22. Januar 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die Renditen 30-jähriger japanischer Staatsanleihen steigen nach der Ankündigung vorgezogener Neuwahlen deutlich an, die Aktien großer US‑Banken geraten trotz übertroffener Gewinnerwartungen unter Druck, und der US‑Metall‑ und -Stahlsektor profitiert von höheren Rohstoffpreisen.
Renditesprung nach Wahlaufruf: Japans 30-jährige Staatsanleihen im Fokus
Die Rendite 30-jähriger japanischer Staatsanleihen stieg am Dienstag zeitweise um bemerkenswerte 0,25 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent. Damit reagierten die Märkte auf die Ankündigung von Premierministerin Sanae Takaichi, das Parlament morgen aufzulösen und für den 8. Februar vorgezogene Neuwahlen auszurufen. Zudem haben Takaichis jüngste Wahlversprechen, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel zu streichen und zugleich am expansiven Konjunkturpaket festzuhalten, Sorgen über die Tragfähigkeit der japanischen Staatsschulden geschürt. Allerdings werden etwa 86 Prozent der emittierten japanischen Staatsanleihen von heimischen Gläubigern gehalten, darunter vornehmlich die Bank of Japan, Pensionsfonds und institutionelle Anleger. Dies sollte zu einer Stabilisierung der Kurse beitragen. Tatsächlich haben die erhöhten Renditen bereits wieder Anleiheanleger auf den Plan gerufen. Beispielsweise gab die Rendite 30-jähriger Restlaufzeiten im gestrigen Handel spürbar auf gut 3,7 Prozent nach. Eine kurzfristige Rückkehr zu deutlich niedrigeren Niveaus halte ich zunächst zwar für wenig wahrscheinlich, unter den aktuellen Marktgegebenheiten könnten sich die zuletzt erreichten Niveaus längerfristiger japanischer Staatsanleihen aber als Obergrenze etablieren.
US-Großbanken schlagen Erwartungen – Aktien reagieren verhalten
Die großen US‑Banken bleiben operativ stark und übertrafen erneut die Gewinnschätzungen – dennoch gaben einige S&P‑500‑Bankaktien in der vergangenen Woche nach ihren Quartalsberichten nach. Anleger hatten auf stärkere Impulse gehofft, zumal reine Investmenthäuser – nicht Teil dieser Bankindizes – zuletzt robuster abschnitten. Belastend wirkten leicht höhere Kosten und ein Ausblick, der die hohen Erwartungen lediglich bestätigte. Auch die Überlegung von US‑Präsident Donald Trump, temporäre Zinsobergrenzen für Kreditkarten einzuführen, verunsicherte. Sicherlich spielt auch die ambitionierte Bewertung eine Rolle: Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die nächsten zwölf Monate der S&P‑500‑Banken liegt bei rund 13 – mehr als zehn Prozent über dem langjährigen Mittel. Für erfahrene Anleger könnten sich alternativ US-Banken aus der zweiten Reihe anbieten. Die im S&P 400 Index gelisteten mittelgroßen Institute werden mit einem vorausschauenden KGV von elf gehandelt – ein historisch hoher Abschlag gegenüber den Großbanken. Sie profitieren meist stärker von steigenden Zinsmargen aufgrund der steileren Zinsstrukturkurve sowie einer Belebung des Kreditwachstums. Risiken bleiben jedoch bestehen, besonders im Firmenkreditgeschäft bei nachlassender Konjunktur.
US-Metall- und Stahlsektor startet mit Rückenwind in die Berichtssaison
Der Ausblick für den US-Bergbau und -Stahlsektor ist vor Beginn der Berichtssaison zum vierten Quartal 2025 positiv. Treiber sind eine relativ verbesserte Ergebnisentwicklung nach verhaltener Performance sowie jüngste Preisanstiege bei Edel- und Industriemetallen. Für erfahrene und entsprechend risikobereite Anleger mit Interesse an diesem eng definierten Sektor könnte dies einen Einstiegspunkt bieten. Das zwölfmonatige vorausschauende Kurs-Gewinn-Verhältnis für den S&P 500 Metals & Mining Sektor liegt derzeit bei 15,8. Zum Jahresende 2025 zeigten sich sowohl die US-amerikanischen als auch die europäischen Stahlmärkte fester.
