17. Februar 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die politische Unterstützung für US-Zölle auf kanadische Importe sinkt, die Berichtssaison in Europa zeigt solide Resultate, und Japans geringes Wachstum stärkt die Argumente für neue Stimuli.
US-Repräsentantenhaus gegen Fentanyl-Notstand: Druck auf Kanada-Zölle wächst
Am vergangenen Mittwoch stimmte das US-Repräsentantenhaus mit knapper Mehrheit für die Beendigung des von Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit Fentanyl-Schmuggel ausgerufenen nationalen Notstands. Mit diesem wurden unter anderem Zölle von bis zu 35 Prozent auf kanadische Importe gerechtfertigt. Zwar dürfte Trump sein Vetorecht nutzen, doch die politische Unterstützung für die Zölle gegen Kanada scheint abzunehmen. Der Druck des US-Kongresses könnte sich auch auf die im Juli beginnenden Neuverhandlungen des Freihandelsabkommens zwischen den USA, Kanada und Mexiko (USMCA) auswirken. Kürzlich schlug der US-Handelsbeauftragte vor, diese Verhandlungen als bilateralen Prozess zu führen. Präsident Trump signalisierte sogar, dass sich die USA ganz aus dem USMCA-Abkommen zurückziehen könnten. Bislang sind im Rahmen dessen noch immer fast 90 Prozent aller kanadischen Warenlieferungen in die USA von Zöllen befreit. Eine spürbare Anhebung der USMCA-Zölle oder gar eine Aufkündigung des Abkommens hätte nicht nur spürbare Folgen für Kanadas Exporteure und die Gesamtwirtschaft, sondern auch für den kanadischen Aktienmarkt. Immerhin machen die US-Umsätze der großen kanadischen Unternehmen im Durchschnitt rund 27 Prozent ihrer Gesamtumsätze aus.
EZB verankert strukturellen Rahmen für Euro-Liquidität – auch jenseits von Krisen
Der jüngst von der Europäischen Zentralbank (EZB) permanent verankerte EUREP-Rahmen stärkt die Rolle der EZB als globaler Garant für Euro-Liquidität. Über die bisher nur vorübergehend gewährte Annahmegarantie können Nicht-Euro-Zentralbanken Euro gegen hochwertige Sicherheiten (beispielsweise Euro-Staatsanleihen) erhalten. Dadurch sinkt die Risikoprämie für Euro-Assets und macht diese in Krisen stabiler, weil die Notwendigkeit von Notverkäufen sinkt. Zugleich gewinnt der Euro an institutioneller Tiefe. EUREP wird von einem reinen Krisenelement zu einem strukturellen Element der internationalen Euro-Architektur. Derzeit macht der Euro rund 20 Prozent der globalen Währungsreserven aus – zwar wird der Ausbau der EUREP diesen Anteil nicht abrupt erhöhen, er stärkt aber die Rolle des Euro als verlässliche Systemwährung. Zudem ist er Teil einer breiteren institutionellen Integration des Euroraums, zu der unter anderem die Kapitalmarktunion, die Bankenunion, das „Transmission Protection Instrument“ (TPI) und die Harmonisierung europäischer Zahlungs- und Abwicklungsinfrastrukturen gehören. Damit stärkt die EZB die Basis des Euro als globale Reservewährung in einer zunehmend fragmentierten und krisenanfälligeren Weltwirtschaft.
