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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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10. April 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

sofort verfügbares Rohöl wird weltweit nachgefragt, Anleger in Asien sehen Kaufgelegenheiten bei Gold, und China dürfte weniger vom Ölpreis-Schock betroffen sein als andere Länder.

Rohölmarkt bleibt angespannt


Auch nach Inkrafttreten des fragilen Waffenstillstands zwischen Washington und Teheran bleibt die Straße von Hormus weitgehend blockiert, sodass die angespannte Lage am Ölmarkt weiterhin ungelöst ist. Vor der Vereinbarung hatte die US‑Energiebehörde EIA für April einen Angebotsausfall infolge des Krieges von rund neun Millionen Barrel pro Tag prognostiziert, einen etwas stärkeren Ausfall als im März. Somit wurden dem Markt von Anfang März bis zum 8. April insgesamt etwa 314 Millionen Barrel entzogen. Infolgedessen suchen Raffinerien weltweit nach sofort verfügbaren Liefermengen. Am Dienstag stieg der Dated‑Brent‑Benchmarkpreis – der wichtigste Preis für physische Rohöltransaktionen – auf ein Rekordhoch von rund 144 US‑Dollar/Barrel. Am Mittwoch gab der Preis gemeinsam mit den Brent-Terminkursen nach, lag jedoch weiterhin oberhalb von 120 US‑Dollar/Barrel. Die Prämie gegenüber den Brent‑Terminkursen weitete sich im Tagesverlauf sogar aus. Insgesamt wurden nach Bloomberg-Angaben vier Nordsee-Rohölsorten zu mehr als 20 US‑Dollar/Barrel über dem Terminkurs-Referenzpreis für Brent im April-Kontrakt nachgefragt – ein deutliches Zeichen für die zunehmende Knappheit. Unter normalen Marktbedingungen läge ein Auf‑ oder Abschlag im niedrigen einstelligen Bereich. Solange die Transportvolumina durch die Straße von Hormus nicht deutlich steigen, könnte sich der Aufschlag auf direkt verfügbare physische Ware eher noch vergrößern. 

Gold zeigt moderate Erholung 

Die Goldpreise sind im vergangenen Monat um zwölf Prozent gefallen, das schwächste Monatsergebnis seit Juni 2013. Börsengehandelte, mit physischem Gold hinterlegte, Zertifikate verzeichneten primär in Nordamerika starke Abflüsse. Global wurden Zertifikate im Gegenwert von insgesamt zwölf Milliarden US-Dollar verkauft. Bemerkenswert ist jedoch, dass in Asien Zuflüsse von 1,9 Milliarden US-Dollar verbucht wurden – dort wurden die niedrigeren Preise als Kaufgelegenheit gesehen. Die Kauf‑Positionen spekulativer Investoren an den US-Terminbörsen wurden im März um zwei Milliarden US-Dollar reduziert, bleiben aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Mit Blick nach vorn zeichnen sich erste, vorsichtige Stabilisierungsindikatoren ab: Die Zuflüsse in Zertifikate betrugen seit Anfang April 4,2 Milliarden US-Dollar. Dabei überwogen in allen Regionen rund um den Globus die Zuflüsse die Abflüsse. Die Optionsmärkte signalisieren zwar eine erhöhte kurzfristige Absicherungsnachfrage, zeigen aber weiterhin ein starkes Kaufinteresse an höheren Basispreisen in den längeren Laufzeiten. Dies deutet darauf hin, dass Investoren Gold weiterhin mittel- bis langfristig positiv bewerten. Auch die physische Nachfrage hat sich zuletzt wieder verbessert.

Gestern legte der Goldpreis zudem – entgegen der im März zu beobachtenden Korrelation – trotz eines robusten Anstiegs der Ölpreise zu. Dies spricht dafür, dass sich die moderate Erholungsbewegung der Goldnotierungen weiter fortsetzen könnte. 

China: Anleihe-Renditen geben leicht nach

Langfristige Staatsanleihen Chinas haben sich trotz der durch die Eskalation im Nahen Osten ausgelösten Volatilität an den Anleihemärkten robust gezeigt. Während die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in Großbritannien, Deutschland, Italien und Japan infolge höherer Energiepreise und damit aufkeimender Inflationssorgen teils kräftig gestiegen sind, fielen die Renditen zehnjähriger chinesischer Staatsanleihen um rund 1,7 Basispunkte. Diese Divergenz spiegelt die Einschätzung wider, dass China zunächst weniger stark von Ölpreis-Schocks betroffen ist, da Öl und Erdgas rund 25 Prozent des Energiemixes ausmachen. Zudem könnten Chinas Ölreserven potenzielle Lieferunterbrechungen für etwa 200 Tage abfedern. Vor diesem Hintergrund dürften der Inflationsdruck und die fiskalischen Belastungen in China begrenzt bleiben, was insgesamt unterstützend für inländische Verbraucher und Unternehmen wirken sollte.

