10. März 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
europäische Bankaktien geraten unter Druck, der KI-Boom treibt asiatische Zulieferketten in eine neue Wachstumsphase, und Chinas Inflationsdaten dämpfen Deflationssorgen.
Europa: Bankensektor unter Druck – Analysten bleiben zuversichtlich
Europäische Bankaktien standen zuletzt unter Druck: Der STOXX 600 Banks Index gab seit Ende Februar um mehr als acht Prozent nach und gab damit seine Gewinne seit Jahresbeginn vollständig ab.
Belastet wurde der Sektor durch Bedenken hinsichtlich der Kreditvergabestandards sowie mögliche Kreditausfälle im Informations- und Kommunikationsbereich. Marktbeobachter zeigen sich zunehmend besorgt, ob die Unternehmen ihre Kredite tatsächlich zurückzahlen können. Zudem preisten die Märkte nach der jüngsten Eskalation im Nahen Osten das Risiko eines Inflationsschocks ein. Allerdings ist die Belastung des europäischen Bankensektors durch den Informations- und Kommunikationsbereich mit rund zwei Prozent des gesamten Kreditbuchs gering. Analysten bleiben deshalb zuversichtlich. Das Kreditwachstum im Euroraum blieb im Januar mit 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr stabil. Bei einem erwarteten Gewinnwachstum des Bankensektors von rund 8,9 Prozent in den kommenden zwölf Monaten nach Einschätzung der Analysten könnte die jüngste Schwächephase eine Einstiegsmöglichkeit eröffnen.
Chemiemarkt: Geopolitische Risiken könnten Lieferengpässe verursachen
Ein andauernder Konflikt im Nahen Osten könnte wichtige Chemiewertschöpfungsketten spürbar belasten. Besonders Polyethylen – ein Kunststoff für Verpackungen und viele Alltagsprodukte – könnte betroffen sein, da laut Analysten rund 10 bis 15 Prozent der weltweiten Produktion beeinträchtigt wären. China zählt zu den größten Importeuren aus der Region Naher Osten und dürfte die Engpässe daher besonders spüren. Auch der Düngemittelmarkt reagiert empfindlich, da die erhebliche Beeinträchtigung der Straße von Hormus zu Lieferausfällen führt und damit die Verfügbarkeit von Harnstoff verknappt. Europäische Chemieunternehmen könnten temporär unter höheren Energie- und Transportkosten leiden, während Regionen mit günstigen Rohstoffen und stabilerer Logistik im Vorteil wären. In den USA laufen viele Anlagen für Polyethylen auf Basis von preiswertem Ethan, das bei der Schiefergasaufbereitung gewonnen wird – das könnte ihnen in einer Phase global steigender Kosten einen relativen Vorteil verschaffen. Insgesamt sorgt die Situation für kurzfristig höhere Preise und eine erhöhte Unsicherheit. Eine rasche Normalisierung der Lieferketten erscheint mit zunehmender Dauer des Konflikts unwahrscheinlich.
KI-Boom treibt asiatische Zulieferketten in nächste Wachstumsphase
Die Nachfrage nach Technik für KI-Rechenzentren ist ungebrochen – das bestätigen neueste Zahlen aus der US-Halbleiterindustrie. In den asiatischen Zulieferketten sorgt das für eine anhaltend robuste Auslastung. Japans Handelsdaten weisen auf stark steigende Nachfrage nach Vielschichtkondensatoren hin. Diese kleinen Bauteile stabilisieren die Stromversorgung und ermöglichen, dass Prozessoren zuverlässig und mit voller Leistung arbeiten. Preise, Volumen und Exporterlöse stiegen im Jahresvergleich um 4, 13 und 18 Prozent, während das Angebot knapp bleibt. Die Produktion lässt sich nur begrenzt ausweiten, weil Materialien und Ausrüstung überwiegend intern gefertigt werden und Kapazitäten langsam wachsen. Das hält Engpässe aufrecht, stärkt die Preissetzungsmacht der Hersteller und treibt die Branche an. Auch Hersteller von Platinen und Chip-Trägern aus Taiwan melden steigende Preise und bereits nahezu ausgelastete Werke. Ab dem dritten Quartal 2026 dürften die Kapazitäten vollständig gebunden sein, während die Nachfrage weiter zunimmt. Für das zweite Halbjahr 2026 erwarten Analysten einen Nachfragesprung um 40 bis 50 Prozent. Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass der Boom der Künstlichen Intelligenz eine neue Wachstumsphase entlang der asiatischen Lieferketten auslöst.
China: Inflationsimpuls zum Neujahrsfest – Konsum bleibt verhalten
Chinas Verbraucherpreise zogen im Februar spürbar an. Die jährliche Teuerungsrate stieg von 0,2 auf 1,3 Prozent, getrieben vor allem von höheren Nahrungsmittel- und Dienstleistungspreisen rund um das Neujahrsfest. Auch die seit Jahren rückläufigen Erzeugerpreise zeigten leichte Entspannung: Deren jährliche Inflationsrate verbesserte sich auf schwachem Niveau von minus 1,4 auf minus 0,9 Prozent. Chinas Aktienbörsen reagierten gestern mit vergleichsweise moderaten Verlusten von etwa einem Prozent. Importierte Preisimpulse spielten in den Februardaten noch eine untergeordnete Rolle. Dies dürfte sich im März infolge der jüngsten Anstiege der Weltmarktpreise für Öl- und Gas ändern und Deflationssorgen weiter dämpfen. Allerdings würde eine kosteninduzierte Reflation das eigentliche Problem, nämlich die zurückhaltende Konsumbereitschaft vieler chinesischer Haushalte, eher verschärfen. Ohne eine stärkere Binnennachfrage wird es den für den Heimatmarkt produzierenden Unternehmen schwerfallen, ihre Gewinnmargen auszuweiten. Zudem würden anhaltend erhöhte Energiepreise den Welthandel bremsen, die Umsatz- und Gewinnaussichten chinesischer Exporteure schwächen und damit insgesamt auch die Stimmung an Chinas Aktienmärkten belasten.
Gold auf Rekord, Aktien unter Druck: Märkte im Risk-off-Modus
Gold markiert Rekorde, während Aktien unter Druck geraten – besonders Software-Werte, die zusätzlich durch KI-Disruption und Finanzierungsfragen belastet sind. Der Nahostkonflikt, steigende Öl- und Gaspreise und die hohe Unsicherheit treiben die Märkte in den Risk-off-Modus. Wie sollten sich Anleger jetzt positionieren? Das analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge ihres Börsenpodcasts.
Zahl des Tages: 284
Das Fleimstal (Val di Fiemme) in Südtirol ist beliebt bei Wintersportlern – erst kürzlich fand dort ein Teil der Olympischen Winterspiele statt. Doch auch bei Musikern genießt das Tal einen bedeutenden Ruf: Von hier kommt das Holz für einige der berühmtesten Violinen der Welt. Mauro Bernabei vom Nationalen Forschungsrat Italiens und Kollegen analysierten das Material von 284 Stradivari-Geigen und fanden, dass der Meister in seinem „goldenen Zeitalter“ fast ausschließlich Fichtenholz aus dem Fleimstal bezog. Zudem zeigen die Jahresringe, dass die von Stradivari bevorzugten Bäume während der Kaltzeit der Jahre 1645 bis 1715 gewachsen waren. Die niedrigen Temperaturen und kurzen Vegetationsperioden dieser Epoche führten zu einem langsamen Wachstum des Holzes – und offenbar zu besonderen akustischen Eigenschaften.
Nehmen Sie sich heute Zeit.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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