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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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19. Februar 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

Das Ökosystem der Verteidigungsindustrie in Europa wächst, die Bank of England hat Spielraum für Zinssenkungen und Perus Wirtschaft überrascht positiv. 

Verteidigungsindustrie: Start-ups und Kooperationen  

Europäische Regierungschefs betonen auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Bedeutung einer gemeinsamen technologiebasierten Verteidigungsindustrie. Gleichzeitig wächst das europäische Defence-Tech-Ökosystem mit über 380 Start-ups, die bis dato zusammen rund drei Milliarden Euro Kapital eingesammelt haben. Innovationszentren wie München, London und Stockholm spielen dabei eine zentrale Rolle. Start-ups treiben mit schnellen Softwarezyklen jene Fähigkeiten voran, die traditionelle Unternehmen des Verteidigungssektors nur langsam entwickeln können – insbesondere bei Aufklärung und Analytik. Um technologisch anschlussfähig zu bleiben, reagieren große Rüstungshersteller verstärkt mit Übernahmen, Partnerschaften und gemeinsamer Entwicklung. Während die jungen reinen Defence-Tech-Projekte sich überwiegend über Wagniskapital finanzieren, kommt vor allem bei Entwicklungen dualer – auch militärischer und ziviler – Nutzung zunehmend auch Private Equity zum Einsatz. Indirekt können Anleger auch über die Innovations- und Integrationsfähigkeit etablierter börsennotierter Unternehmen an diesem Trend teilhaben. Dabei dürften diejenigen Unternehmen im Vorteil sein, die externen Technologien am schnellsten adaptieren und in skalierbare Plattformen überführen.

Großbritannien: Inflation schwächt sich ab 

In Großbritannien ging die jährliche Inflation im Januar wie von den meisten Analysten erwartet von 3,4 auf 3,0 Prozent zurück. Die Kernrate fiel mit 3,1 Prozent sogar auf den niedrigsten Wert seit September 2021. Dies schürte Hoffnungen der Marktteilnehmer auf weitere Lockerungen der Geldpolitik, die bereits am Dienstag durch schwächer als erwartet ausgefallene Arbeitsmarktdaten Unterstützung erhalten hatten. Demnach schwächte sich das Lohnwachstum im Dezember weiter ab, während die Arbeitslosenquote mit 5,2 Prozent auf den höchsten Stand seit fast fünf Jahren stieg. Vor diesem Hintergrund preisen die Märkte für die nächste Sitzung der Bank of England eine Senkung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent nun mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 80 Prozent ein. Ein weiterer solcher Schritt wird für das vierte Quartal 2026 eingepreist. Zudem dürfte der von mir erwartete voranschreitende Disinflationsprozess viele britische Haushalte entlasten und den Binnenkonsum unterstützen. Dies sollte zu einer sequenziellen Konjunkturbelebung – möglicherweise im zweiten Halbjahr – beitragen, von der Aktien von Unternehmen mit starkem Heimatgeschäft in besonderem Maße profitieren könnten.

Peru: Kursrallye trotz politischer Turbulenzen 

Die peruanischen Wirtschaftsdaten für Dezember überraschten positiv: Die Wirtschaft wuchs um 3,8 Prozent, verglichen mit den Markterwartungen von 2,8 Prozent. Das Wachstum wurde von einer starken Bergbauproduktion und einem robusten Dienstleistungssektor getragen. Der Bergbausektor, gestützt durch hohe weltweite Nachfrage und hohe Preise für Lithium und Edelmetalle, unterstützte auch die peruanischen Aktienmärkte, wobei der S&P Peru Broad Market Index im vergangenen Jahr um mehr als 70 Prozent zulegte. Analysten erwarten jedoch, dass die Kursentwicklung in diesem Jahr moderater ausfallen wird, da politische Unsicherheiten den Ausblick belasten. Die Absetzung von Präsidentin Dina Boluarte im Herbst 2025 und ihre Ersetzung durch einen Interimspräsidenten, der Perus achtes Staatsoberhaupt in zehn Jahren war und am Dienstag selbst zum Rücktritt gezwungen wurde, verstärkten die Unsicherheit vor den Wahlen im April zusätzlich. Dabei gilt ein großer Teil der Rohstoffpreisdynamik bereits als eingepreist. Nicht zuletzt könnten zusätzliche Rentenabhebungen vor den Wahlen Verkaufsdruck auf lokale Aktien ausüben, da Beschäftigte Milliarden aus privaten Rentenfonds abziehen dürfen.

