PERSPEKTIVEN am Morgen

Starten Sie gut informiert
in den Tag

Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
Jeden Morgen um 7.00 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

08. April 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

der amerikanische Präsident stimmte in der vergangenen Nacht einer von Pakistan vermittelten Waffenruhe zu. Die USA greifen keine Infrastruktur in Iran an, dafür wird die Straße von Hormus mit sofortiger Wirkung vollständig geöffnet. Die Marktreaktion war entsprechend positiv: der japanische Aktienindex NIKKEI stieg um 5,5 Prozent, der koreanische KOSPI um fast sieben Prozent. Der US-Dollar fiel in Folge auf 4,24 Prozent sinkenden Renditen von US-Staatspapieren auf  fast 1,17. Schließlich erholte sich auch Gold um knapp vier Prozent auf 4.860 US-Dollar pro Unze. Auch in Deutschland sieht es mit einem DAX-Future bei über plus fünf Prozent nach einer sehr freundlichen Eröffnung aus.

Straße von Hormus – folgenschwere Transitgebühr 

Das Research-Haus Gavekal analysiert die Einführung einer faktischen „Transitgebühr“ durch die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus als neues geopolitisches und ökonomisches Risiko. Berichten zufolge gewährt das IRGC Schiffen „freundlicher“ Staaten nach Zahlung hoher Gebühren – teils bis zu zwei Millionen US‑Dollar pro Passage, abrechenbar in Renminbi oder Kryptowährungen – einen sicheren Transit, während andere Schiffe weiterhin Angriffen ausgesetzt sind. Die Zahl der durchfahrenden Handelsschiffe ist seit Kriegsbeginn drastisch eingebrochen. Begünstigt wird diese Entwicklung durch den potenziellen Rückzug der USA aus der Rolle des Garanten der freien Schifffahrt, wie es aktuelle Äußerungen von Präsident Donald Trump nahelegen. Sollte sich das Modell etablieren, hätte dies erhebliche langfristige Folgen. Für den Ölmarkt impliziert die Gebühr rechnerisch einen Aufschlag von rund fünf US‑Dollar pro Barrel für Golf-Öl und etwa einem US‑Dollar pro Barrel auf die globalen Benchmarks. Zudem entstünde für das IRGC ein potenzielles jährliches Zusatzeinkommen von bis zu 50 Milliarden US‑Dollar. Strukturell beschleunigt dies die Umgehung maritimer Engpässe durch neue Pipelineprojekte, schwächt Umschlagzentren am Persischen Golf und erhöht den Anreiz zur Diversifizierung von Energiequellen, insbesondere in Asien. Besonders gravierend ist jedoch der Präzedenzfall: Eine Duldung der Gebühren untergräbt das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen und könnte weltweit zu ähnlichen Abgaben an zentralen maritimen Nadelstellen führen – mit erheblichen Belastungen für den globalen Handel und das Wirtschaftswachstum.

US-Staatsanleihen unter Verkaufsdruck

Der jüngste Abbau von US‑Staatsanleihen durch ausländische Zentralbanken ist primär liquiditätsgetrieben. Laut Daten der Federal Reserve haben ausländische Zentralbanken seit dem 25. Februar ihre bei der New York Fed verwahrten US-Staatsanleihen‑Bestände um rund 82 Milliarden US-Dollar reduziert – mit zuletzt etwa 2,7 Billionen US-Dollar markieren die Bestände das niedrigste Niveau seit 2012. Die Verkäufe fallen zeitlich mit der Schließung der Straße von Hormus zusammen, die zu stark steigenden Energiepreisen geführt hat und damit insbesondere die Liquiditätslage energieimportabhängiger Länder unter Druck setzt. In diesem Umfeld dürfte der kurzfristige Bedarf an US‑Dollar‑Liquidität zur Finanzierung von Energieimporten und zur Stabilisierung der eigenen Währungen zunehmen, was Zentralbanken zu einem Abbau von US‑Staatsanleihen veranlasst. Darüber hinaus verstärkt die aktuelle Entwicklung den säkularen Trend internationaler Notenbanken zu einer graduellen Diversifikation weg von US‑Staatsanleihen. Auch wenn bislang keine abrupte Abkehr erkennbar ist, steigt die strukturelle Sensitivität des US‑Anleihemarktes gegenüber externen Schocks. Auch deshalb sollte der US-Dollar langfristig schwächer werden.

