28. April 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die S&P-500-Berichtssaison erreicht ihren Höhepunkt, Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe fallen rund um den Globus überraschend robust aus, und der Iran-Konflikt stellt eine Herausforderung für die Zinspolitik der Bank of Japan dar.
Berichtssaison USA: Starke Zahlen, wachsende Zweifel
Die S&P-500-Berichtssaison erreicht diese Woche ihren Höhepunkt: 180 Unternehmen, darunter fünf der sogenannten Magnificent Seven, präsentieren ihre Quartalszahlen. Die bisher veröffentlichten Unternehmensberichte zeichnen ein ausgesprochen positives Bild. Gewinne und Umsätze liegen bisher neun und zwei Prozent über den Prognosen der Analysten. Die Erwartungen an das Gewinnwachstum aller Indexunternehmen im ersten Quartal sind auf satte 16 Prozent gestiegen.
In den Fokus rücken nun die Zahlen und Aussagen der Tech-Riesen, insbesondere zu geplanten Investitionen. Im Jahresverlauf haben Analysten ihre entsprechenden Schätzungen für 2026 bereits um 30 Prozent auf rund 700 Milliarden angehoben. Die Unternehmen geben bereits die gesamten freien Cashflows für die KI-Wertschöpfung aus. Ob weitere Investitionen vom Markt positiv aufgenommen werden, ist daher keine ausgemachte Sache.
Stimmungsindikatoren zwischen Angebotsengpässen und Nachfrageflaute
Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes (PMIs) des Verarbeitenden Gewerbes für April fielen in den USA, der Eurozone, Großbritannien und Japan überraschend robust aus. Ein wesentlicher Grund hierfür dürfte jedoch weniger eine tatsächliche Belebung der Absatzmärkte sein als vielmehr die deutliche Verlängerung der Lieferzeiten. Diese stützen den PMI technisch, da sie unter normalen Bedingungen als Hinweis auf hohe Endnachfrage gelten. Aktuell spiegeln sie jedoch vor allem Angebotsstörungen infolge des Golf-Konflikts sowie einen vorsorglichen Lageraufbau wider, mit dem sich Industrieunternehmen gegen mögliche Lieferkettenprobleme absichern – ein aus der Zeit der Corona-Pandemie bekanntes Muster. Ein Teil der signalisierten industriellen Stärke dürfte daher überzeichnet sein und einer sich selbst verstärkenden Dynamik folgen. Gegen eine echte Nachfragebeschleunigung sprechen auch die von den befragten Unternehmen angegebenen stagnierenden oder rückläufigen Auftragseingänge aus dem In- und Ausland. Für den weiteren Verlauf werden neben Dauer und Ausmaß möglicher Engpässe vor allem die Fähigkeit der Unternehmen sein, alternative Lieferketten zu etablieren. Multinationale Konzerne mit Marktmacht und integrierten Beschaffungsstrukturen dürften hierbei im Vorteil sein.
Vor diesem Hintergrund liefern die Vorabschätzungen der PMIs für den Dienstleistungssektor ein ergänzendes Bild der konjunkturellen Lage, da sie stärker von der binnenwirtschaftlichen Nachfrage und weniger von lieferkettenbedingten Sondereffekten geprägt sind. In den USA signalisierten die Vorabschätzungen der PMIs für den Dienstleistungssektor im April eine Erholung nach dem zwischenzeitlichen Rückgang im März. Der Richtungswechsel deutet weniger auf eine ausgeprägte Nachfragestärkung als vielmehr auf eine Anpassung der Unternehmen an die energiebedingten Kostenschocks hin. Neue Aufträge stabilisierten sich, während höhere Energiekosten in steigende Verkaufspreise mündeten. In der Eurozone entwickelte sich die Lage dagegen deutlich schwächer. Hier fiel der Dienstleistungs‑PMI im April von 50,2 auf 47,4 Punkte, nachdem bereits im März eine spürbare Abschwächung eingesetzt hatte. In der Eurozone schlug der energiegetriebene Kostenanstieg aufgrund der hohen Importabhängigkeit stärker auf die real verfügbaren Einkommen durch und führte damit nicht nur zu höherem Preisdruck, sondern auch zu einem Nachfragerückgang. Die Divergenz zu den USA unterstreicht die insgesamt stärkere konjunkturelle Verwundbarkeit Europas gegenüber hohen Energiepreisen.
Höhere Energiepreise treiben Inflation in Japan
Die Inflation in Japan stieg im Jahresvergleich von 1,3 auf 1,5 Prozent. Die Kerninflation ohne frische Lebensmittel legte von 1,6 auf 1,8 Prozent zu, während die Kern-Kerninflation – die zusätzlich Energie ausschließt – von 2,5 auf 2,4 Prozent sank. Treiber waren die durch den Iran-Konflikt ausgelösten höheren Benzinpreise. Staatliche Zuschüsse mildern die Auswirkungen der Preissteigerungen teilweise, können die Auswirkungen jedoch nicht vollständig verhindern. Mittelfristig dürfte der durch den Iran-Konflikt verursachte Kostendruck die Preise für zahlreiche Güter steigen lassen. Der Iran-Konflikt und die damit verbundenen Unsicherheiten stellen eine Herausforderung für die Zinspolitik der Bank of Japan dar. Einerseits besteht das Risiko einer beschleunigten Inflation. Andererseits ergeben sich Abwärtsrisiken für die japanische Wirtschaft, die durch Zinsanhebungen verstärkt werden könnten. Die Bank of Japan dürfte auf ihrer heutigen Sitzung zwar Entschlossenheit signalisieren, bei steigendem Preisdruck zu reagieren. Die Märkte erwarten im Konsens jedoch nun, dass der Leitzins erst im September von 0,75 auf 1,00 Prozent steigen könnte – einen Monat später als noch vor dem Iran-Konflikt angenommen.
Ausschüttungen 2026: Dividendenrendite ist nicht alles
Hohe Dividendenrenditen wirken attraktiv – doch dahinter kann mehr Risiko stecken, als die Kennzahl vermuten lässt: etwa wenn Ausschüttungen nicht aus laufenden Gewinnen, sondern aus der Substanz finanziert werden oder wenn die Rendite nur steigt, weil Kurse zuvor stark gefallen sind. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich erklären, welche Qualitätsmerkmale zählen, wie Dividendenaristokraten einzuordnen sind und warum Fonds helfen können – aber nicht jeden Fallstrick automatisch vermeiden.
Zahl des Tages: 19
In der späten Kreidezeit streiften nicht nur riesige Saurier über die Kontinente, auch in den Ozeanen tummelten sich erstaunliche Kreaturen. Haie und Meeressaurier erreichten gewaltige Dimensionen – doch alle wurden möglicherweise von einem wirbellosen Raubtier übertroffen. Nanaimoteuthis haggarti, ein gigantischer Oktopus, lebte vor etwa 100 bis 72 Millionen Jahren und könnte eine Länge von bis zu 19 Metern erreicht haben. Das hat ein Team um Shin Ikegami von der Hokkaido University in Japan anhand fossiler Oktopuskiefer berechnet. Abnutzungsspuren auf den Kiefern deuten darauf hin, dass Nanaimoteuthis ein aktiver Fleischfresser war, der harte Schalen und Knochen zermalmen konnte – und als Spitzenprädator wohl auch Jagd auf größere Beutetiere machte.
Denken Sie heute groß.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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