, JPMorgan Chase, Morgan Stanley, Blackrock, Abbott Laboratories, Netflix, PepsiCo und Johnson & Johnson.
- Europa | Aus dem STOXX 600 legen sechs Unternehmen Ergebnisse vor, darunter ASML und Tesco.Asien | Aus China berichtet Contemporary Amperex Technologies (CATL). Aus Indien berichten ICICI Bank und HDFC Bank.
- USA | Einzelhandelsumsätze und Erzeugerpreisindex im März. Der Marktkonsens geht davon aus, dass der Erzeugerpreisindex im März um 1,2 Prozent zum Vormonat gestiegen ist, nach 0,7 Prozent im Februar. Grund ist, dass die höheren Energiepreise den Preisdruck auf Produzentenebene stark erhöht haben dürften. Darüber hinaus werden am Donnerstag die Daten zur Industrieproduktion für März veröffentlicht. Hier wird ein Rückgang des monatlichen Wachstums von 0,2 Prozent im Februar auf 0,1 Prozent erwartet.
- Freitag, Großbritannien | BIP-Wachstum im Februar. Laut Konsens rechnen Analysten damit, dass das monatliche BIP-Wachstum im Februar auf 0,1 Prozent gestiegen ist, nachdem die Wirtschaft im Januar stagniert hatte. Die Industrieproduktion dürfte im Februar um 0,2 Prozent zugelegt haben. Die höheren Energiepreise sowie mögliche Auswirkungen von Lieferkettenstörungen infolge des eskalierten Konflikts im Nahen Osten werden sich in diesen Daten jedoch noch nicht widerspiegeln.
Zahl des Tages: 17
Langschläfer oder Frühaufsteher? Wie die innere Uhr tickt, hängt vom individuellen Chronotypen eines Menschen ab. Den exakt zu bestimmen, erforderte bislang langwierige Speichel- und Bluttests, doch nun hat ein Team um Bert Maier von der Charité – Universitätsmedizin Berlin eine deutlich schnellere Methode entwickelt. Die Forscher benötigen nur ein paar Haarwurzeln, um die Aktivität von 17 Genen zu bestimmen, aus denen sich der persönliche Biorhythmus ablesen lässt. Erste statistische Daten hat das Team auch schon gesammelt: zum Beispiel, dass Probanden mit Mitte zwanzig im Schnitt eine Stunde später müde werden als über 50-Jährige – und dass der Biorhythmus von Frauen sechs Minuten früher „Nachtruhe“ anzeigt als der von Männern.
Ich wünsche Ihnen einen ausgeschlafenen Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
PERSPEKTIVEN am Morgen: Störung im Anmeldeprozess
Aktuell ist die Registrierung mit den Umlauten ö, ü, ä sowie mit ß nicht möglich. Sie können sich mit oe, ue, ae sowie mit ss weiterhin registrieren.
Sollte auch das nicht funktionieren, wenden Sie sich an: perspektiven-am.morgen@db.com
Das könnte Sie auch interessieren
PERSPEKTIVEN im Fokus
Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte
PERSPEKTIVEN To Go
Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast
Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.
HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)