16. Januar 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die deutsche Wirtschaft wächst 2025 erstmals seit zwei Jahren wieder, Europas Berichtssaison bleibt trotz starkem Euro solide, und der Ölpreis legt wegen Iran‑Spannungen trotz globalem Überangebot zu.
Deutschlands Industrie erholt sich: Aufträge steigen drei Monate in Folge
Die deutsche Wirtschaft ist im Jahr 2025 nach zwei Jahren der Rezession um 0,2 Prozent gegenüber Vorjahr gewachsen. Das Wachstum wurde dabei sowohl von öffentlichen als auch von privaten Konsumausgaben getragen, während schleppende Investitionen und Exporte das Wachstum gebremst haben. Industrieaufträge sind nun bereits drei Monate in Folge gestiegen. Der Anstieg im November war vor allem auf Großaufträge zurückzuführen. Dank des 2025 vereinbarten Fiskalpakets könnten solche Großaufträge im Jahr 2026 zur neuen Normalität werden, da die staatlichen Investitionspläne nun in großem Stil in der Wirtschaft ankommen dürften. Mit dem schnellen Ausbau der Kapazitäten der Verteidigungsindustrie in Deutschland besteht zudem eine Chance, dass ein erheblicher Teil der Verteidigungsausgaben bei deutschen Unternehmen im Inland verbleibt und nicht ins Ausland abfließt. Zusätzlich sollte die Regierungsentscheidung, die Energiekosten zu senken – sofern sie erfolgreich umgesetzt wird –, für weitere Entlastung sorgen. Analysten erwarten für die im MDAX gelisteten Unternehmen – die stärker am Binnenmarkt hängen – über 13 Prozent Gewinnwachstum in den nächsten zwölf Monaten.
Berichtssaison Europa: solide Ergebnisse trotz Gegenwind durch starken Euro
Die Ergebnisse der für das vierte Quartal berichtenden europäischen Unternehmen dürften solide ausfallen, wenngleich die Erwartungen verhalten sind. Analysten rechnen im Schnitt mit einem leichten Gewinnrückgang von rund einem Prozent. Der Grund: Der Euro war gegenüber dem US-Dollar im vierten Quartal rund neun Prozent stärker als im Vorjahresquartal – das schmälert Fremdwährungsgewinne europäischer Unternehmen. Industrie- und Gesundheitswerte belasten die Gewinnschätzungen auf Indexebene, während Finanzwerte laut Analysten dank robuster Konjunktur und weiterhin hoher Zinsmargen stützen dürften. Gleichzeitig befinden sich die mittelfristigen Gewinnerwartungen für europäische Unternehmen auf dem höchsten Stand seit 2021. Für 2026 und 2027 rechnen Analysten mit Gewinnanstiegen in Höhe von jeweils knapp zwölf Prozent. Aus meiner Sicht spricht vieles für eine solide Berichtssaison, auch dank besser als erwarteter Wirtschaftsdaten im vierten Quartal. Mittelfristig bleibt die Hürde für Gewinnanstiege, die über die Prognosen hinaus gehen, jedoch hoch. Mit positiven Gewinnrevisionen für den STOXX 600 im Jahresverlauf rechne ich nicht.
Ölpreis zieht an: Iran-Spannungen überlagern globales Überangebot
Rohöl der Nordseesorte Brent notiert aktuell bei etwa 64 US-Dollar je Barrel und ist damit rund fünf Prozent teurer als zu Jahresbeginn.
