Die wichtigsten Fakten:

  • Europäische Aktien im Jahr 2017 mit positiver Entwicklung
  • Jüngste Berichtssaison bestätigt Kursanstiege
  • Geldpolitik der EZB sowie politische Risiken im Auge zu behalten

Die meisten Aktionäre dürften am ersten Halbjahr 2017 ihre Freude gehabt haben – denn an vielen wichtigen Börsen weltweit zeigten die Kursverläufe tendenziell nach oben. Das galt auch für eine Region, die zu Beginn des Jahres nur die wenigsten Investoren auf dem Einkaufszettel hatten: die Eurozone. Zwischenzeitlich war die Stimmung an den Aktienmärkten hier so gut, dass einige Marktteilnehmer sogar von Euphorie sprachen. Etwa im Hinblick auf den deutschen Leitindex DAX, der von Rekordstand zu Rekordstand kletterte, bis er am 20. Juni zum ersten Mal in seiner Geschichte fast die Marke von 13.000 Punkten knackte.

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Zuletzt hatte sich der Wind an den Aktienmärkten in der Eurozone jedoch wieder gedreht und die Kurse gaben ein Stück weit nach. Viele Anleger fragen sich daher, wie es an den Börsen in der Alten Welt weitergehen könnte: Markieren die jüngsten Kursverluste eine Trendwende oder können die Aktienmärkte neues Kurspotenzial bieten? Die Deutsche Bank geht aktuell davon aus, dass es sich bei den zuletzt gesehenen Kursrücksetzern lediglich um eine temporäre Entwicklung handelt, denn die Voraussetzungen für wieder steigende Notierungen scheinen durchaus gegeben.

Eurozone scheint wirtschaftlich wieder in der Wachstumsspur

Ein Grund für diese Einschätzung liegt in der globalen Wirtschaftsentwicklung: Sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern stehen die Zeichen auf Wachstum. Damit einher geht eine weltweit hohe Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, von der die exportorientierten Unternehmen in der Eurozone profitieren können. Das betrifft – trotz des Gegenwinds durch einen vergleichsweise starken Euro – sowohl den Handel mit Ländern außerhalb der Währungsunion als auch den innereuropäischen Warenverkehr, der zuletzt ebenfalls zugelegt hat.

Entsprechend positiv ist nach wie vor die Stimmung in der Region: So haben die Einkaufsmanagerindizes der Eurozone zuletzt zwar leicht nachgegeben, lagen im August mit 57,4 für die Industrie und 54,9 für den Dienstleistungssektor aber nach wie vor im Bereich über 50 Punkten – was auf eine weiter anziehende wirtschaftliche Dynamik hindeutet.

Deutsche Bank sieht Eurozone im Aufwind: Gute Konjunkturentwicklung schlägt auf Aktienmärkte durch.

Unternehmen berichten positive Zahlen

Dass die gute Stimmung sich auch in den Bilanzen der Unternehmen widerspiegelt, zeigt die jüngste Berichtssaison zum abgelaufenen Quartal. So konnten die Konzerne im Euro Stoxx ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 10 Prozent steigern. Damit stiegen die Gewinne bereits im dritten Quartal in Folge im zweistelligen Prozentbereich. Daneben überraschte insbesondere die Umsatzentwicklung: Die Umsätze legten um 6 Prozent zu. Das deutet darauf hin, dass zusätzliche Gewinne nicht nur über die Ausweitung der Margen realisiert werden konnten, sondern auch ein spürbar gestiegener Warenumschlag zur guten Ertragslage der Unternehmen beitrug. Besonders positiv ist zudem zu werten, dass sich die Gewinn- und Umsatzsteigerungen durch nahezu alle Branchen ziehen.

