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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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09. April 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die künftige Regierung Ungarns könnte europafreundlicher agieren, US-Unternehmen legen Zahlen für das erste Quartal vor, und laut Internationalem Währungsfonds stößt das chinesische Entwicklungsmodell an seine Grenzen.  

Ungarn vor dem Politikwechsel? 

Ungarn wählt am Sonntag ein neues Parlament. Die Wahl gilt als eine der offensten seit Jahren: Zwar geht die oppositionelle Tisza‑Partei laut den meisten Umfragen mit einem deutlichen Vorsprung vor der regierenden Fidesz‑KDNP‑Koalition in das Rennen, allerdings könnte der Ausgang wesentlich knapper werden, als die Umfragen suggerieren. Das sowohl Elemente des Mehrheits- als auch des Verhältniswahlrechts beinhaltende Wahlsystem und der Zuschnitt der Wahlkreise geben ländlichen Gegenden wesentlich stärkeres Gewicht als den Großstädten. Die Übertragung von Umfragewerten auf eine konkrete Sitzverteilung ist deshalb mit hoher Unsicherheit behaftet. Die Wahllokale sind bis 19 Uhr geöffnet. Vorläufige Ergebnisse werden noch in der Nacht erwartet, das endgültige Resultat dürfte sich aufgrund von Brief‑ und Auslandsstimmen bis zum 18. April verzögern. Wichtig ist, dass die letzten Umfragen zwar auf eine einfache Mehrheit für Tisza, aber nicht auf eine für Verfassungsänderungen notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit hindeuten. Neben Fidesz und Tisza dürfte allenfalls die rechtsnationale Mi-Hazánk-Partei die Fünf-Prozent-Sperrklausel überspringen und ins Parlament einziehen. 

Der Wahlausgang könnte beträchtliche politische und wirtschaftliche Implikationen haben: Bei einem Regierungswechsel mit einer Mehrheit für Tisza erwarten Marktbeobachter einen stärkeren proeuropäischen Kurs, der zu einer veränderten Ausrichtung der EU‑Beziehungen führen sollte. Reformfortschritte in Bereichen wie Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung würden die Chancen auf die Freigabe blockierter EU‑Mittel kräftig erhöhen. Ohne eine Zwei-Drittel-Mehrheit dürfte der Reformfortschritt allerdings graduell ausfallen. Die bisher bekannten wirtschaftspolitischen Ankündigungen der Tisza‑Partei beinhalten unter anderem steuerliche Entlastungen und höhere Ausgaben, finanziert unter anderem durch die erwarteten EU‑Mittel und strukturelle Maßnahmen. Sollte Fidesz am Ruder bleiben, dürfte dies eine weitgehende Politikkontinuität, anhaltende Spannungen mit der EU und erhöhte Unsicherheit über EU‑Mittel mit sich bringen – und zugleich voraussichtlich eine stärkere fiskalische Zurückhaltung wegen des starken Drucks der Rating-Agenturen auf fiskalische Disziplin in Hinblick auf die Bewertung ungarischer Staatsanleihen. Je nach der Klarheit des Wahlausgangs dürften die Finanzmärkte am Montag reagieren. Eine klare Mehrheit für den Regierungswechsel dürfte der Währung Forint sowie den ungarischen Aktienmärkten spürbaren Rückenwind verschaffen; anhaltende Unsicherheit über den Wahlausgang bis zur Ermittlung eines endgültigen Wahlergebnisses jedoch Risikoaufschläge auf ungarische Assets zur Folge haben. Bleibt Fidesz an der Macht, könnte es zu einem kurzfristigen Rücksetzer beim Forint kommen. 

US-Berichtssaison: qualitative Faktoren im Blick

In der kommenden Woche fällt in den USA der Startschuss für die Berichtssaison zum ersten Quartal 2026. Bis Ende April werden Unternehmen, die rund zwei Drittel der Marktkapitalisierung des S&P 500 ausmachen, ihre Zahlen vorlegen. Analysten erwarten im Schnitt ein Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahresquartal von rund neun Prozent sowie einen Gewinnanstieg von über 14 Prozent. Im Technologiesektor sollen die Gewinne um 46 Prozent zulegen und sich damit gegenüber den 34 Prozent im Vorquartal erneut beschleunigen. Weitere Unterstützung für die Indexgewinne sehen Analysten bei Roh- und Grundstoffunternehmen sowie Finanzinstituten. Entscheidend dürften in dieser Berichtssaison jedoch weniger die reinen Zahlen als der Umgang der Unternehmen mit dem deutlich gestiegenen Ölpreis sein. Entsprechend rücken Preissetzungsmacht, Nachfrageentwicklung und Kostenkontrolle in den Fokus, insbesondere in energieintensiven und zyklischen Branchen. Gleichzeitig dürfte aufmerksam verfolgt werden, inwieweit Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz den Wachstumsausblick einzelner Unternehmen beeinflussen. Insgesamt erwarte ich, dass der Fokus auf qualitative Faktoren die Berichtssaison für Unternehmen mit robusten Geschäftsmodellen und starker Marktposition stützt.

