15. April 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
der Euro hat seine jüngsten Verluste wettgemacht, die weltweite Ölproduktion geht deutlich zurück, und im ersten Quartal fiel die Zahl der Private-Equity-Verkäufe in Europa um rund ein Drittel.
Euro zum US-Dollar deutlich erholt
Mit rund 1,18 US-Dollar je Euro notierte unsere Gemeinschaftswährung zuletzt exakt auf dem Niveau des letzten Handelstages vor Beginn der Eskalation im Nahen Osten Ende Februar. Die Gründe: Aufgrund der steigenden Preise für Energierohstoffe sind mindestens zwei Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu jeweils 0,25 Prozentpunkten bis zum Jahresende an den Terminmärkten eingepreist, wohingegen für die US-Notenbank Fed bis auf Weiteres kein Zinsschritt erwartet wird. Der aktuelle Zinsvorsprung der USA würde somit schrumpfen. Einige Länder Europas wie Spanien und Deutschland versuchen, durch fiskalische Stimuli (etwa die vorübergehende Senkung der Steuer auf Kraftstoffe) die negativen Effekte der hohen Energiepreise auf den Konsum beziehungsweise den potenziellen Wachstumsschock abzufedern. In den USA sind hingegen noch keine derartigen Maßnahmen geplant.Der US-Dollar erhält Gegenwind durch Verkäufe von US-Anleihen seitens asiatischer und nahöstlicher Investoren zur Finanzierung der teureren Energieimporte.Seit Jahrzehnten investieren die ölexportierenden Länder im Nahen Osten zudem einen großen Teil ihrer Erlöse in US-Staatsanleihen. Aufgrund der wegfallenden Einnahmen aus Erdöl- und Erdgasexporten bleibt diese Nachfrage aktuell aus.Mittelfristig könnte der US-Dollar zudem darunter leiden, dass Länder in Europa und Asien verstärkt in Verteidigung, Energieautarkie und diversifizierte Lieferketten investieren müssen. Diese Investitionen dürften innerhalb ihrer jeweiligen Währungsräume bleiben.
Energieagentur: Globales Ölangebot bricht ein
Gemäß dem Monatsreport der Internationalen Energieagentur (IEA) ist das globale Ölangebot im März um 10,1 Millionen auf 97 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) eingebrochen. Die Produktion der OPEC+‑Länder sank gegenüber dem Vormonat um 9,4 mb/d. Das Nicht‑OPEC+‑Angebot ging um 770.000 Barrel/Tag zurück, da geringere Fördermengen in Katar die Zuwächse in Brasilien und den USA überkompensierten. Auch im April dürften mehr als neun mb/d Ölproduktion aus Schlüsselländern des Nahen Ostens stillgelegt bleiben. Die IEA schätzt zudem, dass die weltweiten Ölvorräte im März um 85 Millionen Barrel gesunken sein dürften. Die Prognose für die globale Ölnachfrage 2026 senkte die IEA lediglich von 104,8 auf 104,3 mb/d, erwartet also noch keinen starken Einbruch aufgrund einer potenziellen Konjunkturdelle. Des Weiteren prognostiziert die IEA, dass die bedeutendsten Ölproduzenten am Golf nach einer Wiederöffnung der Straße von Hormus rund 50 Prozent der stillgelegten Förderkapazitäten innerhalb von zwei Wochen wieder hochfahren können. Eine weitergehende Normalisierung auf etwa 80 Prozent innerhalb eines Monats wäre möglich, bliebe jedoch abhängig von sicherem Schiffsverkehr, funktionsfähigen Lieferketten sowie der Verfügbarkeit von Arbeitskräften und Logistik. Die vollständige Wiederherstellung der Produktion dürfte jedoch deutlich schwieriger werden und einen längeren Zeitraum benötigen.
Teures Kerosin setzt Airlines unter Druck
Die im Zuge des Irankonflikts stark gestiegenen Kerosinpreise belasten europäische Fluggesellschaften zunehmend. Trotz jüngster Entspannung liegen die Preise in Europa noch immer knapp 80 Prozent über dem Niveau von Ende Februar. Grund dafür ist die hohe Abhängigkeit von Importen aus Nahost: Laut Analysten entfällt gut ein Viertel der europäischen Kerosinverfügbarkeit auf Transporte durch die Straße von Hormus. Gleichzeitig fällt das Angebot aus anderen Regionen aus, da Länder wie Indien und China selbst mit Knappheiten konfrontiert sind. China verhängte daher einen Exportstopp für raffinierte Kraftstoffe. Zusätzlich erschweren die im Januar verschärften EU‑Sanktionen, die auch den Bezug russischen Öls über Drittstaaten untersagen, die Kerosinversorgung. Dadurch wächst das Risiko physischer Knappheiten. Erste Einschränkungen an italienischen Flughäfen sowie vorbereitete Notfallmaßnahmen der Airlines deuten bereits darauf hin. Zwar haben europäische Fluggesellschaften ihre Kerosinkosten teilweise abgesichert und können einen Teil der Mehrkosten weitergeben.
Mit anhaltend hohen Preisen dürften jedoch begrenzte Absicherungen, mögliche physische Engpässe und Nachfragerisiken die Gewinnentwicklung der Fluggesellschaften belasten. Vor diesem Hintergrund bevorzuge ich derzeit andere Branchen.
Edelmetalle: Was kommt nach dem Preisanstieg?
