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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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07. April 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

der Irankrieg hat im ersten Quartal die Märkte bewegt, für Saudi-Arabien wird ein robustes Wachstum erwartet, und Europas junge Halbleiterfirmen erhalten Rekordfinanzierungen.

Rohstoffe, Währungen und der Nahostkonflikt 

Die Eskalation im Nahen Osten beendete im März manchen Trend, der sich zuvor an den Rohstoff- und Währungsmärkten herausgebildet hatte. Insbesondere die Edelmetalle litten unter dem Anstieg der Renditen von Staatsanleihen rund um den Globus, dem festeren US-Dollar und den verschlechterten Aussichten für die globale Wirtschaft: Gold, Silber, Platin und Palladium verloren im März zwischen zehn und 20 Prozent. Immerhin konnten Gold und Silber aufgrund von Zugewinnen in den letzten Handelstagen das erste Quartal noch mit einem Plus von acht respektive vier Prozent beenden. Bei den Industriemetallen gab hingegen der Kupferpreis von seinem Ende Januar erzielten Rekordhoch von rund 14.500 US-Dollar/Tonne mehr als 2.000 US-Dollar/Tonne wieder ab. Aluminium verteuerte sich aufgrund des Angebotsausfalls aus dem Nahen Osten im März um zehn und seit Jahresbeginn um 15 Prozent. Dieser Zuwachs verblasst gegenüber den Preissprüngen für Erdöl und Erdölprodukte, die sich im ersten Quartal zwischen 65 und 115 Prozent verteuerten, sowie für Erdgas an der niederländischen TTF-Terminbörse, das zum Quartalsende 75 Prozent teurer als zum Jahresbeginn gehandelt wurde. An den Währungsmärkten war der US-Dollar im Januar stark in die Defensive geraten und wertete auf ein Vier-Jahres-Tief ab. Mit der Eskalation im Nahen Osten kehrte sich dieser Trend um, der US-Dollar-Index legte im Auftaktquartal um 1,7 Prozent zu – der dritte Quartalsanstieg in Folge. Gegen den Euro wertete der Greenback in ähnlicher Größenordnung auf. Die stärksten G10-Währungen waren jedoch die Norwegische Krone und der Australische Dollar, die jeweils rund fünf Prozent gegenüber dem Euro zulegten. Beide Währungen profitierten als Energierohstoff-Exporteure von den kräftig angestiegenen Preisen für Erdöl und Erdgas. Noch stärker präsentierte sich der Brasilianische Real, der zudem weiterhin von hohen Realzinsen gestützt wird. Mit den Andeutungen des US-Präsidenten Donald Trump, dass der Krieg im Nahen Osten innerhalb von zwei bis drei Wochen beendet sein könnte, kehrten sich zum Auftakt des zweiten Quartals jedoch die Kursbewegungen des vergangenen Monats wieder um. Sollte tatsächlich eine Deeskalation näher rücken, dürfte der US-Dollar ebenso wie die Währungen der Energieexporteure nachgeben. An den Rohstoffmärkten sollten die Edelmetalle und Kupfer zulegen. 

Saudi-Arabien: Aktienmarkt überrascht positiv

Seit Beginn des Nahostkonflikts hat der MSCI Saudi Arabia überraschend um knapp sieben Prozent in Euro zugelegt, ungeachtet des aktuell schwierigen sicherheitspolitischen Umfelds. Saudi‑Arabien kann knapp 65 Prozent seiner Ölexporte – etwa fünf Millionen Barrel pro Tag – durch die Petroline‑Pipeline über das Rote Meer abwickeln und damit die Abhängigkeit von der Straße von Hormus reduzieren. Die infolge der hohen Ölpreise steigenden Einnahmen dürften die verbleibenden Exportausfälle von etwa 35 Prozent weitgehend kompensieren. Für 2026 erwarten Analysten daher weiterhin ein robustes Wirtschaftswachstum von rund vier Prozent. Dies dürfte den saudischen Finanzsektor unterstützen, der mit über der Hälfte der Indexgewichtung den MSCI Saudi Arabia dominiert. Zudem hat der Energiesektor ein Indexgewicht von knapp 15 Prozent. Dieser hat sich seit Beginn des Konflikts aufgrund steigender Ölpreise überdurchschnittlich entwickelt – selbst bei einer graduellen Normalisierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus dürften die Ölpreise nur schrittweise nachgeben. Sollte jedoch die Petroline‑Pipeline erheblich beschädigt werden oder sich der Konflikt auf das Rote Meer ausweiten, hätte dies gravierende Folgen für die saudischen Ölexporte. 

Aktuell notiert das Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI Saudi Arabia zehn Prozent unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt – risikobewusste Anleger können eine sehr vorsichtige Beimischung saudischer Aktien in Erwägung ziehen.

