Die wichtigsten Fakten:

  • Die Geldpolitik der US-Notenbank Fed dürfte den jüngsten Renditeanstieg begrenzen.
  • Bundesanleihen mit 10 Jahren Laufzeit rentieren wieder über ihrem historischen Tief.
  • Erst nachhaltig gute Wirtschaftsdaten könnten einen kräftigen Renditeanstieg auslösen.

Zinsanleger haben es aktuell schwer: Rund ein Drittel der weltweit begebenen Anleihen rentiert unter Null. Und die Nachfrage nach den verbliebenen positiv rentierenden Bonds drückt auch deren Renditen. In den USA fiel die laufende Verzinsung 10-jähriger US-Staatsanleihen im Jahresverlauf vorübergehend um bis zu 120 Basispunkte und notierte Ende August bei unter 1,5 Prozent, der niedrigste Stand seit 3 Jahren. Zum Vergleich: In den vergangenen 119 Jahren lag die Rendite inflationsbereinigt durchschnittlich bei 1,9 Prozent.

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Hohe Unsicherheit

In den USA signalisieren die fundamentalen Konjunkturdaten zwar weiterhin eine robuste Wirtschaft, deren Wachstum sich nach Einschätzung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) kurzfristig sogar beschleunigen könnte. Gleichzeitig drückt die Unsicherheit in Bezug auf den Handelsstreit mit China die US-Renditen. Ein von der Fed herausgegebene Index, der diese Unsicherheit misst, markierte Ende August ein Allzeithoch.

Die Deutsche Bank erwartet auch deshalb drei weitere US-Leitzinssenkungen bis inklusive Januar 2020. Dies könnte der US-Wirtschaft zusätzliche Wachstumsimpulse geben und zusammen mit der Aussicht auf einen Waffenstillstand im Handelsstreit die US-Anleiherenditen auf einem etwas höheren Niveau als aktuell stabilisieren.

Gegen einen signifikanten Renditeanstieg der sogenannten Treasuries sprechen aber zwei Faktoren, die Fed-Präsident Jerome Powell im Anschluss an die Notenbanksitzung im September erwähnt hat. Demnach befeuern das schwache Wachstum und die niedrigen Zinsen im Rest der Welt die Nachfrage nach US-Staatsanleihen. Außerdem schloss Powell eine dauerhafte Ausweitung der Fed-Bilanz nicht aus, um Liquiditätsengpässe im US-Finanzsystem zu vermeiden, wie sie im September aufgetreten sind. Dies würde bedeuten, dass die US-Notenbank Anleihen, die in ihrem Besitz sind, nach Laufzeitende mindestens in gleichem Volumen ersetzen würde.

Der Unternehmenssektor meldete zuletzt eine weitere Eintrübung der Stimmung bei den Einkaufsmanagern. Allerdings hat sich der Rückgang dieses wichtigen Konjunkturindikators abgeschwächt ­– was sich typischerweise direkt auf die Anleiheentwicklung auswirkt. Die Deutsche Bank erwartet, dass sich das Renditeniveau an den Rentenmärkten in der aktuellen Gemengelage stabilisiert. Gleichzeitig könnten überraschend positive makroökonomische Daten, die dem Konjunkturpessimismus entgegenlaufen, zu einem deutlichen Renditeanstieg in einzelnen Ländern führen.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 24.09.2019. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Stabile Renditen

In Europa erscheint ein deutlich höheres Zinsniveau vorerst in weite Ferne gerückt. Die volkswirtschaftlichen Daten enttäuschen nach wie vor – das gilt gerade auch für Deutschland. So markierten im August Bundesanleihen mit 10 Jahren Laufzeit mit einer Rendite unterhalb von -0,7 Prozent sogar einen historischen Tiefststand. Seit Anfang September konnten sich die Renditen zwar auf rund -0,6 Prozent erholen.
Die Deutsche Bank bewertet den leichten Anstieg aber nur als Marktkorrektur und nicht als Trendwende: Sowohl in Europa als auch in den USA bewegt sich das Renditeniveau unter dem Durchschnitt der vergangenen 200 Tage.



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Redaktionsschluss: 04.10.2019