29. Juli 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
der S&P 500 ist überraschend stark auf den Heimatmarkt ausgerichtet, die zuletzt schwächere Kursentwicklung europäischer Rüstungswerte hat Zweifel an der Nachhaltigkeit der politischen Unterstützung geweckt, und China unterstreicht erneut seine wachsende globale Bedeutung.
US-Aktien: global im Image, heimisch im Geschäft
Der S&P 500 ist trotz vieler globaler Technologiekonzerne überraschend stark auf den US-Heimatmarkt ausgerichtet. Weniger als ein Drittel der Umsätze und nur rund jeder achte US-Dollar an Gewinn werden außerhalb der USA erzielt. Zum Vergleich: Die Unternehmen des STOXX 600 erwirtschaften knapp 60 Prozent ihrer Umsätze außerhalb Europas. Entsprechend reagieren europäische Aktien häufig sensibler auf globale Konjunktursorgen. Die geografische Umsatzverteilung kann jedoch auch die relative Performance innerhalb des US-Marktes beeinflussen. Historisch gingen Phasen eines starken US-Dollars häufig mit einer Outperformance binnenorientierter Aktien, etwa aus dem Gesundheitsbereich, einher – nicht zuletzt aufgrund negativer Währungseffekte. Lässt die US-Dollar-Stärke nach, könnte sich die relative Entwicklung zugunsten international aufgestellter Sektoren wie Technologie verschieben.
EU-Verteidigungsausgaben steigen weiter: Umsetzung wird zur Schlüsselaufgabe
Die zuletzt schwächere Kursentwicklung europäischer Rüstungswerte hat Zweifel an der Nachhaltigkeit der politischen Unterstützung geweckt. Die Fundamentaldaten sprechen jedoch weiter für den Sektor: Laut Europäischer Verteidigungsagentur sollen die Verteidigungsausgaben der Europäischen Union (EU) 2026 auf 454 Milliarden Euro beziehungsweise 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen – der höchste Wert seit mehr als 30 Jahren. Umfangreiche Programme wie die SAFE-Fazilität über 150 Milliarden Euro sichern die Finanzierung. Die größeren Herausforderungen liegen nun in der Umsetzung: eine stärkere Koordinierung der Beschaffung zur Hebung von Skaleneffekten sowie höhere gemeinsame Investitionen in Forschung und Entwicklung. Sie sind entscheidend, um Innovationen, Produktivität und Wachstum auch in anderen Wirtschaftsbereichen anzustoßen.
Vom Nachzügler zum Aufsteiger: Südkoreanischer Won holt auf
Der Südkoreanische Won hat seit Anfang des Monats gegenüber dem US-Dollar rund fünf Prozent an Wert gewonnen.
Unterstützt wurde diese Entwicklung durch eine stärkere Nachfrage nach südkoreanischen Aktien, steigende Investitionen im Inland sowie Exporteure, die ihre Erlöse verstärkt in Won umtauschten. Dies markiert eine Trendwende gegenüber dem ersten Halbjahr, als der Südkoreanische Won trotz robuster Wirtschaftsdaten zu den schwächsten Währungen Asiens zählte. Zur damaligen Schwäche trugen unter anderem Absicherungsgeschäfte internationaler Investoren bei, die den Won zusätzlich belasteten. Mit Blick nach vorn dürfte sich die Aufwertung fortsetzen, wenn auch in einem moderateren Ausmaß. Dafür sprechen der hohe Handelsüberschuss, die kräftig gestiegenen Exporte, das robuste Wirtschaftswachstum sowie die jüngste Leitzinserhöhung der Bank of Korea um 0,25 Prozentpunkte auf 2,75 Prozent.
China forciert den Ausbau seines Technologieökosystems
China unterstreicht erneut seine wachsende globale Bedeutung. Während der Aufstieg seit den 1990er Jahren vor allem auf günstiger Produktion und Infrastrukturinvestitionen beruhte, richtet Peking den Fokus nun auf Zukunftstechnologien und Künstliche Intelligenz. Vor dem Hintergrund einer schwächeren Binnennachfrage, der anhaltenden Immobilienkrise und zusätzlicher wirtschaftlicher Belastungen durch den Nahostkonflikt setzt die chinesische Führung verstärkt auf technologische Wettbewerbsfähigkeit als strategischen Schwerpunkt und künftigen Wachstumsmotor. Dadurch entsteht ein eigenständiges Technologieökosystem, das den Vorsprung der USA zunehmend infrage stellt. Für Aktienanleger stellt sich damit weniger die Frage, ob China grundsätzlich ins Portfolio gehört, sondern vielmehr, welche chinesischen Unternehmen von diesem technologischen Strukturwandel profitieren können. Denn während viele binnenmarktorientierte zyklische Unternehmen unter strukturellen Belastungen leiden, bieten Technologie, Künstliche Intelligenz und die Halbleiterindustrie erhebliche Wachstumspotenziale.
