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6. Juli 2020

Liebe Leser,

das globale Volumen von ESG-ETFs steigt auf etwa 95 Milliarden US-Dollar an, niederländische Aktien sind im europäischen Vergleich nicht mehr billig, und die Schwellenländer dürfen auf einen schwächeren US-Dollar hoffen.


Nachhaltige Investments: ESG-Trend nicht zu stoppen

Das globale Volumen von ESG-ETFs – die Aspekte aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung beachten – stieg im Juni auf etwa 95 Milliarden US-Dollar an. Zu Beginn dieses Jahres waren es noch knapp 80, Anfang 2019 lediglich 40 Milliarden US-Dollar. Trotz der Coronavirus-Krise wollen laut einer aktuellen Umfrage mehr als 50 Prozent der befragten Investoren an ihrem Engagement in nachhaltigen Investments festhalten, 15 Prozent wollen es sogar ausbauen. Neben dem Signal für Qualität und Nachhaltigkeit durch das ESG-Rating sprechen auch die potentiellen Zuflüsse für diese Anlageklasse. Analysten rechnen damit, dass bis 2030 Aktien im Wert von 2,7 Billionen Euro von der jetzigen zur Millennial-Generation übergeben werden – etwa 30 Prozent der derzeitigen Weltmarktkapitalisierung. Es wird erwartet, dass die „Grüne Generation“ mindestens 30 bis 40 Prozent dieses Vermögens in ESG-Fonds investieren wird und es somit zu Zuflüssen in Höhe von 0,8 bis 1,1 Billionen Euro kommen könnte.


Holland-Index AEX: hoch konzentriert und hoch bewertet

Unter den europäischen Leitindizes kann man den niederländischen AEX mit Fug und Recht als Technologieschwergewicht bezeichnen – der IT-Sektor steht für fast ein Viertel des Index. Dies lässt ihn in Zeiten niedriger Zinsen für langfristige Investoren interessant erscheinen. Gleichzeitig gilt es jedoch zu beachten, dass Verbrauchsgüterhersteller mit 19 Prozent ebenfalls hoch gewichtet sind. Zudem ist der AEX, der ohnehin nur 25 Unternehmen umfasst, sehr konzentriert. Die größten fünf Konzerne stehen gemeinsam für über die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung. Auf ASML, Royal Dutch Shell sowie Unilever entfallen je mehr als zehn Prozent; dies birgt ein nicht zu vernachlässigendes Einzeltitelrisiko. Gleichzeitig wird der AEX derzeit mit dem höchsten Aufschlag zum Gesamtmarkt der letzten zehn Jahre gehandelt – 22 Prozent!

Andere Indizes wie der DAX dürften sich vor diesem Hintergrund im aktuellen Marktumfeld besser entwickeln.


Schwellenländeraktien: Wirtschaft und Kurse erholen sich

Aktien aus den Schwellenländern verzeichneten zwischen April und Juli ein Plus von 17 Prozent und damit das beste Quartalsergebnis seit knapp elf Jahren. Im Juni lagen die Kursgewinne bei sieben Prozent, eine Outperformance von 2,5 Prozentpunkten gegenüber den Industrienationen. Gestützt wurden die Kurse durch geld- und fiskalpolitische Maßnahmen und eine unerwartet schnelle wirtschaftliche Erholung. Die anziehende globale Konjunktur steigert die Nachfrage nach Rohstoffen, wovon die zahlreichen Rohstoffproduzenten unter den Schwellenländern profitieren. Zudem verringert die gute Konjunkturentwicklung die Nachfrage nach dem US-Dollar als „sicheren Hafen“. Ich rechne daher für die kommenden Wochen mit einem tendenziell schwächeren Greenback. Dies erleichtert den Unternehmen aus den Schwellenländern die Rückzahlung von US-Dollar-Schulden. Die gute Juni-Performance von Aktien aus den Schwellenländern könnte sich daher im Juli fortsetzen.


