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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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15. Oktober 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

eine US-Zinsanhebung im Oktober erscheint deutlich wahrscheinlicher, der US-Private-Credit-Markt steht vor einer wachsenden Fälligkeitswelle, und die KI-Nachfrage treibt die Gewinne der chinesischen Tech-Industrie.

US-Zinspause auf der Kippe? Inflation liegt erneut über Erwartungen

Die US-Inflation beschleunigte sich im September weiter. Die jährliche Gesamtinflation stieg von 3,4 Prozent im August auf 3,7 Prozent und lag damit leicht über dem Marktkonsens von 3,6 Prozent. 

Gegenüber dem Vormonat erhöhte sich die Inflation um 0,6 Prozent nach 0,4 Prozent im August, wobei Kraftstoffpreise etwa die Hälfte des Anstiegs ausmachten. Auch die Kerninflation übertraf die Erwartungen und legte um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat beziehungsweise 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu – das deutet darauf hin, dass der Preisdruck nicht auf Kraftstoffpreise beschränkt blieb. Nach der Veröffentlichung eröffneten die US-Aktienmärkte schwächer, der US-Dollar wertete auf und die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen stiegen. Die an den Terminmärkten implizierte Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Federal Reserve um 0,25 Prozentpunkte auf ihrer Oktobersitzung sprang von rund 23 Prozent auf rund 54 Prozent.

Silver Economy: Warum die alternde US-Bevölkerung Anleger interessieren sollte

Die Alterung der US-Bevölkerung schreitet voran und macht ältere Amerikaner zu einer zunehmend wichtigen Wirtschaftskraft. Der Anteil der über 60-Jährigen ist seit 1995 um rund zehn Prozentpunkte auf 25 Prozent der Bevölkerung gestiegen und dürfte bis 2055 auf 30 Prozent zulegen. Treiber sind sinkende Geburtenraten, eine geringere Nettozuwanderung und die steigende Lebenserwartung. Im zweiten Quartal 2026 hielten Amerikaner über 70 rund ein Drittel des privaten Haushaltsvermögens und verfügen damit über erhebliche Kaufkraft. Die Konsumausgaben konzentrieren sich stärker auf Wohnen, Reisen und vor allem Gesundheit. Die Bevölkerungsalterung bleibt ein relevanter struktureller Trend für langfristig orientierte Anleger. Die steigende Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen könnte dabei selektive Anlagechancen eröffnen.

USA: Private-Credit-Markt vor großer Refinanzierungswelle

Der Private-Credit-Markt steht vor einer wachsenden Fälligkeitswelle: In den USA werden in den kommenden 2,5 Jahren rund 20 Prozent aller Kredite fällig, die von Business Development Companies (BDC) begeben wurden. BDC existieren ausschließlich in den USA und ihr Geschäftsmodell fokussiert sich auf die Finanzierung mittelständischer US-Unternehmen. Die auslaufenden Darlehen summieren sich auf knapp 120 Milliarden US-Dollar. Während einige bonitätsstärkere Unternehmen Fälligkeiten bereits verlängert haben, könnte der Anteil schwerer refinanzierbarer Kredite zunehmen – unter anderem durch die jüngsten Zinsanhebungen der Fed, geopolitische Unsicherheit, Zölle und den Aufstieg der Künstlichen Intelligenz. Eine ähnlich hohe Fälligkeitsquote mit knapp 20 Prozent aller BDC-Bestände gab es zuletzt 2020: Damals liefen binnen 2,5 Jahren rund 20 Milliarden US-Dollar aus. Heute ist das Volumen deutlich größer, die Kreditqualität jedoch besser. Während BDC nur einen kleinen Teil des globalen Private-Credit-Markts stellen, können sie als Indikator für den Gesamtzustand der Branche gesehen werden. Für Anleger bleibt entscheidend, auf Qualität und gute Manager zu setzen.

China: KI-Nachfrage treibt Gewinne der Tech-Industrie

In China erreichte die jährliche Erzeugerpreisinflation im September mit 5,0 Prozent ein mehr als vierjähriges Hoch. Haupttreiber waren höhere Energie- und Vorleistungskosten infolge des Golfkonflikts sowie die robuste, von globalen Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) getriebene Nachfrage. Dazu passt der erneut deutliche Anstieg chinesischer Exporte im September. Zum Anstieg um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat trugen Güter der KI-Wertschöpfungskette allein 14 Prozentpunkte bei. Der strukturelle KI-Nachfrageschub stärkt Preissetzungsmacht und Gewinnmargen profitierender Hersteller: In den ersten acht Monaten legten die Gewinne chinesischer Hochtechnologie- und Elektronikunternehmen um 55 beziehungsweise 110 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, verglichen mit knapp 16 Prozent in der Gesamtindustrie. Auch bei chinesischen Industriewerten lohnen daher weiterhin eine differenzierte Branchenauswahl und ein genauer Blick auf die Unternehmen.

Bekommt Frankreich seine Schulden in den Griff?

Frankreichs hohe Verschuldung beunruhigt viele Anleger und führt zu rekordhohen Risikoaufschlägen am Anleihemarkt. Stehen wir vor einer neuen Euro-Krise? Oder können Anleger jetzt von hohen Anleihezinsen profitieren? Außerdem: Was ist von der anlaufenden Berichtssaison in den USA und in Europa zu erwarten? Darüber spreche ich mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.

Zahl des Tages: 120

Der Nacktgesichtkotinga zählt zu der Familie der Schmuckvögel in der Unterordnung der Schreivögel, und damit ist schon einiges über ihn gesagt. Denn der Tropenbewohner aus dem Süden Brasiliens ist hübsch – und sehr laut. João Menezes und Jeff Podos von der University of Massachusetts Amherst maßen die Stimmamplitude (und damit die Lautstärke) von 123 Vogelarten in Amerika, die größte Studie ihrer Art. Der Nacktgesichtkotinga kam mit seinem Schrei auf mehr als 120 Dezibel und könnte damit mühelos einen Presslufthammer übertönen. Zusammen mit dem ähnlich lauten Rotfußseriema ist er möglicherweise sogar der lauteste Vogel der Welt. Genauer hinhören muss man dagegen bei einigen Kolibris: Sie rufen mit nur 64 Dezibel – also ungefähr in Gesprächslautstärke.

Machen Sie heute auf sich aufmerksam.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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