Hauptverantwortlich für den spürbaren Preisanstieg: die angespannte Lage im Iran und die daraus resultierenden geopolitischen Spannungen. Mit einer täglichen Ölförderung von knapp über vier Millionen Barrel steuert der Iran etwa fünf Prozent zum weltweiten Angebot bei – über 80 Prozent der iranischen Ölexporte gehen nach Asien. Eine weitere Eskalation des Konflikts könnte für weitere kurzfristige Preisschübe sorgen. Ein militärischer Konflikt könnte zu einer Unterbrechung der Rohöltransporte in der Straße von Hormus führen – an den Finanzmärkten wird diesem Risiko aber momentan eine höchstens moderate Wahrscheinlichkeit beigemessen. Der von US-Präsident Donald Trump angedrohte Strafzoll von 25 Prozent auf Importe aus Ländern, die mit dem Iran Handel treiben, birgt zusätzliche Risiken. Würde der Strafzoll tatsächlich in Kraft treten, dann könnte es für den Iran zunehmend schwer werden, Abnehmer zu finden – diese könnten sich vom Kauf iranischen Öls zurückziehen. Generell besteht aber weiterhin ein globales Überangebot an Öl, was mittelfristig die Preise wieder drücken könnte.
Starker Jahresauftakt in den VAE: MSCI Index profitiert von soliden Exportaussichten
Der MSCI United Arab Emirates verzeichnet mit einem Plus von knapp 2,5 Prozent einen robusten Jahresstart – trotz geopolitischer Spannungen im Nahen Osten. Die aktuelle geopolitische Lage könnte sich positiv auf die emiratischen Exporte auswirken, was der emiratischen Volkwirtschaft Rückenwind geben würde. Zum einen machen Ölexporte etwa ein Viertel der Gesamtexporte der Vereinten Arabischen Emirate (VAE) aus. Zum anderen haben die VAE ihre strategische geografische Lage am Arabischen Golf genutzt und sich in den vergangenen Jahren zu einem Logistik‑ und Handelsdrehkreuz entwickelt. In diesem Zusammenhang ist der Goldhandel für die VAE zunehmend wichtig geworden – rund ein Viertel der Exporte entfällt inzwischen auf Gold. Goldpreise profitieren von wachsenden geopolitischen Risiken, was zu höheren Margen im Goldhandel führt. Daher dürften die VAE selbst bei mittelfristig wieder sinkenden Ölpreisen weiterhin vom Goldhandel profitieren. Insgesamt dürfte sich ein günstiges Exportumfeld positiv auf die emiratische Konjunktur auswirken und damit grundsätzlich auch den Aktienmarkt unterstützen. Es bestehen jedoch weiterhin Risiken einer umfassenden militärischen Eskalation im Nahen Osten.
Gold und Silber 2026: „sicherer Hafen“ oder überhitzte Kurse?
Gold und Silber haben 2025 stark zugelegt – getrieben von Notenbankkäufen, geopolitischen Spannungen und einer hohen industriellen Nachfrage bei Silber. Wie geht es 2026 weiter? Und welche Entwicklungen sind bei Minenaktien und Seltenen Erden zu erwarten? Das ordnen Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts ein.
Zahl des Tages: 30
Kein kalter Kaffee ist die Idee, auf die Claudia Mayrhofer von der TU Graz bei der Suche nach einem neuen Kontrastmittel gekommen ist. Die Chemotechnikerin ließ sich von eingetrockneten Flecken in Kaffeetassen inspirieren und färbte Algen aus dem eigenen Aquarium mit Espresso ein, bevor sie sie unter das Elektronenmikroskop legte – mit überraschendem Erfolg. Spätere Versuche ergaben sehr gute Kontrastwerte bei einem Kaffee, der 30 Minuten lang gekocht wurde. Gut möglich, dass das Heißgetränk bei bestimmten Untersuchungen künftig das giftige und radioaktive Uranylacetat ersetzen könnte – als harmlose und günstige Alternative.
Ich wünsche Ihnen einen innovativen Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
PERSPEKTIVEN am Morgen: Störung im Anmeldeprozess
Aktuell ist die Registrierung mit den Umlauten ö, ü, ä sowie mit ß nicht möglich. Sie können sich mit oe, ue, ae sowie mit ss weiterhin registrieren.
Sollte auch das nicht funktionieren, wenden Sie sich an: perspektiven-am.morgen@db.com
Das könnte Sie auch interessieren
PERSPEKTIVEN im Fokus
Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte
PERSPEKTIVEN To Go
Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast
Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.
HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)