24. April 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
vier Trends prägen die Investitionslandschaft in Europa, Stimmungsindikatoren signalisieren erstmals seit 16 Monaten rückläufige Aktivität in der Privatwirtschaft der Eurozone, und der KOSPI erreicht nach dem Energieschock Rekordstände.
Langfristiges Kapital: wichtiger Hebel für Europas Infrastruktur und Wettbewerbsfähigkeit
Für den Erhalt von Europas Infrastruktur, Wettbewerbsfähigkeit, Verteidigung sowie der grünen und der digitalen Transformation ist langfristiges Kapital unerlässlich. Private Infrastruktur-Investments spielen hierbei eine wichtige Rolle, da sie staatliche Investitionen ergänzen. Laut Analysten beeinflussen vier Trends Investitionen in Europa:
- Energiesicherheit
- Veränderungen im Welthandel
- Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz
- demografische Entwicklungen
Diese Trends stehen in direktem Zusammenhang mit den jüngsten geopolitischen Entwicklungen, Herausforderungen in den Lieferketten und Handelszöllen. Ende des vergangenen Jahres zeigte sich das Interesse von Investoren gemischt; nur 43 Prozent der europäischen Infrastruktur-Investoren planten eine aktive Investition innerhalb der nächsten zwölf Monate. Im letzten Quartal stieg dieser Wert leicht auf 46 Prozent. Der Anstieg trotz der aktuellen Situation im Mittleren Osten kann als positives Signal gewertet werden. Analysten betonen weiterhin die Attraktivität Europas und merken an, dass jeder in die Infrastruktur investierte Euro durch gesteigerte Nachfrage, Auftragsvergabe und neue Arbeitsplätze einen positiven Stimulus bewirken könnte.
Stagflationäre Tendenzen belasten Ausblick für die Eurozone
Die jüngsten Vorabschätzungen der Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für die Eurozone deuten zu Beginn des zweiten Quartals auf ein zunehmend stagflationäres Umfeld – also auf eine Kombination aus nachlassender konjunktureller Dynamik und weiter zunehmendem Preisdruck – hin. Mit 48,6 Punkten signalisiert der branchenübergreifende PMI im April erstmals seit 16 Monaten rückläufige Aktivitäten in der Privatwirtschaft. Ausschlaggebend war vor allem der kräftige Einbruch im Dienstleistungssektor, dessen Index von 50,2 auf 47,4 Punkte absackte – so stark wie seit den pandemiebedingten Lockdowns nicht mehr. Das Verarbeitende Gewerbe zeigte sich zwar weiterhin expansiv, doch ist dieses Plus nur eingeschränkt belastbar: Die höhere Nachfrage war vor allem auf eine forcierte Lagerhaltung zurückzuführen, mit der sich Unternehmen gegen weitere Kostensteigerungen und drohende Lieferengpässe absichern. Entsprechend nahmen die Vorleistungskäufe deutlich zu, während sich die Störungen in den Lieferketten verschärften.
Parallel zur konjunkturellen Abschwächung hat sich der Preisdruck spürbar verstärkt. Sowohl Einstands‑ als auch Verkaufspreise legten kräftig zu – nicht nur infolge höherer Energiekosten, sondern auch aufgrund breit angelegter Rohstoffverteuerungen und anhaltender Angebotsengpässe. Die zunehmenden Lieferprobleme drohen das Wachstum auch in den kommenden Monaten weiter zu dämpfen und den Inflationsdruck hochzuhalten. Entsprechend trübten sich die Erwartungen der befragten Unternehmen an die geschäftliche Entwicklung für die kommenden zwölf Monate auf den tiefsten Stand seit Ende 2022 ein. Für die Europäische Zentralbank (EZB) wird die geldpolitische Herausforderung zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturstützung damit anspruchsvoller. Vor diesem Hintergrund dürfte der EZB‑Rat auf seiner Sitzung am kommenden Donnerstag zunächst an seiner abwartenden Haltung festhalten und den Einlagensatz bei 2,0 Prozent belassen. Ob es im weiteren Jahresverlauf – wie von den Märkten derzeit eingepreist – zu zwei Zinsanhebungen kommt, wird von der Dauer des Energieschocks und der Auswirkungen auf die Realwirtschaft abhängen. Mögliche Anpassungen der Zinserwartungen im Zuge der Entwicklungen im Golfkonflikt dürften auch weiterhin für volatile Märkte sorgen.
Ausländisches Kapital kehrt zurück: KOSPI erreicht Höchststände
Der südkoreanische Aktienindex KOSPI hat sämtliche Verluste seit den Angriffen auf den Iran wieder wettgemacht und Rekordhöhen erreicht. Der durch den Konflikt ausgelöste Energieschock hat die Risiken des exportorientierten koreanischen Aktienmarktes deutlich gemacht. Dieser ist stark von einigen wenigen Speicherchip-Unternehmen dominiert und deutlich volatiler als andere große Aktienmärkte. Im März flossen rekordverdächtige 23,8 Milliarden US-Dollar an ausländischem Kapital ab und der KOSPI verlor in Euro fast 20 Prozent. Der starke Ausverkauf bot dann einen attraktiven Wiedereinstieg: In diesem Monat sind 4,2 Milliarden US-Dollar an ausländischem Kapital in südkoreanische Aktien zurückgeflossen und erstmals überschritt der KOSPI die Marke von 6.400 Punkten. In Euro liegt der Index dieses Jahr nun fast 50 Prozent im Plus, nachdem er 2025 bereits um 60 Prozent gestiegen war.
Sollte der Konflikt enden und die Straße von Hormus sich wieder öffnen, steht einer Fortsetzung der Rally wenig im Weg. Die Analystengemeinde hat hohe Erwartungen und prognostiziert für die im KOSPI gelisteten Unternehmen ein Gewinnwachstum von über 80 Prozent in den nächsten zwölf Monaten.
Ausschüttungen 2026: Dividendenrendite ist nicht alles
Hohe Dividendenrenditen wirken attraktiv – doch dahinter kann mehr Risiko stecken, als die Kennzahl vermuten lässt: etwa wenn Ausschüttungen nicht aus laufenden Gewinnen, sondern aus der Substanz finanziert werden oder wenn die Rendite nur steigt, weil Kurse zuvor stark gefallen sind. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich erklären, welche Qualitätsmerkmale zählen, wie Dividendenaristokraten einzuordnen sind und warum Fonds helfen können – aber nicht jeden Fallstrick automatisch vermeiden.
Zahl des Tages: 281–261
Einen ungewöhnlichen Fund hat ein Schüler in Berlin-Spandau auf einem Feld gemacht: eine zwölf Millimeter große Bronzemünze, die erste altgriechische Münze Berlins. Sie zeigt die Göttin Athene, auf der Vorderseite mit Helm, auf der Rückseite mit Speer und Spindel. Laut Landesdenkmalamt stammt die Münze aus Ilion in der heutigen Nordwesttürkei und wurde in den Jahren 281 bis 261 vor Christus geprägt. Wie ein solches Stück nach Spandau kam, ist noch völlig unklar. Der Fundort – ein alter Bestattungsplatz – deutet aber darauf hin, dass die Münze schon seit der Antike dort in der Erde lag.
Machen Sie heute einen glücklichen Fund.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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