Die wichtigsten Fakten:

  • Das Rennen um die Präsidentschaft in Frankreich ist völlig offen
  • Europäische Aktienmärkte zeigen erhöhte Schwankungsrisiken
  • Kursrücksetzer als mögliche Einstiegssignale?

Die am Sonntag beginnende Präsidentenwahl in Frankreich hält Europa in Atem: Selten zuvor war das Rennen um das höchste Staatsamt der Grande Nation so umkämpft und so ausgeglichen wie in diesem Jahr. Nachdem die Meinungsforscher vor wenigen Wochen noch von einem Duell zwischen Marine Le Pen vom rechtsnationalen Front National und dem parteilosen, als gemäßigt geltenden Emmanuel Macron ausgingen, ist aus dem Zweikampf mittlerweile ein Vierkampf geworden. Denn neben dem Republikaner François Fillon werden plötzlich auch dem Sozialisten Jean-Luc Mélenchon Chancen auf den Sieg eingeräumt. Aktuelle Umfragen für den ersten Wahlgang sehen die vier Kandidaten dicht beieinander: Macron (23 Prozent) vor Le Pen (22 Prozent), Fillon (20 Prozent) und Mélenchon (19 Prozent). Nur zwei der vier Kandidaten werden den Sprung in die Stichwahl am 7. Mai schaffen. Wer das sein wird, dürfte bis zum Wahlsonntag offen bleiben.

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Erhöhte Schwankungsbreite an den Kapitalmärkten

An den Kapitalmärkten sorgt das enge Rennen für spürbare Bewegung. So reagierten die Marktteilnehmer an den Aktienmärkten zunehmend verunsichert. Nach Angaben des Finanzdienstleisters Bloomberg legte beispielsweise die Schwankungsintensität im Euro Stoxx 50 deutlich zu. Anleger müssen sich also auf größere Kursschwankungen einstellen: Allein in den Tagen vom 7. bis zum 19. April gab der Euro Stoxx 50 rund 2,5 Prozent nach.

Frankreich, nur eine von mehreren Herausforderungen in Europa

Der französische Wahlkampf ist ein Musterbeispiel dafür, dass es in der europäischen Politik derzeit kaum Konstanten gibt. Selbst eine Stichwahl zwischen der Rechtsaußen-Kandidatin Le Pen und dem Linksaußen-Kandidaten Mélenchon scheint möglich – ein Szenario, das noch vor ein paar Wochen als völlig undenkbar galt. Damit wird Frankreich – auch wenn das Basisszenario der Deutschen Bank nach wie vor von einem Sieg Emmanuel Macrons ausgeht – zum Wackelkandidaten in der Eurozone. In dieser Position befinden sich seit Längerem bereits andere wirtschaftliche Schwergewichte, etwa Italien mit seinen einflussreichen Anti-EU-Strömungen oder Spanien, das nach wie vor nur über eine Minderheitsregierung verfügt.

Der Ausgang der Frankreichwahl bleibt offen – Kapitalmärkte reagieren mit erhöhter Schwankungsbreite.

Anleger müssen sich weiter auf hohe Schwankungen einstellen

An den europäischen Kapitalmärkten sollten Anleger daher auch in den kommenden Monaten weiter mit einer erhöhten Schwankungsintensität rechnen. Kurzfristige Kursschwankungen dürften immer wieder auftreten, sollten Anleger allerdings nicht zu überstürzten Handlungen verleiten. Das Basisszenario der Deutschen Bank sieht für den europäischen Aktienmarkt in den kommenden Monaten insgesamt weiteres Aufwärtspotenzial. Etwaige Kursrücksetzer könnten für entsprechend risikobereite Anleger daher möglicherweise auch als Einstiegssignale gedeutet werden.



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Redaktionsschluss: 20.04.2017