Value-Aktien: Substanz mit Rückenwind 

Seit Ende Oktober haben Substanzwerte in den Industrieländern deutlich besser abgeschnitten als Wachstumsaktien. Die Gesamtrendite des MSCI World Value liegt in diesem Zeitraum mehr als 15 Prozentpunkte vor der des MSCI World Growth. Substanzwerte stehen für niedrigere Bewertungen, vergleichsweise robuste Geschäftsmodelle und attraktive Dividendenrenditen. Höhere Bewertungen von Wachstumstiteln spiegeln hingegen die Erwartungen an starkes zukünftiges Gewinnwachstum wider. Bereits 2022 begünstigten steigende Zinsen, geopolitische Unsicherheit und Energiepreisschocks niedrig bewertete Aktien. 

Heute wirken ähnliche Kräfte: Energiepreise und Zinserwartungen ziehen an, hinzu kommen Zweifel von Marktteilnehmern an der Rentabilität hoher Zukunftsinvestitionen in Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Ein anhaltender Konflikt im Nahen Osten könnte Value-Aktien stützen. Für Anleger bleibt ein ausgewogenes Verhältnis beider Anlagestile sinnvoll, um Stabilität mit langfristigen Wachstumstrends zu verbinden.

Nahostkonflikt: Bleibt Gold auch unter Druck ein sicherer Hafen?

Noch kein Crash, aber die Angst davor wächst. Die Börse ist seit vergangenem Freitag im Korrekturmodus: Große Indizes haben von ihren Höchstständen mehr als zehn Prozent verloren. Und auch der Goldpreis ist zwischenzeitlich stark gefallen. Hat Gold noch die Funktion eines sicheren Hafens? Und wie können Anleger auf die Abkühlung an den Märkten reagieren? Diese und weitere Fragen diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.

Deutsche Industrie ist KI-Nachzügler 

Nur 17 Prozent der europäischen Industrieunternehmen nutzten 2025 Künstliche Intelligenz (KI) – zwar zweieinhalb Mal so viele wie 2023, aber immer noch unter dem sektorübergreifenden Durchschnitt von 20 Prozent. Große Unternehmen setzen KI dreimal häufiger ein als kleinere Betriebe. Besonders auffällig: Deutschland, Europas industrielles Kernland, liegt bei der Software-Kapitalausstattung seiner Industrie mit nur 2,1 Prozent der Bruttowertschöpfung weit unter dem EU-Durchschnitt von 6,3 Prozent. Kurz gesagt spart Deutschlands Industrie bei Softwareinvestitionen. Dabei ist das Potenzial enorm – von KI-gestützter Qualitätskontrolle über selbstlernende Roboter bis hin zu automatisierten Angebotsprozessen. Das größte Effizienzpotenzial liegt nicht im hochautomatisierten Kernprozess, sondern in den umgebenden Bereichen wie Logistik, Service und Verwaltung. Angesichts chronischen Fachkräftemangels ist die KI-Adoption kein Luxus, sondern Notwendigkeit.

Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • USA | Aus dem S&P 500 berichten Constellation Brands und Exxon Mobil.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 legen Industrie- und Sodexo-Zahlen vor.
  • Asien | Aus Japan berichten unter anderem Fast Retailing und Seven & I Holdings, aus Indien legt Tata Consultancy Zahlen vor.

Donnerstag

  • USA | Persönliche Konsumausgaben (PCE) im Februar. Die Märkte erwarten, dass die jährliche PCE-Inflation bei 2,8 Prozent stabil geblieben ist. Die Gesamt- und Kernrate der PCE-Inflation im Februar dürften die Zweitrundeneffekte auf die US-Wirtschaft infolge der jüngsten Eskalation im Nahen Osten noch nicht widerspiegeln, obwohl diese bereits Marktreaktionen ausgelöst hat. Während die PCE-Kernrate das von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsmaß ist, dürften die Märkte den am Freitag zur Veröffentlichung anstehenden Daten zur Gesamt- und Kerninflation der Verbraucherpreise größere Aufmerksamkeit schenken, da diese bereits die Preissteigerungen des März reflektieren dürften.