Lithiumproduzenten dürften von der steigenden Nachfrage nach Energiespeicherung im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz und Rechenzentren unterstützt werden. Darüber hinaus könnten einzelne Bergbauunternehmen für die USA von strategischer Bedeutung sein. Zu den Risiken zählen ein weltweit schwächeres Wirtschaftswachstum als erwartet, unerwartete Veränderungen der Stahlpreise, schwankende Material- und Betriebskosten, politische Unsicherheiten sowie Währungsschwankungen.
Europas Private-Credit-Markt gewinnt global an Bedeutung
Die Nachfrage für „Private Credit“ nimmt auf dem europäischen Markt zu. Dieses umfasst Kredite, die – statt von Banken – von privaten Investmentgesellschaften beziehungsweise Kreditfonds vergeben werden. Die Kreditnehmer sind oftmals mittelständische Unternehmen. Die Nachfrage von Investoren kommt auch aus dem außereuropäischen Ausland: Im globalen Vergleich zogen europäische Private-Credit-Fonds in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 35 Prozent aller Kapitalbeschaffungen zur Finanzierung von Unternehmen an. Im Gesamtjahr 2024 waren es noch 24 Prozent. Da der Private-Credit-Markt in den USA zunehmend standardisiert wird, wenden sich US-Investoren verstärkt Europa zu, das mit seinen vielfältigeren Kreditmärkten der einzelnen europäischen Länder und Sektoren überzeugt. Gleichzeitig verwalten viele europäische Asset-Manager kleinere, spezialisierte Private-Credit-Fonds, die Anlegern ein breiteres Strategiespektrum mit unterschiedlichen Risikoprofilen bieten. Erfahrene Anleger mit Interesse an festverzinslichen Anlagen könnten bei privaten Fremdkapitalfonds fündig werden.
Privatmärkte: Zugang, Chancen und Risiken
Geldanlage an Privatmärkten (darunter „Private Equity“) gewinnt an Bedeutung – doch was steckt dahinter? Über neue regulatorische Rahmenbedingungen, Potenziale für Risikostreuung und die besonderen Anforderungen dieser Anlageklasse sprechen Ramona Rückbeil, Leiterin Anlagestrategie für Alternative Investments und Economics, und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer in der aktuellen Folge von PERSPEKTIVEN To Go.
Zahl des Tages: 68,4
Der Teppich von Bayeux, eines der großen Kunstwerke des europäischen Mittelalters, entstand wohl im späten 11. Jahrhundert. Doch zu welchem Zweck? Eine neue Theorie hat jetzt Benjamin Pohl von der University of Bristol vorgelegt: Bei einer Länge von 68,4 Metern und 350 Kilogramm Gewicht muss der Teppich direkt an einer soliden Wand befestigt gewesen sein. Seine lateinischen Inschriften weisen auf relativ gebildete Betrachter hin, wie sie in Klöstern zu finden waren. Historiker Pohl vermutet, dass der Teppich ursprünglich für die Abtei St. Augustinus in Cambridge gedacht war, und zwar für den Speisesaal der Mönche – damit sie sich ihre schweigsamen Mahlzeiten mit Bildern der Eroberung Englands versüßen konnten.
Lernen Sie heute etwas dazu.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
PERSPEKTIVEN am Morgen: Störung im Anmeldeprozess
Aktuell ist die Registrierung mit den Umlauten ö, ü, ä sowie mit ß nicht möglich. Sie können sich mit oe, ue, ae sowie mit ss weiterhin registrieren.
Sollte auch das nicht funktionieren, wenden Sie sich an: perspektiven-am.morgen@db.com
Das könnte Sie auch interessieren
PERSPEKTIVEN im Fokus
Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte
PERSPEKTIVEN To Go
Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast
Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.
HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)