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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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18. August 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

für die MDAX-Unternehmen geht eine erfreuliche Berichtssaison zu Ende, der Währungsmarkt bleibt mit Blick auf das britische Herbstbudget bisher gelassen, und die Sperrung der Straße von Hormus beeinträchtigt auch das Heliumangebot.

MDAX-Gewinne überraschen positiv: Anzeichen einer Bodenbildung mehren sich

Für die MDAX-Unternehmen geht eine erfreuliche Berichtssaison zu Ende. Die Gewinne stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal um rund 27 Prozent und lagen etwa fünf Prozent über den Erwartungen. Industrie- und Chemiewerte zählten zu den Ergebnistreibern, während der Gewinneinbruch im Reise- und Freizeitsektor belastete. Die Berichtssaison dürfte zur Stabilisierung der Gewinnschätzungen beitragen. Nachdem Analysten ihre Erwartungen für 2026 in den vergangenen anderthalb Jahren kontinuierlich gesenkt hatten, mehren sich nun die Anzeichen einer Bodenbildung. Vor dem Hintergrund niedriger Bewertungen könnte dies dem MDAX Auftrieb verleihen. Deutsche Nebenwerte handeln bei einem erwarteten Zwölf-Monats-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,5 mit einem Bewertungsabschlag von mehr als 10 Prozent zu den DAX-Titeln, dem höchsten seit 2003.

Britischer Haushalt 2027: Märkte bleiben trotz Risiken gelassen

Am 28. Oktober stellt die britische Regierung ihren Haushaltsentwurf für das Fiskaljahr 2027 vor. Bis dahin dürften Spekulationen über Ausgaben, Steuererhöhungen und den finanziellen Spielraum zunehmen. Trotz möglicher Überraschungen des ersten Budgets unter Finanzminister John Healey und Premierminister Andy Burnham bleibt der Währungsmarkt gelassen: Händler erwarten beim Pfund Sterling gegenüber dem Euro – gemessen an der impliziten Volatilität am Optionsmarkt – so geringe Schwankungen rund um die Haushaltsvorlage wie seit 20 Jahren nicht.

Wechselkurs des Euro zum Pfund Sterling von 2021 bis 2026.

Sie vertrauen offenbar auf Burnhams angekündigte Haushaltskonsolidierung. Unerwartet hohe Steuererhöhungen, zusätzliche Ausgaben oder eine steigende Staatsverschuldung könnten das Pfund jedoch deutlich unter Druck setzen.

Heliummarkt unter Druck: Katar-Ausfälle verschärfen die Versorgungslage

Die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus beeinträchtigt nicht nur die Verfügbarkeit von Erdöl und Erdgas, sondern auch von Helium. Der Grund: Katar war vor der Eskalation der Nahost-Krise für rund ein Drittel der globalen Heliumproduktion verantwortlich. Der Heliummarkt zeichnet sich durch vergleichsweise geringe Lagerbestände und nur wenige strategische Reserven aus. Dadurch führen Produktionsausfälle relativ schnell zu Versorgungsengpässen. Zudem produzieren die USA – zweitwichtigster Anbieter – bereits nahe ihrer Kapazitätsgrenzen. Besonders betroffen davon sind die Pharma- und die Halbleiterindustrie als wichtige Nachfrager, wo Helium unter anderem für Kühlungsprozesse verwendet wird. Die Nachfrage gilt als relativ unelastisch, da Helium in vielen Anwendungen kurzfristig kaum substituierbar ist. Potenzielle Profiteure eines anhaltenden oder gar wachsenden Defizits dürften insbesondere Produzenten außerhalb Katars sowie Anbieter von Recyclingtechnologien sein.

Stock Picking gewinnt am US-Aktienmarkt an Bedeutung

Zwei Drittel der aktiven US-Aktienfonds übertrafen im Juli ihre Benchmarks. Im Juni waren es etwas mehr als die Hälfte, im langfristigen Monatsdurchschnitt etwas weniger als die Hälfte. Das Umfeld für eine gezielte Aktienauswahl hat sich verbessert: Die Renditeunterschiede zwischen einzelnen Titeln liegen auf einem Mehrjahreshoch. Zugleich übertrafen zuletzt rund die Hälfte der S&P-500-Mitglieder den Index über einen Ein-Monats-Zeitraum. Bei den Gewinnschätzungen überwogen zudem die Anhebungen gegenüber den Senkungen. Das aktuelle Umfeld spricht daher für aktive Fonds, die bewusst stärker vom Vergleichsindex abweichen und die zunehmenden Unterschiede zwischen einzelnen Aktien gezielt nutzen können.

Favoritenwechsel an der Börse: Was die Gewinner von morgen ausmacht

Künstliche Intelligenz, Abnehmspritzen, Rüstung oder Erneuerbare Energien: An der Börse wechseln die Favoriten regelmäßig. Manche Trends bleiben über Jahre gefragt, andere verlieren plötzlich an Dynamik. Doch lassen sich solche Favoritenwechsel frühzeitig erkennen? Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, spricht mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer darüber, worauf Anleger bei Zukunftstrends achten sollten.

Zahl des Tages: 100.000.000.000

Ein Team um Rohan Naidu von der Universität Hawaii hat auf Aufnahmen des James-Webb-Teleskops einen völlig neuartigen Himmelskörper gefunden. MoM-BH*-1 erscheint als extrem heller roter Fleck, entstand nur 660 Millionen Jahre nach dem Big Bang und besitzt wahrhaft kosmische Dimensionen. Das Objekt ähnelt zwar einem riesigen Stern, gibt jedoch 100 Milliarden Mal mehr Energie ab, als jeder bekannte Stern erzeugen kann. Computersimulationen zeigten, dass es sich bei MoM-BH*-1 tatsächlich nicht um einen Stern handelt, sondern um ein Schwarzes Loch, das wie ein Stern strahlt, weil es von dichten Gashüllen umgeben ist. Naidu und Kollegen haben ihre Entdeckung „Black Hole Star“ getauft und vermuten: Möglicherweise sind solche Objekte die Keimzelle der supermassereichen Schwarzen Löcher, die sich im Zentrum von Galaxien befinden. 

Ich wünsche Ihnen einen strahlenden Tag.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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