Anleihen aus Südkorea: starke Nachfrage, sinkende Renditen

Die durch die Coronavirus-Krise ausgelöste Rezession hat die koreanische Regierung dazu veranlasst, das größte Fiskalpaket aller Zeiten zu schnüren. Zur Finanzierung wurden im ersten Halbjahr Staatsanleihen in Höhe von umgerechnet 67 Milliarden Euro ausgegeben. Das vergrößerte Angebot wurde vom Markt ohne Probleme absorbiert, die Bank of Korea (BoK) erwarb lediglich einen geringen Anteil. Die Rendite zehnjähriger koreanischer Staatsanleihen sank seit Jahresbeginn um 0,3 Prozentpunkte auf 1,38 Prozent.

Für die zweite Jahreshälfte wird mit Neuemissionen in Höhe von 64 Milliarden Euro gerechnet, ein etwa doppelt so großes Volumen wie im gleichen Zeitraum in den vergangenen Jahren. Ich rechne trotz des erhöhten Angebotes mit weiter sinkenden Renditen und steigenden Kursen. Die Nachfrage aus dem Ausland ist wegen der verhältnismäßig hohen Rendite groß. Im ersten Halbjahr betrug sie 17 Milliarden Euro, so viel wie in den letzten zwei Jahren zusammen. Zudem werden koreanische Finanzunternehmen weiter Anleihen kaufen und auch die BoK könnte sich im zweiten Halbjahr stärker engagieren.


Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche | Unter anderem öffnen Paychex, Delta Airlines und Walgreens Boots Alliance ihre Bücher für das zweite Quartal.  

Montag

  • Auftragseingänge der deutschen Industrie im Mai, die Zahlen zur Industrieproduktion folgen am Dienstag, die deutsche Handelsbilanz im Mai wird am Donnerstag veröffentlicht. Im Jahresvergleich dürften die Industriedaten immer noch eine negative Entwicklung aufweisen, allerdings geringer als im Vormonat. 
  • Neben dem Sentix-Index für das Investorenvertrauen in der Eurozone im Juli werden auch die EWU-Einzelhandelsumsätze für Mai veröffentlicht. Bei beiden Datenpunkten wird mit einer Verbesserung im negativen Bereich gerechnet.
  • ISM-Index für den Dienstleistungssektor in den USA im Juni. Der entsprechende Index für das Verarbeitende Gewerbe überraschte bereits positiv und stieg über die 50-Punkte-Expansionsschwelle. Die Frage wird also sein, ob diese Dynamik auch in anderen Bereichen der Wirtschaft zu beobachten war. 

Mittwoch | Der britische Finanzminister Rishi Sunak wird im Unterhaus eine Erklärung abgeben, wie die Regierung versucht, den Aufschwung anzukurbeln und die Wirtschaft zu öffnen. 

Donnerstag

  • Chinesische Verbraucher- und Erzeugerpreise im Juni. In beiden Fällen dürfte sich der Inflationsdruck gegenüber dem Mai relativ unverändert präsentieren.
  • Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA. Der Datenpunkt ist bereits in den vergangenen drei aufeinanderfolgenden Wochen schlechter ausgefallen als erwartet und dürfte weiterhin auf einem doppelt so hohen Niveau wie vor der Coronavirus-Pandemie liegen. 

Freitag | Nach den deutschen Zahlen zu Wochenbeginn folgen die Daten zur französischen und italienischen Industrieproduktion im Mai. Trotz einer starken Erholung im Monatsvergleich wird mit einem deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat gerechnet.


Zahl des Tages: 100

Europas Teilchenphysiker hoffen auf den großen Wurf – Ende des kommenden Jahrzehnts wollen sie mit einem neuen Riesenapparat die Grenzen der bekannten Physik überschreiten und neuartige Elementarteilchen entdecken. Das Projekt wäre der Nachfolger des Ringbeschleunigers LHC, würde ihn aber nochmals weit übertreffen: Geplant ist ein kreisförmiger Tunnel von 100 Kilometern Länge rund um Genf. Ob die neue Maschine mit dem Namenskürzel FCC die vielen Milliarden Euro wert ist, die sie kosten würde, soll jetzt erst einmal eine Machbarkeitsstudie klären. 

Machen Sie heute eine spannende Entdeckung.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan
Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden


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