PERSPEKTIVEN am Morgen

Starten Sie gut informiert
in den Tag

Aktuelle Einschätzungen zu Märkten und Branchen.
Jetzt lesen oder jeden Morgen um 7.00 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

30. Oktober 2020

Liebe Leser,

die Kreditnachfrage der Unternehmen in der Eurozone lässt im dritten Quartal nach, die Berichtssaison europäischer Banken kann bisher überzeugen, und Peking stellt den neuen Fünfjahresplan für China vor.


EZB-Umfrage: Kreditnachfrage lässt im dritten Quartal nach

Die Kreditnachfrage der Unternehmen hat im dritten Quartal nachgelassen – das ergab eine regelmäßige EZB-Umfrage unter den Banken der Eurozone. 37 Prozent der Banken vermeldeten einen Nachfragerückgang im Vergleich zum Vorquartal. Nach der Rekordnachfrage im zweiten Quartal – in dem sich 72 Prozent einem Nachfrageanstieg gegenübersahen – und in Anbetracht der anhaltenden Krise stellt dies allerdings eine positive Nachricht dar. Denn der Bedarf der Unternehmen an Notfallkapital zur Kompensation von Einnahmerückgängen scheint sich verringert zu haben. Zwar gab der Großteil der Banken an, ihre Kreditvergabestandards im dritten Quartal verschärft zu haben und dies auch für das laufende Quartal zu planen. Eine Belastung der wirtschaftlichen Erholung und der Aktienmärkte durch eine geringe Kreditvergabe erwarte ich allerdings nicht. Denn die Banken bestätigten die stützende Wirkung der Anleihekäufe sowie der TLTRO-Maßnahmen durch die EZB. Zwar nahmen Europas Währungshüter auf ihrer gestrigen Sitzung noch keine weiteren geldpolitischen Lockerungen vor. Allerdings betonten sie, dass sie die aktuellen Entwicklungen genau beobachten und mit all ihren Instrumenten sicherstellen werden, dass die Finanzierungsbedingungen weiterhin günstig bleiben.


Berichtssaison Europa: Banken überzeugen

Die Berichtssaison europäischer Banken konnte bisher überzeugen; die Gewinne lagen im Schnitt rund zehn Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Erwartungen der Analysten wurden damit bisher deutlich übertroffen. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass die Institute weniger Mittel für Kreditausfälle zurückgestellt haben und ihre Kosten überraschend deutlich senken konnten. Zudem lief das Kapitalmarktgeschäft besser als erwartet. Trotz der guten Quartalszahlen konnten sich auch Bankaktien nicht gegen den Rücksetzer am europäischen Aktienmarkt in dieser Woche behaupten. Unter Anlegern überwogen die Sorgen, die neuen Lockdown-Maßnahmen könnten die europäische Wirtschaftserholung gefährden und die Kreditausfälle könnten zunehmen. Diese Sorgen teile ich jedoch nur begrenzt. Die Maßnahmen dürften die Erholung zwar kurzfristig dämpfen, werden sie aber nicht ausbremsen. Vor diesem Hintergrund halte ich Bankaktien, die stark von der europäischen Konjunktur abhängen, für entsprechend risikobereite „Value“- beziehungsweise Substanzwert-Investoren für interessant. Keine Branche ist günstiger bewertet: Banken werden derzeit nur noch mit 40 Prozent ihres Buchwerts gehandelt. Kurzfristig können die US-Präsidentschaftswahl sowie die Entwicklungen rund um das Coronavirus jedoch noch für weiteren Gegenwind sorgen.


Peking stellt neuen Fünfjahresplan vor

In Peking sind gestern die viertägigen Beratungen der Kommunistischen Partei Chinas über den 14. Fünfjahresplan zu Ende gegangen. Dieser wird zwar erst im März 2021 auf der Jahrestagung des Volkskongresses formell abgesegnet, erste Eckpunkte wurden in einem Kommuniqué aber bereits gestern bekannt gegeben. Die Regierung strebt an, die Technologieunabhängigkeit und die wirtschaftliche Autonomie des Landes weiter voranzutreiben. Zwar ist geplant, den chinesischen Markt weiter zu öffnen; zeitgleich soll aber die heimische Nachfrage gestärkt werden, um hierdurch die Wirtschaftsleistung zu erhöhen. Ein konkretes Wachstumsziel wurde nicht genannt, das Plenum des Zentralkomitees verweist stattdessen auf die Absicht, die Entwicklung des Landes zukünftig nachhaltig und qualitativ hochwertig zu gestalten.