Aktien Basiskonsum: Ist das Potenzial ausgeschöpft? 

Die globalen Basiskonsumaktien stiegen seit Jahresbeginn um rund elf Prozent. In einem unsicheren Marktumfeld, derzeit geprägt von Befürchtungen über eine durch Künstliche Intelligenz (KI) bedingte Störung in Dienstleistungsbranchen und Geopolitik, setzen Anleger verstärkt auf defensive Titel. Auffällig ist jedoch die deutlich außergewöhnliche Outperformance des Sektors gegenüber dem MSCI World in den letzten fünf Wochen, die zuletzt nur während der Covid-Pandemie oder der globalen Finanzkrise derart hoch ausfiel. Fundamentale Treiber sind dafür kaum erkennbar: Die Gewinnprognosen für US- und europäische Basiskonsumunternehmen wurden in den vergangenen sechs Monaten gesenkt, und für 2026 wird lediglich ein Wachstum von knapp sieben Prozent erwartet. 

Das Diagramm zeigt die Wertentwicklung von globalen Basiskonsumgüteraktien anhand des MSCI World Consumer Staples Index von 2021 bis 2026.

Rückenwind erhalten einzelne Unternehmen durch technologischen Fortschritt. Branchenführer nutzen KI und umfangreiche Nutzerdaten, um Verbraucher gezielt anzusprechen, Lieferketten zu optimieren und Trends präziser vorherzusagen. Diese Vorteile scheinen jedoch bereits ausreichend eingepreist zu sein. In den USA liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Sektors für die erwarteten Gewinne 2026 bei 24 und damit spürbar über dem S&P-500-Durchschnitt, trotz weniger als halb so hoher Gewinnwachstumsraten. In Europa wirkt ein Sektor-KGV von 16 zwar moderater und entspricht etwa der Bewertung des STOXX 600, doch nach der Rally erscheint mir weiteres Kurspotenzial begrenzt.

KI‑Rotation: Software unter Druck, Hardware im Vorteil

Künstliche Intelligenz (KI) prägt die aktuelle Sektorrotation: Softwarewerte geraten unter Druck, während Hardware und Halbleiter profitieren. Zugleich liefert die Berichtssaison positive Überraschungen, und mit der Idee des designierten Fed-Chefs Kevin Warsh zur engeren Treasury–Fed‑Abstimmung rückt die Zinspolitik in den Fokus. Wie sich das auf Bewertungen und Anlagestrategien auswirkt, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 10.000

Kosmischer Staub ist ein zentraler Baustein des Universums, doch auf der Erde nur schwer zu studieren. Die Doktorandin Linda Losurdo von der University of Sydney hat deshalb eine Methode entwickelt, um Sternenstaub künstlich zu erzeugen. Sie leitete verschiedene Gase in eine Glasröhre und stellte das Gemisch eine Stunde lang einer Spannung von 10.000 Volt aus. Dabei bildete sich schließlich eine dünne Schicht aus Nanopartikeln mit einem Gewicht von wenigen Milligramm. Dieser Laborstaub ähnelt in seiner Zusammensetzung den Staubwolken ferner Galaxien, wie ein Vergleich der Spektrallinien zeigte. Forscher wie Linda Losurdo können damit künftig mehr über die Kinderstube von Sternen und Planeten im Weltall herausfinden – ohne ihr Labor zu verlassen.

Ich wünsche Ihnen einen schöpferischen Tag. 


Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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