Die wichtigsten Fakten:

  • US-Finanzsektor profitiert von intaktem wirtschaftlichen Umfeld
  • Jüngste Kursrücksetzer dürften temporärer Natur sein
  • Deutsche Bank erwartet mittelfristig weiteres Kurspotenzial

Kaum ein anderer Sektor am US-Aktienmarkt ist in den Jahren nach der Finanzkrise so unter die Räder gekommen wie die Finanzbranche. Das lag zum einen am allgemeinen wirtschaftlichen Abschwung in den Vereinigten Staaten – und zum anderen daran, dass die US-Aufsichtsbehörden die Branche zunehmend regulierten und Finanzinstitute zwangen, faule Kredite rasch abzuschreiben. Für viele Institute bedeutete dies das Aus. Alle anderen mussten ihre Geschäftsmodelle zum Teil neu ausrichten.

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US-Banken profitieren von verbessertem Geschäftsumfeld

Seit einiger Zeit liefern US-amerikanische Bankhäuser allerdings wieder vermehrt positive Nachrichten: Ihre Gewinne legten zuletzt kräftig zu und mit diesen auch ihre Aktienkurse. Es schien, als hätten die Finanzinstitute die Herausforderungen der erzwungenen Neuausrichtung überwunden – zumal der Sektor von politischer Seite weitere Unterstützung erhielt: Neben Donald Trumps Deregulierungsplänen, die bereits im Wahlkampf und verstärkt nach seiner Wahl zum US-Präsidenten die Aktienkurse der Finanzhäuser stützten, war es insbesondere das steigende Niveau der US-Kapitalmarktzinsen, welches das Geschäftsumfeld für Banken verbesserte. Denn Banken erzielen einen wesentlichen Teil ihrer Gewinne, indem sie Kapital kurzfristig zu vergleichsweise niedrigen Zinsen aufnehmen und es langfristig zu höheren Zinsen verleihen. Steigt das Zinsniveau insgesamt an, vergrößert sich meist auch der Abstand zwischen kurz- und langfristigen Zinsen, was zu einer Margenausweitung bei den Finanzinstituten führt.

Aktienkurse mit deutlichem Aufwärtstrend

Grundlage für den Zinsanstieg war in erster Linie die gute wirtschaftliche Entwicklung in den USA und der daraufhin von der US-Notenbank Fed eingeleitete Zinserhöhungszyklus. In dessen Folge zogen Anfang Juli 2016 auch die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen und die Aktienkurse der Finanztitel spürbar an: Seitdem hat der Finanzsektor im Leitindex S&P 500 rund 30 Prozent zugelegt – während der Gesamtindex „nur“ knapp 19 Prozent dazugewann.

Schwächephase eher kurzfristiger Natur

In den vergangenen Monaten setzte unter den Marktteilnehmern jedoch zunehmend Ernüchterung hinsichtlich der Umsetzungswahrscheinlichkeit von Trumps Steuer- und Investitionsplänen ein. Diese führte zu einer Korrektur der Markterwartungen, sowohl hinsichtlich der Entwicklung der Kapitalmarktzinsen als auch des US-Wirtschaftswachstums. So rechnet beispielsweise die Deutsche Bank für das laufende Jahr mittlerweile statt mit 3,4 Prozent Wachstum nur noch mit einem Konjunkturplus von 2,4 Prozent. Die Zinsprognose für das Jahresende 2017 wurde von 3,1 auf 2,75 Prozent gesenkt. Im Zuge dessen gaben die Aktienkurse von US-Finanztiteln seit Anfang März bis zum 7. Juni um 7 Prozent nach.

Deutsche Bank ist optimistisch für Finanzsektor

Die Deutsche Bank geht davon aus, dass der Gegenwind für US-Finanztitel damit bereits weitestgehend in den Kursen berücksichtigt ist. Weiter fallende Kurse dürften nur dann zu beobachten sein, wenn die Wachstumsaussichten für die US-Wirtschaft erneut enttäuschen sollten. Mit einem solchen Szenario rechnet die Deutsche Bank derzeit jedoch nicht. Im Gegenteil: Nach der Korrektur der Wachstumsprognose scheinen nunmehr die Aufwärtsrisiken für die US-Konjunktur zu überwiegen, was für die Kursentwicklung von US-Finanztiteln insgesamt optimistisch stimmt.

Trotz aktueller Schwächephase: Deutsche Bank sieht für US-Bankaktien wieder Kurspotenzial.

Unternehmensdaten bekräftigen positive Einschätzung

Bekräftigt wird diese Einschätzung durch fundamentale Unternehmensdaten: Die Erwartungen der Analysten hinsichtlich des Gewinnwachstums für die kommenden 12 Monate im Finanzsektor liegen mit 12,2 Prozent auf hohem Niveau – während das moderate Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 auch von der Bewertungsseite weiteres Kurspotenzial erwarten lässt. Für entsprechend risikobereite Anleger könnten Aktien aus dem US-Finanzsektor damit weiter eine interessante Investmentmöglichkeit darstellen.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 09.06.2017