Edelmetalle: Was kommt nach dem Preisanstieg?

Edelmetalle haben zuletzt kräftig zugelegt – starke Schwankungen inklusive. Welche Rolle spielen geopolitische Konflikte, Zölle und Lieferketten für Silber, Kupfer, Platinmetalle und andere Rohstoffe – und welche Branchen trifft das besonders? Worauf Anleger bei dieser Anlageklasse achten sollten, darüber diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.

Bankaktien Europa – auf solidem Fundament 

Europäische Banktitel legten im Zuge der Deeskalationssignale im Nahen Osten deutlich zu. Der Banken-Subindex des STOXX 600 verzeichnete am Mittwoch mit über sechs Prozent die beste Tagesperformance seit März 2022. Zuvor hatten steigende kurzfristige Zinsen infolge höherer Ölpreise sowie zunehmende Konjunkturrisiken den Sektor belastet, da sie die Sorge um potenziellen Druck auf die Nettozinsmargen sowie Kreditausfälle schürten. Banken sind traditionell ein zyklischer Sektor, also meist eng an die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes gekoppelt. Eine Stabilisierung im Nahen Osten dürfte die Unsicherheit nun zunächst reduzieren und den Blick wieder stärker auf die Fundamentaldaten lenken. Diese bleiben solide: In den vergangenen drei Monaten haben Analysten ihre Gewinnschätzungen für das Jahr 2026 um zwei Prozentpunkte auf rund sieben Prozent angehoben. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa zehn für die Gewinne des laufenden Jahres sowie einer erwarteten Dividendenrendite von über fünf Prozent erscheint mir das Risiko-Rendite-Profil attraktiv. Bei weiter nachlassender geopolitischer Unsicherheit erwarte ich daher zusätzlichen Rückenwind für den europäischen Bankensektor. 

Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • USA | Aus dem S&P 500 berichten Constellation Brands und Exxon Mobil.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 legen Industrie- und Sodexo-Zahlen vor.
  • Asien | Aus Japan berichten unter anderem Fast Retailing und Seven & I Holdings, aus Indien legt Tata Consultancy Zahlen vor.

Freitag

  • USA | Gesamt- und Kerninflation der Verbraucherpreise im März. Die Veröffentlichung der Gesamt- und Kerninflation stellt die erste Datenerhebung seit Beginn der Eskalation im Nahen Osten Ende Februar dar. Analysten gehen derzeit davon aus, dass die jährliche Gesamtinflation von 2,4 Prozent im Februar auf 3,4 Prozent gestiegen ist und die Kerninflation von 2,5 Prozent auf 2,7 Prozent gestiegen ist. Bereits zuvor veröffentlichte Einkaufsmanagerdaten für das verarbeitende Gewerbe im März zeigen einen Anstieg der Inputpreise um 7,8 Prozentpunkte.
  • China | Gesamt- und Kerninflation der Verbraucherpreise sowie Erzeugerpreisindex im März. Der Marktkonsens erwartet, dass die Gesamtinflation nach dem im Februar mit 1,3 Prozent höchsten Stand seit Januar 2023 ihren Abwärtstrend wieder aufnimmt und im März leicht auf 1,2 Prozent gesunken ist. Chinas Energiemix dürfte zahlreiche Reserven dazu beigetragen haben, die Wirtschaft weitgehend vor den anfänglichen Auswirkungen der globalen Energiepreisanstiege abzuschirmen. Gleich am Freitag wird der Erzeugerpreisindex für März veröffentlicht.

Zahl des Tages: 38.000

An vielen Orten der Welt herrscht dicke Luft, und das ist wörtlich zu nehmen. Der World Air Quality Report 2025 beschreibt die Luftbelastung in über 9.000 Städten weltweit, gemessen an der Konzentration von Feinstaub (PM2,5) in der Atemluft. Nur 14 Prozent aller Städte halten demnach den Richtwert der Weltgesundheitsorganisation WHO von fünf Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter ein. Den Negativrekord markiert in diesem Jahr die nordindische Stadt Loni mit 112,5 Mikrogramm, dem 22-fachen der WHO-Empfehlung. Hotan in Westchina und das indische Byrnihat folgen auf den nächsten Plätzen. Verglichen damit lässt sich in deutschen Städten ganz gut durchatmen, so der Bericht: Keine Stadt liegt hier über 13 Mikrogramm – am saubersten ist die Luft in Gersfeld in der Rhön mit 4,6 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter.

 Ich wünsche Ihnen einen unbelasteten Tag. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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