Edelmetalle haben zuletzt kräftig zugelegt – starke Schwankungen inklusive. Welche Rolle spielen geopolitische Konflikte, Zölle und Lieferketten für Silber, Kupfer, Platinmetalle und andere Rohstoffe – und welche Branchen trifft das besonders? Worauf Anleger bei dieser Anlageklasse achten sollten, darüber diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.
Was diese Woche wichtig wird
Im Laufe der Woche, Berichtssaison
- USA | Aus dem S&P 500 berichten 28 Unternehmen, darunter Bank of America, Citigroup, JPMorgan Chase, Morgan Stanley, Blackrock, Abbott Laboratories, Netflix, PepsiCo und Johnson & Johnson.
- Europa | Aus dem STOXX 600 legen sechs Unternehmen Ergebnisse vor, darunter ASML und Tesco.Asien | Aus China berichtet Contemporary Amperex Technologies (CATL). Aus Indien berichten ICICI Bank und HDFC Bank.
- Dienstag China | Handelsbilanz im März. Analysten erwarten für die chinesischen Exporte einen Anstieg um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem diese in den beiden Auftaktmonaten dieses Jahres insgesamt um 39,6 Prozent zugelegt hatten. Die Importe dürften um 15 Prozent im Jahresvergleich steigen, nach 13,8 Prozent im Zeitraum Januar und Februar. Zudem dürfte die am Donnerstag anstehende Veröffentlichung zum BIP-Wachstum im ersten Quartal auf großes Interesse stoßen. Erwartet wird ein Anstieg auf 4,8 Prozent im Jahresvergleich, folgend auf einen Zuwachs um 4,5 Prozent im vierten Quartal 2025. Zudem werden die Daten zur Industrieproduktion und zum Einzelhandel einen Einblick in die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft nach der Eskalation im Nahen Osten geben.
- USA | Einzelhandelsumsätze und Erzeugerpreisindex im März. Der Marktkonsens geht davon aus, dass der Erzeugerpreisindex im März um 1,2 Prozent zum Vormonat gestiegen ist, nach 0,7 Prozent im Februar. Grund ist, dass die höheren Energiepreise den Preisdruck auf Produzentenebene stark erhöht haben dürften. Darüber hinaus werden am Donnerstag die Daten zur Industrieproduktion für März veröffentlicht. Hier wird ein Rückgang des monatlichen Wachstums von 0,2 Prozent im Februar auf 0,1 Prozent erwartet.
- Freitag, Großbritannien | BIP-Wachstum im Februar. Laut Konsens rechnen Analysten damit, dass das monatliche BIP-Wachstum im Februar auf 0,1 Prozent gestiegen ist, nachdem die Wirtschaft im Januar stagniert hatte. Die Industrieproduktion dürfte im Februar um 0,2 Prozent zugelegt haben. Die höheren Energiepreise sowie mögliche Auswirkungen von Lieferkettenstörungen infolge des eskalierten Konflikts im Nahen Osten werden sich in diesen Daten jedoch noch nicht widerspiegeln.
Private Equity: Zahl der Exits in Europa sinkt
Investitionen in Unternehmen mittels privatem Eigenkapital haben einen langfristigen Anlagehorizont von mindestens fünf bis sieben Jahren. In Zeiten erhöhter makroökonomischer Unsicherheit oder ungünstiger wirtschaftlicher Bedingungen können Haltedauern länger ausfallen, da Investoren Verkäufe oder Börsengänge aufschieben. Nachdem im zweiten Halbjahr 2025 Unternehmensverkäufe von Eigenkapitalinvestoren in Europa deutlich zugenommen hatten, ziehen sich die Käufer seit Beginn des Irankriegs erneut zurück. In den ersten drei Monaten dieses Jahres sank die Anzahl der Verkäufe (Exits) um mehr als 30 Prozent, das Verkaufsvolumen sank um knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Drei Viertel der Verkäufe von Eigenkapitalgebern fand an andere Private Equity-Geber statt. Dabei machten 16 Mega-Exits mit einem Wert von je über einer Milliarde Euro mehr als zwei Drittel des gesamten Volumens aus. Mittelgroße und kleinere Exits blieben größtenteils eingefroren. Bis zu einer dauerhaften Verbesserung der Situation um die Straße von Hormus dürfte die Liquidität auf sehr große Transaktionen im Markt konzentriert bleiben.
Zahl des Tages: 12.800
Wie haben sich amerikanische Ureinwohner nach Feierabend die Zeit vertrieben? Möglicherweise mit einem Würfelspiel, glaubt ein Team um Robert J. Madden von der Colorado State University. Die Archäologen untersuchten hunderte flache Holz- und Knochenstücke mit Ritzmarkierungen aus dem Westen der USA, die auf ein Alter von bis zu 12.800 Jahren datiert werden. Ihrer Analyse zufolge handelt es sich um „zweiseitige“ Würfel, die beim Spiel wie eine Münze geworfen wurden. Diese These ist nicht unumstritten: Die markierten Plättchen könnten auch andere Funktionen gehabt haben, sagen Kritiker. Die ersten modernen Würfel mit sechs Seiten wurden jedenfalls erst viel später geworfen – soweit wir wissen, um das Jahr 3000 vor unserer Zeit in Mesopotamien.
Zeigen Sie heute eine glückliche Hand.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
PERSPEKTIVEN am Morgen: Störung im Anmeldeprozess
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Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.
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