21. Januar 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
Trumps neue Zollankündigung bewegt die Devisenmärkte, Chinas Rekordhandelsüberschuss stützt Wirtschaft und Aktienmärkte, und die Schwedische Krone bleibt trotz Zolldrohungen robust.
Neue US-Zölle: Euro steigt, Yen schwächelt, Franken glänzt
Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, zusätzliche Importzölle auf Waren aus acht europäischen Staaten zu erheben, hat auch an den Währungsmärkten für Kursbewegungen gesorgt. Vor allem der Schweizer Franken war als „sicherer Hafen“ gefragt, während der Yen aufgrund der Turbulenzen an den Märkten für japanische Staatsanleihen in der Defensive blieb. Etwas kontraintuitiv wertete der Euro zum US-Dollar auf ein Zweieinhalb-Wochen-Hoch auf. Insbesondere an den Optionsmärkten positionierten sich die Marktakteure in Richtung weiterer Kursgewinne des Euros: Optionen, die an Wert gewinnen, falls der Euro weiter zum US-Dollar zulegen sollte, waren stark nachgefragt. Das dahinterstehende Narrativ ist die Annahme, dass ein weiter eskalierender Handelskonflikt ausländische Investoren dazu veranlassen könnte, US-Dollar-Anlagen – vor allem US-Staatsanleihen – zur Diversifikation zu verkaufen. Dies würde mittelfristig den US-Dollar schwächen. Der Euro/US-Dollar-Kurs dürfte kurzfristig den Entwicklungen im Zollkonflikt folgen.
Rekordhandelsüberschuss stützt Chinas Wirtschaft
Die chinesische Wirtschaft wuchs im vierten Quartal 2025 um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und im Gesamtjahr 2025 um 5,0 Prozent. Die Divergenz zwischen gesamtwirtschaftlichem Angebot und heimischer Güternachfrage setzte sich im Dezember fort. Während die Einzelhandelsumsätze und die private Kreditnachfrage enttäuschten, beschleunigte sich das Wachstum der Industrieproduktion auf 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dabei profitierten Unternehmen der Branchen Pharma, Computer und Elektronik in besonderem Maße von einer starken Auslandsnachfrage. Für das Gesamtjahr 2025 verzeichnete China einen Rekordhandelsüberschuss von fast 1,2 Billionen US-Dollar. Im bisherigen Wochenverlauf notiert der Hongkonger Hang Seng Index in einem insgesamt risikoaversen Marktumfeld etwa ein Prozentpunkt schwächer als der CSI 300, der die großen Festlandbörsen Chinas abbildet.
Mittelfristig könnten beide Indizes von den bereits angekündigten und noch erwarteten Wachstumsinitiativen Pekings profitieren: die Festlandmärkte aufgrund ihrer stärkeren Gewichtung von Industrieunternehmen eher von angebotsorientierten Stimuli in strategischen Schlüsselindustrien, die in Hongkong notierten Internetfirmen und Kommunikationsdienstleister vornehmlich von einer angestrebten Verbesserung der Binnennachfrage.
Trotz US-Zolldrohung: Schwedische Krone dürfte Höhenflug fortsetzen
Die Mehrzahl der Analysten erwartet, dass die Schwedische Krone ihren beeindruckenden Zugewinn 2025 auch 2026 fortsetzen wird – trotz der Nachrichten über potenzielle US-Zölle von zehn Prozent gegenüber Schweden, Norwegen und weiteren europäischen Ländern ab dem 1. Februar. Als Grund für die anhaltende Stärke der Schwedischen Krone wird primär ein prognostizierter Anstieg des schwedischen Bruttoinlandsprodukts oberhalb des Potenzialwachstums genannt: Die Europäische Kommission erwartet für 2026 ein Plus von 2,6 Prozent – unterstützt vor allem durch eine robuste externe Nachfrage infolge steigender globaler Verteidigungsausgaben sowie einer moderaten Erholung der Eurozone. Hinzu kommen neue fiskalische Maßnahmen der schwedischen Regierung sowie ein nach mehreren Leitzinssenkungen der Notenbank niedrigeres Zinsniveau, das die Binnenkonjunktur beleben dürfte. Gleichwohl bestehen Risiken: Sollte die Erholung der Nachfrage aus der Eurozone schleppender als erwartet voranschreiten oder die drohenden US-Zölle tatsächlich implementiert werden, könnte die Schwedische Krone mittelfristig gegenüber dem Euro moderat abwerten.
Die Auswirkungen möglicher US-Zölle könnten die Norwegische Krone möglicherweise geringer als die Schwedische Krone belasten, da das Exportvolumen gen USA geringer ist. Analysten erwarten jedoch, dass die Norwegische Krone sich zum Euro schwächer entwickeln dürfte als die Schwedische. Ein wesentlicher Grund: Die Norwegische Krone dürfte weniger von einem potenziellen Trend zur Diversifizierung aus US-Dollar-Anlagen heraus profitieren, da ein Großteil der norwegischen Auslandsvermögen im staatlichen Pensionsfonds angelegt ist. Dessen Anlagen dürfen laut Statut nicht in Norwegische Kronen konvertiert werden. Die Fundamentaldaten Norwegens bleiben solide: Die robuste inländische Konjunktur sowie der erwartete Aufschwung der Wirtschaftsaktivität aufgrund der fiskalischen Impulse in der Eurozone sprechen dafür, dass die Norwegische Krone 2026 Rückenwind erhalten sollte. Des Weiteren dürfte sich die Entwicklung jedoch nicht völlig von der Preisentwicklung an den Erdöl- und Erdgasmärkten – den Hauptexportgütern Norwegens – abkoppeln können.
Privatmärkte: Zugang, Chancen und Risiken
Geldanlage an Privatmärkten (darunter „Private Equity“) gewinnt an Bedeutung – doch was steckt dahinter? Über neue regulatorische Rahmenbedingungen, Potenziale für Risikostreuung und die besonderen Anforderungen dieser Anlageklasse sprechen Ramona Rückbeil, Leiterin Anlagestrategie für Alternative Investments und Economics, und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer in der aktuellen Folge von PERSPEKTIVEN To Go.
Zahl des Tages: 9
Vier der jüngsten Weltraumfahrer Chinas tragen die Namen 6, 98, 154 und 186. Es handelt sich um Mäuse, die im Oktober auf die Weltraumstation Shenzhou-21 gebracht wurden und nach zwei Wochen in annähernder Schwerelosigkeit gesund auf die Erde zurückkehrten. Hier brachte eine der Mäuse neun Jungtiere zur Welt, durchaus zur Freude der verantwortlichen Wissenschaftler. Denn die Nager weisen viele genetische Übereinstimmungen mit Menschen auf und reagieren ähnlich auf körperlichen Stress. Wenn ihre Reproduktionsfähigkeit nach einem Aufenthalt im All erhalten bleibt, könnte dies auch für künftige Langzeitmissionen mit menschlichen Astronauten von Bedeutung sein.
Ich wünsche Ihnen einen fruchtbaren Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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