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18. Januar 2021

Liebe Leser,

kleinere Kurskorrekturen in den kommenden Wochen werden wahrscheinlich, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen befindet sich im Aufwärtstrend, und das Aufwärtspotenzial für Gold scheint begrenzt.


Aktien: Korrekturen, aber kein Crash

Zyklen am Aktienmarkt verlaufen häufig nach dem gleichen Muster. So auch dieses Mal: Auf die „Verzweiflungsphase“, in der die Rezession infolge der Coronavirus-Pandemie Unternehmensgewinne und Börsenkurse in die Tiefe gerissen hatte, folgte die „Hoffnungsphase“. Die Anleger blickten über die gegenwärtige Verfassung der Wirtschaft und der Unternehmen hinweg und preisten die Gewinnerholung ein. Die Börse haussierte, ein neuer Bullenmarkt war geboren. Nun steht allerdings der schwierige Übergang in die sogenannte Wachstumsphase an, in der die Unternehmen ihre Gewinne steigern und in ihre Bewertungen „hineinwachsen“. Diese dauert durchschnittlich 50 Monate und wird anfänglich meist von Rücksetzern und erhöhten Marktschwankungen begleitet, wenn sich unter Anlegern angesichts der hohen Bewertungen Zweifel breitmachen, ob die Konjunktur- und Gewinntiefs tatsächlich überwunden sind. In diesem Zyklus wird es vermutlich nicht anders sein. Entsprechend halte ich kleinere Korrekturen in den kommenden Wochen für wahrscheinlich. Grundsätzlich ist der Aktienzyklus jedoch intakt und der Bullenmarkt kann noch etwas weiterlaufen.


US-Renditen: Aufwärtstrend könnte sich fortsetzen

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen befindet sich seit Jahresbeginn im Aufwärtstrend. Nachdem sie erstmals seit Beginn der Coronavirus-Pandemie die Einprozentmarke überschritt, hat sie sich inzwischen bei rund 1,1 Prozent stabilisiert. Der Grund: Der designierte US-Präsident Joe Biden will die US-Wirtschaft mit weiteren Hilfen in Höhe von 1,9 Billionen US-Dollar unterstützen. Das sorgt am Markt jedoch nicht nur für Konjunkturoptimismus, sondern auch für Erwartungen einer steigenden Inflation. Die inflationsbereinigte Rendite – also die Rendite abzüglich der Inflationserwartung – verblieb deshalb bisher weitestgehend unverändert bei rund minus 1,0 Prozent. In den kommenden Wochen könnte allerdings auch diese reale Rendite im Zuge der fortschreitenden Konjunkturnormalisierung wieder zulegen und den Aufwärtsdruck auf die Renditen verstärken. Da die US-Notenbank vor dem Hintergrund einer wiedererstarkten Konjunkturdynamik in der zweiten Jahreshälfte über eine Straffung ihrer Geldpolitik nachdenkt und einen moderaten Renditeanstieg dulden dürfte, sehe ich noch weiteres Potenzial für Renditeanstiege bei Anleihen.


Gold: Preisanstieg von US-Renditen ausgebremst

Die Goldpreise waren Anfang Januar noch auf ein Zwei-Monats-Hoch bei knapp 1.960 US-Dollar je Feinunze geklettert; nur drei Tage später notierten sie unter 1.820 US-Dollar je Feinunze. Der Grund hierfür könnte die Entwicklung der US-Renditen sein.

Zudem stiegen die Realzinsen – also die aktuellen Marktrenditen im Verhältnis zu den Inflationserwartungen – insbesondere in den USA von ihren Tiefs deutlich an. Die Goldpreise erholten sich jedoch schnell, da der US-Dollar auf neue zyklische Tiefstände fiel und somit den Goldkauf außerhalb der USA verbilligte. Zudem dürfte die Geldpolitik der Zentralbanken weltweit auf längere Sicht sehr expansiv bleiben, weshalb einige Investoren Gold nun wieder vermehrt als „Inflationsschutz“ nachfragen. Eine starke Konjunkturbelebung insbesondere in Schwellenländern könnte zur Jahresmitte 2021 auch die Kauflaune der physischen Investoren wiederbeleben, allerdings zuvor für weitere Umschichtungen von Gold in Aktienmärkte sorgen. Kurspotenzial für Gold könnte somit eher mittelfristig bestehen.

Die US-Notenbank Fed hatte mittels Leitzinsen auf Niedrigniveau und Anleiheankäufen in großem Stil die Goldpreise in den vergangenen Monaten gestützt. In den vergangenen Tagen hatten nun Äußerungen einiger Mitglieder der US-Notenbank, dass die Anleiheankäufe der Fed früher als aktuell erwartet reduziert oder gar eingestellt werden könnten, für Verunsicherung gesorgt. Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen stiegen auf ein Elf-Monats-Hoch, woraufhin Gold – das weder Zins noch Dividende abwirft – unter Druck geriet. Sollten die US-Renditen auf dem aktuellen Niveau verharren oder gar weiter ansteigen, dürfte das Aufwärtspotenzial für Gold vorerst begrenzt sein.


Halbleiter: Nachfrage steigt

Die Halbleiternachfrage hat in den vergangenen Monaten spürbar an Dynamik gewonnen. Während der Bedarf an Halbleitern für Homeoffice- und Homeschooling-Geräte wie Computer nicht abgerissen ist, erholt sich nun die Nachfrage aus der Smartphone- und aus der Autoindustrie schneller als erwartet. Grund sind neue 5G-fähige Modelle sowie Kaufprämien für Elektrowagen. Einige Autobauer sahen sich bereits gezwungen, ihre Produktion aus Mangel an Halbleitern zu stoppen; zudem sorgte der Nachfrageüberhang für einen Anstieg der Preise von Vorprodukten wie etwa Wafern – Grundplatten, auf denen integrierte Schaltkreise hergestellt werden. Halbleiterproduzenten, die ihre Kapazitäten schnell erhöhen können, dürften von dieser Entwicklung besonders profitieren und im laufenden Quartal überdurchschnittlich hohe Gewinne einfahren. Entsprechende Geschäftsausblicke während der anstehenden Berichtssaison dürften an den Aktienmärkten honoriert werden.


Was Anleger 2021 wissen sollten

Die Coronavirus-Pandemie prägte 2020 und dürfte uns auch im neuen Jahr begleiten. Welche Richtung die Kapitalmärkte einschlagen, wird in hohem Maße auch von der Politik abhängen. Hier sind 10 Prognosen von Chef-Anlagestratege Dr. Ulrich Stephan für 2021, die Anleger kennen sollten.


Zahl des Tages: 200.000.000

Wo werden unsere fernen Nachkommen leben? Der NASA-Geophysiker Michael Way hat künftige Kontinentalverschiebungen am Computer simuliert, um das herauszufinden. Sein Ergebnis: In 200 Millionen Jahren könnten sich fast alle Landmassen der Erde zu einem Superkontinent „Amasia“ am Nordpol verbinden. Das Klima würde dann deutlich abkühlen, und der Kontinent wäre von Schnee bedeckt. Ganz sicher ist das freilich nicht: Ein alternatives Szenario führt zu einem trockenen Superkontinent „Aurica“ am Äquator. 

Denken Sie heute langfristig. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden


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