Freitag

  • USA | Gesamt- und Kerninflation der Verbraucherpreise im März. Die Veröffentlichung der Gesamt- und Kerninflation stellt die erste Datenerhebung seit Beginn der Eskalation im Nahen Osten Ende Februar dar. Analysten gehen derzeit davon aus, dass die jährliche Gesamtinflation von 2,4 Prozent im Februar auf 3,4 Prozent gestiegen ist und die Kerninflation von 2,5 Prozent auf 2,7 Prozent gestiegen ist. Bereits zuvor veröffentlichte Einkaufsmanagerdaten für das verarbeitende Gewerbe im März zeigen einen Anstieg der Inputpreise um 7,8 Prozentpunkte
  • China | Gesamt- und Kerninflation der Verbraucherpreise sowie Erzeugerpreisindex im März. Der Marktkonsens erwartet, dass die Gesamtinflation nach dem im Februar mit 1,3 Prozent höchsten Stand seit Januar 2023 ihren Abwärtstrend wieder aufnimmt und im März leicht auf 1,2 Prozent gesunken ist. Chinas Energiemix dürfte zahlreiche Reserven dazu beigetragen haben, die Wirtschaft weitgehend vor den anfänglichen Auswirkungen der globalen Energiepreisanstiege abzuschirmen. Gleich am Freitag wird der Erzeugerpreisindex für März veröffentlicht.

Zahl des Tages: 80–83

Im Jahr 2019 entdeckten Kletterer am Monte Conero an der Adriaküste über tausend ungewöhnliche Abdrücke auf einer Kalksteinplatte. Die Rillen und Vertiefungen sahen aus wie Flossenspuren – und genau das könnten sie sein, glauben jetzt italienische Forscher. Nach ihrer Analyse stammen die Abdrücke möglicherweise von Meeresschildkröten, die vor 80 bis 83 Millionen Jahren von einem Seebeben aufgeschreckt wurden. Für diese These spricht, dass die Spuren ursprünglich unter einer Sedimentschicht lagen – vielleicht Schlamm, der von dem Beben aufgewühlt wurde. Es bleiben Fragen: Sollten sich die Tiere bei Gefahr nicht eher schwimmend als laufend in Sicherheit gebracht haben? Weitere Forschung wird nötig sein, bevor sich das Bild einer urzeitlichen Schildkröten-Flucht verfestigt. 

Fragen Sie weiterhin nach und wägen ab. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

PERSPEKTIVEN am Morgen: Störung im Anmeldeprozess

Aktuell ist die Registrierung mit den Umlauten ö, ü, ä sowie mit ß nicht möglich. Sie können sich mit oe, ue, ae sowie mit ss weiterhin registrieren. 

Sollte auch das nicht funktionieren, wenden Sie sich an: perspektiven-am.morgen@db.com

"PERSPEKTIVEN am Morgen" - Newsletter

Erhalten Sie den Marktkommentar von Dr. Stephan jeden Morgen als E-Mail direkt in Ihren Postkorb.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Anrede

Mit der Registrierung habe ich die Datenschutzbestimmungen der Deutschen Bank zur Kenntnis genommen.

Dr. Ulrich Stephan

Sie erhalten nach der Registrierung eine E-Mail an die von Ihnen angegebene Adresse. Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung mit dem dort enthaltenen Link.

Sie können sich jeder Zeit, zum Beispiel in jeder E-Mail-Ausgabe von "PERSPEKTIVEN am Morgen", wieder abmelden. Es besteht kein Rechtsanspruch auf den täglichen Erhalt des Newsletters.

Das könnte Sie auch interessieren

Perspektiven Newsletter

PERSPEKTIVEN im Fokus

Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte

Perspektiven Podcast

PERSPEKTIVEN To Go

Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast

Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.

HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden das Video und die Verbindung zu YouTube erst nach einem Klick aktiv. Bereits beim Aktivieren des Videos werden personenbezogene Daten (IP-Adresse) an YouTube bzw. Google gesendet und gegebenenfalls auch dort gespeichert. Wenn Sie den Button "Video aktivieren" anklicken, wird ein Cookie auf Ihrem Computer gesetzt, sodass die Website weiß, dass Sie dem Anzeigen von eingebetteten Videos in Ihrem Browser zugestimmt haben. Weitere Details zu den von Google erhobenen Daten finden Sie unter https://policies.google.com/privacy.