3. Februar 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
Deutschlands Wirtschaft überrascht positiv, Griechenland könnte bald vom MSCI als „Industrieland“ klassifiziert werden, und US-Großkonzerne präsentieren sich in der Berichtssaison erneut stark.
Überraschender Jahresendspurt: Deutschland vermeidet Rezession – Ausblick hellt sich auf
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) überraschte zum Jahresende positiv und wuchs im vierten Quartal 2025 um 0,4 Prozent, nachdem es im dritten Quartal stagniert hatte. Für das Gesamtjahr 2025 ergibt sich ein Zuwachs um 0,2 Prozent. Getrieben wurde die Entwicklung vor allem durch eine stärkere Konsumtätigkeit der privaten Haushalte und des Staates. Die Bundesausgaben zogen zum Jahresende an. Dennoch lag das Haushaltsdefizit 2025 mit 110 Milliarden Euro deutlich unter dem von der Bundesregierung angestrebten Zielwert von 143 Milliarden Euro. Dies schafft mit Blick nach vorn zusätzlichen fiskalischen Spielraum. Entsprechend rechnet der Internationale Währungsfonds in diesem und im kommenden Jahr mit einer stetigen konjunkturellen Erholung und einem Wachstum von 1,1 beziehungsweise 1,5 Prozent. Davon sollten besonders Unternehmen mit starkem Deutschlandgeschäft profitieren. Das für die kommenden zwölf Monate erwartete Gewinnwachstum der im MDAX gelisteten Unternehmen liegt für 2026 bei 9,4 Prozent – für 2027 sogar doppelt so hoch.
MSCI prüft Hochstufung: Griechenland könnte zum Industrieland werden
Der Indexanbieter MSCI könnte Griechenland schon bald vom „Schwellenland“ zum „Industrieland“ hochstufen. Eine Prüfung wurde eingeleitet. Die Entscheidung ist bis Ende März, eine Umsetzung bis August 2026 geplant. Die Chancen stehen gut, auch dank der starken Börsenentwicklung: Der MSCI Greece Index legte 2025 inklusive Dividenden über 60 Prozent zu und liegt dieses Jahr erneut vor dem europäischen Industrieländerindex MSCI Europe.
Dennoch ist die Hochstufung umstritten. Analysten rechnen mit passiven Nettoabflüssen, da einige Unternehmen vollständig aus den MSCI-Indizes herausfallen würden und der griechische Aktienmarkt im MSCI Europe nur rund 0,4 Prozent Gewicht hätte. Fundamentale Daten sprechen jedoch für das Land: Dank EU-Investitionen und privatem inländischen Konsum erwarten Analysten für dieses und nächstes Jahr rund zwei Prozent Wachstum – und damit spürbar mehr als im Euroraum-Durchschnitt. Insbesondere die Banken, die in den griechischen Indizes hoch gewichtet sind, profitieren vom stabilen wirtschaftlichen Umfeld. Sie stehen heute deutlich solider da als zur Eurokrise vor gut zehn Jahren, auch dank des derzeit starken Firmenkreditgeschäfts. Griechenland bleibt ein kleiner, aber zunehmend interessanter Markt und könnte für erfahrene Anleger einen Blick wert sein.
Berichtssaison USA: Drei Viertel der S&P-500-Unternehmen schlagen Erwartungen
Rund die Hälfte der Marktkapitalisierung des S&P 500 hat inzwischen Zahlen für das vierte Quartal vorgelegt – und erneut zeigt sich ein starkes Bild. Etwa drei Viertel der Unternehmen übertrafen die Gewinnerwartungen – das liegt über dem langfristigen Durchschnitt. Entsprechend haben sich die Analystenschätzungen für das durchschnittliche Gewinnwachstum im vierten Quartal bereits von ursprünglich neun auf aktuell rund elf Prozent verbessert. Die ersten Technologiekonzerne setzten erneut starke Akzente: Im Schnitt dürften die Gewinne je Aktie bei Technologieunternehmen im Jahresvergleich um rund 30 Prozent steigen. Finanzwerte und Kommunikationsdienstleister präsentierten sich ebenfalls robust. Besser als befürchtet zeigten sich bisweilen auch die Ergebnisse im Zyklischen Konsum. Obwohl die Gewinne des Sektors im Jahresvergleich stagnieren dürften, deutet dies auf einen widerstandsfähigen US-Konsum im vierten Quartal hin. Insgesamt reagierten Marktteilnehmer in dieser Berichtssaison verstärkt auf den Ausblick der Unternehmen, der sich ebenfalls robuster zeigt als historisch üblich zu Jahresbeginn. Während andere Marktfaktoren die US-Indizes derzeit stärker bewegen, sehe ich die laufende Berichtssaison als langfristig unterstützend für den US-Aktienmarkt.
Europas Öl- und Gasaktien starten stark ins Jahr
Europäische Öl- und Gasaktien sind mit einem Plus von rund neun Prozent freundlich in das neue Jahr gestartet. Treiber waren geopolitische Spannungen, die die Ölpreise stützten, sowie ein ungewöhnlich kalter Winter in Europa und Asien. In Kombination mit niedrigen Gasspeichern führte dies jüngst zu einem Anstieg der Gaspreise. Kurzfristig könnten diese Faktoren die Kurse weiter unterstützen. Mittelfristig droht jedoch Gegenwind: Einige Förderländer haben im vergangenen Jahr ihre Produktion ausgeweitet, was zu einem Angebotsüberschuss und niedrigeren Ölpreisen führen könnte. Um die eigene Bilanz zu schonen, dürften europäische Energieunternehmen daher angehalten sein, ihre Kapitalausschüttungen anzupassen. Während Analysten stabile Dividenden auch bei moderat niedrigeren Ölpreisen erwarten, könnten Aktienrückkäufe reduziert werden. Für das Jahr 2026 erwarten Analysten ein Zurückfahren der Rückkaufprogramme um mehr als 20 Prozent. Gleichzeitig wurden die Gewinnschätzungen je Aktie für 2026 in den vergangenen Monaten auf ein niedriges einstelliges Wachstum gesenkt. Vor diesem Hintergrund rechne ich beim europäischen Öl- und Gassektor nur mit begrenztem Kurspotenzial.
Welche Anlagefehler am meisten kosten – und warum sie so häufig passieren
Einige Fehlentscheidungen kommen Anlegern besonders teuer zu stehen: fehlende Strategie, falsches Risikoprofil, übertriebene Sektorfokussierung oder das Festhalten an Verlusten. Warum diese Fehler auftreten und wie Anleger diese vermeiden können, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.
Zahl des Tages: 10
Vor gut 57 Jahren sahen Menschen zum ersten Mal den Mond aus nächster Nähe. Was die Astronauten von Apollo 8 in den Weihnachtstagen 1968 erlebten, wiederholt sich bald unter neuen Vorzeichen: Frühestens an diesem Freitag soll das Raumschiff Orion der NASA mit einer vierköpfigen Crew zum Mond aufbrechen. Auf ihrer zehntägigen Reise werden die Weltraumfahrer den Mond wie ihre Vorgänger umrunden, Systeme testen und Daten für eine erneute Mondlandung sammeln. Im Jahr 2028 könnte es so weit sein – und erstmals könnte der Landeplatz dann am Südpol des Mondes liegen.
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Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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