China: IWF fordert Strukturreformen 

Der Internationale Währungsfonds (IWF) analysiert Chinas bevorstehenden wirtschaftlichen Übergang und betont die Notwendigkeit einer stärkeren Neuorientierung hin zu marktbasierten Strukturen. Nach vier Jahrzehnten außergewöhnlichen Wachstums stoße das Investitions‑ und staatlich geprägte Entwicklungsmodell zunehmend an Effizienzgrenzen. Dies zeige sich an sinkenden Kapitalrenditen, Fehlallokationen, steigender Verschuldung, deflationären Tendenzen sowie einer anhaltend schwachen Binnennachfrage, insbesondere beim privaten Konsum. Zwar würdigt der IWF jüngste politische Maßnahmen, darunter eine expansivere Fiskalpolitik, Schritte gegen Überinvestitionen und die konsumorientierte Ausrichtung des 15. Fünf-Jahres-Plans, hält diese jedoch für nicht hinreichend. Er fordert tiefgreifende Strukturreformen entlang dreier zentraler Felder: erstens den Abbau selektiver Subventionen und die Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen, was die gesamtwirtschaftliche Produktivität messbar erhöhen könnte. Zweitens eine stärkere Orientierung an marktbasierten Preissignalen, insbesondere bei den Kapitalkosten, um Ressourcen effizienteren Unternehmen zuzuführen. Drittens eine gezielte Stärkung des bislang unterentwickelten Dienstleistungssektors mit hohem Produktivitäts‑ und Beschäftigungspotenzial. Insgesamt sieht der IWF in einer Neudefinition der staatlichen Rolle – weg von direkter Investitionslenkung, hin zu ordnungspolitischen Rahmenbedingungen – den Schlüssel für nachhaltiges Wachstum und makroökonomische Stabilität.

Edelmetalle: Was kommt nach dem Preisanstieg?

Edelmetalle haben zuletzt kräftig zugelegt – starke Schwankungen inklusive. Welche Rolle spielen geopolitische Konflikte, Zölle und Lieferketten für Silber, Kupfer, Platinmetalle und andere Rohstoffe – und welche Branchen trifft das besonders? Worauf Anleger bei dieser Anlageklasse achten sollten, darüber diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.

Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • USA | Aus dem S&P 500 berichten Constellation Brands und Exxon Mobil.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 legen Industrie- und Sodexo-Zahlen vor.
  • Asien | Aus Japan berichten unter anderem Fast Retailing und Seven & I Holdings, aus Indien legt Tata Consultancy Zahlen vor.

Donnerstag

  • USA | Persönliche Konsumausgaben (PCE) im Februar. Die Märkte erwarten, dass die jährliche PCE-Inflation bei 2,8 Prozent stabil geblieben ist. Die Gesamt- und Kernrate der PCE-Inflation im Februar dürften die Zweitrundeneffekte auf die US-Wirtschaft infolge der jüngsten Eskalation im Nahen Osten noch nicht widerspiegeln, obwohl diese bereits Marktreaktionen ausgelöst hat. Während die PCE-Kernrate das von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsmaß ist, dürften die Märkte den am Freitag zur Veröffentlichung anstehenden Daten zur Gesamt- und Kerninflation der Verbraucherpreise größere Aufmerksamkeit schenken, da diese bereits die Preissteigerungen des März reflektieren dürften.

Freitag

  • USA | Gesamt- und Kerninflation der Verbraucherpreise im März. Die Veröffentlichung der Gesamt- und Kerninflation stellt die erste Datenerhebung seit Beginn der Eskalation im Nahen Osten Ende Februar dar. Analysten gehen derzeit davon aus, dass die jährliche Gesamtinflation von 2,4 Prozent im Februar auf 3,4 Prozent gestiegen ist und die Kerninflation von 2,5 Prozent auf 2,7 Prozent gestiegen ist. Bereits zuvor veröffentlichte Einkaufsmanagerdaten für das verarbeitende Gewerbe im März zeigen einen Anstieg der Inputpreise um 7,8 Prozentpunkte.
  • China | Gesamt- und Kerninflation der Verbraucherpreise sowie Erzeugerpreisindex im März. Der Marktkonsens erwartet, dass die Gesamtinflation nach dem im Februar mit 1,3 Prozent höchsten Stand seit Januar 2023 ihren Abwärtstrend wieder aufnimmt und im März leicht auf 1,2 Prozent gesunken ist. Chinas Energiemix dürfte zahlreiche Reserven dazu beigetragen haben, die Wirtschaft weitgehend vor den anfänglichen Auswirkungen der globalen Energiepreisanstiege abzuschirmen. Gleich am Freitag wird der Erzeugerpreisindex für März veröffentlicht.

Zahl des Tages: 38.000

Ein zerstreuter Supermarktmitarbeiter auf den Orkney-Inseln hat etwas verursacht, das man als kurzfristigen Angebotsüberhang im Südfrüchtebereich bezeichnen könnte. Statt wie geplant 380 Kilogramm Bananen zu bestellen, orderte er 380 Kisten, die Kiste zu 100 Früchten. Schlechtes Wetter verhinderte den schnellen Rücktransport. Der Supermarkt machte deshalb aus der Not eine Tugend und verteilte die 38.000 Bananen an Schulen, Vereine und Obstliebhaber vor Ort. Rezepte für Bananenbrot und Tipps zum Einfrieren sollen auf den Inseln die Runde gemacht haben – kein Wunder, hat doch rechnerisch jeder Bewohner der Orkneys dank der missglückten Bestellung zwei Bananen bekommen. 

Nehmen Sie heute nichts krumm. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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