Rohstoffe, KI, günstige Bewertungen: Lateinamerika im Aufwind
Die Schwellenländer sind zurück im Fokus der Anleger – und Lateinamerika gehört zu den Gewinnern. Dank der steigenden Nachfrage nach Kupfer, Lithium und anderen Rohstoffen profitiert die Region indirekt gleich mehrfach von den Megatrends Künstliche Intelligenz (KI), Elektrifizierung und Energiewende. Ist der Markt einen Blick wert? Darüber sprechen Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.
Zahl des Tages: 68, 84
So ein WM-Titel lohnt sich auch finanziell. Wie berichtet wird, darf sich jeder Spieler der spanischen Fußballnationalmannschaft über eine Prämie von mehr als 750.000 Euro freuen. Die Weltmeister Gavi und Fabian Ruiz erhielten sogar noch eine zusätzliche Auszeichnung: Die beiden Mittelfeldstars wurden für den Titelgewinn in ihrem Heimatort Los Palacios y Villafranca mit Tomaten aufgewogen. Gavi kam auf 68 Kilogramm der rötlichen Früchte, Fabian Ruiz auf 84 Kilogramm. Los Palacios y Villafranca mit seinen rund 40.000 Einwohnern kann damit gleich auf drei Fußballweltmeister stolz sein: Schon Rechtsaußen Jesús Navas aus dem siegreichen Team von 2010 stammt aus der andalusischen Gemeinde.
Ich wünsche Ihnen einen ausgezeichneten Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
Das könnte Sie auch interessieren
PERSPEKTIVEN im Fokus
Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte
PERSPEKTIVEN To Go
Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast
WICHTIGE HINWEISE:
Bei diesen Informationen handelt es sich um Werbung. Diese Texte genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Anlage- und Anlagestrategieempfehlungen oder Finanzanalysen. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor beziehungsweise nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die in diesem Text gemachten Angaben stellen keine Anlageempfehlung, Anlageberatung oder Handlungsempfehlung dar, sondern dienen ausschließlich der werblichen Information. Die Angaben ersetzen nicht eine auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers abgestimmte Beratung. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen.
Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden.
Die vollständigen Angaben zum jeweiligen Fonds sind dem Basisinformationsblatt und dem Verkaufsprospekt, ergänzt durch den jeweiligen letzten geprüften Jahresbericht und den jeweiligen Halbjahresbericht, falls ein solcher jüngeren Datums als der letzte Jahresbericht vorliegt, zu entnehmen. Diese Unterlagen stellen die allein verbindliche Grundlage des Kaufs von Anteilen des jeweiligen Fonds dar. Sie sind in elektronischer oder gedruckter Form kostenlos bei Ihrem Berater erhältlich. Weitere ausführliche allgemeine Informationen zu Investmentfonds enthält zudem die Broschüre „Basisinformation über Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen“, welche ebenso kostenlos bei Ihrem Berater erhältlich ist.
Jede Geldanlage ist mit Risiken verbunden. Es gibt keine Garantie und Marktschwankungen können zu Verlusten bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Über die speziellen Risiken eines Wertpapierprodukts informieren die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen. Wertentwicklungen in der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Sofern es in diesem Dokument nicht anders gekennzeichnet ist, geben alle Meinungsaussagen die aktuelle Einschätzung der Deutschen Bank wieder, die sich jederzeit ändern kann.
ZUM THEMA NACHHALTIGKEIT:
Derzeit fehlt es an einheitlichen Kriterien und einem einheitlichen Marktstandard zur Bewertung und Einordnung von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten als nachhaltig. Dies kann dazu führen, dass verschiedene Anbieter die Nachhaltigkeit von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten unterschiedlich bewerten. Zudem sind die gesetzlichen Vorgaben zur Offenlegung der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und zum Umgang mit dem Thema ESG (Environment = Umwelt, Social = Soziales, Governance = Unternehmensführung) und Sustainable Finance (nachhaltige Finanzwirtschaft) einem stetigen Wandel unterworfen. Die Auslegung der relevanten gesetzlichen Regelungen ist zudem nicht eindeutig und abschließend. All dies kann dazu führen, dass gegenwärtig als nachhaltig bezeichnete oder beworbene Finanzdienstleistungen und Finanzprodukte die künftigen gesetzlichen Anforderungen an die Qualifikation als nachhaltig oder als Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigend nicht erfüllen.
Soweit in dieser Marketinginformation von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Deutsche Bank AG, Taunusanlage 12, 60325 Frankfurt, Deutschland.
© Deutsche Bank AG 2026