Die wichtigsten Fakten:

  • Goldpreis zuletzt spürbar gesunken
  • Geringere Nachfrage aus Asien ist maßgeblicher Grund
  • Preiserholung auf absehbare Zeit unwahrscheinlich

Durch die globalen Handelsstreitigkeiten, Unklarheiten in den Brexit-Verhandlungen und Risiken in den Budgetdiskussionen Italiens mit der EU ist das Klima an den internationalen Kapitalmärkten zuletzt rauer geworden. Wer jedoch gedacht hatte, die zunehmenden Unsicherheiten würden den Goldpreis zu einem Comeback verhelfen, sah sich getäuscht. Vielmehr gab der Preis für das Edelmetall in US-Dollar gerechnet seit Jahresbeginn um rund 6,5 Prozent nach und liegt derzeit auf einem Jahrestief von rund 1.218 US-Dollar pro Feinunze. Nach Einschätzung der Deutschen Bank dürften die Notierungen unter Druck bleiben. Doch woran liegt es, dass die Krisenwährung aktuell nicht vom global herausfordernden Kapitalmarktumfeld profitieren kann?

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Investoren bevorzugen andere „sichere Häfen“

Ein Grund für die jüngste Preisentwicklung dürfte sein, dass Investoren zuletzt nicht auf die klassische Krisenwährung Gold setzten, sondern andere als sicher geltende Anlagen bevorzugten. Aufgrund ihrer im internationalen Vergleich hohen Verzinsung standen US-Staatsanleihen dabei im Fokus: Entsprechende Investmentprodukte (zum Beispiel Fonds) verzeichneten seit Jahresbeginn 2018 starke Kapitalzuflüsse – gemessen an ihren gesamten Vermögenswerten war seit Jahresbeginn ein Plus von rund 17 Prozent zu beobachten. Dagegen entwickelte sich die globale Goldnachfrage rückläufig. Insbesondere die Verbrauchernachfrage nach Schmuck, die mit Abstand das Gros der jährlichen Gesamtnachfrage ausmacht, stagnierte. Im wichtigen Nachfrageland Indien sanken die Käufe von Gold sogar deutlich.

Schwächere Schwellenländerwährungen belasten Nachfrage

Eine maßgebliche Rolle für die geringere Goldnachfrage dürfte die jüngste Schwäche vieler Schwellenländerwährungen im Vergleich zum US-Dollar gespielt haben. Denn während die Kapitalzuflüsse in den US-Dollar-Raum die US-Währung stützten, gerieten zahlreiche Schwellenländerwährungen im Umkehrschluss unter Druck. Darunter waren auch die Währungen Indien und Chinas – also der beiden Länder, die zusammen für rund 40 Prozent der jährlichen globalen Goldnachfrage stehen: Die indische Rupie wertete im Vergleich zum US-Dollar seit Jahresbeginn rund 7 Prozent ab, während der Renminbi knapp 5 Prozent nachgab. Das führte dazu, dass sich das in US-Dollar gehandelte Gold in den jeweiligen Landeswährungen gerechnet verteuerte. Wie deutlich eine schwächere Währung die Nachfrage aus diesen beiden Ländern und damit den Goldpreis belasten kann, zeigte sich besonders eindrücklich im Juni 2018: Während der Renminbi gegenüber dem US-Dollar so stark abwertete wie in keinem anderem Monat seit 1994 – dem Jahr, in dem die chinesische Währung an den internationalen Märkten handelbar wurde –, sank der Goldpreis um rund 70 US-Dollar je Feinunze – und konnte sich seither nicht wieder erholen.

Goldpreis zuletzt gesunken – Erholung nach Einschätzung der Deutschen Bank nicht in Sicht.

US-Zinsen dürften weiter steigen

Einen Anstieg des Goldpreises hält die Deutsche Bank auf absehbare Zeit für unwahrscheinlich, vor allem, weil das Zinsniveau in den USA weiter anziehen dürfte: Die Deutsche Bank rechnet zum Ende des Jahres mit einer Verzinsung von 3,5 Prozent bei 10-jährigen Staatsanleihen – also einem Plus von gut 0,5 Prozentpunkten ausgehend vom aktuellen Niveau. Damit würde ein Investment in Gold im Vergleich zu Anleihen weniger interessant werden, da das Edelmetall keine Zinsen abwirft. In den vergangenen fünf Jahren war die Korrelation zwischen der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen und dem Goldpreis daher fast immer negativ. Das heißt: Stiegen die Zinsen, sank der Goldpreis – und umgekehrt.

Kaum Preispotenzial bei Gold

Mit Blick auf die globalen geo- und wirtschaftspolitischen Unsicherheiten sind in den kommenden Monaten unterschiedliche Szenarien denkbar, von denen jedoch keines den Goldpreis nachhaltig stützen dürfte. Denn bleiben die politischen Herausforderungen bestehen – was den Goldpreis eigentlich stützen sollte –, dürften auch die Währungen in wichtigen Nachfrageländern unter Druck bleiben und die Nachfrage belasten. Eine politische Entspannung hingegen könnte zwar zu einer Stabilisierung der Währungen in den großen Nachfrageländern und einer Belebung der dortigen Goldnachfrage führen, allerdings auch zu weiter steigenden US-Zinsen. Darüber hinaus dürfte das Interesse an dem von vielen Marktteilnehmern als Krisenwährung betrachteten Edelmetall aufgrund des nach wie vor positiven Konjunkturumfeldes nicht maßgeblich steigen – es könnte sich zwar eine leicht nachlassende Wachstumsdynamik durchsetzen, eine baldige Rezession scheint derzeit jedoch unwahrscheinlich. Insgesamt rechnet die Deutsche Bank daher mit weiterhin leicht sinkenden Notierungen: Die Preisprognose für Gold zum Jahresende 2018 liegt bei 1.210 US-Dollar. Damit würde sich der eher seitwärts gerichtete Preistrend der vergangenen fünf Jahre fortsetzen, in denen sich Gold unter Schwankungen von 1.333 US-Dollar auf aktuell 1.218 US-Dollar je Feinunze verbilligt hat. Für entsprechend risikobereite Anleger dürfte es aktuell daher interessantere Investmentmöglichkeiten geben.



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Redaktionsschluss: 26.07.2018