Die wichtigsten Fakten:

  • Wirtschaft wächst weltweit weiterhin synchron und dynamisch
  • Investitionen als Wachstumstreiber zunehmend wichtig
  • Inflationsentwicklung und geringes Produktivitätswachstum als Hauptrisiken

Anfang 2017 war von Euphorie unter den Wirtschaftsauguren weltweit wenig zu spüren: Nachdem in den Jahren zuvor tendenziell gesunkene Energiepreise zu Kaufkraftgewinnen bei den Verbrauchern und einem spürbaren Konsumplus geführt hatten, fragte man sich nun, welche neuen Impulse die Weltwirtschaft stimulieren könnten – zumal die Ölpreise zum Jahresende 2016 wieder angezogen waren. Zwar wurden für die USA bereits steigende Unternehmensinvestitionen und eine Beschleunigung der konjunkturellen Erholung erwartet. Die globalen Prognosen fielen jedoch zurückhaltend aus: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnete für 2017 mit einem Anziehen der Weltkonjunktur von moderaten 3,3 Prozent.

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Investitionen als zusätzlicher Treiber des weltweiten Wachstums

Dass sich die weltwirtschaftliche Stimmung und damit die Wachstumsprognosen im weiteren Jahresverlauf deutlich aufhellten, hing mit mehreren Faktoren zusammen: Zum einen manifestierten sich die politischen Risiken – etwa ein Siegeszug populistischer Strömungen in der Eurozone oder die angekündigte Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump – nicht in dem Maße wie befürchtet. Zum anderen fassten die Unternehmen auch außerhalb der USA mehr Vertrauen in die Stabilität der zyklischen Erholung – was sich an Mehrjahreshöchstständen bei den Stimmungsindikatoren und gestiegenen Investitionsausgaben ablesen ließ. Bereits im zweiten Quartal 2017 trugen Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen in etwa so viel zum Gesamtwachstum der OECD-Staaten bei wie der private Verbrauch und der Export zusammengenommen. Das beflügelte auch den Welthandel: Investitionen, die auf globalen Wertschöpfungsketten basieren, könnten 2017 den weltweiten Warenaustausch erstmals seit sechs Jahren wieder stärker wachsen lassen als die Weltwirtschaft.

Gute Stimmung spricht für anhaltende Konjunkturdynamik

Die Deutsche Bank geht davon aus, dass die dynamische Konjunkturentwicklung im Jahr 2018 Bestand haben und über alle Wirtschaftsregionen weiter synchron verlaufen wird. Zwar dürften die Schwellenländer nach wie vor die höheren Gesamtwachstumsraten erreichen, die Wachstumszuwächse sollten sich jedoch gleichermaßen auf Industrie- und Schwellenländer verteilen. Gestützt wird dieser positive Ausblick unter anderem von wichtigen Frühindikatoren wie den Einkaufsmanagerindizes. Diese liegen für die bedeutendsten globalen Wirtschaftsregionen derzeit allesamt deutlich über der 50- und teilweise sogar im Bereich der 60-Punkte-Marke, was klar für eine weitere wirtschaftliche Expansion im kommenden Jahr spricht. Insgesamt rechnet die Deutsche Bank nach einem erwarteten Plus von 3,7 Prozent im abgelaufenen Jahr mit einem Weltwirtschaftswachstum von 3,9 Prozent für das Jahr 2018.

Schnell anziehende Inflation als mögliches Risiko

Während der konjunkturelle Zyklus anhalten dürfte, scheint das langfristige Wachstumspotenzial insbesondere in den Industrieländern auf niedrigem Niveau zu stagnieren: Das Trendwachstum liegt derzeit in vielen Regionen deutlich unter dem aktuellen Wirtschaftswachstum. Grund dafür ist, neben demografischen Faktoren und mangelnden strukturellen Reformen, insbesondere das niedrige Produktivitätswachstum. Die damit verbundene Überauslastung der Kapazitäten könnte sich in den kommenden Monaten noch verstärken und zu einer weiteren Verengung auf den ohnehin angespannten Arbeitsmärkten zum Beispiel in Deutschland oder den Vereinigten Staaten führen. Höhere Lohnabschlüsse und ein weiteres Anziehen der durch höhere Rohstoffpreise bereits gestiegenen Inflation wären mögliche Folgen.

