medNachrichten Q4 Seite 3

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Seite 2 Seite 3 Deutsche Bank medNachrichten Ausgabe 4 2017 Klinikpreise für Praxen Gleiches Geld für die gleiche Leistung in Kliniken und Praxen Dieses Ziel hat ein Modellprojekt in Thüringen bei dem die niedergelassenen Operateure für ausgewählte Eingriffe die gleichen Honorare erhalten wie die Krankenhäuser der Region In Thüringen ist ein neues Vergütungsmo dell unter der Bezeichnung Hybrid DRG gestartet Grundlage für die Honorare sind die Klinikfallpauschalen und der Ver gütungskatalog für ambulant tätige Ärz te Hieraus haben die Projektpartner einen Mischpreis für operative Eingriffe kalku liert Diese Entgelte werden für die Ein griffe unabhängig davon gezahlt ob die Leistung im Krankenhaus oder von einem niedergelassenen Operateur erbracht wur de Getestet wird das Modell zunächst bei der Behandlung von Kreuzbandverletzun gen Leistenbrüchen Krampfadern und dem Karpaltunnelsyndrom Beteiligt sind insgesamt acht Kranken häuser in Thüringen niedergelassene Chi rurgen in zweistelliger Zahl die Techni ker Krankenkasse und die Kaufmännische Krankenkasse KKH Das Modell steht weiteren Einrichtungen und Krankenkas sen offen Für die niedergelassenen Ope rateure ist das Modell lukrativ Sie erhal ten für die genannten Leistungen mehr Geld als über den EBM Als Beispiel nann te die TK den Leistenbruch Hierfür gibt es im Modellprojekt einheitlich 1 600 Euro Ambulante Operateure außerhalb des Mo dells können dafür laut TK nur rund 600 Euro abrechnen Kliniken bis zu 2 500 Euro Die Kliniken müssen also mit einem geringeren Honorar kalkulieren Entspre chend kritisch sieht die Deutsche Kran kenhausgesellschaft dieses Modell Sie verweist darauf dass oft Begleiterkran kungen der Grund für eine stationäre Auf nahme sind wenn diese Leistungen auch ambulant möglich gewesen wären Diese Begleiterkrankungen müssten sich im Ho norar widerspiegeln Die Krankenkassen dagegen drängen schon seit einiger Zeit auf den Grundsatz gleiches Geld für gleiche Leistung Die Honorardifferenzen ließen sich nur histo risch erklären Das Modell in Thüringen ist unbefristet und wird wissenschaftlich be gleitet Ergebnisse sollen spätestens im Jahr 2021 veröffentlicht werden Landkreis in Hessen will ambulante Versorgung aktiv mitgestalten Die meisten Kommunen überlassen die Organisation der ambulanten Versorgung lieber den etablierten Beteiligten Nach dem die Gemeinde Büsum an der Nordsee vorgemacht hat dass man gestützt auf einen professionellen Dienstleister auch selbst ein Gesundheitszentrum mit ange stellten Ärzten führen kann gibt es erste Nachahmer bei anderen Kommunen Besonders weitgehende Pläne hat der südhessische Landkreis Darmstadt Dieburg Über seine kreiseigene Klinik betreibt er bereits Medizinische Versor gungszentren mit angestellten Ärzten Nun plant der Kreis ein eigenes Primär versorgungszentrum PVZ in Ober Ram stadt Neben ärztlichen Leistungen soll das Zentrum auch pflegerische und wei tere gesundheitliche Leistungen anbieten Der Kreis stützt sich mit seinen Plänen auf die Projektskizze eines Beratungsunter nehmens Die sieht die Verknüpfung von ärztlicher Grundversorgung Geriatrie Ver sorgung psychischer Erkrankungen und sektorenübergreifender Kooperation vor Gelingen soll dies über eine Bündelung bestehender Versorgungsangebote unter einem Dach Basis des integrierten Ver sorgungsmodells sind die bestehenden MVZ Die angestellten MVZ Ärzte könn ten in das PVZ wechseln Neu eingestellt werden sollen Weiterbildungsassistenten nichtärztliche Praxisassistentinnen NäPA und eine Case Managerin Mit diesem Konzept hofft der Kreis auch junge Ärzte AUS DEN REGIONEN Bei Operationen testet Thüringen gerade ein neues Vergütungsmodell edwardolive Fotolia com Leichenschau wird in Bremen verpflichtend Bremen hat als erstes Bundesland die qualifizierte Leichenschau für jeden im Land gestorbenen Menschen eingeführt Ziel sind genauere Analysen der Todes ursachen und ihrer Hintergründe Für die Durchführung müssen Ärzte künftig ein umfangreiches Curriculum zur Qualifika tion absolvieren Dieses befand sich zum Start der Regelung noch in der Abstim mung Bis Ärzte das Curriculum durch laufen können ist in Bremen nur ein Arzt des Instituts für Rechtsmedizin und in Bre merhaven ein Arzt des Gesundheitsamtes für die qualifizierte Leichenschau zugelas sen Bisher wurde die Leichenschau nach GOÄ Nummer 100 51 Euro abgerech net Die künftige Gebühr soll deutlich hö her liegen und muss von den Angehörigen des Toten gezahlt werden von einer Tätigkeit im Zentrum überzeu gen zu können Erfahrungen etwa in Bü sum haben gezeigt dass der Nachwuchs die Teamarbeit unter einem Dach schätzt Der Landkreis in Südhessen sieht sein En gagement als Reaktion auf zunehmenden medizinischen und pflegerischen Bedarf der alternden Bevölkerung Allerdings musste der Kreis schon beim Betrieb der Klinik MVZ feststellen dass die ambu lante Versorgung tiefe Detailkenntnisse verlangt Die KV Hessen sah sich zu einer Klarstellung über die Intervalle von Ab schlagszahlungen gezwungen nachdem der Landrat öffentlich verzögerte KV Zah lungen als Grund für Liquiditätsengpässe im kreiseigenen MVZ genannt hatte Hamburger Modell Beamte in die GKV Hamburger Beamte sollen nach Plänen des Hamburger Senats künftig wählen können ob sie in der Beihilfe versichert bleiben oder in die gesetzliche Kranken versicherung wechseln wollen Statt der individuellen Beihilfe würden sie dann auf Wunsch den hälftigen Beitrag zu einer ge setzlichen Krankenversicherung von der Stadt erhalten Bislang erhalten Beam te über die Beihilfe einen Teil ihrer Krank heitskosten erstattet und müssen den Rest über eine private Krankenversiche rung abdecken Das kann für Familien mit Kindern und chronisch Kranke teurer sein Ob das Modell Nachahmer in anderen Bundesländern findet bleibt abzuwarten


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