Berichtssaison Europa: solide Zahlen, nervöse Märkte
In Europa hat bereits knapp die Hälfte der berichtenden Unternehmen Zahlen für das vierte Quartal 2025 vorgelegt – das Zwischenfazit: insgesamt solide. Das Gewinnwachstum des STOXX 600 bewegt sich derzeit auf ein leichtes Plus zu, nachdem zu Beginn der Saison noch ein Gewinnrückgang erwartet worden war. Rund 60 Prozent der berichteten Gewinne lagen über den Prognosen, was den historischen Durchschnitt leicht übertrifft. Finanzwerte stützen die Entwicklung wieder einmal und werden voraussichtlich erneut zweistellige Wachstumsraten erzielen. Auffällig ist die Marktreaktion: Die Kurse europäischer Aktien reagierten am Tag der Veröffentlichung im Durchschnitt mit Ausschlägen von über drei Prozent und damit so stark wie seit mindestens 16 Jahren nicht mehr. Dabei führten Enttäuschungen häufig zu klaren Kursverlusten, während positive Überraschungen nur begrenzt honoriert wurden. Trotz insgesamt solider Fundamentaldaten bleibt die Berichtssaison daher von spürbarer Unsicherheit begleitet. Für 2026 erwarten Analysten für die Unternehmen im STOXX 600 im Schnitt ein Gewinnwachstum von rund elf Prozent. Um dies zu erreichen, müssten die Unternehmensgewinne im Jahresverlauf jedoch spürbar anziehen, insbesondere im Zyklischen Konsum, auf den knapp vier Prozentpunkte dieser Prognose entfallen.
Japan wächst kaum – Fiskalantwort zeichnet sich ab
Die japanische Wirtschaft ist im Vergleich zum Vorquartal annualisiert um lediglich 0,2 Prozent gewachsen – darauf deuten erste Schätzungen hin. Erwartet worden waren 1,6 Prozent. Die wichtigsten Komponenten der Binnennachfrage, privater Konsum und Investitionen, zeigten moderates Wachstum, während die Exporte zum zweiten Mal in Folge zurückgingen und die Änderung privater Lagerbestände das Wachstum um 0,8 Prozentpunkte nach unten zog. Die konjunkturelle Erholung verläuft weniger dynamisch als ursprünglich erwartet, was die Argumentation von Premierministerin Sanae Takaichi für eine verstärkte fiskalische Stimulierung zusätzlich unterstützt. Es steigt nicht nur die Wahrscheinlichkeit des Aussetzens der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, sondern auch die, dass bereits in der ersten Hälfte des im April beginnenden Haushaltsjahres ein Nachtragshaushalt auf den Weg gebracht wird und nicht erst zum Jahresende. Die schwachen japanischen Konjunkturdaten belasteten die japanischen Aktienmärkte gestern zwar, der TOPIX gab von seinem fünfprozentigen Anstieg aus der Vorwoche aber nur wenig wieder ab.
Für die Zukunft bleibe ich bezüglich japanischer Aktien zuversichtlich – vor allem aufgrund der starken Dynamik, der erwarteten Gewinnschätzungsanhebungen und der angekündigten Fiskalexpansion.
US-Dollar: Schwäche oder Verfall?
Der US‑Dollar hat 2025 deutlich nachgegeben und bewegt sich zuletzt unter Schwankungen seitwärts – geprägt von politischer Unsicherheit, Zollpolitik und den anhaltend hohen US‑Defiziten. Wie geht es 2026 weiter? Und was bedeutet das für Wirtschaft, Märkte und die Anlagestrategie europäischer Investoren? Das ordnen Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts ein.
Zahl des Tages: 1899
Man kann sich die gespannte Stille vorstellen, die kürzlich im Nebenraum eines französischen Sternerestaurants herrschte, als eine Rotweinflasche mit kaum lesbarem Etikett geöffnet wurde. Soo Hoo Khoon Peng aus Singapur hatte die Flasche zu seinem 50. Geburtstag erworben und eine illustre Runde von Kennern eingeladen, den Romanée-Conti aus dem Jahr 1899 zu verkosten. Das ist ungewöhnlich: Weine dieses Alters werden üblicherweise gesammelt, aber nicht getrunken. Nun durften die Experten Noten von Trockenblumen, Tee und eingelegten Pflaumen notieren. Dass der Wein überhaupt entdeckt wurde, ist einem findigen Sammler zu verdanken: Die auf einen Wert von 100.000 Euro geschätzte Flasche hatte erst kurz zuvor bei einer lokalen Auktion für einige Dutzend Euro den Besitzer gewechselt.
Machen Sie heute eine Entdeckung.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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