18. März 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die großen Notenbanken dürften zunächst auf Zinsschritte verzichten, die Risikoprämie an den Ölmärkten sollte hoch bleiben, und die US-Dollar-Stärke könnte zunächst anhalten.
Nahostkonflikt belastet Lieferketten
Die Blockade der Straße von Hormus sowie beschädigte und abgeschaltete Produktionsanlagen in der Golfregion belasten zunehmend die globalen Lieferketten. Täglich passieren dort normalerweise neben rund 15 Millionen Barrel Rohöl auch über drei Millionen Barrel raffinierte Produkte, darunter Diesel, Kerosin und Naphtha. Naphtha, ein flüchtiges Rohölprodukt, dient als zentrale Grundchemikalie für Kunststoffe, Lösungsmittel und viele industrielle Vorprodukte. Auch die Landwirtschaft ist betroffen: Die Golfregion steht für etwa ein Drittel der weltweiten Harnstoff‑ und knapp ein Viertel der Ammoniakproduktion – wesentliche Bestandteile von Düngemitteln. Mögliche Angebotsverknappungen und deutliche Preissteigerungen über Energie hinaus erhöhen gleichzeitig Wachstumsrisiken und könnten Inflationserwartungen treiben. Das würde den geldpolitischen Balanceakt vieler Notenbanken erneut erschweren. Ich erwarte, dass die Währungshüter der USA morgen sowie Japans, Großbritanniens und des Euroraums am Donnerstag ihre Leitzinsen zunächst unverändert halten. Zugleich dürften sie jedoch die wachsenden stagflationären Risiken eines möglicherweise länger anhaltenden Konflikts betonen – sowohl in ihren aktualisierten Inflations- und Wachstums-Projektionen als auch in ihrer Kommunikation.
US-Inflation leicht höher: Zinssenkung weiter erst im Schlussquartal eingepreist
Der am Freitag veröffentlichte Kernindex der persönlichen Konsumausgaben bestätigte die Markterwartung, dass die US-Notenbank Fed ihren Leitzins am Mittwoch unverändert im Korridor von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen wird. Der Index stieg erwartungsgemäß von 3,0 Prozent im Vormonat auf 3,1 Prozent im Januar und entfernte sich somit weiter von dem Inflationsziel der Fed von 2,0 Prozent. Da die Daten die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten auf die Preise noch nicht widerspiegeln, dürfte der Fokus der Märkte auf den aktualisierten Projektionen der Währungshüter liegen, die Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs geben sollten. Die Terminmärkte preisen weiterhin eine Zinssenkung im Schlussquartal ein. Die Stimmung der US-Verbraucher trübte sich derweil zuletzt ein: Der Index der University of Michigan für März sank moderat. Die Daten hatten insgesamt keine starke Marktreaktion zur Folge – der US-Dollar legte leicht zu, die US-Aktienindizes eröffneten etwas fester. Insgesamt liegt der Marktfokus weiter auf den geopolitischen Entwicklungen.
Energiesektor deutlich höher bewertet
Der Nahostkonflikt hat europäische Energieaktien spürbar beflügelt. Während die meisten europäischen Sektoren seit Ende Februar teilweise deutlich im Minus liegen, notiert der Energiesektor über sieben Prozent höher. Treiber waren nicht nur schnelle kurzfristige Ölpreise, sondern zuletzt auch höhere mittelfristige Erwartungen. So ist der Brent-Ölkontrakt für Dezember 2026 jüngst auf knapp 83 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Selbst bei einer Entspannung in der Straße von Hormus dürfte laut Analysten eine erhöhte Risikoprämie an den Ölmärkten vorerst bestehen bleiben. Zudem dürften die jüngsten Entwicklungen die Energiesicherheit Europas in den Vordergrund stellen, was erneuerbare Energien strukturell unterstützen könnte. Die Bewertung des gesamten Energiesektors ist jedoch sprunghaft angestiegen und liegt mit einem erwarteten KGV von knapp 15 für die nächsten zwölf Monate bereits auf dem Niveau des europäischen Gesamtmarkts, was historisch nur selten zu beobachten war. Während die Gewinnerwartungen mit der Dauer des Konflikts nachziehen dürften, erwarte ich in den kommenden Wochen weiterhin geopolitisch geprägte Volatilität. Kurzfristig könnte der Energiesektor ein Gegengewicht zu Rückschlägen im Nahostkonflikt bilden.
