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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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13. April 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die Spritpreise in den USA sind im März um über ein Fünftel gestiegen, US-Verbraucher blicken mit Sorge in die Zukunft, und Indexanbieter wollen ihre Regularien für große Börsengänge anpassen.

USA: Inflation legt zu, Verbraucher skeptisch

Zum Wochenschluss wurde in den USA eine Reihe von Daten veröffentlicht, die Hinweise auf Inflationsentwicklung und -erwartungen gaben. Die PCE Kernrate, - ein breiteres Inflationsmaß als der Verbrauchpreisindex, da beispielsweise Krankenversicherungsbeiträge von Arbeitgebern einbezogen werden -, stieg im Februar, und somit vor der Eskalation im Nahen Osten, um 0,4 Prozent zum Vormonat an. Die Preise lagen somit um 3,0 Prozent oberhalb des Vorjahresniveaus. Bemerkenswert ist, dass sich der Preisanstieg in den Monaten Dezember bis Februar beschleunigt hat. Wenn die Rate in den kommenden neun Monaten so stark zulegen würde wie in den vergangenen drei, würde die jährliche Inflationsrate 4,4 Prozent betragen.  

Aktuellere Daten für den Monat März lieferte der Verbraucherpreisindex, der nur die direkten Ausgaben von städtischen Haushalten berücksichtigt. Erwartungsgemäß verteuerten sich die Preise um 0,9 Prozent zum Vormonat, was einen kräftigen Sprung der jährlichen Inflationsrate von 2,4 auf 3,3 Prozent zur Folge hatte. Naheliegenderweise war für den Preissprung primär der Benzinpreis verantwortlich. Dieser legte um mehr als 21 Prozent zu, der stärkste jemals verzeichnete monatliche Preisanstieg. Die um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Kerninflationsrate stieg zwar weiter an, jedoch etwas geringer als im Marktkonsens erwartet. Hier spielte der Rückgang der Gebrauchtwagenpreise eine entscheidende Rolle. 

Für die Reaktionsfunktion der US-Notenbank Fed dürfte ein entscheidender Faktor sein, wie sich die Inflationserwartungen der Verbraucher verändern. Einen Hinweis lieferte der von der University of Michigan erstellte Index des Verbrauchervertrauens: Die Inflationserwartungen für die kommenden zwölf Monate stiegen merklich von 3,8 auf 4,8 Prozent und erreichten damit den stärksten Monatsanstieg seit April 2025 („Liberation Day“). Auch die langfristigen Inflationserwartungen legten leicht auf 3,4 Prozent zu und liegen damit klar über dem Niveau vor der Eskalation des Nahostkonflikts. Der Gesamtindex der Verbraucherstimmung fiel wesentlich stärker als im Marktkonsens erwartet auf 47,6 Punkte, das niedrigste jemals ermittelte Niveau in der fast 50-jährigen Historie des Index. Besonders deutlich verschlechterten sich die Erwartungen zur wirtschaftlichen Lage in den kommenden zwölf Monaten sowie die Einschätzung der eigenen Finanzlage. Allerdings fanden 98 Prozent der Befragungen vor der Ankündigung der Waffenruhe statt, sodass sich die Erwartungen bei nachlassenden Angebotsstörungen und sinkenden Energiepreisen perspektivisch stabilisieren könnten.

Mega-IPOs: schneller in den Index?

Vor großen Börsengängen in den USA passen Indexanbieter ihre Aufnahmekriterien an, sodass Unternehmen schneller Mitglied in bedeutenden US-Aktienindizes werden können. Bisher durften Firmen erst drei bis zwölf Monate nach ihrem Börsengang aufgenommen werden; zudem gab es Mindestanforderungen für den Streubesitz. Berichten zufolge sollen beide Bedingungen nun deutlich gelockert werden. Befürworter meinen, so könne die Aktienlandschaft besser abgebildet werden. Kritiker warnen jedoch davor, dass automatische ETF-Käufe nach dem IPO die Kurse kurzfristig steigen lassen – zum Vorteil von Insidern, die bereits vor dem Börsengang investiert sind. Da Fonds, die US-Indizes replizieren, derzeit etwa 30 Billionen US-Dollar umfassen, wären solche Käufe durchaus bedeutend. Privatanleger müssen sich von diesen Änderungen allerdings nicht beunruhigen lassen. Anpassungen der Indexkriterien kommen immer wieder vor und haben normalerweise keine dauerhaft spürbaren Auswirkungen.