Die aktuell gute Lage der europäischen Unternehmen könnte dabei mehr als nur eine Momentaufnahme darstellen. Dafür spricht beispielsweise die zuletzt angezogene Investitionstätigkeit: Die Investitionen in langfristige Anlagegüter wie Maschinen oder Gebäude lagen zuletzt saisonbereinigt rund 4 Prozent über dem Vorjahreszeitraum – und damit im 15. Quartal in Folge im positiven Bereich.

Dieses positive ökonomische Umfeld schlägt sich zunehmend auch in den „harten“ Wirtschaftsdaten nieder: So wuchs die Wirtschaft in der Eurozone im zweiten Quartal des Jahres um ordentliche 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal – und auch für das erste Quartal wurde das Wachstum zuletzt nach oben korrigiert.

Gewinnerwartungen könnten für weiteres Kurspotenzial sprechen

Anziehendes Wirtschaftswachstum, steigende Unternehmensgewinne und mehr Investitionen: In diesem Umfeld entwickelten sich die Aktienkurse in Europa – trotz der jüngsten Rücksetzer – in diesem Jahr bislang insgesamt positiv. So konnte der Euro Stoxx von Jahresbeginn 2017 bis zum 30. August um rund 8,4 Prozent zulegen. Und sowohl die durchschnittlichen Gewinnerwartungen der Analysten als auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) lassen weiteres Kurspotenzial erwarten: Für den Euro Stoxx wird derzeit mit einem Plus bei den Unternehmensgewinnen von durchschnittlich 12 Prozent für das Gesamtjahr 2017 gerechnet.

Potenzielle Risikofaktoren im Auge behalten

Selbstverständlich ist aber auch der europäische Aktienmarkt kein Selbstläufer. Im Auge behalten sollten potenzielle Europaanleger beispielsweise die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Schließlich deutete der oberste Währungshüter der Eurozone Mario Draghi bereits Ende Juli auf der EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra eine „Normalisierung der Geldpolitik“ an. Diese Worte hallen nach.

Die Deutsche Bank rechnet auf absehbare Zeit zwar nicht mit einem signifikanten Gegenwind seitens der EZB – etwa in Form deutlich steigender Zinsen und damit Finanzierungskosten für Unternehmen. Denn nicht zuletzt angesichts der immer noch vergleichsweise niedrigen Inflation – diese lag im Juli bei lediglich 1,3 Prozent – dürfte sich die EZB nur sehr graduell und umsichtig von der expansiven Geldpolitik verabschieden. Dennoch sollten potenzielle Europaanleger die Geldpolitik der EZB im Blick behalten.

Auch vonseiten der Politik könnten weiterhin Unsicherheiten für die Kapitalmärkte ausgehen. Zu beachten gilt es für Anleger dabei zum Beispiel die laufenden Brexit-Verhandlungen und insbesondere die Neuwahlen in Italien im Frühjahr 2018. Denn südlich der Alpen ist die „Fünf-Sterne-Bewegung“, eine europafeindliche Partei, bei den Umfragen aktuell stets vorne mit dabei. Nach den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden könnte also auch der Urnengang in Italien – immerhin die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone – wegweisend für die weitere Entwicklung der Eurozone werden. Die Bundestagswahl in Deutschland am 24. September hingegen dürfte kaum für Unsicherheiten an den Kapitalmärkten sorgen.

Europa weiterhin eine interessante Anlageregion

Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnte die Eurozone für entsprechend risikobereite Aktienanleger derzeit eine interessante Anlageregion darstellen. Dabei kann es ratsam sein, ein mögliches Investment breit über verschiedene Branchen und Länder innerhalb der Währungsunion zu streuen. Denn unvorhergesehene regionale Ereignisse wie die jüngsten Kartellvorwürfe gegen große deutsche Autobauer könnten auf dieser Ebene immer wieder für Unsicherheit sorgen. Insgesamt dürften die Unternehmen im Euroraum in den kommenden Monaten aber weiterhin vom zyklischen Aufschwung profitieren – und damit auch ihre Aktienkurse.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 01.09.2017