13. März 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
Tech-Werte legen trotz geopolitischer Spannungen zu, Gold schwächelt trotz seines Status als „sicherer Hafen“, und steigende Kerosinpreise setzen europäischen Airlines zu.
USA: NASDAQ-100 steigt, Staatsanleihen unter Druck
US‑Technologiewerte profitierten zuletzt: Während breitere Aktienindizes unter Druck standen, legte der NASDAQ‑100 Index seit Beginn des Iran-Konflikts zeitweise um über zwei Prozent zu. Das reflektiert die Wahrnehmung von Technologieaktien als langfristige Treiber des Produktivitätswachstums der US‑Wirtschaft. Im Gegensatz dazu gerieten US‑Staatsanleihen – üblicherweise ein „sicherer Hafen“– unter Druck: Die Renditen zehnjähriger Anleihen stiegen von etwa 3,9 auf gut 4,2 Prozent. Die sonst übliche Nachfrage wird hierbei überlagert von höheren Inflationsrisiken und der damit einhergehenden geringeren Wahrscheinlichkeit zeitnaher Zinssenkungen durch die US-Notenbank. Zudem zeigen jüngere Episoden, dass die Renditen zehnjähriger US‑Staatsanleihen in Krisenphasen teils steigen, was auf eine höhere Zinssensitivität hindeutet und den Status von US‑Staatsanleihen als „sicherer Hafen“ relativiert. Vor diesem Hintergrund könnte sich die hohe US‑Staatsverschuldung als tragfähig erweisen, sofern sie von einem deutlichen Produktivitätswachstum – angeschoben durch die Tech-Konzerne – begleitet wird und dadurch die Zinslast relativiert.
Trotz geopolitischer Spannungen: Gold schwächelt
Die Goldpreise gaben seit Beginn der Eskalation im Nahen Osten rund zwei Prozent nach – eine für den sonst als „sicherer Hafen“ geltenden Anlage ungewöhnliche Entwicklung. In Euro legte der Preis nur geringfügig zu. Anfang März litten die Notierungen unter hohem Verkaufsdruck bei börsengehandelten Zertifikaten: Sechs Tage hintereinander wurde von teils sehr hohen Abflüssen berichtet, da viele Anleger Liquidität generieren wollten – oder mussten – und deshalb Gewinne an den Edelmetallmärkten mitnahmen. Auffällig war, dass sich der Goldpreis zuletzt entgegengesetzt zu den Ölpreisen entwickelte. Der Grund hierfür ist, dass mit steigenden Ölpreisen an den Märkten der US-Dollar gefragt war und zudem Inflationsgefahren eingepreist werden, die die Renditen der Staatsanleihen weltweit kräftig ansteigen ließen. Sanken hingegen die Ölpreise, gaben auch der US-Dollar und die Renditen nach. Kurzfristig könnte dieses Muster anhalten. Mittelfristig könnte der Wunsch nach stärkerer Portfolio-Diversifikation den Goldpreisen wieder Rückenwind verleihen.
Nahostkonflikt: Steigende Kerosinpreise setzen Airlines zu
Aktien europäischer Fluggesellschaften stehen seit Beginn des Nahostkonflikts unter Druck.
Flugausfälle spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle, da lediglich ein kleiner Anteil der Verbindungen betroffen ist. Ausschlaggebend sind die im Vergleich zum Ölpreis überproportional gestiegenen Kerosinpreise. Da Treibstoff rund ein Viertel der operativen Kosten ausmacht, ist die Absicherung gegen Preisschwankungen für Fluggesellschaften von hoher Bedeutung. Airlines mit direkter Kerosinpreisabsicherung – darunter große Billigairlines – dürften weniger betroffen sein, während Anbieter mit breiteren Ölpreisabsicherungen bei anhaltend hohen Kerosinpreisen stärker unter Druck geraten könnten. Viele Fluggesellschaften sollten jedoch einen Teil der zusätzlichen Kosten über steigende Ticketpreise weitergeben können, was die Margen stützt. Zudem könnten europäische Airlines davon profitieren, dass Reisende unsichere Nahost-Routen meiden und auf Ziele in Europa oder Direktflüge nach Asien ausweichen. Ein länger anhaltender Konflikt dürfte die Nachfrage dennoch insgesamt dämpfen. Kurzfristig erwarte ich daher schwankungsanfällige Kurse, weshalb Aktien von Fluggesellschaften für risikoaverse Anleger derzeit weniger geeignet sind.
Großzügige Abschreibungsmöglichkeiten machen US-Steuersystem wettbewerbsfähig
Die Steuerstruktur der USA unterscheidet sich deutlich von jener anderer G7-Staaten: Während alle übrigen Länder eine nationale Mehrwertsteuer erheben, stützen sich die USA stark auf Einkommensteuern. Diese machen mit 40 Prozent die wichtigste Einnahmequelle der US-Bundesregierung aus; 45 der 50 Bundesstaaten erheben eine eigene Verkaufssteuer. Laut „Tax Foundation“ zählt das US-amerikanische Steuersystem dennoch zu den wettbewerbsfähigsten im G7-Vergleich und liegt hinter Kanada auf Rang zwei. Der US-Körperschaftsteuersatz von 26 Prozent liegt zwar nur geringfügig unter dem G7-Durchschnitt, allerdings senken großzügige Abschreibungsmöglichkeiten die effektive Steuerlast für Unternehmen. Die Ausgaben für unternehmensfinanzierte Forschung und Entwicklung liegen gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) über dem G7-Mittel und werden in den USA zu gleichen Teilen durch direkte Förderung und steuerliche Anreize unterstützt. Das hat seinen Preis, denn insgesamt erzielen die USA im Verhältnis zum BIP deutlich geringere Steuereinnahmen als andere G7-Länder, was entscheidend zum strukturellen Anstieg der US-Staatsverschuldung beiträgt.
Nebenwerte: zwischen Zöllen und Nahost-Volatilität
Nebenwerte sind nach zwei schwachen Jahren zurück – doch Zölle und Nahost‑Volatilität sorgen für ein anspruchsvolles Umfeld. Warum SDAX/MDAX profitieren, welche Branchen treiben und wie Anleger Nebenwerte beimischen können, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.
Zahl des Tages: 37,10
Eine veritable Flugshow hat der Stuntman Sultan Mohammad Khan auf einer Rennstrecke im pakistanischen Quetta gezeigt, und zwar am Steuer eines handelsüblichen Pkws. Sultan Golden, wie er von seinen Fans genannt wird, flog über eine Rampe 37,10 Meter weit – im Rückwärtsgang. Sein Fahrzeug wurde bei der Landung zwar etwas in Mitleidenschaft gezogen, den Stuntman konnte das aber nicht bremsen: Auf der gleichen Veranstaltung stellte er mit 58,12 Sekunden noch eine neue Bestmarke im Rückwärtsfahren über eine Meile auf.
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Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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