Agrar-Tech-Branche: Wachstum durch KI

Der Einsatz physischer Künstlicher Intelligenz in Robotern, autonomen Fahrzeugen und landwirtschaftlichen Maschinen dürfte die Produktion und Effizienz in der Agrarwirtschaft erhöhen, indem sie bessere Entscheidungen auf der Ebene einzelner landwirtschaftlicher Flächen ermöglicht. Diese Entwicklung ist als der bedeutendste agrartechnische Schritt seit Jahrzehnten zu werten, aufbauend auf der Mechanisierung der Nachkriegszeit, den Ertragssteigerungen der Grünen Revolution durch den Einsatz von Düngemitteln und verbesserten Saatgutsorten sowie der Verbreitung der Präzisionslandwirtschaft, die mithilfe digitaler Daten und Sensoren den Inputeinsatz auf Feldebene optimiert, in den 2010er-Jahren. KI wird zunehmend in Technologien wie Agrardrohnen und Systemen zur gezielten Düngung und Bewässerung sowie in autonomen landwirtschaftlichen Maschinen eingesetzt. Eine Nachfrage nach solchen Lösungen ist vorhanden: Im Jahr 2024 berichtete weltweit etwa die Hälfte der Landwirte von Interesse an KI-gestützten Technologien. Gleichzeitig sammelten US-Agrartechnologie-Unternehmen im Jahr 2025 rund sieben Milliarden US Dollar über Venture-Capital-Finanzierungen ein, ein Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Investoren könnte die durch KI getragene Entwicklung in der Agrartechnologie selektive Chancen in den Bereichen Maschinenbau, Automobilindustrie, Technologie und Hardware eröffnen, insbesondere bei Unternehmen, die Drohnen und autonome Fahrzeuge für den kommerziellen Einsatz herstellen.

Edelmetalle: Was kommt nach dem Preisanstieg?

Edelmetalle haben zuletzt kräftig zugelegt – starke Schwankungen inklusive. Welche Rolle spielen geopolitische Konflikte, Zölle und Lieferketten für Silber, Kupfer, Platinmetalle und andere Rohstoffe – und welche Branchen trifft das besonders? Worauf Anleger bei dieser Anlageklasse achten sollten, darüber diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.

Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • USA | Aus dem S&P 500 berichten 28 Unternehmen, darunter Bank of America, Citigroup, JPMorgan Chase, Morgan Stanley, Blackrock, Abbott Laboratories, Netflix, PepsiCo und Johnson & Johnson.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 legen sechs Unternehmen Ergebnisse vor, darunter ASML und Tesco.Asien | Aus China berichtet Contemporary Amperex Technologies (CATL). Aus Indien berichten ICICI Bank und HDFC Bank. 
  • Dienstag China | Handelsbilanz im März. Analysten erwarten für die chinesischen Exporte einen Anstieg um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem diese in den beiden Auftaktmonaten dieses Jahres insgesamt um 39,6 Prozent zugelegt hatten. Die Importe dürften um 15 Prozent im Jahresvergleich steigen, nach 13,8 Prozent im Zeitraum Januar und Februar. Zudem dürfte die am Donnerstag anstehende Veröffentlichung zum BIP-Wachstum im ersten Quartal auf großes Interesse stoßen. Erwartet wird ein Anstieg auf 4,8 Prozent im Jahresvergleich, folgend auf einen Zuwachs um 4,5 Prozent im vierten Quartal 2025. Zudem werden die Daten zur Industrieproduktion und zum Einzelhandel einen Einblick in die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft nach der Eskalation im Nahen Osten geben.
  • USA | Einzelhandelsumsätze und Erzeugerpreisindex im März. Der Marktkonsens geht davon aus, dass der Erzeugerpreisindex im März um 1,2 Prozent zum Vormonat gestiegen ist, nach 0,7 Prozent im Februar. Grund ist, dass die höheren Energiepreise den Preisdruck auf Produzentenebene stark erhöht haben dürften. Darüber hinaus werden am Donnerstag die Daten zur Industrieproduktion für März veröffentlicht. Hier wird ein Rückgang des monatlichen Wachstums von 0,2 Prozent im Februar auf 0,1 Prozent erwartet.
  • Freitag, Großbritannien | BIP-Wachstum im Februar. Laut Konsens rechnen Analysten damit, dass das monatliche BIP-Wachstum im Februar auf 0,1 Prozent gestiegen ist, nachdem die Wirtschaft im Januar stagniert hatte. Die Industrieproduktion dürfte im Februar um 0,2 Prozent zugelegt haben. Die höheren Energiepreise sowie mögliche Auswirkungen von Lieferkettenstörungen infolge des eskalierten Konflikts im Nahen Osten werden sich in diesen Daten jedoch noch nicht widerspiegeln.

Zahl des Tages: 38.162

Davenport im US-Bundesstaat Iowa besitzt eine Kathedrale, ein deutsch-amerikanisches Kulturzentrum, eine Promenade am Mississippi – und als jüngste Sehenswürdigkeit das größte Löffelmuseum der Welt. Museumsleiterin Camellia R. Pohl entdeckte ihre Leidenschaft, als ihre Urgroßmutter ihr einen Satz altes Silberbesteck schenkte. Heute präsentiert sie in ihrer Mississippi Spoon Gallery 38.162 Löffel aus aller Welt – vom Künstlerlöffel in feiner Plique-à-jour-Emaille bis zum chinesischen Drachenlöffel. Als besondere Kuriosität zeigt das Museum einen „Spoondelier“: einen Kronleuchter aus 130 Besteckteilen.  

Tun Sie heute etwas mit Leidenschaft. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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