Zentralbanken halten sich bei Gold zurück

Erstmals seit zehn Jahren waren Zentralbanken im dritten Quartal Nettoverkäufer von Gold. Nachdem im dritten Quartal 2019 von Notenbanken noch knapp 142 Tonnen Gold erworben worden waren, verkauften sie im vergangenen Quartal netto zwölf Tonnen. Verkäufer waren: Usbekistan mit 35 Tonnen, die Türkei mit 22 Tonnen und Russland. Auch die physischen Nachfrager schwächelten und kauften so wenig Schmuckgold wie zuletzt 2009: Während in China nur etwas weniger Gold gekauft wurde, sackte die Schmucknachfrage in Indien um 50 Prozent ab. Immerhin erwarben Investoren 21 Prozent mehr an Münzen und Barren als im dritten Quartal des Vorjahres. Die Produzenten förderten derweil wegen pandemiebedingter Unterbrechungen drei Prozent weniger. Im Oktober handelte der Goldpreis fast ausschließlich entgegengesetzt zum Kurs des US-Dollars: Stieg dieser an, fiel der Goldpreis, da der Golderwerb in Ländern außerhalb der USA teurer wurde.

Schließlich ist Gold 2020 mehrfach unangenehm aufgefallen, da in stark negativen Aktienmarktphasen auch die Goldpreise unter Druck geraten sind – im März sowie am Mittwoch. Als wirkliche Absicherung dient das Edelmetall daher nur bedingt.


Berichtssaison: gute Zahlen, fehlende Prognosen

Die Berichtssaison in den USA zum dritten Quartal nimmt langsam Fahrt auf. Im Vergleich zum Vorjahr fällt die Bilanz allerdings düster aus; bisher liegen die Gewinne etwa 15 Prozent niedriger als im dritten Quartal 2019. Welchen Einfluss das auf die Märkte hat, diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge von PERSPEKTIVEN To Go.


Zahl des Tages: 600

Die Deutschen sind fleißige Sparer, aber sie profitieren immer weniger davon. In den Jahren 2006 bis 2008 haben deutsche Kreditinstitute einjährige Spareinlagen noch mit durchschnittlich 2,15 Prozent pro Jahr verzinst, doch bis heute ist dieser Zinssatz praktisch auf null Prozent gefallen. Die Folge: Ein Sparkonto über 30.000 Euro würde heute jährlich rund 600 Euro Zinsen weniger einbringen als im Vergleichszeitraum. Und ein rasches Ende der Niedrigzinsphase ist nicht in Sicht. Ich empfehle deshalb allen Sparern, im Rahmen ihrer Risikobereitschaft über ertragsstärkere Vermögensanlagen nachzudenken – vielleicht aus Anlass des heutigen Weltspartages, der viel eher ein „WeltAnlageTag“ sein sollte. 

Ich wünsche Ihnen einen ertragreichen Tag.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan
Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden


"PERSPEKTIVEN am Morgen" - Newsletter

Erhalten Sie jeden Morgen den Marktkommentar als E-Mail direkt in Ihren Postkorb.

Anrede

Mit der Registrierung habe ich die Datenschutzbestimmungen der Deutschen Bank zur Kenntnis genommen.

Dr. Ulrich Stephan

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Sie erhalten nach der Registrierung eine E-Mail an die von Ihnen angegebene Adresse. Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung mit dem dort enthaltenen Link.

Sie können sich jeder Zeit, zum Beispiel in jeder E-Mail-Ausgabe von "PERSPEKTIVEN am Morgen", wieder abmelden. Es besteht kein Rechtsanspruch auf den täglichen Erhalt des Newsletters.

Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.

HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)