Teures Erdöl stärkt den US-Dollar
Mit etwa 1,14 US-Dollar notierte der Euro zu Wochenbeginn gegenüber unserer Gemeinschaftswährung auf dem höchsten Niveau seit August 2025. Auch gegen nahezu sämtliche andere Währungen wertete der US-Dollar auf. Er basiert in erster Linie auf den steigenden Ölpreisen, da die USA zu einem der weltgrößten Ölproduzenten sind und zum anderen Erdöl weltweit nahezu ausschließlich in US-Dollar gehandelt wird, was die Nachfrage dadurch weiter erhöhte. Für die Eurozone als Energieimporteur stellen die steigenden Preise für Energierohstoffe eine spürbare Belastung dar.
Infolgedessen richteten sich in den vergangenen Tagen die Euro/US-Dollar-Kurse nahezu ausschließlich nach den Veränderungen der Ölpreise: Stiegen diese an, wertete der Euro ab und umgekehrt. An den Optionsmärkten setzen Händler darauf, dass die Stärke des US-Dollars noch eine Weile anhält. Auf Sicht von einem Monat verteuerten sich Optionen, die auf einen weiteren Anstieg des Greenbacks setzen, auf das höchste Niveau seit Ende 2022. Mittelfristig erwarten die Optionsmärkte hingegen eine Erholung des Euro aufgrund der Hoffnung auf bis dahin wieder sinkende Ölpreise.
Nebenwerte: zwischen Zöllen und Nahost-Volatilität
Nebenwerte sind nach zwei schwachen Jahren zurück – doch Zölle und Nahost‑Volatilität sorgen für ein anspruchsvolles Umfeld. Warum SDAX/MDAX profitieren, welche Branchen treiben und wie Anleger Nebenwerte beimischen können, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.
Europa: Quantenfinanzierung nimmt Fahrt auf
Europas Bedeutung im Quantencomputing wächst seit dem vergangenen Jahr. Der Grund: Rekordinvestitionen im Bereich Wagniskapitel kurbeln die Entwicklung neben der staatlichen Unterstützung an. Bislang waren Quantentechnologien hauptsächlich Forschungsinstituten und staatlichen Programmen vorbehalten, doch zunehmende öffentliche Mittel und technologische Fortschritte haben eine Welle privater Investitionen ausgelöst. Die Finanzierung europäischer Quantencomputing-Start-ups erreichten 2025 einen Höchststand von 1,5 Milliarden Euro, einen Anstieg von rund 170 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es wird erwartet, dass sich dieser Trend 2026 noch verstärkt. Der Anstieg der Quantenfinanzierung mit einer Initiative der Europäischen Union (EU) fällt zusammen, Europa bis 2030 als globale Technologieführer zu positionieren. In den letzten fünf Jahren wurden von der EU und ihren 27 Mitgliedstaaten mehr als elf Milliarden Euro an öffentliche Mittel für Quanten bereitgestellt, auch um private Investitionen anzuregen. Für erfahrene, risikobewusste Anleger mit einem Horizont von mehr als fünf bis sieben Jahren könnten private Eigenkapitalfonds, die diesen Sektor abdecken, eine attraktive Möglichkeit auf Wertzuwachs bieten.
Zahl des Tages: 258
Wenn Schwertwale und Weißstreifendelfine im nördlichen Pazifik jagen, tun sie das oft nicht allein, sondern im Team und mit verteilten Aufgaben. Sarah Fortune von der kanadischen Dalhousie University und ihre Kollegen nutzen Drohnen und Messgeräte, um 258 gemeinsame Jagdzüge der Meeressäuger zu beobachten. Offenbar sind Weißstreifendelfine besonders gut darin, mit ihrer Echoortung Schwärme von Lachsen im Meer aufzuspüren, die sie aufgrund ihrer Größe aber nicht verschlingen können. Die Orcas folgen den kleineren Delfinen in der Tiefe, fressen die Lachse und zerteilen sie dabei – woraufhin ihre Jagdpartner sich bei den Resten bedienen. Schaffen Sie heute eine Win-Win-Situation.
Schaffen Sie heute eine Win-Win-Situation.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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