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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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23. Februar 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten bremst US-Präsident Donald Trumps Zollpläne aus, die Terminmärkte preisen eine nächste Zinssenkung der US-Notenbank erst ab Juli ein, und die Stimmungsindikatoren für die Eurozone übertreffen die Erwartungen.

Nach Zollurteil: Trump setzt auf globalen Basiszoll

Der Oberste Gerichtshof der USA entschied am Freitag, dass US-Präsident Donald Trump mit der Einführung pauschaler Importzölle auf Basis eines Notstandsgesetzes im April letzten Jahres seine Befugnisse überschritten hatte. Das Urteil entzieht den „reziproken Zöllen“, mit denen die US-Regierung bis dato rund 130 Milliarden US-Dollar eingenommen haben dürfte, ihre rechtliche Grundlage. In unteren Instanzen wird zu klären sein, ob und in welchem Maße diese Zolleinnahmen an US-Importeure zurückzuzahlen sind. Die Märkte reagierten moderat und differenziert: US-Aktien profitierten von der Hoffnung auf Zollrückzahlungen und höhere Gewinnmargen durch ein insgesamt niedrigeres Zollregime. Die Kurse von US-Staatsanleihen gaben nach, da der mögliche Wegfall von Zolleinnahmen den US-Haushalt belasten und eine höhere Staatsverschuldung wahrscheinlicher machen würde. Mit Blick nach vorn bleibt der politische Anreiz für neue Zölle hoch. Eine radikale Wende oder gar ein Ende der aktuellen US-Handelspolitik scheint derzeit wenig wahrscheinlich.

Infolge des Urteils skizzierte Trump eine alternative handelspolitische Strategie. Zentrale Maßnahme auf Basis des Abschnitts 122 des Handelsgesetzes ist die rasche Implementierung eines globalen Basiszolls von 15 Prozent, der temporär bis maximal ein Jahr eingesetzt werden kann und außenwirtschaftliche Ungleichgewichte korrigieren soll. Diese Entscheidung führt zu kurzfristigen Vorteilen für Staaten mit bislang höheren „reziproken Zöllen“, während bestehende sektorale Ausnahmen – etwa für energie- oder technologiebezogene Produkte – voraussichtlich bestehen bleiben. Parallel plant die Regierung die Einleitung mehrerer Untersuchungen nach Abschnitt 301 – der unfaire Handelspraktiken behandelt –, die langfristig eine rechtlich tragfähigere Grundlage zur Einführung von Zolleinnahmen schaffen sollen. Zwar gehen kurzfristig Einnahmen aus „reziproken Zöllen“ verloren, doch könnten die Maßnahmen auf Basis der „Section 301“ bis zu 90 Prozent dieser Einnahmen kompensieren. Da die Bekanntgabe der neuen Zölle nach Handelsschluss erfolgte, konnten die Märkte nicht mehr reagieren.

USA: Höhere Kerninflation trifft auf schwächer als erwartetes Wachstum

Die jährliche Kerninflationsrate der persönlichen Konsumausgaben in den USA stieg im Dezember etwas stärker als erwartet von 2,8 auf 3,0 Prozent. Gleichzeitig fiel das Wirtschaftswachstum im Schlussquartal mit annualisierten 1,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal deutlich niedriger aus als prognostiziert. Allerdings war das Wachstum im Vorquartal durch drastisch gesunkene Importe als Folge der hohen US-Zölle stark nach oben verzerrt. Zudem dämpfte die Stilllegung von Bundesbehörden während des längsten Shutdowns der Geschichte von Oktober bis Mitte November die wirtschaftliche Aktivität. Frühindikatoren und robuste Arbeitsmarktdaten deuten darauf hin, dass die Shutdown-Auswirkungen im Laufe des aktuellen Quartals kompensiert werden sollten. Die Kombination aus robuster Konjunktur und hartnäckiger Kerninflation dürfte die Mehrheit der US-Notenbanker zunächst in ihrer abwartenden Haltung bekräftigen. Entsprechend preisen die Terminmärkte eine nächste Zinssenkung erst ab Juli und eine weitere für das vierte Quartal 2026 ein.

Eurozonen-PMIs überraschen positiv: Industrie dreht ins Wachstum

Die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone überraschten am Freitag positiv. Der von HCOB ermittelte Index stieg auf 51,9 Punkte nach 51,3 im Januar und übertraf damit die Konsenserwartungen von 51,5. Treiber war vor allem das Verarbeitende Gewerbe, dessen Index erstmals seit Oktober wieder über die Expansionsschwelle sprang und von 49,5 im Vormonat auf 50,8 zulegte. Bedeutend für den europäischen Index war die Stimmungsaufhellung des deutschen Verarbeitenden Gewerbes – erstmals seit Mitte 2022 signalisiert dieser wieder Wachstum, gestützt durch kräftig anziehende Neuaufträge und wachsende Auftragsbestände. Zusätzlichen Rückenwind dürfte die deutsche Industrie in den kommenden Quartalen aus dem im Rahmen des Sondervermögens vorgesehenen fiskalischen Stimulus erhalten. Dieser wirkt als gezielter Wirtschaftsimpuls und verbessert die Aussichten insbesondere für investitionsgüternahe Sektoren. Getragen von fiskalischen Impulsen aus Deutschland bieten somit europäische Industriewerte insgesamt weiterhin interessante Diversifikationschancen im Portfolio. Zudem sind europäische Industriewerte mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 21 günstiger bewertet als ihre US-Pendants.

KI‑Rotation: Software unter Druck, Hardware im Vorteil

Künstliche Intelligenz (KI) prägt die aktuelle Sektorrotation: Softwarewerte geraten unter Druck, während Hardware und Halbleiter profitieren. Zugleich liefert die Berichtssaison positive Überraschungen, und mit der Idee des designierten Fed-Chefs Kevin Warsh zur engeren Treasury–Fed‑Abstimmung rückt die Zinspolitik in den Fokus. Wie sich das auf Bewertungen und Anlagestrategien auswirkt, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 4

Die Zirbeldrüse, eine kleine lichtempfindliche Drüse im Gehirn, wird manchmal auch „das dritte Auge“ genannt. Das ist gar nicht so weit hergeholt, wie ein chinesisch-britisches Team um Peiyun Cong von der Yunnan University herausfand. Die Forscher untersuchten Fossilien des ältesten bekannten Wirbeltiers: Myllokunmingia lebte vor über 500 Millionen Jahren, ähnelte einem winzigen Fisch – und hatte vier Augen. Das kleinere Augenpaar war offenbar voll funktionsfähig und half Myllokunmingia, sich ein räumliches Bild seiner Umwelt zu machen. Im Laufe der Evolution bildete sich dieses Augenpaar zur Zirbeldrüse zurück, so die Theorie, und übernahm eine neue Aufgabe: das Hormon Melatonin zu produzieren, das unseren Schlafrhythmus reguliert. 

Behalten Sie heute den Überblick. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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