Für die Deutsche Bank sind ein schneller als erwarteter Anstieg der Inflation und ein daraus resultierender schnellerer Ausstieg der Notenbanken aus ihrer unorthodoxen Geldpolitik das Hauptrisikoszenario für die nähere Zukunft. In ihrem Basisszenario ziehen die Teuerungsraten jedoch nur moderat an und der Konjunkturzyklus läuft noch über das Jahr 2018 hinaus weiter.

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USA: Investitionen und Konsum im Gleichschritt

Die größte Volkswirtschaft der Welt wird aller Voraussicht nach auch 2018 einen wesentlichen Beitrag zum Wachstum der Weltwirtschaft leisten. Neben dem starken Binnenmarkt spielen dabei die Investitionen der US-Unternehmen eine wichtige Rolle: Während die privaten Ausrüstungsinvestitionen in den USA in den vergangenen Monaten real spürbar zulegten, nahmen die Investitionspläne sogar noch deutlicher zu. Auf eine Ausweitung der Investitionstätigkeit weisen auch die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe der Vereinigten Staaten hin, die seit Jahresmitte 2017 noch einmal deutlich nach oben gegangen sind.

Zusätzliche Dynamik könnte der Investitionszyklus durch die erwartete Umsetzung der von Präsident Trump vorangetriebenen Steuerreform bekommen. Nachdem der US-Senat bereits ein zusätzliches Budgetdefizit in Höhe von 1,5 Billionen US-Dollar über die kommenden zehn Jahre genehmigt hatte, stimmte er Anfang Dezember 2017 auch einem konkreten Reformvorschlag zu. Zwar steht eine Vereinheitlichung mit der vom Repräsentantenhaus verabschiedeten und in Teilen abweichenden Reformvariante noch aus. Sollte diese jedoch wie erwartet in absehbarer Zeit vollzogen und der Kompromiss implementiert werden, wäre es die umfangreichste Steuerreform in den USA seit 1986.

Wahrscheinlich ist, dass es zu einer steuerlichen Entlastung für Unternehmen kommt: Beide Reformversionen sehen eine Absenkung der Unternehmensteuer von 35 auf 20 Prozent vor. Das würde sich positiv auf die Gewinnerwartungen und voraussichtlich auch die Investitionstätigkeit der Unternehmen auswirken und hätte über Arbeitsmarkt- und Lohneffekte positive Folgen für das Verbrauchereinkommen und letztlich den US-Konsum.

Die Deutsche Bank erwartet einen zusätzlichen Wachstumseffekt durch die Steuerreform von 0,2 Prozentpunkten und damit ein Gesamtwachstum der US-Wirtschaft im Jahr 2018 von 2,6 Prozent im Vergleich zu 2017. Voraussetzung dafür ist, dass die Fed ihre vorsichtig betriebene Normalisierung der Geldpolitik nicht unvorhergesehen beschleunigt. Die Deutsche Bank hat jüngst ihre Erwartungen angepasst und rechnet nun mit vier Leitzinsschritten von jeweils 0,25 Prozentpunkten im Jahr 2018. Für ein aggressiveres Vorgehen der Fed gibt es derzeit kaum fundamentale Anhaltspunkte.

Starker Euro belastet Eurozone kaum

Auch in der Eurozone gilt es, 2018 die Geldpolitik im Blick zu behalten. Ähnlich wie in den USA scheinen die nächsten Notenbankschritte jedoch klar kommuniziert: Sollte die Inflation in der Währungsgemeinschaft nicht überschießen, dürfte das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) bis Jahresende 2018 sukzessive auslaufen. Mit ersten Leitzinsschritten ist nicht vor Mitte 2019 zu rechnen. Gegenwind seitens der EZB für die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der Eurozone erwartet die Deutsche Bank bei einer prognostizierten Kerninflationsrate von 1,2 Prozent für das Jahr 2018 nicht.

