3. März 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die geopolitische Eskalation mit dem Iran erhöht Risikoaufschläge und setzt die Aktienmärkte der Golfstaaten unter Bewertungsdruck, der Silberpreis bleibt hochvolatil auf der Suche nach einem neuen Gleichgewicht, und neue ratsnahe Personalien dämpfen die Erwartungen an weitere Zinsschritte der Bank of Japan.
Eskalation mit dem Iran erhöht Bewertungsdruck an den Aktienmärkten der Golfstaaten
Die Aktienmärkte der Golfstaaten stehen infolge der Eskalation mit dem Iran unter erhöhtem Bewertungsdruck, wobei sich der Fokus der Investoren weniger auf Fundamentaldaten als auf geopolitische Risikoaufschläge richtet. Der Ausgangspunkt ist weiterhin solide: Robustes Wirtschaftswachstum und widerstandsfähige Finanzsektoren, kombiniert mit relativ günstigen Bewertungen, sprechen für eine gewisse Pufferwirkung gegenüber geopolitischen Schocks. Vor der Eskalation lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des MSCI Saudi Arabia Index rund zehn Prozent unter seinem Zehnjahresdurchschnitt, während das KGV des MSCI United Arab Emirates Index ebenfalls leicht unter seinem langfristigen Mittelwert lag. Gleichzeitig deutet die Eskalation auf ein strukturell erhöhtes Risikoumfeld hin, da geopolitische Spannungen im Nahen Osten das Vertrauen internationaler Investoren künftig stärker beeinflussen dürften. Das könnte sich besonders im Immobiliensektor zeigen, der stark von ausländischen Kapitalzuflüssen und der Investorenstimmung abhängt. Insgesamt können sich bei erhöhter Volatilität taktische Einstiegschancen ergeben. Angesichts der Unsicherheit über mögliche anhaltende Disruptionen in der Straße von Hormus erscheint es jedoch weiterhin ratsam, die weitere Entwicklung zunächst abzuwarten.
Europas Gasmarkt reagiert nervös auf geopolitische Risiken im Nahen Osten
Der Preis für Erdgas zur kurzfristigen Lieferung sprang gestern an der niederländischen Terminbörse TTF um mehr als 50 Prozent auf 48,95 Euro je Megawattstunde – den höchsten Stand seit Februar 2025. Auslöser war die vorübergehende Stilllegung der Flüssigerdgasproduktion in Katars Exportkomplex Ras Laffan nach einem iranischen Drohnenangriff. Die Anlage liefert rund ein Fünftel der weltweiten Flüssigerdgasmenge. Obwohl der Großteil der Lieferungen aus dem Nahen Osten nach Asien geht, verschärft der Ausfall den Wettbewerb um Ersatzmengen und dürfte die Preise in Europa weiter stützen. In den USA legte der Preis, gemessen am Henry Hub, nur um etwa fünf Prozent zu, während Europa wegen ungewöhnlich niedriger Speicherstände im Sommer große Importmengen benötigt. Entscheidend ist die Dauer der Unterbrechung, denn zusätzliche Produktion aus den USA dürfte die Ausfälle kurzfristig kaum ausgleichen. Am Terminmarkt wird jedoch mittelfristig mit Entspannung gerechnet: Der europäische Kontrakt mit einjähriger Laufzeit stieg lediglich um rund zehn Prozent auf 30,65 Euro je Megawattstunde.
Silber auf der Suche nach einem neuen Gleichgewicht
Der Silberpreis fiel zuletzt von rund 120 auf gut 64 US-Dollar je Feinunze und erholte sich auf mehr als 90 US-Dollar.
Tägliche Schwankungen von häufig mehr als fünf Prozent zeigen, dass der Markt weiter nach einem neuen Gleichgewicht sucht. Mehrere Hinweise sprechen für Knappheit bei physisch lieferbarem Silber: An der Shanghai Gold Exchange wurden im Januar 321 Tonnen Silber aus den Lagerhäusern abgezogen – etwa dreimal so viel wie im Durchschnitt der vergangenen acht Jahre. Auch an der Chicagoer Terminbörse sanken die Bestände auf 364 Millionen Feinunzen und damit auf den tiefsten Stand seit einem Jahr, nachdem Investoren seit Oktober 2025 insgesamt 168 Millionen Feinunzen ausliefern ließen. Händler berichten zudem von einer ungewöhnlich starken Nachfrage nach Silberbarren aus dem Nahen Osten und aus Ostasien. Gleichzeitig wird diskutiert, ob der starke Preisanstieg die industrielle Nachfrage dämpft und ob Silber in der Solarindustrie stärker durch Kupfer ersetzt werden könnte. Dennoch könnte sich Silber im Zuge der Suche nach „sicheren Häfen“ im Schatten der Goldpreise verteuern – wenn auch mit deutlich höheren Ausschlägen.
Japanische Geldpolitik: Neue Ratskandidaten dämpfen Zinserwartungen
Die japanische Regierung setzt mit der Nominierung der Ökonomen Toichiro Asada und Ayano Sato als Notenbank-Ratsmitglieder ein klares Zeichen für eine künftig vorsichtigere geldpolitische Ausrichtung der Bank of Japan. Beide Kandidaten stehen für eine wachstums- und reflationsorientierte Linie und gelten als zurückhaltend gegenüber weiteren Zinsschritten – ein Signal, das Premierministerin Sanae Takaichi nach Berichten über ihre Sorge vor zusätzlichen Anhebungen bewusst verstärkt. Damit steigt der politische Druck auf Notenbankchef Kazuo Ueda, den begonnenen Normalisierungspfad behutsamer fortzuführen. Kurzfristig dürfte dies den erwarteten Zinsschritt im Juli nicht verhindern, senkt jedoch die Wahrscheinlichkeit baldiger weiterer Anhebungen. Mittel- bis langfristig deutet die Auswahl der beiden Kandidaten darauf hin, dass die Regierung geldpolitische Schlüsselrollen künftig eher ähnlich „taubenhaft“ ausrichten könnte – auch mit Blick auf die Nachfolge Uedas. Für die Märkte bedeutet dies, dass die japanische Zentralbank mittel- bis langfristig vorerst zögerlicher strafft.
Indische Aktien: Hoch bewertet – lohnt sich der Einstieg?
Indiens Aktienmarkt gilt traditionell als teuer, teils sogar teurer als der US-Markt – während Indien vom KI-Hype weniger profitiert. Gleichzeitig sind Indiens Wachstumsperspektiven stark. Lohnt sich vor diesem Spannungsfeld der Einstieg nach der jüngst schwächeren Performance – oder ist Abwarten die bessere Strategie? Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich ordnen Bewertung, Erwartungen und mögliche Vorgehensweisen für Anleger ein.
Zahl des Tages: 4.008
Gutes Timing und viel Disziplin waren kürzlich im indischen Chennai gefragt, als Schülerinnen und Schüler im Alter von zehn bis 13 Jahren eine neue Rekordmarke aufstellten. Gesponsert von einem indischen Eiscreme-Produzenten bildeten die insgesamt 4.008 Kinder die längste Menschenkette von Eisessern aller Zeiten. Sie überboten damit einen 15 Jahre alten Rekord aus Großbritannien um über 1.000 Personen. Die Rahmenbedingungen dafür waren besonders günstig: In Chennai, dem ehemaligen Madras an der indischen Ostküste, fällt die Temperatur selbst im Winter kaum unter 20 Grad.
Ich wünsche Ihnen einen erfrischenden Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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