Europa macht Tempo bei Halbleitern

Die Datenübertragung gewinnt mit dem Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) an Bedeutung. Größere KI-Modelle, ein steigender Energiebedarf und leistungsfähigere Rechensysteme erfordern schnelle und zugleich energieeffiziente Verbindungen. Das gilt innerhalb einzelner Rechenzentren, etwa zwischen Chips, Prozessoren und Servern, sowie für die Vernetzung mehrerer Standorte. Kupferbasierte Technologien stoßen dabei zunehmend an physikalische Grenzen. Optische Technologien, also die Übertragung von Daten über Lichtsignale in Glasfasern, rücken daher stärker in den Fokus moderner Rechenzentrumsarchitekturen. Europäische Unternehmen sind entlang der Wertschöpfungskette optischer Infrastruktur gut positioniert: von Materialien und Komponenten über Silizium‑Photonik bis hin zu optischen Netzwerken zwischen großen Rechenzentren. Analysten erwarten daher einen mehrjährigen Wachstumszyklus für Europas optische Infrastruktur. Entsprechende Unternehmen finden sich sowohl im Technologie‑ als auch im Telekommunikationsindex des STOXX 600. Beide Indizes haben seit Ende Februar nachgegeben. Für langfristig orientierte Anleger könnten sich damit interessante Einstiegschancen in ausgewählte Titel entlang der optischen Wertschöpfungskette ergeben.

Nahostkonflikt: Bleibt Gold auch unter Druck ein sicherer Hafen?

Noch kein Crash, aber die Angst davor wächst. Die Börse ist seit vergangenem Freitag im Korrekturmodus: Große Indizes haben von ihren Höchstständen mehr als zehn Prozent verloren. Und auch der Goldpreis ist zwischenzeitlich stark gefallen. Hat Gold noch die Funktion eines sicheren Hafens? Und wie können Anleger auf die Abkühlung an den Märkten reagieren? Diese und weitere Fragen diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.

Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • USA | Aus dem S&P 500 berichten Constellation Brands und Exxon Mobil.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 legen Industrie- und Sodexo-Zahlen vor.
  • Asien | Aus Japan berichten unter anderem Fast Retailing und Seven & I Holdings, aus Indien legt Tata Consultancy Zahlen vor.

Donnerstag

  • USA | Persönliche Konsumausgaben (PCE) im Februar. Die Märkte erwarten, dass die jährliche PCE-Inflation bei 2,8 Prozent stabil geblieben ist. Die Gesamt- und Kernrate der PCE-Inflation im Februar dürften die Zweitrundeneffekte auf die US-Wirtschaft infolge der jüngsten Eskalation im Nahen Osten noch nicht widerspiegeln, obwohl diese bereits Marktreaktionen ausgelöst hat. Während die PCE-Kernrate das von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsmaß ist, dürften die Märkte den am Freitag zur Veröffentlichung anstehenden Daten zur Gesamt- und Kerninflation der Verbraucherpreise größere Aufmerksamkeit schenken, da diese bereits die Preissteigerungen des März reflektieren dürften.

Freitag

  • USA | Gesamt- und Kerninflation der Verbraucherpreise im März. Die Veröffentlichung der Gesamt- und Kerninflation stellt die erste Datenerhebung seit Beginn der Eskalation im Nahen Osten Ende Februar dar. Analysten gehen derzeit davon aus, dass die jährliche Gesamtinflation von 2,4 Prozent im Februar auf 3,4 Prozent gestiegen ist und die Kerninflation von 2,5 Prozent auf 2,7 Prozent gestiegen ist. Bereits zuvor veröffentlichte Einkaufsmanagerdaten für das verarbeitende Gewerbe im März zeigen einen Anstieg der Inputpreise um 7,8 Prozentpunkte
  • China | Gesamt- und Kerninflation der Verbraucherpreise sowie Erzeugerpreisindex im März. Der Marktkonsens erwartet, dass die Gesamtinflation nach dem im Februar mit 1,3 Prozent höchsten Stand seit Januar 2023 ihren Abwärtstrend wieder aufnimmt und im März leicht auf 1,2 Prozent gesunken ist. Chinas Energiemix dürfte zahlreiche Reserven dazu beigetragen haben, die Wirtschaft weitgehend vor den anfänglichen Auswirkungen der globalen Energiepreisanstiege abzuschirmen. Gleich am Freitag wird der Erzeugerpreisindex für März veröffentlicht.

Zahlen des Tages: 29, 28, 37

Die Jahre 367 und 368 sind als Zeit der „barbarischen Verschwörung“ in Britannien bekannt: Pikten, Skoten und Angelsachsen griffen die römischen Besatzer an und leiteten eine Phase der Unruhen auf der Insel ein. Wie kam es dazu? Charles Norman von der Universität Cambridge und Kollegen haben alte Baumringe aus der Zeit untersucht und sind auf drei außerordentlich trockene Sommer gestoßen. Nach ihren Berechnungen fielen in den Jahren 364 bis 366 in Britannien von April bis Juli nur 29, 28 und 37 Millimeter Niederschlag, deutlich weniger als sonst. Schlechte Getreideernten ließen die Bevölkerung und vermutlich auch Roms Soldaten hungern und lösten einen Aufstand aus. Über Hungersnöte in jener Zeit berichten schon antike Chronisten – die jetzt von Klimaforschern bestätigt werden.

Werfen Sie heute einen Blick zurück.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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