Vielmehr dürften die fundamentalen Wirtschaftsdaten die konjunkturelle Dynamik weiter stützen. So hat sich beispielsweise das Investitionsklima in der Eurozone zuletzt deutlich verbessert: Die Kapazitätsauslastung und die Exportnachfrage sind hoch und die Stimmung der Einkaufsmanager liegt für die Eurozone derzeit jenseits der 55-Punkte-Marke. Gleichzeitig hat die wirtschaftspolitische Unsicherheit – die ihren Höhepunkt zu Zeiten des Brexit-Votums Mitte 2016 erreicht hatte – spürbar abgenommen. Zwar bleibt die Gefahr eines ungeordneten Brexits unvermindert hoch, an den Kapitalmärkten reagiert man aktuell jedoch eher gelassen auf diese Möglichkeit.

Für den Export in der Eurozone könnte die relative Stärke des Euro zum US-Dollar im Vergleich zu den Mehrjahrestiefständen von Ende 2016 zwar eine gewisse Belastung darstellen. Allerdings überkompensiert das starke zyklische Wachstum den negativen Währungseffekt. Das ist insbesondere für die exportlastige deutsche Wirtschaft ein positives Signal. Im Umfeld eines robusten Arbeitsmarkts, allmählich anziehender Löhne und eines steigenden Unternehmer- und Verbrauchervertrauens rechnet die Deutsche Bank sowohl für Deutschland als auch für die Eurozone mit einem Wirtschaftswachstum von jeweils 2,3 Prozent für die Jahre 2017 und 2018.

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Gute Aussichten für Asiens Industrie- und Schwellenländer

Anders als die Unternehmen in der Eurozone dürfte die japanische Wirtschaft 2018 weiterhin von einer schwachen Währung profitieren: Durch den jüngsten Wahlsieg des seit 2012 amtierenden Premierministers Shinzo Abe scheint eine Fortführung der ultralockeren Geldpolitik der Bank of Japan wahrscheinlich. Ein schwacher Yen würde vor allen Dingen den japanischen Export stützen – was sich positiv auf den Arbeitsmarkt, die Löhne und letztlich den japanischen Binnenmarkt auswirken sollte. Die Konsumentenstimmung in Japan ist bereits gestiegen – wie auch die Bankkreditvergabe, die 2017 mit einem erwarteten Plus von rund 3 Prozent über dem Schnitt der vergangenen Jahre liegt.

In den beiden größten Schwellenländern der Welt – Indien und China – dürfte die wirtschaftliche Entwicklung 2018 maßgeblich durch die Reformpolitik der jeweiligen Regierungen beeinflusst bleiben. Während die indische Volkswirtschaft nach der Verunsicherung im Zuge der Bargeldreform und der Einführung einer landesweiten Mehrwertsteuer in den kommenden Monaten wieder schneller wachsen könnte, dürfte sich das Wachstum Chinas unter anderem aufgrund der bereits begonnenen Angebotsreform in der Schwerindustrie etwas verlangsamen. Die Deutsche Bank erachtet diese Entwicklung in China jedoch nicht als besorgniserregend, sondern als weiteren wichtigen Schritt hin zu einem nachhaltig stabilen Wirtschaftswachstum. Zumal die chinesische Wachstumsrate mit 6,3 Prozent nach wie vor hoch ausfallen dürfte.

Weltwirtschaft zeigt weiter Stärke

Die Weltwirtschaft hat sich 2017 deutlich stabilisiert und sollte diesen Trend 2018 bestätigen. Dafür sprechen derzeit fast alle fundamentalen Daten. Unsicherheiten bestehen hinsichtlich des schwachen Trendwachstums, der Inflationsentwicklung sowie politischer Entwicklungen. Insgesamt ist an den Kapitalmärkten mit größeren Schwankungen als im ruhigen Investmentjahr 2017 zu rechnen. Anleger sollten ihren Blick daher auch auf die Geldpolitik richten und ein aktives Management des Portfolios verfolgen. Bei entsprechender Risikobereitschaft könnten im Aktienbereich konjunktursensible Sektoren im Fokus stehen.

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Redaktionsschluss: 12.12.2017

Anpassung der Prognose zum Wachstum der Weltwirtschaft am 31.01.2018 von 3,8% auf 3,9%

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